Erzbischöfliches Palais (Arcibiskupský palác)

Das Erzbischöfliche Palais (Arcibiskupský palác) gehört zu den auffälligsten Gebäuden auf dem Hradschiner Platz (Hradčanské náměstí). Seine helle spätbarocke Fassade steht unmittelbar neben dem Haupteingang der Prager Burg (Pražský hrad) und bildet einen eleganten Kontrast zu den wuchtigen Burgmauern und den umliegenden Adelspalästen. Das Palais ist bis heute der offizielle Sitz des Prager Erzbischofs und der Verwaltung des Erzbistums Prag. Anders als viele historische Palais in der Umgebung ist es daher kein gewöhnliches Museum. Die Innenräume sind normalerweise nicht öffentlich zugänglich. Trotzdem lohnt sich ein genauer Blick auf das Gebäude, denn seine Fassade erzählt von mehreren Jahrhunderten Prager Kirchen-, Architektur- und Stadtgeschichte.


Erzbischöfliches Palais am Hradschiner Platz mit zahlreichen Besuchern vor der Prager Burg
Das Erzbischöfliche Palais am Hradschiner Platz vor der Prager Burg mit zahlreichen Besuchern.

Das Erzbischöfliche Palais am Hradschiner Platz

Das Erzbischöfliche Palais (Arcibiskupský palác) befindet sich auf der Nordseite des Hradschiner Platzes. Wenn du vor dem Haupteingang der Prager Burg stehst, siehst du das Gebäude direkt links neben dem Matthiastor (Matyášova brána).

Durch seine Lage gehört das Palais zu den ersten historischen Bauwerken, die viele Besucher bei ihrem Rundgang durch das Prager Burgviertel wahrnehmen. Die reich verzierte Fassade mit ihren geschwungenen Fensterrahmungen, dem zentralen Balkon und dem großen erzbischöflichen Wappen unterscheidet sich deutlich von den benachbarten Gebäuden.

Auf den ersten Blick wirkt das Palais wie ein einheitliches spätbarockes Bauwerk. Tatsächlich entstand der heutige Gebäudekomplex jedoch über mehrere Jahrhunderte. Teile seiner Geschichte reichen bis in die Renaissance zurück.

Vom Renaissancepalais zum Sitz der Prager Erzbischöfe

An der Stelle des heutigen Palais standen ursprünglich mehrere kleinere Bürgerhäuser. Im 16. Jahrhundert entstand hier ein Renaissancepalais, das mit dem böhmischen Adligen Florian Gryspek von Gryspach verbunden war.

Die Geschichte als erzbischöfliche Residenz begann in den frühen 1560er-Jahren. Nachdem das Amt des Prager Erzbischofs infolge der Hussitenkriege lange Zeit unbesetzt geblieben war, wurde Anton Brus von Müglitz zum neuen Prager Erzbischof ernannt.

Für den wiedererrichteten erzbischöflichen Sitz wurde das bestehende Renaissancegebäude erworben und umgebaut. Seit dieser Zeit befindet sich die Residenz der Prager Erzbischöfe an dieser Stelle auf dem Hradschin.

An der frühen Gestaltung soll auch der königliche Baumeister Bonifaz Wohlmut beteiligt gewesen sein. Er arbeitete im 16. Jahrhundert an mehreren bedeutenden Bauprojekten auf dem Gelände der Prager Burg.

Der barocke Umbau des Palais

Seine erste große Umgestaltung erlebte das Gebäude im 17. Jahrhundert. Unter dem Prager Erzbischof Johann Friedrich von Waldstein wurde das ältere Renaissancepalais zu einer repräsentativen barocken Residenz ausgebaut.

Die Entwürfe stammten von dem französischen Architekten Jean-Baptiste Mathey, der einen wichtigen Einfluss auf die Entwicklung der Barockarchitektur in Böhmen hatte. Er gestaltete unter anderem den hervorgehobenen Mittelteil der Fassade und den Balkon über dem Haupteingang.

Durch den Umbau entstand ein deutlich größerer Gebäudekomplex mit mehreren Flügeln und Innenhöfen. Das Palais sollte nicht nur als Wohnsitz dienen, sondern auch die politische und gesellschaftliche Bedeutung des Prager Erzbischofs sichtbar machen.

Die praktische Ausführung der Bauarbeiten wird unter anderem mit dem Baumeister Francesco Lurago in Verbindung gebracht. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Anlage weiter ergänzt und verändert.

Die spätbarocke Fassade

Das heutige Erscheinungsbild des Erzbischöflichen Palais (Arcibiskupský palác) geht hauptsächlich auf einen Umbau in den Jahren 1764 und 1765 zurück. Der Architekt Johann Joseph Wirch modernisierte das ältere Barockpalais im Stil des Spätbarocks und Rokokos.

Dabei erhielt das Gebäude seine charakteristische helle Fassade, das zusätzliche Obergeschoss und einen großen Teil seiner heute sichtbaren Dekoration. Die plastischen Ornamente werden mit dem Bildhauer Ignaz Franz Platzer und seiner Werkstatt in Verbindung gebracht.

Im Mittelpunkt der Fassade steht der erhöhte Mittelrisalit. Über dem Hauptportal befindet sich ein steinerner Balkon mit einem kunstvoll gearbeiteten Geländer. Darüber erhebt sich das monumentale Wappen des damaligen Prager Erzbischofs Anton Peter Příchovský von Příchovice.

Geschwungene Fensterverdachungen, Pilaster, Gesimse und Rokokoornamente sorgen dafür, dass die lange Fassade trotz ihrer Größe leicht und elegant wirkt.

Details, die du an der Fassade entdecken kannst

Da die Innenräume normalerweise geschlossen sind, konzentriert sich ein Besuch vor allem auf die Außenansicht. Es lohnt sich, nicht nur im Vorbeigehen auf das Palais zu schauen, sondern einige Minuten vor der Fassade stehen zu bleiben.

Besonders auffällig ist das große erzbischöfliche Wappen oberhalb des Balkons. Es verweist auf die kirchliche Funktion des Gebäudes und auf den Auftraggeber des spätbarocken Umbaus.

Auch die Fenster sind unterschiedlich gestaltet. Rundbogenfenster, ovale Öffnungen und reich verzierte Rahmen gliedern die Fassade. Die feinen Stuckelemente wirken aus der Nähe deutlich plastischer als vom gegenüberliegenden Ende des Platzes.

Über dem zentralen Fassadenteil erhebt sich ein Dreiecksgiebel. Zusammen mit dem Balkon und dem Hauptportal bildet er die vertikale Mittelachse des Palais.

Die Kapelle des heiligen Johannes des Täufers

Im Inneren des Palais befindet sich die Kapelle des heiligen Johannes des Täufers (Kaple svatého Jana Křtitele). Ihre Ursprünge reichen bis in das 16. Jahrhundert zurück.

Die Kapelle ist ein wichtiger Bestandteil der erzbischöflichen Residenz. Sie verdeutlicht, dass das Palais nicht nur als Verwaltungsgebäude und repräsentativer Wohnsitz gedacht war, sondern auch eine geistliche Funktion erfüllte.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Kapelle mehrfach verändert und neu ausgestattet. Zu ihrer historischen Gestaltung gehören Wandmalereien, Stuckarbeiten und eine auf mehrere Bauphasen zurückgehende Innenausstattung.

Für gewöhnliche Besucher bleibt die Kapelle jedoch verborgen, da sie innerhalb des weiterhin genutzten Amtssitzes liegt.

Repräsentationsräume und historische Kunstwerke

Die Innenräume des Palais bewahren zahlreiche Elemente aus dem Barock und Rokoko. Dazu gehören verzierte Decken, historische Kronleuchter, geschnitzte Holzarbeiten, Kachelöfen und Gemälde.

Ein besonderer Bestandteil der Ausstattung ist die Porträtgalerie der Prager Bischöfe, Erzbischöfe und Kardinäle. Sie dokumentiert die lange Geschichte des Prager Erzbistums und seiner kirchlichen Würdenträger.

Zu den wertvollsten Kunstwerken gehören großformatige Pariser Gobelins. Die kostbaren Wandteppiche schmücken mehrere Repräsentationsräume und gehören zu den bedeutendsten Teilen der historischen Ausstattung.

Einige Säle sind als Enfilade angeordnet. Dabei liegen mehrere Räume hintereinander, sodass bei geöffneten Türen eine lange Sichtachse durch das Palais entsteht. Diese Raumfolge war typisch für repräsentative Residenzen des Barocks.

Die Säle werden bis heute für kirchliche, gesellschaftliche und diplomatische Termine genutzt.

Ein Palais mit bewegter Geschichte

Das Erzbischöfliche Palais war im Laufe seiner Geschichte mehrfach von politischen und religiösen Konflikten betroffen.

Nach dem Zweiten Prager Fenstersturz im Jahr 1618 wurde das Palais geplündert. Einrichtungsgegenstände und Möbel wurden entfernt und teilweise auf dem Hradschiner Platz verkauft. Die Ereignisse standen am Beginn des Böhmischen Ständeaufstands und des Dreißigjährigen Krieges.

Später wurde das Gebäude wiederhergestellt und weiter ausgebaut. Im 20. Jahrhundert nutzte zeitweise auch die päpstliche Nuntiatur Teile des Palais.

Nach Jahrzehnten intensiver Nutzung befand sich die Anlage gegen Ende des 20. Jahrhunderts in einem schlechten baulichen Zustand. In den 1990er-Jahren erfolgte deshalb eine umfangreiche Restaurierung. Dabei wurden nicht nur die Fassaden, sondern auch historische Innenräume und Kunstgegenstände gesichert und instand gesetzt.

Kannst du das Erzbischöfliche Palais besichtigen?

Das Erzbischöfliche Palais (Arcibiskupský palác) ist kein regulär geöffnetes Museum. Da es weiterhin als Amtssitz des Prager Erzbischofs und als Verwaltungszentrum des Erzbistums genutzt wird, kannst du die Innenräume normalerweise nicht besichtigen.

Es gibt keine täglichen Öffnungszeiten und keine gewöhnlichen Eintrittskarten. Das Palais gehört außerdem nicht zu den regulären Besichtigungsrundgängen der Prager Burg.

Gelegentlich werden einzelne Räume im Rahmen besonderer Veranstaltungen, kirchlicher Termine oder Kulturprogramme geöffnet. Solche Besichtigungsmöglichkeiten sind jedoch selten und werden jeweils gesondert angekündigt.

Die Fassade kannst du dagegen jederzeit kostenlos vom Hradschiner Platz aus betrachten.

Der beste Blick auf das Palais

Eine gute Gesamtansicht hast du von der südlichen Seite des Hradschiner Platzes (Hradčanské náměstí). Von dort lässt sich die gesamte Hauptfassade überblicken.

Für Detailaufnahmen des Portals, des Balkons und des erzbischöflichen Wappens solltest du näher an das Gebäude herangehen. Aufgrund der Länge der Fassade kann ein leicht seitlicher Standort besonders interessant sein.

Am Vormittag liegt die Platzseite je nach Jahreszeit teilweise im Schatten. Am Nachmittag und frühen Abend fällt häufig günstigeres Licht auf die helle Fassade.

Der Hradschiner Platz ist jedoch fast den ganzen Tag stark besucht. Für ruhigere Ansichten lohnt sich ein Besuch am frühen Morgen oder am späteren Abend, wenn viele Reisegruppen das Burgviertel bereits verlassen haben.

Sehenswürdigkeiten in der Umgebung

Das Erzbischöfliche Palais liegt in einem der bedeutendsten historischen Bereiche Prags. Direkt neben dem Gebäude befindet sich der Haupteingang der Prager Burg (Pražský hrad) mit dem Matthiastor und dem Tor der Giganten.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes stehen das Schwarzenberg-Palais (Schwarzenberský palác) und das Salm-Palais (Salmovský palác). Beide gehören zur Nationalgalerie Prag und prägen mit ihren historischen Fassaden das Erscheinungsbild des Platzes.

Unmittelbar westlich des Erzbischöflichen Palais liegt das Sternberg-Palais (Šternberský palác). Es beherbergt eine bedeutende Sammlung europäischer Kunst.

Nur wenige Schritte entfernt beginnt die Neue Welt (Nový Svět), ein ruhiges Viertel mit kleinen historischen Häusern und schmalen Gassen. Ebenfalls gut zu Fuß erreichbar sind das Loreto-Heiligtum (Loreta), das Kloster Strahov (Strahovský klášter) und der Aussichtspunkt am Strahov-Garten.

Wie kommst du hin?

Das Erzbischöfliche Palais (Arcibiskupský palác) befindet sich am Hradschiner Platz direkt vor dem Haupteingang der Prager Burg.

Am bequemsten erreichst du das Palais mit der Straßenbahn. Die nächstgelegene Haltestelle ist Pražský hrad. Von dort gehst du durch den Bereich der Prager Burg bis zum Hradschiner Platz.

Alternativ kannst du an der Haltestelle Pohořelec aussteigen und über den Loreto-Platz und die Loretánská zum Hradschiner Platz laufen. Diese Route führt leicht bergab und lässt sich gut mit einem Besuch des Loreto-Heiligtums oder des Klosters Strahov verbinden.

Von der Kleinseite führt außerdem der historische Alte Schlosssteig (Staré zámecké schody) hinauf zur Prager Burg. Der Aufstieg ist deutlich anstrengender, bietet unterwegs aber schöne Ausblicke über die Dächer der Stadt.

Das Erzbischöfliche Palais lässt sich ideal mit einem Rundgang durch die Prager Burg, den Hradschiner Platz und das umliegende Burgviertel verbinden.

Erzbischöfliches Palais mit barocker Fassade auf dem Hradschiner Platz in Prag
Das Erzbischöfliche Palais prägt mit seiner barocken Fassade den Hradschiner Platz vor der Prager Burg.

Adresse:
Hradčanské náměstí 16, 119 02 Prag 1


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