Der Toskanische Palast (Toskánský palác) steht an der Westseite des Hradschiner Platzes (Hradčanské náměstí) direkt gegenüber der Prager Burg. Mit seiner langen, streng gegliederten Fassade gehört er zu den auffälligsten Adelspalästen rund um den Platz. Der frühbarocke Bau entstand an der Stelle mehrerer älterer Bürgerhäuser, die 1685 von Graf Michael Oswald von Thun-Hohenstein erworben wurden. Nach Plänen des französischen Architekten Jean-Baptiste Mathey begann 1689 der Bau eines repräsentativen Stadtpalastes, dessen Ausführung der Baumeister Jacopo Antonio Canevale übernahm.
Mathey entwarf eine monumentale Anlage mit vier Flügeln, drei Geschossen und einem rechteckigen Innenhof. Die Architektur orientiert sich am klassischen römischen Barock und wirkt trotz ihrer reichen Ausstattung ausgesprochen symmetrisch. Besonders markant sind die beiden erhöhten Pavillons, die großen Portale sowie die Wappen der Herzöge der Toskana über den Eingängen. Auf der Dachbalustrade stehen allegorische Figuren der sieben freien Künste, die dem Bildhauer Johann Brokoff zugeschrieben werden. An einer Ecke des Palastes befindet sich außerdem eine Figur des Erzengels Michael, des Namenspatrons des ursprünglichen Bauherrn.
Graf Thun-Hohenstein erlebte die vollständige Fertigstellung seines Palastes nicht mehr. Seine Tochter verkaufte das Gebäude 1718 an Anna Maria Franziska, Großherzogin der Toskana. Unter ihrer Leitung wurden der Bau und die Innenräume vollendet. Von ihr erhielt das Gebäude seinen heutigen Namen. Die gekrönten Wappen der toskanischen Herzöge an der Hauptfassade erinnern ebenfalls an diese Epoche. Später wechselte der Palast mehrfach den Besitzer und gehörte zeitweise den bayerischen Herzögen sowie verschiedenen Mitgliedern des Hauses Habsburg.
Nach der Gründung der Tschechoslowakei im Jahr 1918 wurde der Toskanische Palast zum ersten Sitz des neu geschaffenen Außenministeriums. Nachdem ein großer Teil der Behörde später in den nahe gelegenen Černín-Palast (Černínský palác) umzog, blieb das Gebäude weiterhin in staatlicher Nutzung. Zwischen 1994 und 1998 wurde der Palast umfassend restauriert. Dabei wurden barocke Bauteile erhalten und teilweise Wandmalereien aus dem 17. Jahrhundert freigelegt. Heute nutzt vor allem die Rechts- und Konsularabteilung des tschechischen Außenministeriums das Gebäude.
Der Palast ist deshalb keine regulär geöffnete Sehenswürdigkeit. Teile des Erdgeschosses werden gelegentlich für Ausstellungen, gesellschaftliche Veranstaltungen oder besondere Führungen zugänglich gemacht. Von außen lässt sich die repräsentative Fassade jedoch jederzeit vom Hradschiner Platz aus betrachten. Besonders gut ist der Blick von der Grünfläche in der Mitte des Platzes oder vom Bereich vor dem Haupteingang der Prager Burg.