Platz der Brüder Synek (Náměstí Bratří Synků)

Der Platz der Brüder Synek (Náměstí Bratří Synků) gehört zu den wichtigsten Plätzen im Prager Stadtteil Nusle. Touristisch steht er deutlich weniger im Mittelpunkt als die großen Plätze der Altstadt oder Neustadt. Gerade deshalb vermittelt er einen guten Eindruck vom alltäglichen Prag außerhalb der klassischen Sehenswürdigkeiten. Straßenbahnen durchqueren den Platz, Geschäfte und Wohnhäuser säumen seine Seiten und in der Mitte sorgt eine kleine Grünanlage für etwas Abstand vom Verkehr. Gleichzeitig ist der Platz eng mit der Geschichte von Nusle verbunden und soll künftig durch die Metrolinie D noch stärker an Bedeutung gewinnen.

Vom Schlossgelände zum Stadtteilplatz

Der heutige Platz entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als sich Nusle zunehmend von einer eher vorstädtischen Siedlung zu einem dicht bebauten Stadtviertel entwickelte.

In diesem Bereich befanden sich zuvor Teile des Nusler Schlosses und seines Wirtschaftshofes. Mit der fortschreitenden Bebauung veränderte sich das Gebiet grundlegend. Um 1903 entstand der neue Platz, der von mehrgeschossigen Wohn- und Geschäftshäusern eingefasst wurde.

Bis heute lässt sich rund um den Platz gut erkennen, wie stark Nusle während dieser Phase gewachsen ist.

Ein Platz mit mehreren Namen

Auch die verschiedenen Namen des Platzes erzählen ein Stück Prager Geschichte.

Bei seiner Entstehung erhielt er zunächst den Namen Riegrovo náměstí nach dem tschechischen Politiker und Publizisten František Ladislav Rieger. Während der deutschen Besatzung wurde er in Metodějovo náměstí umbenannt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte zunächst der frühere Name zurück. Seit 1948 trägt der Platz schließlich seinen heutigen Namen Náměstí Bratří Synků.

Eine Büste von František Ladislav Rieger an einem der Gebäude erinnert noch heute an die frühere Bezeichnung des Platzes.

Wer waren die Brüder Synek?

Namensgeber sind die Brüder Otto Synek und Viktor Synek.

Beide waren überzeugte Kommunisten und während der deutschen Besatzung im illegalen kommunistischen Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime aktiv. Beide wurden 1941 verfolgt und kamen infolge der nationalsozialistischen Repression ums Leben.

Seit 1948 erinnert der Name des Platzes an die beiden Brüder.

Im Prager Alltag wird der lange Name häufig abgekürzt. Umgangssprachlich nennen viele Prager den Platz einfach „Synkáč“.

Architektur rund um den Platz

Das Erscheinungsbild wird vor allem durch die mehrgeschossigen Wohn- und Geschäftshäuser geprägt, die während der starken Entwicklung von Nusle Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden.

Dadurch besitzt der Platz trotz Straßenbahn- und Autoverkehr noch immer den Charakter eines traditionellen Prager Stadtteilzentrums.

Nationalhaus Nusle (Národní dům v Nuslích)

Zu den auffälligsten historischen Gebäuden am Platz gehört das Nationalhaus Nusle (Národní dům v Nuslích).

Der repräsentative Bau entstand nach Plänen des Architekten Antonín Fric und fällt besonders durch seine reich gegliederte Neorenaissancefassade auf. Das Gebäude stammt aus der Zeit, in der Nusle stark wuchs und zunehmend ein eigenes städtisches Zentrum entwickelte.

Heute gehört das Nationalhaus zu den markantesten historischen Bauwerken rund um den Platz und steht unter Denkmalschutz.

Kleine Grünanlage mitten in Nusle

Im Zentrum des Náměstí Bratří Synků befindet sich eine kleine Grünanlage mit Bäumen und Sitzmöglichkeiten.

Sie bildet einen deutlichen Kontrast zum Verkehr, der rund um und teilweise durch den Platz geführt wird. Für viele Bewohner von Nusle ist der Platz deshalb nicht nur Verkehrsknoten, sondern auch Treffpunkt und Teil des alltäglichen Lebens im Viertel.

Poesiomat

In der Grünanlage steht außerdem ein Poesiomat.

Die ungewöhnliche Installation funktioniert ähnlich wie eine mechanische Jukebox, spielt jedoch keine gewöhnliche Musikauswahl ab. Stattdessen kannst du verschiedene Gedichte, Texte, Musikstücke und Tonaufnahmen hören, die einen Bezug zu Nusle besitzen.

Sogar das Geräusch des Botič, der durch Nusle fließt, gehört zum Programm.

Wichtiger Straßenbahnknoten in Nusle

Für den öffentlichen Nahverkehr besitzt der Platz eine wichtige Funktion. Mehrere Straßenbahnstrecken treffen hier aufeinander und verbinden Nusle mit der Prager Innenstadt sowie mit südlich gelegenen Stadtteilen.

Die Straßenbahnen gehören deshalb fest zum Erscheinungsbild des Platzes.

Auch wenn du den Platz nicht gezielt besuchen möchtest, kommst du bei Fahrten durch Nusle möglicherweise hier vorbei. Gerade aus der Straßenbahn lässt sich gut beobachten, wie sich das historische Stadtviertel rund um den Platz entwickelt hat.

Zukünftige Metrostation Náměstí Bratří Synků

In Zukunft soll der Platz noch stärker in das Prager Verkehrsnetz eingebunden werden.

Für die geplante Metrolinie D ist eine Station Náměstí Bratří Synků vorgesehen. Sie soll im Bereich zwischen dem Platz und der Otakarova entstehen und einen direkten Übergang zwischen Metro und Straßenbahn ermöglichen.

Geplant ist eine relativ flach unter der Oberfläche liegende Station mit Mittelbahnsteig und zwei unterirdischen Vestibülen.

Die Planungen für diesen nördlichen Abschnitt der Metrolinie D befinden sich noch in Entwicklung. Damit könnte sich auch das Umfeld des Platzes in den kommenden Jahren deutlich verändern.

Náměstí Bratří Synků als Ausgangspunkt für Nusle

Der Platz eignet sich gut als Ausgangspunkt, wenn du Nusle abseits der klassischen touristischen Routen kennenlernen möchtest.

In der Umgebung findest du weitere Orte, die eng mit der Geschichte des Viertels verbunden sind. Dazu gehören das Nusler Rathaus, das Theater Na Fidlovačce und der Grünbereich rund um Folimanka.

Gerade diese Mischung macht Náměstí Bratří Synků interessant: Der Platz ist keine einzelne große Sehenswürdigkeit, sondern ein Stück alltägliches Prag mit historischer Architektur, Straßenbahnen, kleinen Geschäften und einem Stadtviertel, das sich bis heute ständig weiterentwickelt.