Bastion der Marter Gottes (Bastion U Božích muk)

Die Bastion XXXI der Neustädter Stadtbefestigung, bekannt als Bastion U Božích muk, auf Deutsch oft als „Bastion der Marter Gottes“ oder „Am Wegkreuz“ bezeichnet, gehört zu jenen Orten in Prag, die man nicht zufällig entdeckt, sondern bewusst aufsucht. Abseits der bekannten Routen, am Rand der Prager Neustadt, öffnet sich hier ein stiller Abschnitt der historischen Stadtbefestigung – ruhig, zurückhaltend und voller Atmosphäre.

Ursprünglich war die Bastion Teil der mächtigen Verteidigungsanlagen, die Prag seit dem Mittelalter schützten. Auf gotischen Mauern aufgebaut und im Barock weiter verstärkt, diente sie einst der Kontrolle über das umliegende Gelände und das Tal des Botič-Bachs. Heute erzählen die massiven Mauern weniger von militärischer Macht als von der langen, vielschichtigen Geschichte der Stadt.

Ihr ungewöhnlicher Name verweist auf frühere religiöse Bildstöcke und Andachtsorte, die sich entlang alter Wege befanden. Diese Verbindung aus Glaube, Alltag und Verteidigung verleiht der Bastion bis heute eine besondere Stimmung – ruhig, beinahe nachdenklich.

Heute ist die Bastion ein offener Ort zum Verweilen. Von hier blickst du über die Dächer der Neustadt, hinüber in Richtung Nusle und bis zum benachbarten Prager Hochburg (Vyšehrad). Besonders in den frühen Morgenstunden oder am Abend entfaltet sich hier eine fast meditative Ruhe, wie man sie im Zentrum Prags nur selten findet.