Die Südgärten der Prager Burg (Jižní zahrady Pražského hradu) gehören zu den schönsten kostenlosen Bereichen des gesamten Burgareals. Sie verlaufen unmittelbar unterhalb der südlichen Fassade der Prager Burg und bieten dir immer wieder freie Ausblicke über die Kleinseite (Malá Strana), die Moldau, die Altstadt und den Petřín. Der beinahe 500 Meter lange Gartenweg verbindet das östliche Burgtor bei Na Opyši mit dem westlichen Bereich am Hradschiner Platz (Hradčanské náměstí). Während sich in den Burghöfen oft große Besuchergruppen sammeln, wirken die Südgärten meist deutlich ruhiger. Besonders an warmen Tagen sind sie deshalb eine angenehme Ergänzung zu deinem Rundgang durch die Prager Burg.

Ein Gartenweg über den Dächern der Kleinseite
Die Südgärten liegen auf den ehemaligen Befestigungsanlagen an der Südseite der Prager Burg. Durch ihre erhöhte Lage begleiten dich während des Spaziergangs immer wieder unterschiedliche Perspektiven auf Prag.
Unterhalb der Gärten erstrecken sich die roten Dächer der Kleinseite. Dahinter erkennst du die Türme und Kuppeln der Innenstadt, den grünen Petřín-Hügel und bei klarer Sicht auch weiter entfernte Stadtteile.
Die Südgärten sind dabei nicht nur eine Reihe von Aussichtspunkten. Mauern, Treppen, Terrassen, Rasenflächen und gezielt angelegte Sichtachsen machen den Spaziergang zu einem architektonisch gestalteten Erlebnis.
Der gesamte Komplex besteht aus drei Bereichen:
dem Paradiesgarten (Rajská zahrada), dem Garten auf der Schanze (Zahrada Na Valech) und dem Hartig-Garten (Hartigovská zahrada).

Vom Befestigungswall zum Präsidentengarten
Die Südgärten entstanden nicht nach einem einzigen Gesamtplan. Über mehrere Jahrhunderte entwickelten sich an der südlichen Burgseite private Gärten, kleinere Grünflächen und Wege auf den ehemaligen Befestigungsanlagen.
Der älteste Bereich befindet sich im heutigen Paradiesgarten. Bereits im 16. Jahrhundert lag hier ein privater Garten des Erzherzogs Ferdinand. Später nutzte auch Kaiser Rudolf II. diesen Teil der Burg als privaten Rückzugsort. Zum damaligen Garten gehörten unter anderem eine Voliere und ein kaiserliches Bad.
Der Garten auf der Schanze entwickelte sich dagegen auf dem südlichen Verteidigungswall. Kleinere Gartenflächen wurden im 19. Jahrhundert zu einer zusammenhängenden Parkanlage umgestaltet. Eine im Jahr 1849 errichtete Mauer ist teilweise bis heute erhalten.
Jože Plečnik und die Neugestaltung der Prager Burg
Ihre heutige Wirkung verdanken der Paradiesgarten und der Garten auf der Schanze vor allem dem slowenischen Architekten Jože Plečnik.
Nach der Gründung der Tschechoslowakei wurde die Prager Burg zum Amtssitz des ersten Staatspräsidenten Tomáš Garrigue Masaryk. Plečnik erhielt den Auftrag, die historische Burg an ihre neue staatliche Funktion anzupassen. In den 1920er-Jahren gestaltete er auch große Teile der Südgärten neu.
Er schuf eine repräsentative Gartenpromenade mit geometrischen Wegen, Treppen, Terrassen, Mauern und bewusst platzierten Aussichtspunkten. Dabei versuchte er nicht, die mittelalterliche Burganlage zu überdecken. Seine modernen Elemente sollten vielmehr eine Verbindung zwischen der langen Geschichte der Burg und der jungen demokratischen Tschechoslowakei herstellen.
Bei einer umfassenden Sanierung im Jahr 2012 wurden die Südgärten wieder stärker an Plečniks Gestaltung aus den 1920er-Jahren angenähert.
Paradiesgarten (Rajská zahrada)
Der Paradiesgarten (Rajská zahrada) bildet den westlichen Teil der Südgärten. Er liegt unterhalb des Hradschiner Platzes und gehört zu den ältesten Gartenstandorten innerhalb des Burgareals.
Seine heutige Gestaltung geht weitgehend auf Jože Plečnik zurück. Besonders auffällig ist die monumentale Treppe, die den Garten mit dem höher gelegenen Burgbereich verbindet. In der Mitte der großen Rasenfläche steht eine flache Granitschale, die zu den charakteristischen Gestaltungselementen des Gartens gehört.
Am Rand des Rasens wächst eine alte Eibe. Ihr Alter wird von der Verwaltung der Prager Burg auf etwa 400 Jahre geschätzt. Die Einfassung der Rasenfläche wurde eigens an die Form des Baumes angepasst.
Der Paradiesgarten wirkt großzügiger und ruhiger als der lange Promenadenbereich des benachbarten Gartens auf der Schanze. Durch seine klare geometrische Gestaltung bildet er einen repräsentativen Abschluss der Südgärten.
Der Zugang am Hradschiner Platz dient derzeit nur als Ausgang. Möchtest du den gesamten Gartenweg besuchen, solltest du deshalb am östlichen Ende oder über die Stiertreppe beginnen.
Garten auf der Schanze (Zahrada Na Valech)
Der Garten auf der Schanze (Zahrada Na Valech) ist der längste Teil der Südgärten. Er zieht sich unter einem großen Abschnitt der südlichen Burgfassade entlang und verbindet mehrere Aussichtsterrassen miteinander.
Der Name erinnert an den ehemaligen Befestigungswall, auf dem der Garten angelegt wurde. Jože Plečnik ließ die bestehende Mauer in den 1920er-Jahren deutlich absenken. Dadurch öffnete sich der zuvor abgeschirmte Bereich zur Stadt und wurde zu einer aussichtsreichen Promenade.
Im Zentrum liegt die Plečnik-Aussichtsterrasse (Plečnikova vyhlídka). Von hier bietet sich einer der schönsten Ausblicke der gesamten Prager Burg. Unterhalb der Terrasse kannst du über die Kleinseite und das Moldautal blicken. Auch die Kuppel der St.-Nikolaus-Kirche, der Petřín und zahlreiche Türme der Prager Innenstadt gehören zum Panorama.
Bei der Aussichtsterrasse befindet sich außerdem der ehemalige Wintergarten, der heute meist als Plečnik-Pavillon bezeichnet wird. Steinmauern, Treppen, geometrische Flächen und einzelne architektonische Elemente verleihen diesem Bereich einen beinahe mediterranen Charakter.

Mährische Bastei (Moravská bašta)
Am östlichen Ende des Gartens auf der Schanze liegt die Mährische Bastei (Moravská bašta). Der kleine Aussichtspunkt befindet sich etwas abseits des zentralen Gartenweges und wirkt dadurch besonders ruhig.
Tomáš Garrigue Masaryk soll sich hier während seiner Zeit als Staatspräsident gerne aufgehalten haben. Noch heute gehört die Mährische Bastei zu den Orten, an denen du die Verbindung zwischen der Prager Burg und ihrer Funktion als Präsidentensitz besonders gut erkennen kannst.
Von der Bastei führt der Weg weiter zum östlichen Burgtor bei Na Opyši. Von dort kannst du über die Alte Schlossstiege (Staré zámecké schody) zur Kleinseite hinabgehen.
Hartig-Garten (Hartigovská zahrada)
Der Hartig-Garten (Hartigovská zahrada) ist der kleinste und abgeschiedenste Teil der Südgärten. Er umfasst nur 757 Quadratmeter und liegt unterhalb der Plečnik-Aussichtsterrasse. Eine Treppe verbindet ihn mit dem Garten auf der Schanze.
Der Garten wurde im Jahr 1670 von Isabela Švihovská von Salm angelegt. An der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert entstand seine barocke Grundstruktur mit zwei übereinanderliegenden Terrassen.
Um 1720 gelangte das angrenzende Palais in den Besitz der Familie Hartig, die für ihre Förderung der Musik bekannt war. In dieser Zeit entstand im Garten ein mehrgeschossiger barocker Musikpavillon. Sein Entwurf wird dem Architekten Giovanni Battista Alliprandi zugeschrieben. Der Garten wurde damals auch für kleinere Konzerte und musikalische Zusammenkünfte genutzt.
Erst im Jahr 1960 wurde der Hartig-Garten in den Komplex der Südgärten aufgenommen. Seine heutige Gestaltung geht auf eine Umgestaltung zwischen 1963 und 1965 nach Plänen der Architekten Richard Podzemný und Adolf Benš zurück.
Hohe Mauern, zwei kleine Terrassen, Kletterpflanzen, Rosen und eine alte Eibe verleihen dem Garten einen geschützten, beinahe privaten Charakter. Zu den auffälligen Details gehört eine Figurengruppe mit Putten, die ein Schild mit dem böhmischen Löwen tragen.
Nach einer mehr als zehnjährigen Schließung wurde der Hartig-Garten im Mai 2026 wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der Besuch ist während der Gartensaison kostenlos.
Die schönsten Aussichtspunkte
Die bekannteste Aussicht innerhalb der Südgärten erwartet dich an der zentralen Plečnik-Terrasse. Durch ihre erhöhte und weitgehend freie Lage kannst du von hier besonders gut über die Kleinseite und das Prager Zentrum blicken.
Etwas ruhiger ist die Mährische Bastei am östlichen Ende. Der Blick ist hier teilweise von Bäumen und Mauern eingerahmt, wodurch der Aussichtspunkt intimer wirkt.
Auch entlang des Gartenweges öffnen sich immer wieder kleinere Sichtfenster auf die Stadt. Die Perspektive verändert sich dabei mit jedem Abschnitt. Mal liegt die Kleinseite unmittelbar unter dir, mal reicht der Blick über die Moldau bis weit in die Innenstadt.
Für Fotos eignen sich besonders der Vormittag und der spätere Nachmittag. Am Abend steht die Sonne häufig günstiger über der Stadt, während der Garten selbst teilweise bereits im Schatten der Burgfassade liegt.

Öffnungszeiten und Eintritt
Der Eintritt in die Südgärten ist kostenlos. Die Gärten werden jedoch nur während der wärmeren Monate geöffnet.
Im März kannst du sie normalerweise von 10:00 bis 17:00 Uhr besuchen. Von April bis Juni gelten Öffnungszeiten von 10:00 bis 19:00 Uhr. Im Juli und August bleiben die Gärten gewöhnlich bis 20:00 Uhr geöffnet. Im September schließen sie wieder um 19:00 Uhr und im Oktober um 17:00 Uhr.
Von November bis Ende Februar sind die Südgärten geschlossen. Wegen Veranstaltungen, staatlicher Termine, ungünstiger Witterung oder technischer Arbeiten können einzelne Bereiche auch während der Saison kurzfristig nicht zugänglich sein.
Welche Zugänge kannst du nutzen?
Die Südgärten besitzen zwei reguläre Eingänge. Der östliche Zugang befindet sich beim Burgtor Na Opyši oberhalb der Alten Schlossstiege.
Der zweite Eingang führt über die von Jože Plečnik entworfene Stiertreppe (Býčí schodiště) vom dritten Burghof hinunter zum Garten auf der Schanze. Die Treppe endet unmittelbar bei der zentralen Aussichtsterrasse.
Der westliche Zugang am Hradschiner Platz dient derzeit nur als Ausgang. Für einen durchgehenden Spaziergang bietet sich deshalb eine Laufrichtung von Ost nach West an.
Du kannst bei Na Opyši beginnen, durch den Garten auf der Schanze und den Paradiesgarten gehen und die Anlage anschließend am Hradschiner Platz verlassen. Alternativ steigst du vom dritten Burghof über die Stiertreppe hinab und entscheidest dich an der Aussichtsterrasse für eine der beiden Richtungen.
Wie kommst du hin?
Am bequemsten erreichst du die Südgärten mit den Straßenbahnlinien 22 oder 23. Steige an der Haltestelle Pražský hradaus und gehe über den nördlichen Zugang in das Burgareal. Vom zweiten und dritten Burghof gelangst du zur Stiertreppe.
Eine landschaftlich besonders schöne Strecke beginnt an der Metrostation Malostranská. Von dort gehst du zur Alten Schlossstiege und steigst bis zum Tor Na Opyši hinauf. Der Weg ist allerdings relativ steil und umfasst zahlreiche Stufen.
Für einen Rundgang ohne zusätzlichen Aufstieg kannst du mit der Straßenbahn zur Prager Burg fahren, die Südgärten besuchen und anschließend über Na Opyši und die Alte Schlossstiege zur Metrostation Malostranská hinabgehen.
So verbindest du die Gärten mit deinem Burgbesuch
Die Südgärten lassen sich gut in eine Besichtigung der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Prager Burg einbauen. Nach dem Besuch des St.-Veitsdoms (Katedrála svatého Víta), des Alten Königspalastes oder der St.-Georgs-Basilika kannst du vom dritten Burghof über die Stiertreppe in die Gärten hinabsteigen.
Für den Spaziergang durch den Garten auf der Schanze und den Paradiesgarten solltest du ungefähr 30 bis 45 Minuten einplanen. Möchtest du länger an den Aussichtspunkten bleiben oder zusätzlich den Hartig-Garten besuchen, ist entsprechend mehr Zeit sinnvoll.
Eine besonders abwechslungsreiche Route führt von den Burghöfen über die Stiertreppe zur Plečnik-Aussichtsterrasse und anschließend in östlicher Richtung zur Mährischen Bastei. Über das Tor Na Opyši und die Alte Schlossstiege gelangst du danach direkt hinunter zur Kleinseite.
Eingeschränkte Barrierefreiheit
Die Südgärten sind wegen ihrer historischen Lage und der zahlreichen Treppen nicht vollständig barrierefrei. Besonders die Stiertreppe, der Zugang zum Hartig-Garten und die Verbindung zur Alten Schlossstiege sind für Rollstühle oder Kinderwagen ungeeignet.
Teile des Gartens auf der Schanze können je nach geöffnetem Zugang auch ohne größere Treppenabschnitte erreicht werden. Da die Besucherführung und einzelne Absperrungen kurzfristig geändert werden können, solltest du dich bei eingeschränkter Mobilität vor Ort in einem Informationszentrum der Prager Burg nach dem aktuell besten Zugang erkundigen.























