Der Wallenstein-Garten (Valdštejnská zahrada) liegt auf der Kleinseite (Malá Strana) zwischen dem Wallenstein-Palast, der Wallenstein-Reithalle und der Straße Letenská. Hinter hohen Mauern verbirgt sich eine streng gegliederte Gartenanlage mit geschnittenen Hecken, Springbrunnen, mythologischen Skulpturen, einem großen Teich und einer monumentalen offenen Gartenhalle. Mit einer Fläche von etwa 1,7 Hektar gehört der Wallenstein-Garten zu den größten historischen Gärten im Zentrum Prags.
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Der Garten entstand gemeinsam mit dem Wallenstein-Palast (Valdštejnský palác) zwischen 1623 und 1630. Auftraggeber war Albrecht von Wallenstein, einer der mächtigsten Heerführer und Adeligen zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Für den Bau des umfangreichen Palastkomplexes wurden zahlreiche ältere Häuser, Gärten und weitere Grundstücke zusammengelegt. An der Planung beteiligten sich unter anderem die Architekten Giovanni Pieroni, Andrea Spezza und Nicolo Sebregondi. Wallenstein nahm selbst Einfluss auf die Gestaltung und äußerte in erhaltenen Briefen eigene Wünsche und Verbesserungsvorschläge.
Die Anlage gilt als eines der frühesten Beispiele eines repräsentativen Palastgartens in Prag. Ihre Gestaltung orientiert sich an italienischen Gärten des Manierismus und des frühen Barocks. Der Garten ist in zwei geometrisch unterschiedliche Bereiche unterteilt. Der größere Teil wird von einem streng angelegten Blumenparterre, geraden Wegen, niedrigen Buchsbaumhecken und der mächtigen Sala terrena geprägt. Im kleineren östlichen Abschnitt befinden sich der große Teich, die ehemalige Reithalle, ein Gewächshaus und weitere Gartenbereiche.
Das architektonische Zentrum des Gartens ist die Sala terrena, eine monumentale offene Halle mit drei hohen Rundbögen. Sie wurde 1629 vollendet und bildete eine direkte Fortsetzung der repräsentativen Räume des Palasts. Von der Halle aus konnten Wallenstein und seine Gäste den Garten überblicken, ohne das Gebäude vollständig verlassen zu müssen. Die Größe der Sala terrena war für einen Prager Adelspalast dieser Zeit außergewöhnlich und sollte den gesellschaftlichen Rang des Bauherrn unterstreichen.
Das Innere der Sala terrena ist mit Stuckarbeiten und insgesamt 32 gemalten Szenen geschmückt. Die Darstellungen greifen vor allem Motive aus der antiken Mythologie und dem Trojanischen Krieg auf. Das Deckengemälde zeigt den Olymp mit Zeus, Hera, Aphrodite und weiteren Göttern. Die Ausmalung stammt aus dem Umfeld des italienischen Malers Baccio del Bianco, der auch an der Ausstattung des Wallenstein-Palasts beteiligt war. Heute dient die Sala terrena während der wärmeren Monate regelmäßig als Kulisse für Konzerte und andere kulturelle Veranstaltungen.
Vor der Sala terrena erstreckt sich ein geometrisch angelegtes Blumenparterre. Je nach Jahreszeit blühen hier unter anderem Tulpen und weitere Zierpflanzen. Im Mittelpunkt steht ein Brunnen mit einer Bronzefigur von Venus und Amor. Geschnittene Hecken, symmetrische Wege und regelmäßig angeordnete Bäume lenken den Blick auf die offene Gartenhalle und verleihen diesem Teil der Anlage ein besonders repräsentatives Erscheinungsbild.
Entlang des Hauptwegs stehen bronzene Figuren antiker Götter, mythologischer Gestalten und Pferde. Die ursprünglichen Skulpturen schuf der niederländische Bildhauer Adriaen de Vries, der zuvor am Hof Kaiser Rudolfs II. in Prag gearbeitet hatte. Zu den dargestellten Figuren gehören unter anderem Neptun, Bacchus und Laokoon mit seinen Söhnen. Die Originale wurden 1648 am Ende des Dreißigjährigen Krieges von schwedischen Truppen als Kriegsbeute abtransportiert und befinden sich heute in Schweden. Die im Wallenstein-Garten aufgestellten Werke sind Kopien, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach den Originalen angefertigt wurden.
Zu den auffälligsten Bereichen gehört die künstliche Tropfsteinwand, die häufig als Grotte bezeichnet wird. Ihre dunkle, unregelmäßige Oberfläche besteht aus künstlich geformten Stalaktiten aus Kalkstuck. Bei genauer Betrachtung lassen sich in den bizarren Formen Gesichter, Schlangen, Frösche und andere tierähnliche Silhouetten erkennen. Die geheimnisvoll wirkende Wand sollte eine künstliche Höhlenlandschaft nachbilden und steht in deutlichem Kontrast zur geometrischen Ordnung des übrigen Gartens.
Neben der Tropfsteinwand befindet sich eine große historische Voliere. In diesem Bereich werden unter anderem Eurasische Uhus gehalten. Zu den bekanntesten Bewohnern des Gartens gehören außerdem frei laufende Pfauen. Neben den häufiger zu sehenden blauen Pfauen leben hier auch weiße Tiere. Im großen Teich schwimmen Karpfen und weitere Fischarten, während sich zeitweise Enten und Teichhühner in der Anlage aufhalten. Die Tiere dürfen weder gefüttert noch berührt oder mit Blitzlicht fotografiert werden.
Der große Teich bildet den Mittelpunkt des östlichen Gartenteils. Auf einer kleinen künstlichen Insel steht eine Kopie der Herkulesfigur von Adriaen de Vries. Sie zeigt den antiken Helden mit erhobenem Streitkolben im Kampf gegen einen Drachen. Der Teich diente früher nicht nur als dekoratives Element: Im Jahr 1816 führte der tschechische Erfinder Josef Božek hier Versuche mit dem Modell eines Dampfschiffs durch.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Wallenstein-Garten mehrfach verändert. Im 18. Jahrhundert war ein großer Teil dichter bewachsen und von kleinen Wegen durchzogen. Weitere Umgestaltungen erfolgten im 19. und 20. Jahrhundert. Zwischen 2000 und 2001 wurde die Anlage umfassend restauriert, wobei historische Wege, Wasseranlagen, Pflanzungen und architektonische Elemente wiederhergestellt wurden. Seit 1996 gehört der Garten zum Komplex des tschechischen Senats. Der benachbarte Wallenstein-Palast ist heute dessen offizieller Sitz.
Die ehemalige Wallenstein-Reithalle (Valdštejnská jízdárna) schließt die Gartenanlage im Osten ab. Sie wurde ursprünglich für Reitübungen und höfische Veranstaltungen genutzt. Heute dient sie der Nationalgalerie Prag als Ausstellungsraum für wechselnde Kunstausstellungen. Der Zugang zur Reithalle und der Besuch ihrer Ausstellungen sind organisatorisch vom frei zugänglichen Garten getrennt.
Der Wallenstein-Garten ist trotz seiner Nähe zur Prager Burg und zur stark besuchten Kleinseite ein vergleichsweise ruhiger Ort. Besonders eindrucksvoll ist der Blick vom Blumenparterre auf die Sala terrena. Auch die Tropfsteinwand, die frei laufenden Pfauen und die Skulpturen entlang des Hauptwegs machen die Anlage zu einer ungewöhnlichen Verbindung aus Gartenkunst, Architektur und Tierwelt. Für einen entspannten Rundgang solltest du ungefähr 20 bis 40 Minuten einplanen.
Im Jahr 2026 ist der Wallenstein-Garten (Valdštejnská zahrada) vom 1. April bis zum 31. Oktober geöffnet. Von Montag bis Freitag ist der Zugang von 7 bis 19 Uhr möglich, an Wochenenden und tschechischen Feiertagen von 9 bis 19 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos. Bei starkem Regen, Veranstaltungen oder aus betrieblichen Gründen kann der Garten vorübergehend früher schließen.
Es gibt drei Zugänge: von der Straße Letenská, vom ersten Innenhof des Wallenstein-Palasts und von Klárov nahe der Metrostation Malostranská. Hunde sind im Garten nicht erlaubt. Private, nicht kommerzielle Fotos sind gestattet, größere Aufbauten oder professionelle Fotoausrüstung dürfen jedoch nicht ohne Genehmigung installiert werden.
