Am südlichen Rand des Letná-Parks (Letenské sady) steht eines der ungewöhnlichsten historischen Gebäude Prags: der Hanau-Pavillon (Hanavský pavilon). Mit seinen geschwungenen Freitreppen, den reich verzierten Metallgeländern und der markanten Dachlandschaft erinnert das Gebäude auf den ersten Blick an einen kleinen Palast. Tatsächlich entstand der Pavillon jedoch als repräsentatives Ausstellungsgebäude einer Eisengießerei. Heute beherbergt er ein Restaurant und gehört zugleich zu den schönsten Aussichtspunkten oberhalb der Moldau. Von der Umgebung des Pavillons blickst du über mehrere Prager Brücken, die Altstadt und weite Teile des historischen Zentrums.

Ein Ausstellungspavillon aus dem Jahr 1891
Der Hanau-Pavillon (Hanavský pavilon) wurde für die Prager Landesjubiläumsausstellung von 1891 errichtet. Die große Leistungsschau fand auf dem heutigen Prager Ausstellungsgelände (Výstaviště Praha) statt und präsentierte die wirtschaftliche, technische und kulturelle Entwicklung Böhmens.
Auftraggeber des Gebäudes war Fürst Wilhelm von Hanau. Ihm gehörten die Eisenwerke im mittelböhmischen Komárov bei Hořovice. Der Pavillon diente als repräsentatives Ausstellungsgebäude des Unternehmens und sollte zeigen, welche technischen und gestalterischen Möglichkeiten das Material Gusseisen bot.
Das Bauwerk war deshalb nicht nur eine Hülle für ausgestellte Produkte. Treppen, Geländer, Balkone, Fenstergitter, Laternen und zahlreiche Fassadendetails wurden selbst zu Ausstellungsstücken. Der gesamte Pavillon wirkte wie eine aufwendig gestaltete Visitenkarte der fürstlichen Eisenwerke.
Vom Ausstellungsgelände in den Letná-Park
Nach dem Ende der Ausstellung schenkte Fürst Wilhelm von Hanau den Pavillon der Stadt Prag. Da das Gebäude nicht dauerhaft auf dem Ausstellungsgelände bleiben sollte, wurde es zerlegt und später an seinem heutigen Standort am Rand des Letná-Parks wiederaufgebaut.
Als Jahr der Umsetzung gilt 1898. Die Stadt wählte einen besonders markanten Platz oberhalb des Moldauufers. Dadurch wandelte sich der ehemalige Industriepavillon zu einem beliebten Aussichtscafé und Ausflugsziel.
Der Hanau-Pavillon gehört damit zu mehreren erhaltenen Bauwerken der Landesjubiläumsausstellung von 1891. Auch der Petřín-Aussichtsturm (Petřínská rozhledna) und das benachbarte Spiegellabyrinth entstanden ursprünglich für diese Veranstaltung.
Neobarocke Architektur aus Eisen
Der Pavillon entstand nach Plänen der Architekten Otto Heiser und Josef Hercík. An der Gestaltung der Modelle für die dekorativen Gussteile war besonders Zdeněk Emanuel Fiala beteiligt. Die Ausführung übernahmen Arbeiter der fürstlichen Eisenwerke.
Architektonisch wird das Gebäude dem Historismus und dem Neobarock zugeordnet. Seine Gestaltung orientiert sich teilweise am niederländischen Barock. Einzelne Schmuckformen erinnern zugleich bereits an den späteren Jugendstil.
Besonders auffällig sind die beiden geschwungenen Freitreppen an der Vorderseite. Ihre reich ornamentierten Geländer führen zum erhöht gelegenen Eingang und verleihen dem vergleichsweise kleinen Gebäude eine beinahe herrschaftliche Wirkung.
Darüber erheben sich große Fenster, verzierte Giebel, Erker, Dachaufbauten und eine kleine Kuppel mit Laterne. Die hellen Fassadenflächen bilden einen deutlichen Kontrast zu den dunklen Metallteilen.
Eines der frühesten Prager Bauwerke mit umfangreichem Gusseisen
Der Hanau-Pavillon wird gelegentlich als erstes Prager Gebäude mit einer gusseisernen Konstruktion bezeichnet. Vollständig aus Eisen besteht er jedoch nicht. Das Gebäude verbindet gemauerte Bauteile mit zahlreichen tragenden und dekorativen Elementen aus Gusseisen.
Treffender ist deshalb die Einordnung als eines der frühesten und bedeutendsten Prager Bauwerke, bei denen Gusseisen in besonders großem Umfang als sichtbares Gestaltungsmittel eingesetzt wurde.
Ein genauer Blick auf die Fassade lohnt sich. In den Geländern, Gittern und Ornamenten findest du zahlreiche kleine Motive, Wappenformen und Initialen. Einige Verzierungen erinnern noch heute an Fürst Wilhelm von Hanau und den ursprünglichen Zweck des Pavillons.
Die Ausstellung im Inneren
Während der Landesjubiläumsausstellung befand sich im Inneren eine mehrere Meter hohe Präsentation aus unterschiedlichen Erzeugnissen der Eisenwerke. Über der Konstruktion saß ein gusseiserner Adler.
Weitere Bereiche dienten als Werksmuseum und zeigten Arbeiten von Schülern der unternehmenseigenen Berufsschule. Auch eine gusseiserne Büste von Kaiser Franz Joseph I. gehörte zur Ausstellung.
Damit präsentierte das Unternehmen nicht nur einzelne Produkte, sondern den gesamten Herstellungsprozess und die handwerklichen Fähigkeiten seiner Beschäftigten.
Restaurant im historischen Pavillon
Nach dem Wiederaufbau im Letná-Park wurde das Gebäude als Aussichtscafé und später als Restaurant genutzt. Diese Funktion hat sich bis heute erhalten.
Im Inneren befindet sich das Restaurant Hanavský pavilon mit einer Außenterrasse. Aufgrund der vergleichsweise kleinen Innenräume ist die Zahl der Plätze begrenzt. Außerdem wird der Pavillon regelmäßig für Hochzeiten, Feiern und geschlossene Veranstaltungen genutzt.
Möchtest du dort einkehren, solltest du die aktuellen Öffnungszeiten und mögliche Reservierungen vor deinem Besuch prüfen. Der Restaurantbetrieb kann wetterbedingt, saisonal oder wegen privater Veranstaltungen eingeschränkt sein.
Für die Besichtigung der Außenarchitektur und den Blick auf Prag musst du das Restaurant nicht besuchen. Der Pavillon lässt sich von mehreren Seiten frei betrachten.
Aussicht auf die Moldau und die Prager Brücken
Die Lage des Pavillons ist mindestens ebenso beeindruckend wie seine Architektur. Das Gebäude steht direkt an der südlichen Hangkante der Letná-Höhe.
Von der Umgebung und der Terrasse blickst du über die Moldau und einen großen Teil des historischen Prager Zentrums. Besonders gut zu erkennen ist die Reihe der Brücken, die sich flussaufwärts durch die Innenstadt zieht.
Im Vordergrund liegt die Čech-Brücke (Čechův most). Dahinter folgen unter anderem die Mánes-Brücke (Mánesův most) und die Karlsbrücke (Karlův most). Auf der gegenüberliegenden Moldauseite breiten sich die Altstadt und das ehemalige Jüdische Viertel aus.
Besonders stimmungsvoll ist der Aussichtspunkt am späten Nachmittag und am Abend. Dann fällt das Licht flach auf die Dächer und Fassaden, während sich die Brücken und Ufergebäude nach und nach beleuchten.
Der beste Blick auf den Hanau-Pavillon
Die Vorderseite des Pavillons kannst du am besten vom tiefer gelegenen Weg direkt vor dem Gebäude betrachten. Von dort sind die beiden Freitreppen, die symmetrische Fassade und die aufwendig gestaltete Dachlandschaft gut zu erkennen.
Weitere Perspektiven ergeben sich auf den Wegen durch den Letná-Park. Je nach Jahreszeit wird das Gebäude teilweise von Bäumen eingerahmt oder verdeckt. Besonders im Frühjahr und Herbst entstehen reizvolle Ansichten zwischen den Ästen und Blättern.
Für Detailaufnahmen eignen sich die Treppen, Fensterrahmen, Geländer, Laternen und Dachverzierungen. Die vielen gusseisernen Schmuckelemente machen den Pavillon auch unabhängig von der Aussicht zu einem interessanten Fotomotiv.
Wie kommst du zum Hanau-Pavillon?
Der Hanau-Pavillon (Hanavský pavilon) steht im südwestlichen Teil des Letná-Parks (Letenské sady) unter der Adresse Letenské sady 173 in Prag 7. Das Gebäude ist nur zu Fuß über die Wege des Parks erreichbar.
Von der Straßenbahnhaltestelle Čechův most kannst du über Treppen und ansteigende Wege am Letná-Hang hinaufsteigen. Diese Route ist relativ steil, bietet dir unterwegs aber bereits schöne Ausblicke auf die Moldau.
Bequemer ist der Zugang von der Haltestelle Chotkovy sady. Von dort führt ein weitgehend ebener Weg durch die Grünanlagen zum Pavillon.
Auch von der Haltestelle Letenské náměstí erreichst du das Gebäude bei einem längeren Spaziergang durch den Park.
Spaziergang durch den Letná-Park
Ein Besuch des Hanau-Pavillons lässt sich gut mit weiteren Sehenswürdigkeiten auf der Letná-Höhe verbinden. Nur wenige Gehminuten entfernt steht die Kramář-Villa (Kramářova vila), die als offizielle Residenz des tschechischen Ministerpräsidenten dient und normalerweise nicht öffentlich zugänglich ist.
Weiter westlich erreichst du den Prager Metronom auf dem Gelände des ehemaligen Stalin-Denkmals. Von dort führt der Weg durch den Park weiter zum Letná-Biergarten, der ebenfalls für seinen Panoramablick über Prag bekannt ist.
Eine passende Route beginnt an der Čech-Brücke (Čechův most), führt hinauf zum Hanau-Pavillon und anschließend über den Metronom zum Letná-Biergarten. Für den Rückweg kannst du weiter zur Straßenbahnhaltestelle Sparta oder zum Letná-Platz (Letenské náměstí) laufen.


