Goja Music Hall

Die Goja Music Hall gehört zu den ungewöhnlichsten Veranstaltungsorten in Prag. Das pyramidenförmige Gebäude steht auf dem Ausstellungsgelände Prag (Výstaviště Praha) in Holešovice und fällt zwischen den historischen Ausstellungshallen sofort ins Auge. Heute ist die Goja Music Hall vor allem als Musical- und Theaterbühne bekannt. Ursprünglich entstand die markante Stahlkonstruktion jedoch als Ausstellungspavillon. Damit erzählt das Gebäude zugleich ein Stück jüngerer Geschichte des Prager Ausstellungsgeländes.

Goja Music Hall mit ihrer markanten pyramidenförmigen Architektur auf dem Prager Messegelände (Výstaviště Praha) in Prag.
Pyramidenförmige Veranstaltungshalle für Musicals und Konzerte

Eine Pyramide mitten auf dem Ausstellungsgelände

Die heutige Goja Music Hall wurde 1991 für die Allgemeine Ausstellung in Prag errichtet. Entworfen wurde das Gebäude vom Architekten Josef Matyáš.

Ihre Architektur unterscheidet sich deutlich von den historischen Bauwerken des Ausstellungsgeländes. Während beispielsweise der Industriepalast (Průmyslový palác) aus dem späten 19. Jahrhundert stammt, entstand die Pyramide genau 100 Jahre später.

Die Konstruktion besteht überwiegend aus Stahl. Mit einer Grundfläche von knapp 50 Metern Seitenlänge und einer Höhe von mehr als 40 Metern wirkt das Gebäude deutlich größer, als es aus manchen Perspektiven zunächst erscheint.

Wegen seiner Form wird es bis heute häufig einfach Pyramida, also Pyramide, genannt.

Von der Ausstellungshalle zum Theater

Ursprünglich war die Pyramide kein klassisches Theater. Sie wurde als Pavillon für Ausstellungen und Veranstaltungen gebaut und war Teil der umfangreichen Nutzung des Areals während der Ausstellung von 1991.

Später wurde das Gebäude zunehmend für kulturelle Veranstaltungen genutzt und zum Theater umgebaut. Zeitweise war es unter der Bezeichnung Divadlo Pyramida bekannt.

Damit begann die Entwicklung vom temporär wirkenden Ausstellungspavillon zu einer dauerhaft genutzten Prager Kultur- und Musicalbühne.

Das Hochwasser von 2002

Ein wichtiger Einschnitt in der Geschichte des Gebäudes war das verheerende Prager Hochwasser im August 2002.

Große Teile von Holešovice und des Ausstellungsgeländes standen damals unter Wasser. Auch die Pyramide wurde stark betroffen.

Nach der Flut wurde das Gebäude umfangreich renoviert und modernisiert. In diesem Zusammenhang entstand die heutige Nutzung als Goja Music Hall.

Woher kommt der Name Goja?

Der Name GoJa geht auf Karel Gott und den Musikproduzenten František Janeček zurück.

Beide gründeten 1993 die Agentur Gott–Janeček. Aus der Verbindung ihrer Nachnamen entstand die Bezeichnung GoJa.

Die Agentur konzentrierte sich zunächst unter anderem auf Konzerte und Musikproduktionen. Später wurden große Musicalproduktionen zu einem wichtigen Bestandteil ihrer Arbeit.

Die Goja Music Hall entwickelte sich dadurch zu einer festen Adresse für Musicals in Prag.

Große Musicals in der Goja Music Hall

Im Laufe der Jahre wurden in der Goja Music Hall zahlreiche bekannte internationale Musicals in tschechischer Sprache aufgeführt.

Zu den Produktionen gehören unter anderem:

  • Les Misérables – Bídníci
  • Miss Saigon
  • Das Phantom der Oper
  • Tanz der Vampire (Ples upírů)
  • Wicked – Čarodějka

Gerade aufwendige Musicalproduktionen prägen den Ruf der Halle bis heute.

Der Zuschauerraum bietet Platz für rund 864 Besucher und ist damit deutlich kleiner als große Arenen, aber groß genug für aufwendige Bühnenproduktionen.

Mehr als nur eine Musicalbühne

Obwohl Musicals einen großen Teil der Bekanntheit der Goja Music Hall ausmachen, kann das Gebäude auch für andere Veranstaltungen genutzt werden.

Dazu gehören beispielsweise Theateraufführungen, Musik- und Tanzveranstaltungen, Festivals, Multimedia-Shows oder Modeschauen.

Durch die ungewöhnliche Form und den großen Innenraum unterscheidet sich die Atmosphäre deutlich von einem klassischen Prager Theaterhaus.

Architektur zwischen 1891 und 1991

Besonders interessant wird die Goja Music Hall im Zusammenhang mit ihrer Umgebung.

Das Ausstellungsgelände Prag (Výstaviště Praha) wurde ursprünglich für die Jubiläumsausstellung von 1891 aufgebaut. Viele Teile des Areals erinnern deshalb an die Architektur und technische Begeisterung des späten 19. Jahrhunderts.

Die Pyramide entstand dagegen für eine große Ausstellung im Jahr 1991.

Zwischen beiden Bauphasen liegen genau 100 Jahre. Dadurch treffen auf dem Gelände sehr unterschiedliche Vorstellungen von moderner Ausstellungsarchitektur unmittelbar aufeinander.

Neben den historischen Gebäuden wirkt die Goja Music Hall deshalb fast wie ein architektonischer Fremdkörper – gleichzeitig ist genau dieser Kontrast Teil ihres Reizes.

Goja Music Hall besuchen

Die Goja Music Hall befindet sich im südlichen Bereich des Ausstellungsgeländes in Prag 7 – Holešovice.

Sie ist keine Sehenswürdigkeit mit klassischen täglichen Besichtigungszeiten. Der Zugang richtet sich nach dem jeweiligen Veranstaltungsprogramm.

Wenn du dir das Gebäude nur von außen ansehen möchtest, kannst du einen Besuch gut mit einem Spaziergang über das Ausstellungsgelände verbinden.

In unmittelbarer Umgebung befinden sich unter anderem der Industriepalast (Průmyslový palác), der Stromovka-Parkund weitere Veranstaltungs- und Freizeiteinrichtungen des Výstaviště.

Wie kommst du zur Goja Music Hall?

Am einfachsten erreichst du das Ausstellungsgelände mit der Straßenbahn.

Die Haltestelle Výstaviště liegt direkt am Haupteingang des Areals. Von dort sind es nur wenige Minuten zu Fuß bis zur Goja Music Hall.

Eine weitere Möglichkeit ist die Metrostation Nádraží Holešovice der Linie C. Von dort kannst du mit der Straßenbahn weiterfahren oder das Ausstellungsgelände zu Fuß erreichen.

Eine ungewöhnliche Seite des Prager Ausstellungsgeländes

Die Goja Music Hall gehört nicht zu den klassischen historischen Sehenswürdigkeiten Prags. Gerade deshalb ist sie interessant.

Die Pyramide zeigt eine deutlich jüngere architektonische Schicht des Ausstellungsgeländes und erinnert an die große Ausstellung von 1991. Gleichzeitig hat sie sich vom ehemaligen Messepavillon zu einer bekannten Musical- und Veranstaltungsbühne entwickelt.

Wer das Výstaviště besucht, entdeckt hier unmittelbar neben historischer Prager Ausstellungsarchitektur ein Bauwerk, das hundert Jahre später entstand und dennoch längst selbst Teil der Geschichte des Geländes geworden ist.

Eingang der Goja Music Hall mit ihrer markanten pyramidenförmigen Architektur auf dem Prager Messegelände (Výstaviště Praha).
Veranstaltungshalle mit markanter pyramidenförmiger Architektur