St.-Nikolaus-Kirche in der Altstadt (Kostel svatého Mikuláše na Starém Městě)

Die St.-Nikolaus-Kirche in der Prager Altstadt (Kostel svatého Mikuláše) ist ein beeindruckendes Beispiel barocker Architektur und zählt zu den markantesten Bauwerken am Altstädter Ring. Errichtet zwischen 1732 und 1735 nach den Plänen von Kilian Ignaz Dientzenhofer, einem der bedeutendsten Barockarchitekten Böhmens, ersetzte sie eine frühere gotische Kirche, die 1689 durch einen Stadtbrand zerstört worden war.

Beleuchtete St.-Nikolaus-Kirche am Altstädter Ring in Prag bei Nacht
Die beleuchtete St.-Nikolaus-Kirche am Altstädter Ring in Prag mit ihren markanten barocken Türmen.

Direkt am Altstädter Ring (Staroměstské náměstí) steht mit der St.-Nikolaus-Kirche in der Altstadt (Kostel svatého Mikuláše na Starém Městě) eines der markantesten barocken Gotteshäuser im historischen Zentrum von Prag. Mit ihrer hellen Fassade, den beiden Türmen und der großen Kuppel prägt sie die Nordseite des Platzes. Nicht zu verwechseln ist sie mit der ebenfalls dem heiligen Nikolaus geweihten St.-Nikolaus-Kirche auf der Kleinseite, die auf der anderen Seite der Moldau steht. Beide Kirchen gehören zu den bekanntesten Barockbauten der Stadt.

Vom mittelalterlichen Gotteshaus zur Barockkirche

Eine Kirche an dieser Stelle ist bereits für das Jahr 1273 belegt. Sie diente zunächst als Pfarrkirche und wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut. Auch die religiösen Veränderungen in Böhmen hinterließen hier ihre Spuren.

Im 17. Jahrhundert übernahmen Benediktiner die Kirche. Nachdem der ältere Bau unter anderem durch den großen Brand der Prager Altstadt von 1689 beschädigt worden war, entstand im 18. Jahrhundert ein vollständiger Neubau.

Zwischen 1732 und 1737 wurde die heutige Kirche nach Plänen des bedeutenden Barockarchitekten Kilián Ignác Dientzenhofer errichtet.

Barocke Architektur von Kilián Ignác Dientzenhofer

Dientzenhofer schuf einen Kirchenraum, der stark von geschwungenen Formen, unterschiedlichen Raumhöhen und einem gezielten Spiel mit Licht geprägt ist. Der Grundriss orientiert sich an einem griechischen Kreuz, wird jedoch durch ovale und miteinander verbundene Raumabschnitte aufgelockert.

Von außen fallen besonders die beiden Türme, die zentrale Kuppel und die bewegte Barockfassade auf. Die Kirche wirkt heute wie ein freistehender Bestandteil des Altstädter Rings. Ursprünglich war sie jedoch wesentlich stärker von umliegenden Gebäuden eingefasst.

Fresken und barocke Ausstattung

Zu den bedeutendsten Kunstwerken im Inneren gehören die Fresken des bayerischen Barockmalers Cosmas Damian Asam. Sie entstanden in den Jahren 1735 und 1736 und zeigen unter anderem Szenen aus dem Leben des heiligen Nikolaus sowie weitere religiöse Motive.

Die reich verzierte Stuckdekoration ergänzt die Architektur und verstärkt die plastische Wirkung des Innenraums. Auch Skulpturen und weitere dekorative Elemente gehören zur barocken Gesamtgestaltung.

Der große Kristallleuchter

Besonders auffällig ist der monumentale Kristallleuchter, der von der Kuppel in den Kirchenraum hinabhängt. Er wurde im 19. Jahrhundert in den Harrachover Glashütten gefertigt und stammt aus der Zeit, in der die Kirche von der russisch-orthodoxen Gemeinde genutzt wurde.

Seine Form erinnert an eine Zarenkrone. Mit einem Gewicht von rund 1.400 Kilogramm gehört er zu den ungewöhnlichsten Ausstattungsstücken der Kirche und ist heute eines ihrer bekanntesten Details.

Wechselvolle Nutzung im 19. und 20. Jahrhundert

Im Zuge der Reformen Kaiser Josephs II. wurde das Benediktinerkloster Ende des 18. Jahrhunderts aufgehoben. Die Kirche verlor zeitweise ihre ursprüngliche religiöse Funktion und wurde unter anderem als Lagerraum und für andere Zwecke genutzt.

Im 19. Jahrhundert diente sie der russisch-orthodoxen Gemeinde in Prag. Seit 1920 wird die Kirche von der Tschechoslowakischen Hussitischen Kirche (Církev československá husitská) genutzt. Mit der Entstehung dieser Kirche ist St. Nikolaus auch historisch eng verbunden.

Gotteshaus und Konzertort

Heute ist die St.-Nikolaus-Kirche in der Altstadt weiterhin ein aktives Gotteshaus. Gleichzeitig wird sie regelmäßig für klassische Konzerte genutzt. Die barocke Architektur und die Akustik des hohen Kirchenraums schaffen dafür eine besondere Atmosphäre.

Durch ihre Lage direkt am Altstädter Ring lässt sich die Kirche leicht mit einem Rundgang durch die Prager Altstadt verbinden. Besonders sehenswert sind neben der Architektur die Fresken, die historische Orgel und der große Kristallleuchter.

Wo befindet sich die St.-Nikolaus-Kirche?

Die Kirche steht an der Nordseite des Altstädter Rings im Herzen der Prager Altstadt.

Adresse: Staroměstské náměstí 1101, Prag 1

Von der Astronomischen Uhr, dem Altstädter Rathaus und der Teynkirche sind es nur wenige Schritte bis zum Eingang der Kirche.