Die Palastgärten unter der Prager Burg (Zahrady pod Pražským hradem) erstrecken sich am steilen Südhang des Hradschins zwischen der Prager Burg (Pražský hrad) und der Straße Valdštejnská auf der Kleinseite. Hinter den Fassaden mehrerer Adelspaläste verbirgt sich hier ein außergewöhnliches Ensemble historischer Terrassengärten. Durch ihre geschützte Lage, die vielen Treppen und die weiten Ausblicke über die Dächer der Kleinseite gehören sie zu den ruhigsten und zugleich eindrucksvollsten Gartenanlagen im Prager Zentrum.
Der öffentlich zugängliche Gartenkomplex umfasst den Ledebur-Garten (Ledeburská zahrada), den Kleinen Pálffy-Garten (Malá Pálffyovská zahrada), den Großen Pálffy-Garten (Velká Pálffyovská zahrada), den Kolowrat-Garten (Kolovratská zahrada) und den Kleinen Fürstenberg-Garten (Malá Fürstenberská zahrada). Der benachbarte Große Fürstenberg-Garten (Velká Fürstenberská zahrada) bildet einen eigenen Bereich und wird getrennt vom übrigen Rundgang verwaltet.
Im Mittelalter befanden sich an den Hängen vor allem Weinberge, Obstgärten, Wirtschaftsflächen und Wege zur Prager Burg. Später entstanden hier Renaissancegärten, die zu den Adelspalästen an der heutigen Straße Valdštejnská gehörten. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden die Grundstücke schrittweise in repräsentative barocke Terrassengärten umgewandelt. An ihrer Gestaltung waren bedeutende Architekten und Künstler wie Johann Blasius Santini-Aichl, Giovanni Battista Alliprandi, Franz Maximilian Kaňka und Ignaz Johann Nepomuk Palliardi beteiligt.
Die einzelnen Gärten besitzen jeweils einen eigenen Charakter. Der Ledebur-Garten besteht aus einem streng gegliederten Parterre und mehreren ansteigenden Terrassen. Zu seinen wichtigsten Elementen gehören eine reich verzierte Sala terrena, Wandmalereien, ein Herkulesbrunnen und ein kleiner Aussichtspavillon. Der Große Pálffy-Garten steigt über acht Ebenen den Hang hinauf. Überdachte und offene Treppen verbinden die Terrassen, auf denen sich unter anderem ein Brunnen mit einer Tritonenfigur und eine historische Sonnenuhr befinden.
Der Kleine Pálffy-Garten wurde dagegen stärker als Nutz- und Obstgarten angelegt. Hier wachsen unter anderem Obstbäume und Weinreben. Der schmale Kolowrat-Garten wird von einer geraden Treppe geprägt, die seine sieben Terrassen miteinander verbindet. Im Kleinen Fürstenberg-Garten spielen allegorische Darstellungen der vier Jahreszeiten eine besondere Rolle. Glorietten, Pavillons, Balustraden, Brunnen, Durchgänge und kleine Aussichtsbalkone verbinden die einzelnen Gartenräume zu einem abwechslungsreichen Rundgang.
Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Gärten nur eingeschränkt zugänglich und verfielen zunehmend. Ende des 20. Jahrhunderts begann eine aufwendige Wiederherstellung der historischen Mauern, Treppen, Gartenarchitekturen und Pflanzungen. Die einzelnen Abschnitte wurden anschließend schrittweise wieder für Besucher geöffnet. An der Restaurierung beteiligte sich unter anderem der Prague Heritage Fund; das Projekt stand unter der Schirmherrschaft des damaligen tschechischen Präsidenten Václav Havel und des damaligen britischen Thronfolgers Prinz Charles.
Besonders reizvoll sind die oberen Terrassen. Von ihnen blickst du über die roten Dächer und Kirchtürme der Kleinseite bis zur Altstadt und zu weiteren Teilen Prags. Gleichzeitig eröffnen sich ungewöhnliche Perspektiven auf die Paläste unterhalb der Burg. Wegen der vielen Höhenunterschiede, schmalen Wege und steilen Treppen solltest du ausreichend Zeit für den Rundgang einplanen. Die offizielle Besuchsseite empfiehlt mindestens etwa 90 Minuten.
Der heutige Haupteingang befindet sich an der Straße Valdštejnská und führt durch den Kolowrat-Hof in die Gartenanlage. Der frühere obere Zugang von der Prager Burg ist derzeit bis auf Weiteres geschlossen. Wegen der zahlreichen Treppen ist das Gelände nicht barrierefrei. Hunde und Fahrräder sind innerhalb der Gärten ebenfalls nicht erlaubt.
Die Palastgärten unter der Prager Burg (Zahrady pod Pražským hradem) sind saisonal geöffnet. Von Mai bis September kannst du sie in der Regel täglich von 10 bis 19 Uhr besuchen, im April und Oktober sowie am 1. November von 10 bis 18 Uhr. Im Winter und bei ungünstigem Wetter bleiben die Gärten geschlossen. Der reguläre Eintritt für Erwachsene beträgt derzeit 180 CZK; eine Reservierung ist für den selbstständigen Rundgang normalerweise nicht erforderlich.