Der Borromäus-Garten (Boromejská zahrada) ist eine historische Gartenanlage auf der Prager Kleinseite am Fuß des Petřín. Er gehört zum Areal des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern vom hl. Karl Borromäus und unterscheidet sich damit deutlich von einem gewöhnlichen Stadtpark. Im Mittelpunkt stehen Ruhe, Erholung und die unterstützende Wirkung des Gartens für Patienten und ihre Angehörigen. Für Touristen ist der Garten vor allem wegen seiner versteckten Lage und Geschichte interessant. Ein klassischer, jederzeit frei zugänglicher Sightseeing-Park ist er allerdings nicht: Für die breite Öffentlichkeit öffnet sich das Gelände insbesondere im Rahmen von gesellschaftlichen und kulturellen Veranstaltungen.
Historischer Garten am Fuß des Petřín
Die Geschichte des Geländes reicht weit zurück. Im Mittelalter befanden sich an den Hängen Weinberge des Prämonstratenserklosters Strahov. Ab dem 16. Jahrhundert entstanden hier kleinere Gebäude, die überwiegend wirtschaftlichen Zwecken dienten.
Eine entscheidende Veränderung erfolgte 1842, als die Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom hl. Karl Borromäus ein Grundstück in diesem Bereich kaufte. Die Schwestern planten hier einen größeren Krankenhauskomplex, dessen Bau 1854 abgeschlossen wurde. Das Krankenhaus diente zunächst der Behandlung von Frauen.
Anschließend wurden auch die durch die Bauarbeiten beeinträchtigten Gartenflächen neu hergerichtet.
Obst, Gemüse und Gewächshaus für das Krankenhaus
Historisch war der Borromäus-Garten keineswegs nur eine repräsentative Grünanlage. Er erfüllte eine ganz praktische Aufgabe für das Kloster- und Krankenhausleben.
Im Garten entstanden Gemüsebeete, Wasserbecken und ein größeres Gewächshaus. Obst und Gemüse aus den Gartenflächen dienten der Versorgung der Ordensschwestern und des Krankenhauses.
Damit besitzt Boromejská zahrada bis heute einen anderen Charakter als viele Prager Palastgärten. Statt barocker Repräsentation standen Versorgung, Ruhe und das Leben der Ordensgemeinschaft im Mittelpunkt.
Vom Niedergang zur erneuerten Gartenanlage
Während der kommunistischen Herrschaft änderte sich die Situation grundlegend. Das Krankenhaus wurde 1952 verstaatlicht, die Ordensschwestern mussten das Gelände verlassen und Teile des Gartens wurden anderweitig genutzt. Dadurch wurde die historische Anlage stark beeinträchtigt.
Nach dem Ende des kommunistischen Regimes kehrten die Borromäerinnen zurück. Seit 2021 wird der Garten schrittweise erneuert. Dabei soll sein ursprünglicher Charakter bewahrt und gleichzeitig eine moderne Erholungs- und Therapielandschaft geschaffen werden.
Die Arbeiten wurden auch 2025 und 2026 fortgesetzt. Unter anderem wurden Bewässerungssysteme ausgebaut und die Grünflächen weiterentwickelt.
Ein Garten für Ruhe und Erholung
Heute steht die heilende und entspannende Funktion besonders im Vordergrund. Patienten sollen den Garten unabhängig von ihrer Mobilität nutzen können. Deshalb werden bei der Gestaltung auch Menschen im Rollstuhl oder Patienten berücksichtigt, die in einem Krankenbett nach draußen gebracht werden.
Neben Grünflächen und Bäumen entstehen beziehungsweise entstanden unterschiedliche Aufenthaltsbereiche. Ein wichtiger Teil ist der Garten des hl. Josef, der 2022 offiziell seiner therapeutischen und meditativen Nutzung übergeben wurde.
Dadurch ist der Borromäus-Garten weniger eine touristische Attraktion als ein besonderer Rückzugsort mitten in der Stadt.
Versteckte grüne Seite der Kleinseite
Die Lage macht den Garten dennoch interessant, wenn du dich für die weniger bekannten Grünanlagen Prags interessierst. Nur wenige Gehminuten von den stark besuchten Straßen der Kleinseite entfernt beginnt am Fuß des Petřín eine erstaunlich grüne Zone.
Der Borromäus-Garten ist Teil dieser historischen Gartenlandschaft. Rund um den Petřín liegen ehemalige Klosterflächen, Palastgärten und alte Obst- und Weinberghänge dicht nebeneinander.
Gerade der Kontrast ist spannend: Während auf der anderen Seite der Mauern einige der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Prags liegen, herrscht innerhalb des Krankenhausgartens eine bewusst ruhige und zurückgezogene Atmosphäre.
Kannst du den Borromäus-Garten besuchen?
Der Borromäus-Garten dient in erster Linie Patienten des Krankenhauses, deren Angehörigen und Besuchern sowie den Mitarbeitern. Bei gesellschaftlichen und kulturellen Veranstaltungen wird er auch für die breite Öffentlichkeit genutzt.
Wenn du den Garten gezielt besichtigen möchtest, solltest du deshalb vorher prüfen, ob aktuell eine öffentliche Veranstaltung oder eine andere Besuchsmöglichkeit angeboten wird. Rücksicht auf den Krankenhausbetrieb und die Patienten hat hier selbstverständlich Vorrang.
Lohnt sich der Borromäus-Garten?
Als klassische Sehenswürdigkeit gehört Boromejská zahrada nicht zu den Orten, die du bei einem ersten Prag-Besuch unbedingt einplanen musst. Interessant ist die Anlage vielmehr für alle, die sich für historische Gärten, Klostergeschichte und versteckte Orte auf der Kleinseite interessieren.
Besonders spannend ist die Verbindung aus historischem Nutzgarten und moderner therapeutischer Grünanlage. Damit erzählt der Borromäus-Garten eine ganz andere Geschichte als die repräsentativen Palastgärten rund um die Prager Burg.
Falls der Garten während deines Aufenthalts für eine öffentliche Veranstaltung zugänglich ist, bietet sich die Gelegenheit, einen ansonsten kaum sichtbaren Teil der grünen Kleinseite kennenzulernen.
Wie kommst du zum Borromäus-Garten?
Der Borromäus-Garten befindet sich auf der Kleinseite (Malá Strana) in Prag 1 rund um das Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern vom hl. Karl Borromäus. Die offizielle Adresse wird mit Vlašská 36 angegeben.
Das Areal liegt unmittelbar unterhalb des Petřín und lässt sich gut mit einem Spaziergang durch die Kleinseite verbinden. Auch die Wege hinauf zum Petřín sowie das Strahov-Viertel befinden sich in der weiteren Umgebung.
Da der Garten Teil eines Krankenhausareals ist, solltest du für einen gezielten Besuch vorab die aktuellen Zugangsmöglichkeiten prüfen und nicht davon ausgehen, dass das Gelände wie ein gewöhnlicher öffentlicher Park jederzeit betreten werden kann.
