Kreuzherrenplatz (Křižovnické náměstí)

Der Kreuzherrenplatz (Křižovnické náměstí) gehört zu den kleinsten historischen Plätzen im Zentrum von Prag – gleichzeitig liegt er an einer der prominentesten Stellen der Stadt. Direkt hier beginnt die Karlsbrücke (Karlův most) auf der Altstädter Seite. Rund um den Platz stehen mit dem Altstädter Brückenturm, zwei bedeutenden Kirchen und dem Denkmal Karls IV. gleich mehrere Sehenswürdigkeiten auf engstem Raum. Viele Besucher überqueren den Platz lediglich auf dem Weg zur Karlsbrücke. Dabei lohnt es sich, hier etwas genauer hinzusehen. Unter dem heutigen Platz verbergen sich Spuren des mittelalterlichen Prags, und selbst die Geschichte der Vorgängerbrücke der Karlsbrücke lässt sich hier noch entdecken.

Belebter Kreuzherrenplatz mit Altstädter Brückenturm, Karls-IV.-Denkmal, Straßenlaternen und Mondsichel am Abend
Der belebte Kreuzherrenplatz mit Altstädter Brückenturm, Karls-IV.-Denkmal und historischen Straßenlaternen.

Kreuzherrenplatz direkt an der Karlsbrücke

Der Kreuzherrenplatz (Křižovnické náměstí) befindet sich in der Altstadt (Staré Město) unmittelbar am rechten Moldauufer. Seine westliche Seite geht praktisch direkt in den Zugang zur Karlsbrücke über.

Beherrscht wird dieser Bereich vom Altstädter Brückenturm (Staroměstská mostecká věž). Durch das gotische Tor gelangst du auf die Karlsbrücke und weiter in Richtung Kleinseite (Malá Strana) und Prager Burg.

Obwohl täglich sehr viele Besucher über den Platz laufen, ist er erstaunlich klein. Gerade dadurch wirkt die Architektur besonders dicht: Barocke Kirchenfassaden, gotische Baukunst, das Karl-IV.-Denkmal und der Blick auf die Moldau treffen hier auf wenigen Metern zusammen.

Woher kommt der Name Kreuzherrenplatz?

Der heutige Name geht auf den Ritterorden der Kreuzherren mit dem Roten Stern (Rytířský řád křižovníků s červenou hvězdou) zurück.

Der Orden entwickelte sich aus einer im 13. Jahrhundert von der heiligen Agnes von Böhmen gegründeten Hospitalgemeinschaft. Bereits im Mittelalter siedelten sich die Kreuzherren unmittelbar an der damaligen Brücke über die Moldau an.

Sie waren eng mit dem Betrieb der Brücke verbunden und erhielten unter anderem das Recht, Brückenzoll zu erheben.

Seit 1870 trägt der Platz offiziell seinen heutigen Namen. Zuvor wurde der Bereich unter anderem als Brückenplatz bezeichnet.

Der Kreuzherrenplatz sah früher völlig anders aus

Die heutige Form des Platzes ist vergleichsweise jung.

Im Mittelalter verlief hier noch ein Seitenarm der Moldau. Dadurch entstand unmittelbar vor dem Altstadtufer eine kleine Insel, die als Kreuzherreninsel bekannt war. Teile des Ordenskomplexes lagen auf beziehungsweise unmittelbar an dieser Insel.

Erst im 19. Jahrhundert wurde das Gelände grundlegend verändert. In den Jahren 1847 und 1848 wurde der Wasserarm überwölbt, das Gelände aufgeschüttet und der Bereich am Brückenkopf neu gestaltet.

An einigen Stellen wurde das Bodenniveau dabei um mehrere Meter angehoben.

Der Platz, über den Besucher heute zur Karlsbrücke laufen, sah im mittelalterlichen Prag deshalb deutlich anders aus.

Spuren der alten Judithbrücke

Besonders interessant ist die Verbindung des Kreuzherrenplatzes zur Judithbrücke (Juditin most).

Sie war die steinerne Vorgängerin der Karlsbrücke und wurde bereits im 12. Jahrhundert errichtet. Nach schweren Schäden durch ein Hochwasser im Jahr 1342 wurde sie schließlich durch die heutige Karlsbrücke ersetzt.

Reste der Judithbrücke haben sich bis heute rund um den Kreuzherrenplatz erhalten.

Teile befinden sich innerhalb der historischen Gebäude des Kreuzherrenordens und im Bereich unterhalb des heutigen Straßenniveaus. Auch ein alter Brückenbogen ist erhalten geblieben.

Damit treffen am Kreuzherrenplatz zwei unterschiedliche Epochen der Prager Brückengeschichte unmittelbar aufeinander.

Historisches Pflaster nahe der früheren Brücke

Ein weiteres Detail lässt sich nahe der Kirche des hl. Franziskus entdecken. Rund um die dort stehende Weinbergsäule sind historische Pflastersteine erhalten, die mit dem Bereich der ehemaligen Judithbrücke verbunden werden.

Wer nur schnell zur Karlsbrücke weiterläuft, übersieht diesen unscheinbaren Hinweis auf das mittelalterliche Prag leicht.

Kirche des hl. Franziskus von Assisi

An der Nordseite des Platzes steht die Kirche des hl. Franziskus von Assisi (Kostel sv. Františka z Assisi).

Ihre grüne Kuppel gehört zu den auffälligsten architektonischen Elementen am Kreuzherrenplatz. Der heutige frühbarocke Kirchenbau entstand überwiegend zwischen 1679 und 1685 nach Plänen des französischen Architekten Jean-Baptiste Mathey.

Bereits zuvor befand sich an dieser Stelle ein mittelalterlicher Kirchenbau.

Im Inneren fällt besonders die große Kuppel auf. Sie ist mit einem monumentalen Fresko des Jüngsten Gerichts von Václav Vavřinec Reiner ausgestattet.

Auch die historische Barockorgel gehört zu den Besonderheiten der Kirche. Sie stammt aus dem frühen 18. Jahrhundert und zählt zu den ältesten erhaltenen Orgeln Prags.

Kirche des Allerheiligsten Salvators

Direkt gegenüber befindet sich die Kirche des Allerheiligsten Salvators (Kostel Nejsvětějšího Salvátora).

Sie gehört zum benachbarten Klementinum und war eine der wichtigsten Jesuitenkirchen Böhmens. Der Bau begann im späten 16. Jahrhundert und wurde über mehrere Jahrzehnte erweitert und umgestaltet.

Besonders auffällig ist die monumentale Fassade zum Kreuzherrenplatz.

Zahlreiche Figuren schmücken den oberen Bereich des Gebäudes und machen die Kirche zu einem der prägenden Elemente am östlichen Ende der Karlsbrücke.

Das direkte Gegenüber der beiden Kirchen sorgt dafür, dass der kleine Kreuzherrenplatz deutlich monumentaler wirkt, als es seine tatsächliche Größe vermuten lässt.

Denkmal Karls IV.

In der Mitte des Platzes steht das weithin sichtbare Denkmal Karls IV. (Pomník Karla IV.).

Das Monument entstand anlässlich des 500-jährigen Jubiläums der Gründung der Prager Universität. Karl IV. hatte die heutige Karlsuniversität 1348 gegründet.

Die Statue zeigt den Kaiser mit der Gründungsurkunde der Universität in der Hand.

Das Denkmal wurde 1848 aufgestellt. Aufgrund der politischen Unruhen während des Revolutionsjahres 1848 erfolgte die offizielle Enthüllung allerdings erst 1851.

Die vier Fakultäten am Sockel

Ein interessantes Detail befindet sich am Sockel der Statue.

Dort sitzen vier allegorische Figuren, die für die ursprünglichen Fakultäten der mittelalterlichen Universität stehen:

  • Theologie
  • Medizin
  • Rechtswissenschaft
  • Philosophie

Zusätzlich sind bedeutende Persönlichkeiten aus der Zeit Karls IV. dargestellt.

Wer sich das Denkmal etwas genauer ansieht, entdeckt deshalb deutlich mehr als nur eine klassische Herrscherstatue.

Weinbergsäule mit dem hl. Wenzel

An der Ecke der Franziskuskirche steht ein wesentlich kleineres Denkmal, das leicht übersehen wird.

Die Weinbergsäule mit dem hl. Wenzel (Viniční sloup se svatým Václavem) stammt aus dem 17. Jahrhundert. Geschaffen wurde sie vom Bildhauer Jan Jiří Bendl.

Weinreben und Trauben schmücken die Säule. Oben steht der heilige Wenzel, der in Böhmen unter anderem mit dem Weinbau verbunden ist.

Gerade weil die Säule zwischen den deutlich größeren Bauwerken des Kreuzherrenplatzes fast untergeht, gehört sie zu den interessanten Details für einen zweiten Blick.

Altstädter Brückenturm

Am westlichen Rand des Platzes erhebt sich der Altstädter Brückenturm (Staroměstská mostecká věž).

Er entstand im 14. Jahrhundert im Zusammenhang mit dem Bau der Karlsbrücke und gilt als eines der bedeutendsten gotischen Bauwerke Prags.

Der Turm war nicht nur ein befestigtes Stadttor. Er sollte gleichzeitig einen repräsentativen Eingang in die Altstadt bilden.

Das passt zu seiner Lage an der historischen Königsroute.

Von der Aussichtsgalerie des Turms kannst du den Kreuzherrenplatz besonders gut von oben betrachten. Erst aus dieser Perspektive wird deutlich, wie klein der Platz tatsächlich ist und wie viele bedeutende Bauwerke sich rund um ihn konzentrieren.

Der Kreuzherrenplatz auf der Königsroute

Der Platz war Teil der historischen Königsroute (Královská cesta).

Auf diesem Weg zogen die böhmischen Herrscher während ihrer Krönungsprozessionen durch Prag. Die Route führte aus der Altstadt über die Karlsbrücke, durch die Kleinseite und weiter hinauf zur Prager Burg.

Der Altstädter Brückenturm bildete dabei ein repräsentatives Tor.

Der Kreuzherrenplatz war damit nicht einfach nur ein Bereich vor der Brücke, sondern Teil einer der wichtigsten zeremoniellen Achsen des historischen Prags.

Einer der klassischen Ausblicke auf die Prager Burg

Auch wegen seiner Lage lohnt sich ein kurzer Stopp.

Vom Moldauufer am Kreuzherrenplatz öffnet sich der Blick über den Fluss zur Kleinseite. Über den historischen Dächern erhebt sich die Prager Burg mit dem St.-Veitsdom.

Besonders am frühen Morgen oder gegen Abend gehört dieser Blick zu den klassischen Stadtansichten Prags.

Gleichzeitig kannst du von hier die Karlsbrücke seitlich betrachten – eine Perspektive, die sich deutlich von den bekannten Ansichten direkt auf der Brücke unterscheidet.

Wann lohnt sich ein Besuch?

Da der Kreuzherrenplatz direkt am östlichen Zugang zur Karlsbrücke liegt, gehört er tagsüber zu den belebtesten Bereichen der Altstadt.

Wenn du die Architektur und die historischen Details in Ruhe ansehen möchtest, lohnt sich ein Besuch besonders am frühen Morgen. Zu dieser Zeit sind Karlsbrücke und Platz meist deutlich leerer als am Nachmittag.

Am Abend entsteht dagegen durch die beleuchteten Fassaden, den Brückenturm und die Lichter entlang der Moldau eine besonders stimmungsvolle Atmosphäre.

Was gibt es rund um den Kreuzherrenplatz zu sehen?

Durch seine zentrale Lage lässt sich der Platz sehr gut mit weiteren Sehenswürdigkeiten verbinden.

Direkt angrenzend oder nur wenige Schritte entfernt liegen:

  • Karlsbrücke (Karlův most)
  • Altstädter Brückenturm (Staroměstská mostecká věž)
  • Klementinum
  • Altstadt (Staré Město)
  • Smetana-Ufer (Smetanovo nábřeží)
  • Altstädter Ring (Staroměstské náměstí)

Wer Richtung Karlsbrücke weitergeht, erreicht anschließend die Kleinseite und kann von dort zur Prager Burg hinaufgehen.

Ein Platz, an dem mehrere Epochen zusammenkommen

Der Kreuzherrenplatz ist wesentlich mehr als nur der Vorplatz der Karlsbrücke.

Auf wenigen Metern findest du hier Spuren der romanischen Judithbrücke, gotische Architektur aus der Zeit Karls IV., barocke Kirchen und Veränderungen aus dem 19. Jahrhundert.

Gerade diese Mischung macht den kleinen Platz interessant. Wer sich auf dem Weg zur Karlsbrücke ein paar Minuten mehr Zeit nimmt, entdeckt hier einen Ort, an dem sich die Entwicklung Prags vom mittelalterlichen Brückenkopf bis zum heutigen historischen Stadtzentrum besonders gut nachvollziehen lässt.