Brücke der Legionen (Most Legií)

Die Legionenbrücke (Most Legií) gehört zu den markantesten Moldaubrücken im Zentrum von Prag. Sie verbindet die Nationalstraße (Národní třída) beim Nationaltheater (Národní divadlo) mit dem Stadtteil Kleinseite (Malá Strana) und dem Bereich rund um Újezd. In der Mitte überquert sie die Schützeninsel (Střelecký ostrov), die direkt von der Brücke aus erreichbar ist.

Im Vergleich zur weltberühmten Karlsbrücke (Karlův most) wirkt die Brücke der Legionen deutlich weniger touristisch. Dennoch ist sie für Besucher besonders interessant, denn von ihr eröffnen sich eindrucksvolle Ausblicke auf die Moldau, die Prager Altstadt, die Kleinseite und die Prager Burg (Pražský hrad). Gleichzeitig ist sie ein wichtiger Teil des öffentlichen Verkehrs und wird von Fußgängern, Autos und Straßenbahnen genutzt.


Eine wichtige Verbindung zwischen Altstadt und Kleinseite

Die Brücke der Legionen liegt an einer der schönsten innerstädtischen Verbindungen Prags. Auf der östlichen Seite erreichst du direkt das Nationaltheater, das Café Slavia, den Smetana-Kai (Smetanovo nábřeží) und die Einkaufs- und Geschäftsstraße Národní třída.

Am westlichen Brückenende beginnt der Bereich Újezd. Von hier gelangst du zur Kampa, zur Hungermauer (Hladová zeď) und auf den Petřín. Auch die historischen Straßen der Kleinseite sind nur wenige Gehminuten entfernt.

Dadurch eignet sich die Brücke hervorragend für einen Spaziergang, bei dem du mehrere zentrale Sehenswürdigkeiten miteinander verbindest. Besonders schön ist die Route vom Nationaltheater über die Brücke und die Schützeninsel bis zur Kampa oder zum Petřín.



Von der Kettenbrücke zur heutigen Steinbrücke

Bevor die heutige Brücke entstand, befand sich an dieser Stelle die Kaiser-Franz-I.-Kettenbrücke. Sie wurde 1841 eröffnet und gehörte zu den ersten modernen Moldauquerungen Prags. Bis dahin war die Karlsbrücke lange Zeit die wichtigste feste Verbindung zwischen den beiden Flussufern.

Mit dem starken Wachstum Prags und dem zunehmenden Verkehr reichte die alte Kettenbrücke gegen Ende des 19. Jahrhunderts jedoch nicht mehr aus. Die Stadt entschied sich deshalb für einen stabileren und repräsentativeren Neubau.

Die alte Brücke wurde abgetragen, während eine provisorische Holzkonstruktion vorübergehend den Verkehr übernahm. Der Grundstein für die neue Steinbrücke wurde 1898 gelegt. Nach rund drei Jahren Bauzeit erfolgte am 14. Juni 1901 die feierliche Eröffnung in Anwesenheit von Kaiser Franz Joseph I.

Der Entwurf stammte vom Architekten Antonín Balšánek sowie den Ingenieuren Jiří Soukup und Josef Janů. Aufgrund der unmittelbaren Nähe zum Nationaltheater sollte die neue Brücke nicht nur funktional, sondern auch architektonisch repräsentativ sein.


Architektur zwischen Historismus und Jugendstil

Die Brücke der Legionen ist etwa 343 Meter lang und rund 16 Meter breit. Sie besteht aus neun flachen Steinbögen, die sich in unterschiedlichen Spannweiten über die Moldau und die Schützeninsel ziehen.

Für den Bau wurden hauptsächlich Granit und Sandstein verwendet. Die Kombination aus hellem Sandstein und rötlichem Granit sollte an die weiß-roten Landesfarben Böhmens erinnern. Die Brücke war damit nicht nur ein Verkehrsprojekt, sondern erhielt zugleich eine symbolische Bedeutung.

Architektonisch ist sie vor allem dem Historismus und Eklektizismus der Zeit um 1900 zuzuordnen. Einige dekorative Details lassen bereits Einflüsse des Jugendstils erkennen. Seit 1975 steht die Brücke als Kulturdenkmal unter Schutz.


Die charakteristischen Mauthäuschen

Besonders auffällig sind die vier kleinen turmartigen Gebäude an den Brückenköpfen. Sie dienten ursprünglich als Mauthäuschen, in denen Gebühren für die Überquerung der Brücke erhoben wurden.

Die Gebäude besitzen kupfergedeckte Kuppeln, verzierte Sandsteinfassaden, Maskaronen und Stadtwappen. Durch ihre historische Gestaltung erinnern sie eher an kleine Pavillons als an einfache Funktionsbauten.

Heute gehören die ehemaligen Mauthäuschen zu den wichtigsten Erkennungsmerkmalen der Brücke. Gemeinsam mit den steinernen Balustraden und den historischen Straßenlaternen verleihen sie der Moldauquerung ihr repräsentatives Erscheinungsbild.


Historische Laternen und dekorative Details

Entlang der Brücke stehen aufwendig gestaltete gusseiserne Kandelaber. Einige von ihnen sind mit vergoldeten Löwen gekrönt. Reliefs zeigen Pflanzenmotive, Handwerksdarstellungen und weitere dekorative Elemente.

Die bildhauerische Gestaltung wird unter anderem mit den Künstlern Vilém AmortJosef Palouš und Gustav Zoulaverbunden. Auch wenn viele Besucher die Brücke nur auf dem Weg zur Kleinseite überqueren, lohnt es sich daher, die Details der Laternen, Balustraden und Mauthäuschen genauer zu betrachten.

Zugang zur Schützeninsel

Ein besonderes Merkmal der Brücke ist der direkte Zugang zur Schützeninsel (Střelecký ostrov). Ungefähr in der Mitte der Brücke führt eine breite Treppenanlage hinunter auf die Insel. Zusätzlich steht ein Aufzug zur Verfügung.

Die grüne Moldauinsel eignet sich gut für eine kurze Pause abseits der belebten Straßen. Unter alten Bäumen findest du Spazierwege, Wiesen und Sitzgelegenheiten direkt am Wasser. Von der Insel blickst du auf die Brückenbögen, vorbeifahrende Ausflugsschiffe und die historischen Häuser am Moldauufer.

Auf der Schützeninsel finden außerdem gelegentlich Konzerte, Märkte, Feste und andere Open-Air-Veranstaltungen statt. Besonders im Frühling und Sommer ist sie ein beliebter Treffpunkt für Einheimische und Besucher.

Ausblicke auf Karlsbrücke und Prager Burg

Von der nördlichen Seite der Brücke hast du einen der schönsten freien Ausblicke im Prager Zentrum. Flussaufwärts beziehungsweise in Richtung Norden siehst du die Kampa, die Karlsbrücke und darüber die Silhouette der Prager Burg mit dem Veitsdom (Katedrála svatého Víta).

Auch das Nationaltheater mit seinem goldenen Dach ist von der Brücke gut zu erkennen. Auf der gegenüberliegenden Seite öffnet sich der Blick in Richtung der weiteren Moldauinseln und der südlichen Innenstadt.

Für Fotografen ist die Brücke besonders am frühen Morgen oder gegen Abend interessant. Dann ist das Licht häufig weicher, während Straßenbahnen, historische Gebäude und die Prager Stadtsilhouette abwechslungsreiche Motive bieten. Da die Brücke stark befahren ist, solltest du beim Fotografieren auf Radfahrer, Autos und Straßenbahnen achten.

Warum die Brücke mehrfach umbenannt wurde

Die wechselnden Namen der Brücke spiegeln die politische Geschichte Prags im 20. Jahrhundert wider. Nach ihrer Eröffnung trug sie zunächst den Namen der vorherigen Kaiser-Franz-I.-Brücke.

Nach der Gründung der Tschechoslowakei wurde sie zur Brücke der Legionen. Der Name erinnert an die Tschechoslowakischen Legionen, die während des Ersten Weltkriegs aufseiten der Entente gegen Österreich-Ungarn kämpften und eine wichtige Rolle bei der Entstehung der unabhängigen Tschechoslowakei spielten.

Während der deutschen Besatzung wurde die Brücke in Smetana-Brücke (Smetanův most) umbenannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt sie vorübergehend wieder den Namen Brücke der Legionen.

Von 1960 bis 1990 hieß sie Brücke des 1. Mai (Most 1. máje). Nach dem Ende des kommunistischen Regimes bekam sie im März 1990 ihren heutigen Namen zurück.

Straßenbahnen auf der Brücke

Über die Brücke der Legionen verlaufen Straßenbahngleise, die das Zentrum mit der Kleinseite verbinden. Die vorbeifahrenden Straßenbahnen gehören zum charakteristischen Stadtbild und unterstreichen die Bedeutung der Brücke als wichtige Verkehrsverbindung.

Die nächstgelegenen Haltestellen sind Nationaltheater (Národní divadlo) auf der östlichen Seite und Újezd auf der westlichen Seite. Da sich Linienführungen durch Baustellen und Fahrplananpassungen ändern können, solltest du die aktuelle Verbindung vor deinem Besuch prüfen.

Zu Fuß ist die Brücke jederzeit frei zugänglich. Für die Schützeninsel gelten eigene Zugangszeiten, die sich je nach Jahreszeit ändern können.

Spaziergang vom Nationaltheater zur Kampa

Eine besonders empfehlenswerte Route beginnt am Nationaltheater. Von dort überquerst du die Brücke zunächst bis zur Mitte und gehst über die Treppe oder den Aufzug hinunter auf die Schützeninsel.

Nach einem Rundgang auf der Insel kehrst du auf die Brücke zurück und setzt deinen Weg in Richtung Újezd fort. Von dort kannst du entweder zum Petřín hinaufgehen oder zur Kampa weiterlaufen.

Auf der Kampa erwarten dich der Čertovka-Kanal, die John-Lennon-Mauer, das Kampa-Museum (Museum Kampa)und ruhige Wege entlang der Moldau. Alternativ kannst du von Újezd durch die Straßen der Kleinseite zur Karlsbrücke spazieren.

Sehenswürdigkeiten in der Umgebung

Die zentrale Lage macht die Brücke der Legionen zu einem guten Ausgangspunkt für weitere Erkundungen. Direkt am östlichen Brückenende steht das Nationaltheater, eines der wichtigsten kulturellen Bauwerke Tschechiens. Gegenüber befindet sich das traditionsreiche Café Slavia.

Wenige Gehminuten entfernt liegen die Slawische Insel (Slovanský ostrov) mit dem Sofien-Palast (Palác Žofín) sowie das Moldauufer mit mehreren Bootsverleihen. Auf der westlichen Seite erreichst du Újezd, die Kampa, den Petřín und die historischen Gassen der Kleinseite.

Die Brücke der Legionen ist daher weniger eine isolierte Sehenswürdigkeit als ein zentraler Bestandteil einer vielseitigen Stadtroute. Ihre historische Architektur, die direkte Verbindung zur Schützeninsel und die weiten Ausblicke auf die Prager Stadtsilhouette machen sie dennoch zu einem lohnenden Ziel.


Tipps für deinen Besuch

  • Fotospot: Die Brücke ist ideal für Fotos mit Blick auf die Karlsbrücke, das Panorama der Prager Burg und das gegenüberliegende Nationaltheater. Besonders schön bei Sonnenuntergang oder nachts mit beleuchteter Altstadt.
  • Spaziergang: Kombiniere deinen Besuch mit einem Rundgang über die Moldauinseln oder durch das benachbarte Stadtviertel Malá Strana.
  • Straßenbahn erleben: Fahre mit der Tram über die Brücke – eine der schönsten Strecken durch Prag, z. B. mit den Linien 9, 17 oder 22.
Blau-weißes Tretboot auf der Moldau vor der Brücke der Legionen in Prag
Ein Tretboot fährt auf der Moldau vor der Brücke der Legionen (Most Legií) in Prag.

Die Brücke in Zahlen

MerkmalInfo
Längeca. 343 Meter
Breiteca. 16 Meter
Bauzeit1899–1901
Ursprünglicher NameFranz-Josefs-Brücke
Heutiger NameSeit 1919 „Most Legií“
ArchitekturstilNeoklassizismus
FunktionStraßen-, Fuß- und Bahnverkehr