Die St.-Ignaz-Kirche (Kostel svatého Ignáce) gehört zu den eindrucksvollsten Barockkirchen der Prager Neustadt. Sie steht unmittelbar am Karlsplatz (Karlovo náměstí) und fällt bereits von Weitem durch ihre monumentale Fassade sowie die vergoldete Statue des heiligen Ignatius auf dem Dach auf. Im Inneren erwartet dich ein prachtvoll ausgestatteter Kirchenraum mit hohen Gewölben, reich verzierten Seitenkapellen, barocken Altären und einer historischen Orgelempore. Obwohl die Kirche zentral liegt, wird sie von vielen Prag-Besuchern übersehen. Dadurch eignet sie sich besonders für Reisende, die abseits der bekanntesten Sehenswürdigkeiten einen ruhigen und authentischen Sakralbau entdecken möchten. Die Kirche ist dem heiligen Ignatius von Loyola gewidmet, dem Gründer des Jesuitenordens. Bis heute wird sie von den Jesuiten betreut und regelmäßig für Gottesdienste, Seelsorge, Vorträge und kirchliche Veranstaltungen genutzt.
Adresse:
Ječná 2 / Karlovo náměstí, 120 00 Prag 2

Barockes Juwel am Karlsplatz – Ein Meisterwerk der Jesuiten im Herzen der Neustadt
Die Kirche befindet sich an der Ostseite des Karlsplatzes (Karlovo náměstí), an der Ecke zur Ječná-Straße. Gemeinsam mit dem lang gestreckten ehemaligen Jesuitenkolleg bildet sie einen der auffälligsten historischen Gebäudekomplexe des Platzes.
Der Karlsplatz wurde bereits im 14. Jahrhundert unter Kaiser Karl IV. als zentraler Marktplatz der Prager Neustadt angelegt. Damals trug er den Namen Viehmarkt. Heute ist er eine weitläufige Grünanlage, die von historischen Gebäuden, Krankenhäusern, Verwaltungsbauten und mehreren Kirchen umgeben wird.
Die St.-Ignaz-Kirche unterscheidet sich deutlich von den mittelalterlichen Gotteshäusern der Prager Altstadt. Sie wurde als repräsentativer Barockbau geplant, der die Bedeutung des Jesuitenordens und der katholischen Kirche sichtbar machen sollte.
Geschichte der St.-Ignaz-Kirche
Die Jesuiten kamen 1622 in die Prager Neustadt. In den folgenden Jahrzehnten erwarb der Orden zahlreiche Häuser und Grundstücke rund um den damaligen Viehmarkt, um dort ein großes Kolleg mit eigener Kirche zu errichten.
Der Bau des Jesuitenkollegs begann 1658. Wenige Jahre später, im Jahr 1665, wurde der Grundstein für die St.-Ignaz-Kirche gelegt. Die Entwürfe stammten vom italienisch-schweizerischen Architekten Carlo Lurago, der zu den bedeutendsten Baumeistern des böhmischen Barocks gehörte.
Bis 1671 waren die Außenmauern, das Dach und ein großer Teil der Gewölbe fertiggestellt. Nachdem Carlo Lurago Prag verlassen hatte, führte der Baumeister Martin Reiner die Arbeiten weiter.
Am 31. Juli 1678, dem Gedenktag des heiligen Ignatius von Loyola, wurde die Kirche feierlich geweiht. Die vollständige Ausstattung dauerte jedoch noch mehrere Jahrzehnte. Seitenkapellen, Altäre, Skulpturen, Orgelempore und Glockenturm wurden nach und nach ergänzt.
Zwischen 1697 und 1699 entstand der monumentale Portikus vor dem Haupteingang. Verantwortlich dafür war der Baumeister Pavel Ignác Bayer.
Das ehemalige Jesuitenkolleg
Die Kirche war ursprünglich Teil eines weitläufigen Jesuitenkollegs. In dem Gebäudekomplex lebten und arbeiteten Ordensbrüder, Lehrer und Studenten. Neben theologischer Ausbildung spielten Wissenschaft, Bildung und die Veröffentlichung religiöser Schriften eine wichtige Rolle.
Nach der Aufhebung des Jesuitenordens im Jahr 1773 mussten die Ordensleute das Kolleg verlassen. Die Gebäude wurden zunächst vom Militär übernommen und ab 1776 als Militärhospital genutzt.
Heute gehört der ehemalige Kollegkomplex zum Allgemeinen Universitätskrankenhaus Prag (Všeobecná fakultní nemocnice v Praze). Von außen ist die ursprüngliche Verbindung zwischen Kirche und Kolleg noch gut zu erkennen.
Die Jesuiten kehrten im 19. Jahrhundert nach Prag zurück und übernahmen erneut die seelsorgerische Betreuung der Kirche. Während der nationalsozialistischen Besatzung und später während der kommunistischen Herrschaft wurden mehrere Mitglieder des Ordens verfolgt.
Im Zuge der sogenannten Aktion K wurden 1950 zahlreiche Klöster und Ordensgemeinschaften in der damaligen Tschechoslowakei gewaltsam aufgelöst. Erst nach dem politischen Umbruch von 1989 konnten die Jesuiten dauerhaft an die St.-Ignaz-Kirche zurückkehren.
Die barocke Fassade
Die Hauptfassade der St.-Ignaz-Kirche ist dem Karlsplatz zugewandt. Anders als viele andere große Barockkirchen besitzt sie keine weithin sichtbaren Fassadentürme. Ihre monumentale Wirkung entsteht stattdessen durch den hohen Mittelteil, den dreibogigen Portikus und die zahlreichen Skulpturen.
Der Portikus wird von kräftigen Säulen getragen und von einer steinernen Balustrade abgeschlossen. Auf ihr stehen Figuren verschiedener Heiliger. Die Skulpturen werden der Werkstatt des Barockbildhauers Matthias Wenzel Jäckel (Matouš Václav Jäckel) zugeschrieben.
Über der Fassade erhebt sich die Statue des heiligen Ignatius von Loyola. Sie ist von einem großen vergoldeten Strahlenkranz umgeben und gehört zu den ungewöhnlichsten Details der Kirche.
Der ungewöhnliche Heiligenschein des heiligen Ignatius
Die Statue auf dem Dach der Kirche sorgte bereits während ihrer Entstehung für Diskussionen. Der heilige Ignatius wird von einem Strahlenkranz umgeben, der fast seinen gesamten Körper einfasst.
Ein solcher ganzkörperlicher Heiligenschein, auch Mandorla genannt, war traditionell vor allem Darstellungen von Jesus Christus oder der Jungfrau Maria vorbehalten. Kritiker hielten es deshalb für unangemessen, auch den Gründer des Jesuitenordens auf diese Weise darzustellen.
Die Jesuiten argumentierten jedoch, dass der Strahlenkranz die Figur nicht vollständig umschließe, da er bereits im Bereich der Knöchel ende. Die Statue durfte schließlich auf der Kirche bleiben.
Heute ist der vergoldete Strahlenkranz eines der wichtigsten Erkennungsmerkmale der St.-Ignaz-Kirche. Besonders bei Sonnenschein ist er vom Karlsplatz aus deutlich sichtbar.
Der Innenraum der Kirche
Der Innenraum ist als einschiffige Barockkirche mit hohem Hauptschiff und mehreren miteinander verbundenen Seitenkapellen gestaltet. Hohe Arkaden, Emporen, Pilaster und reich verzierte Gewölbe lenken den Blick in Richtung Chorraum.
Trotz der zahlreichen Dekorationen wirkt der Raum übersichtlich. Die Architektur ist so aufgebaut, dass der monumentale Hauptaltar den optischen Mittelpunkt bildet.
Stuck, Gemälde, Marmor, vergoldete Ornamente und farbige Altäre schaffen eine feierliche Atmosphäre. Durch die hoch liegenden Fenster fällt das Tageslicht indirekt in das Kirchenschiff und hebt einzelne Bereiche des Innenraums hervor.
Der monumentale Hauptaltar
Der spätbarocke Hauptaltar nimmt fast die gesamte Rückwand des Chorraums ein. Er wurde 1753 aus braunem und rötlichem Marmor errichtet.
Im Zentrum befindet sich das Gemälde „Aufnahme des heiligen Ignatius in die himmlische Herrlichkeit“. Das Werk wurde bereits 1688 vom deutsch-böhmischen Barockmaler Johann Georg Heinsch geschaffen und später in den neuen Altar integriert.
Zum Altar gehören außerdem Skulpturen der Apostel Petrus und Paulus. Hinzu kommen mehrere Symbole des Jesuitenordens, darunter das Christusmonogramm IHS und die Abkürzung AMDG.
AMDG steht für den lateinischen Wahlspruch „Ad maiorem Dei gloriam“, auf Deutsch „Zur größeren Ehre Gottes“. Dieser Leitsatz ist eng mit dem Jesuitenorden verbunden.
Die Kapelle der böhmischen Landespatrone
Eine der interessantesten Seitenkapellen ist die Kapelle der böhmischen Landespatrone. Sie wurde 1685 ursprünglich als Dreifaltigkeitskapelle errichtet und später umgestaltet.
In der Kapelle stehen mehrere Altäre und Darstellungen bedeutender böhmischer Heiliger. Dazu gehören der heilige Wenzel sowie die Slawenapostel Kyrill und Method.
Besonders bemerkenswert ist der Altar des heiligen Johannes von Nepomuk. Er entstand bereits 1719 und damit zehn Jahre vor der offiziellen Heiligsprechung des böhmischen Märtyrers im Jahr 1729.
Der frühe Altar zeigt, wie stark Johannes von Nepomuk bereits vor seiner Kanonisierung in Böhmen verehrt wurde.
Weitere Seitenkapellen und Altäre
Entlang des Hauptschiffs befinden sich mehrere weitere Kapellen. Sie sind unter anderem dem heiligen Franz Xaver, dem heiligen Franz von Borja, der heiligen Barbara und dem heiligen Aloisius Gonzaga gewidmet.
Ein großer Teil der heutigen Altäre und Dekorationen entstand während einer umfassenden Rokoko-Umgestaltung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Dadurch verbindet der Innenraum frühbarocke Architektur mit späteren barocken und rokokoartigen Gestaltungselementen.
In der Kirche befindet sich außerdem eine Kapelle der Jungfrau Maria von Lourdes. Sie wurde 1948 als Ausdruck des Dankes eingerichtet, weil die Kirche die Bombardierungen Prags während des Zweiten Weltkriegs weitgehend überstanden hatte.
Die barocke Orgelempore
Über dem Haupteingang befindet sich die historische Orgelempore. Das barocke Orgelgehäuse ist mit musizierenden Engeln verziert, die der Werkstatt von Matthias Wenzel Jäckel zugeschrieben werden.
Die Figuren stammen aus der Zeit um 1699 und gehören zu den kunstvollsten Details im hinteren Bereich der Kirche.
Die St.-Ignaz-Kirche wird gelegentlich für Orgelkonzerte, geistliche Musik und weitere Kulturveranstaltungen genutzt. Durch das hohe Kirchenschiff besitzt der Raum eine eindrucksvolle Akustik.
Wer war Ignatius von Loyola?
Ignatius von Loyola wurde 1491 im Baskenland geboren. Nach einer schweren Verwundung während seiner Zeit als Soldat wandte er sich zunehmend dem religiösen Leben zu.
Gemeinsam mit mehreren Gefährten gründete er im 16. Jahrhundert die Gesellschaft Jesu, besser bekannt als Jesuitenorden. Der Orden wurde 1540 vom Papst offiziell anerkannt.
Die Jesuiten widmeten sich besonders der Bildung, Wissenschaft, Mission und Seelsorge. In vielen europäischen Städten gründeten sie Schulen, Universitäten, Kollegien und Kirchen.
Ignatius von Loyola starb 1556 in Rom und wurde 1622 heiliggesprochen. Sein Gedenktag wird jedes Jahr am 31. Juli gefeiert. An diesem Tag wurde 1678 auch die Prager St.-Ignaz-Kirche geweiht.
Eine aktive Kirche statt eines Museums
Die St.-Ignaz-Kirche ist kein klassisches Museum, sondern ein aktives katholisches Gotteshaus. In der Kirche finden regelmäßig Messen, Gebete, Beichten und weitere religiöse Veranstaltungen statt.
Während eines Gottesdienstes solltest du auf eine touristische Besichtigung verzichten. Das Fotografieren kann ebenfalls eingeschränkt sein, insbesondere während kirchlicher Feiern.
Außerhalb der Gottesdienstzeiten kannst du den Innenraum normalerweise ruhig besichtigen. Ein reguläres Eintrittsticket wird für den selbstständigen Besuch nicht verlangt. Eine freiwillige Spende für den Erhalt der Kirche ist jedoch willkommen.
Achte auf angemessene Kleidung, telefoniere nicht im Kirchenraum und verhalte dich möglichst leise. Auch wenn nur wenige Besucher anwesend sind, wird die Kirche regelmäßig zum persönlichen Gebet genutzt.
Öffnungszeiten der St.-Ignaz-Kirche
Die Kirche ist in der Regel täglich geöffnet. Die genauen Zeiten unterscheiden sich jedoch nach Wochentag und Jahreszeit.
In den Sommermonaten Juli und August ist die Kirche montags bis freitags ungefähr von 7:00 bis 18:30 Uhr zugänglich. Samstags, sonntags und an Feiertagen kann sie zwischen den einzelnen Gottesdiensten zeitweise geschlossen werden.
Von September bis Juni öffnet die Kirche an Werktagen meist bereits am frühen Morgen. Am Nachmittag bleibt sie normalerweise bis nach der Abendmesse zugänglich.
Da Gottesdienste, Beerdigungen, kirchliche Feiertage und interne Veranstaltungen die Besichtigung einschränken können, solltest du die aktuellen Zeiten vor deinem Besuch auf der offiziellen Internetseite kontrollieren.
Gottesdienste
An Werktagen finden gewöhnlich mehrere Gottesdienste am Morgen und ein weiterer am späten Nachmittag statt. Auch samstags und sonntags werden regelmäßig Messen gefeiert.
Eine Besonderheit ist die lateinische Messe, die üblicherweise sonntags gegen 11:00 Uhr angeboten wird. Die übrigen Gottesdienste finden überwiegend in tschechischer Sprache statt.
Für eine ungestörte Besichtigung eignet sich häufig der Zeitraum zwischen den Morgenmessen und dem Gottesdienst am späten Nachmittag. Kurz vor Beginn einer Messe kann der Zugang zum Chorraum oder zu einzelnen Kapellen eingeschränkt werden.
Eintritt
Der reguläre Besuch der St.-Ignaz-Kirche ist kostenlos. Es gibt keine klassische Eintrittskasse und kein festes Besichtigungsticket.
Kosten können lediglich bei besonderen Konzerten, Führungen oder Veranstaltungen entstehen. Gruppen sollten sich vorab bei der Kirchenverwaltung anmelden.
Wie kommst du zur St.-Ignaz-Kirche?
Die Kirche befindet sich zentral in der Prager Neustadt und ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar.
Die nächstgelegene Metrostation ist Karlsplatz (Karlovo náměstí) an der Metrolinie B. Von den Ausgängen am Karlsplatz erreichst du die Kirche je nach Ausgang in wenigen Minuten zu Fuß.
Direkt an der Ječná-Straße und rund um den Karlsplatz halten außerdem mehrere Straßenbahnlinien. Da sich Linienführungen und Baustellen ändern können, solltest du für die konkrete Verbindung die aktuelle Fahrplanauskunft nutzen.
Von der Altstadt (Staré Město) kannst du die Kirche ebenfalls zu Fuß erreichen. Vom Wenzelsplatz benötigst du ungefähr 15 Minuten, vom Altstädter Ring etwa 20 bis 25 Minuten.
Sehenswürdigkeiten in der Umgebung
Ein Besuch der St.-Ignaz-Kirche lässt sich gut mit einem Spaziergang durch die Prager Neustadt verbinden.
Direkt gegenüber erstreckt sich der Karlsplatz (Karlovo náměstí) mit alten Bäumen, Denkmälern und mehreren historischen Gebäuden. An der Nordseite des Platzes steht das Neustädter Rathaus (Novoměstská radnice) mit seinem Aussichtsturm.
Am südlichen Ende des Platzes befindet sich das sagenumwobene Fausthaus (Faustův dům). Nur wenige Gehminuten entfernt liegt außerdem das Emmauskloster (Emauzský klášter), dessen moderne Turmspitzen das Stadtbild an der Moldau prägen.
In Richtung Fluss erreichst du das beliebte Moldauufer Náplavka, an dem regelmäßig Märkte und Veranstaltungen stattfinden. Ebenfalls in der Nähe liegen die orthodoxe Kirche St. Kyrill und Method (Chrám svatých Cyrila a Metoděje) und der Botanische Garten der Karls-Universität.
Für wen lohnt sich der Besuch?
Die St.-Ignaz-Kirche eignet sich besonders für Besucher, die sich für Barockarchitektur, Kirchenkunst und die Geschichte des Jesuitenordens interessieren.
Auch wenn du die bekannteren Prager Kirchen bereits kennst, bietet sie einen spannenden Kontrast. Im Vergleich zum Veitsdom, zur St.-Nikolaus-Kirche auf der Kleinseite oder zur Teynkirche ist sie deutlich weniger touristisch geprägt.
Der Besuch lässt sich ohne großen Zeitaufwand in einen Spaziergang durch die Neustadt integrieren. Für die Besichtigung des Innenraums solltest du ungefähr 20 bis 30 Minuten einplanen. Zusammen mit dem Karlsplatz und dem Neustädter Rathaus kannst du daraus problemlos einen längeren Rundgang machen.
