Kirche der Jungfrau Maria bei den Theatinern (Kostel Panny Marie Matky ustavičné pomoci a svatého Kajetána)

Die Kirche der Jungfrau Maria bei den Theatinern (Kostel Panny Marie Matky ustavičné pomoci a svatého Kajetána) gehört zu den weniger bekannten barocken Sakralbauten auf der Kleinseite (Malá Strana). Sie steht in der historischen Neruda-Straße (Nerudova), die vom Kleinseitner Ring (Malostranské náměstí) hinauf zur Prager Burg (Pražský hrad) führt. Obwohl täglich zahlreiche Besucher an der Kirche vorbeigehen, bleibt sie hinter ihrer vergleichsweise zurückhaltenden Straßenfassade leicht unentdeckt. Die Kirche ist auch unter den Bezeichnungen Kirche bei den Kajetanern (Kostel Panny Marie U Kajetánů) und St.-Kajetan-Kirche bekannt. Der Name erinnert an den katholischen Theatinerorden, dessen Mitglieder nach ihrem Mitbegründer Kajetan von Thiene auch Kajetaner genannt wurden.

Geöffnetes verziertes Kirchenportal mit Informationstafel und zwei Pflanzen in Prag
Der geöffnete Eingang zur Kirche der Jungfrau Maria bei den Theatinern in Prag mit einer Informationstafel vor dem Portal.

Eine Kirche des Theatinerordens

Die Theatiner ließen sich im 17. Jahrhundert auf der Prager Kleinseite nieder. Zunächst nutzten die Ordensbrüder eine kleinere Kapelle, die jedoch bald nicht mehr genügend Platz bot. Deshalb begannen sie mit den Planungen für eine größere Klosterkirche.

Einen frühen Entwurf fertigte der italienische Architekt Guarino Guarini an. Sein ausgesprochen anspruchsvolles Konzept wurde allerdings nicht vollständig verwirklicht. Der Grundstein für die heutige Kirche wurde 1691 gelegt. Der Bau zog sich über mehrere Jahrzehnte hin und wurde durch Grundstücksfragen, bauliche Schwierigkeiten und notwendige Veränderungen an den angrenzenden Befestigungsanlagen verzögert.

An der Planung und Ausführung waren mehrere bedeutende Architekten beteiligt. Besonders prägend war der böhmische Barockarchitekt Jan Blažej Santini-Aichel, der unter anderem Teile der Fassade, das Hauptportal und Bereiche des Innenraums überarbeitete. Die Kirche wurde schließlich 1717 geweiht.

Barockarchitektur an der Neruda-Straße

Die Kirche besitzt einen kreuzförmigen Grundriss und einen einschiffigen Innenraum. Über dem zentralen Bereich erhebt sich eine Kuppel, während ein klassischer Kirchturm fehlt. Die Glocke befindet sich stattdessen in einem kleinen Dachreiter.

Von der Neruda-Straße aus wirkt die Fassade vergleichsweise schlicht und fügt sich eng in die umliegende Bebauung ein. Das sorgfältig gestaltete Portal gibt jedoch bereits einen Hinweis auf die barocke Ausstattung im Inneren. Dort erwarten dich geschwungene Wandflächen, Gewölbe, Seitenaltäre, Gemälde und Skulpturen aus unterschiedlichen Phasen der Kirchengeschichte.

Eine architektonische Besonderheit ist eine freitragende Wendeltreppe, die von der Sakristei zum höher gelegenen ehemaligen Ordensgebäude führt. Sie verdeutlicht, wie geschickt die Anlage an das ansteigende Gelände unterhalb der Prager Burg angepasst wurde.

Vom Kloster zum Kultur- und Gebetsort

Im Zuge der Kirchenreformen von Kaiser Joseph II. wurde das Theatinerkloster 1783 aufgehoben. Die ehemaligen Klostergebäude gingen später in Privatbesitz über und wurden teilweise als Wohnräume genutzt.

Im früheren Refektorium fanden im 19. Jahrhundert tschechische Theateraufführungen statt. Mit ihnen ist besonders der Schriftsteller und Theatermacher Josef Kajetán Tyl verbunden, der zu den wichtigen Persönlichkeiten der tschechischen Nationalbewegung zählt.

1869 übernahm der Redemptoristenorden den Gebäudekomplex. Die Kirche wurde renoviert und erhielt ihre heutige Widmung an Maria als Mutter von der immerwährenden Hilfe sowie an den heiligen Kajetan. Während der kommunistischen Herrschaft wurden die Ordensleute vertrieben. Nach dem Ende des Regimes gelangte die Kirche später wieder in kirchliche Verwaltung.

Heute dient sie weiterhin als Gotteshaus und Ort für Gebet und Besinnung. Darüber hinaus finden gelegentlich Konzerte, Ausstellungen und weitere kulturelle oder kirchliche Veranstaltungen statt.

Ein ruhiger Zwischenstopp auf dem Weg zur Prager Burg

Die Kirche der Jungfrau Maria bei den Theatinern eignet sich besonders für Besucher, die abseits der bekanntesten Sehenswürdigkeiten kleinere historische Bauwerke entdecken möchten. Durch ihre Lage lässt sich der Besuch gut mit einem Spaziergang durch die Neruda-Straße, einem Abstecher zur Prager Burg oder einer Erkundung der Kleinseite verbinden.

Da die Kirche von außen leicht übersehen wird, lohnt es sich, beim Aufstieg durch die Neruda-Straße gezielt auf ihre Fassade und das barocke Portal zu achten. Im Inneren bietet sie einen ruhigen Gegenpol zur lebhaften Umgebung und vermittelt einen Eindruck von der langen Ordens- und Kirchengeschichte dieses Teils von Prag.

Die Kirche ist nicht mit der Kirche Maria vom Siege und des heiligen Antonius von Padua (Kostel Panny Marie Vítězné a svatého Antonína Paduánského) zu verwechseln. Diese liegt ebenfalls auf der Kleinseite und ist vor allem wegen des Prager Jesuleins (Pražské Jezulátko) bekannt.