Lobkowitz-Garten (Lobkovická zahrada)

Der Lobkowitz-Garten (Lobkovická zahrada) ist ein historischer Garten auf der Kleinseite, der sich am Hang des Petřín oberhalb des Lobkowitz-Palais erstreckt. Mit seinen alten Bäumen, Grünflächen und seiner besonderen Lage gehört er zu den weniger bekannten Gartenanlagen im historischen Zentrum Prags. Anders als die großen öffentlichen Parks der Stadt ist der Lobkowitz-Garten allerdings nicht frei zugänglich. Das Gelände gehört zum Lobkowitz-Palais, in dem sich heute die Deutsche Botschaft in Prag befindet. Für Besucher ist der Garten deshalb vor allem wegen seiner Geschichte und seiner Verbindung mit einem der wichtigsten Ereignisse des Jahres 1989 interessant.


Historischer Garten am Hang des Petřín

Der Lobkowitz-Garten liegt zwischen dem Petřín-Hang und dem barocken Lobkowitz-Palais im südlichen Bereich der Kleinseite. Das Gelände steigt hinter dem Palais deutlich an und bildet eine grüne Verbindung zum Petřín.

Seine heutige Gestalt entwickelte sich über mehrere Jahrhunderte. Der Garten gehörte zum repräsentativen Palaiskomplex und war damit Teil eines der bedeutenden Adelssitze auf der Prager Kleinseite.

Noch heute prägen alter Baumbestand, große Grünflächen und die Hanglage das Gelände. Durch seine abgeschirmte Lage unterscheidet sich der Garten deutlich von den öffentlich zugänglichen Grünanlagen in der unmittelbaren Umgebung.

Das Lobkowitz-Palais und die Deutsche Botschaft

Am unteren Ende des Gartens steht das Lobkowitz-Palais (Lobkovický palác). Der barocke Palast entstand im 17. Jahrhundert und gelangte später in den Besitz der Familie Lobkowitz.

Seit 1974 befindet sich hier die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland. Damit ist das Gebäude nicht nur architektonisch interessant, sondern besitzt auch eine besondere Bedeutung für die jüngere deutsche und tschechische Geschichte.

Wichtig ist die Unterscheidung zum gleichnamigen Lobkowitz-Palais auf dem Gelände der Prager Burg. Dabei handelt es sich um ein anderes Gebäude.

Schauplatz der Ereignisse von 1989

Berühmt wurde das Gelände der Botschaft im Jahr 1989. Tausende DDR-Bürger kamen damals nach Prag und suchten Zuflucht auf dem Gelände der westdeutschen Botschaft. Zeitweise hielten sich mehrere Tausend Menschen im Palais und insbesondere im angrenzenden Garten auf.

Am 30. September 1989 verkündete der damalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher vom Balkon des Palais, dass die Ausreise der Flüchtlinge in die Bundesrepublik möglich geworden war. Sein Satz „Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise …“ wurde zu einem der bekanntesten Momente der deutschen Geschichte unmittelbar vor dem Fall der Berliner Mauer.

Der Lobkowitz-Garten wurde dadurch vom ehemaligen Adelssitz zu einem bedeutenden Schauplatz der europäischen Zeitgeschichte.

Der Trabant im Garten

An die Ereignisse erinnert heute eine ungewöhnliche Skulptur im Botschaftsgarten: „Quo Vadis“ des tschechischen Künstlers David Černý zeigt einen Trabant auf vier menschlichen Beinen.

Der Trabant steht symbolisch für die DDR-Flüchtlinge, die 1989 ihre Fahrzeuge in Prag zurückließen und über die Botschaft ihre Ausreise in den Westen erreichten.

Das Kunstwerk gehört zu den bekanntesten Arbeiten Černýs und verbindet auf typisch ungewöhnliche Weise Prager Kunst mit deutscher Zeitgeschichte.

Kannst du den Lobkowitz-Garten besuchen?

Der entscheidende Unterschied zu vielen anderen historischen Gärten Prags ist der Zugang: Der Lobkowitz-Garten ist kein regulär geöffneter öffentlicher Park.

Da sich hier die Deutsche Botschaft befindet, gehört das Gelände zum Botschaftsareal und kann normalerweise nicht frei betreten werden. Zu besonderen Anlässen und Veranstaltungen kann es jedoch Möglichkeiten geben, Teile des Areals zu besuchen.

Wenn du gezielt wegen des Gartens oder des Kunstwerks „Quo Vadis“ kommst, solltest du deshalb vorher prüfen, ob aktuell ein öffentlicher Zugang angeboten wird.

Lohnt sich der Lobkowitz-Garten?

Als klassisches Ausflugsziel eignet sich der Lobkowitz-Garten aufgrund des eingeschränkten Zugangs nur bedingt. Historisch gehört er jedoch zu den interessantesten Gärten der Prager Kleinseite.

Besonders spannend ist der Ort für Besucher, die sich für die Geschichte der DDR, die politischen Umbrüche von 1989 oder die deutsch-tschechische Geschichte interessieren.

Auch ohne Zugang zum Garten lässt sich ein Spaziergang durch die Umgebung hervorragend mit weiteren Sehenswürdigkeiten der Kleinseite und einem Aufstieg auf den Petřín verbinden.

Wie kommst du zum Lobkowitz-Garten?

Der Lobkowitz-Garten befindet sich auf der Prager Kleinseite (Malá Strana) hinter dem Lobkowitz-Palais an der Vlašská-Straße. Von der Kleinseite kannst du das Botschaftsgebäude bequem zu Fuß erreichen.

In unmittelbarer Umgebung liegen zahlreiche historische Gassen und weitere Sehenswürdigkeiten. Auch der Petřín-Hügel beginnt praktisch oberhalb des Gartens. Dadurch lässt sich die Umgebung gut in einen Spaziergang zwischen Kleinseite, Petřín und Prager Burg integrieren.

Beachte jedoch, dass der reguläre Weg zum Petřín nicht durch den Botschaftsgarten führt. Für einen Besuch des Petřín nutzt du die öffentlich zugänglichen Straßen, Wege und Parkanlagen rund um das abgeschlossene Botschaftsgelände.