Lustschloss der Königin Anna (Letohrádek královny Anny)

Das Lustschloss der Königin Anna (Letohrádek královny Anny) gehört zu den schönsten Renaissancebauten in Prag. Mit seinen offenen Arkaden, dem geschwungenen Kupferdach und den zahlreichen Steinreliefs unterscheidet es sich deutlich von den mittelalterlichen Gebäuden der nahe gelegenen Prager Burg (Pražský hrad). Das auch als Königliches Lustschloss (Královský letohrádek) oder Belvedere bekannte Gebäude steht am östlichen Ende des Königsgartens (Královská zahrada). Direkt davor befindet sich der berühmte Singende Springbrunnen (Zpívající fontána).


Lustschloss Königin Annas (Belvedere) oberhalb des Hirschgrabens in den Gärten der Prager Burg
Blick aus dem Hirschgraben auf das Lustschloss Königin Annas (Belvedere) mit seiner markanten Kupferkuppel.

Ein Renaissancebau für Königin Anna

Kaiser Ferdinand I. ließ das Lustschloss ab 1538 für seine Ehefrau Anna Jagiellonica errichten. Es sollte ihr als Rückzugsort im neu angelegten Königsgarten dienen und zugleich den repräsentativen Anspruch des Herrscherpaares unterstreichen.

Königin Anna erlebte die Fertigstellung des Gebäudes jedoch nicht mehr. Sie starb 1547 nach der Geburt ihres fünfzehnten Kindes. Auch der große Brand auf dem Hradschin im Jahr 1541 verzögerte die Bauarbeiten erheblich.

Der ursprüngliche Entwurf stammte vom italienischen Baumeister Paolo della Stella. Nach seinem Tod führten mehrere Architekten die Arbeiten weiter. Eine besonders wichtige Rolle spielte Bonifaz Wohlmut, der unter anderem an der Gestaltung des Obergeschosses und des charakteristischen Daches beteiligt war.

Vollendet wurde das Lustschloss erst in den 1560er-Jahren.

Lustschloss der Königin Anna mit Renaissance-Arkaden, Kupferdach, Ziergarten und Brunnen in Prag
Das Lustschloss der Königin Anna mit Renaissance-Arkaden und Kupferdach im Königlichen Garten der Prager Burg.

Italienische Renaissance mitten in Prag

Das Lustschloss der Königin Anna (Letohrádek královny Anny) gilt als eines der bedeutendsten Renaissancegebäude nördlich der Alpen. Besonders auffällig ist die offene Arkadenhalle, die das gesamte Erdgeschoss umgibt.

Die Bögen werden von insgesamt 36 Säulen getragen. Dadurch wirkt das Gebäude leicht und beinahe wie ein italienischer Gartenpavillon. Die Architektur steht in deutlichem Kontrast zu den wuchtigen Befestigungen und gotischen Bauwerken der Prager Burg.

Über den Arkaden erhebt sich ein geschlossenes Obergeschoss mit großen Fenstern. Den oberen Abschluss bildet ein geschwungenes Kupferdach, dessen Form häufig mit einem umgedrehten Schiffskiel verglichen wird.

Ursprünglich war das Dach farbig gestaltet und mit Symbolen des Königreichs Böhmen verziert. Die heutige grüne Färbung entstand erst im Laufe der Zeit durch die natürliche Patina des Kupfers.

Renaissancegarten am Lustschloss der Königin Anna mit Buchsbaumhecken, Pflanzgefäßen, Sitzbänken und Brunnen
Der geometrisch angelegte Renaissancegarten am Lustschloss der Königin Anna mit Buchsbaumhecken, Pflanzgefäßen und Brunnen.

Reliefs mit mythologischen Darstellungen

Zu den wichtigsten Besonderheiten des Lustschlosses gehören die zahlreichen Steinreliefs an den Außenwänden, Säulen und Arkaden.

Sie zeigen Szenen aus der antiken Mythologie, Jagddarstellungen, Allegorien, Pflanzenornamente und Motive aus dem höfischen Leben. Insgesamt sind am Gebäude mehr als hundert figürliche und dekorative Reliefs erhalten.

Eine der bekanntesten Darstellungen zeigt Kaiser Ferdinand I., wie er Königin Anna einen Feigenzweig oder eine Feigenblüte überreicht. Die Szene wird häufig als Sinnbild für Fruchtbarkeit, Liebe und die Verbindung des Herrscherpaares gedeutet.

Die Reliefs machen das Gebäude nicht nur zu einem architektonischen, sondern auch zu einem kunsthistorischen Höhepunkt innerhalb des Areals der Prager Burg.

Ein Ort für Feste und Erholung

Das Lustschloss war kein dauerhaft bewohnter königlicher Palast. Es diente vor allem als repräsentativer Aufenthaltsort im Garten.

Im Erdgeschoss befanden sich Räume, die sich zur offenen Arkadengalerie hin orientierten. Das Obergeschoss verfügte über einen großen Saal und weitere repräsentative Räume.

Hier konnten höfische Feste, Empfänge und kleinere Veranstaltungen stattfinden. Gleichzeitig bot das Gebäude einen ruhigen Rückzugsort außerhalb des dicht bebauten Burgareals.

Von den Arkaden und Fenstern aus eröffnete sich früher ein weiter Blick über die Gärten, die Befestigungsanlagen und Teile der Stadt.

Astronomische Beobachtungen unter Rudolf II.

Während der Regierungszeit Kaiser Rudolfs II. erhielt das Lustschloss zeitweise eine wissenschaftliche Funktion. Der kunst- und wissenschaftsbegeisterte Herrscher versammelte zahlreiche Gelehrte, Künstler und Astronomen an seinem Prager Hof.

Das Gebäude wurde zeitweise für astronomische Beobachtungen genutzt und deshalb auch als Observatorium bezeichnet. In diesem Zusammenhang werden häufig die Astronomen Tycho Brahe und Johannes Kepler genannt, die beide am Hof Rudolfs II. in Prag tätig waren.

Ob und in welchem Umfang sie direkt im Lustschloss arbeiteten, lässt sich heute nicht in allen Einzelheiten belegen. Sicher ist jedoch, dass das Gebäude während dieser Epoche Teil des wissenschaftlich geprägten Umfelds der Prager Burg war.

Militärlabor und Gemäldegalerie

Nach der Plünderung der Prager Burg durch schwedische Truppen im Jahr 1648 verlor das Lustschloss zunehmend seine ursprüngliche Bedeutung.

Unter Kaiser Joseph II. wurde das Gebäude dem Militär überlassen. Im Inneren entstand unter anderem ein Artillerielabor. Diese Nutzung dauerte bis ins 19. Jahrhundert und hinterließ deutliche Spuren an der historischen Bausubstanz.

Ab 1841 wurde das Gebäude umfangreich umgebaut und restauriert. Die Architekten Bernard Grueber und Pietro Nobile gestalteten das Lustschloss zu einer Gemäldegalerie um.

Aus dieser Zeit stammen die monumentale Freitreppe und Teile der heutigen Innenraumaufteilung. Im Obergeschoss entstand außerdem ein Wandmalereizyklus mit Szenen aus der böhmischen Geschichte.

Im 20. Jahrhundert beschäftigten sich auch die bekannten Burgarchitekten Jože Plečnik und Pavel Janák mit dem Gebäude und seinem Umfeld.

Der Singende Springbrunnen

Unmittelbar vor dem Lustschloss steht der Singende Springbrunnen (Zpívající fontána). Er gehört zu den bekanntesten Renaissancebrunnen in Prag.

Der Entwurf stammt vom Hofmaler Francesco Terzio. Gegossen wurde der Brunnen zwischen 1564 und 1568 vom Glocken- und Metallgießer Tomáš Jaroš. Seit 1573 befindet er sich an seinem heutigen Standort.

Seinen Namen verdankt der Brunnen den Wassertropfen, die auf die bronzene Brunnenschale treffen. Dabei entsteht ein leiser, metallischer Klang, der an eine Melodie erinnern kann.

Am besten hörst du den Klang, wenn du dich dicht an die untere Seite der breiten Brunnenschale stellst oder leicht darunter beugst. Bei starkem Umgebungslärm oder wenig Wasser ist das Geräusch allerdings nur schwer wahrzunehmen.

Die Verzierungen des Brunnens zeigen Jagdmotive, Masken, Pflanzenornamente sowie Figuren aus der antiken Mythologie.

Der Königsgarten

Das Lustschloss steht im östlichen Teil des Königsgartens (Královská zahrada). Ferdinand I. ließ die Gartenanlage ab 1534 auf ehemaligen Weinbergen nördlich der Prager Burg anlegen.

Der Garten orientierte sich an italienischen Renaissancegärten und diente dem Kaiserhof als Ort der Erholung, Unterhaltung und Repräsentation. Neben Zierpflanzen wurden hier zeitweise auch exotische Gewächse, Obstbäume und seltene Blumen kultiviert.

Heute verbindet der Garten das Lustschloss mit der Reitschule und den westlichen Bereichen der Prager Burg. Breite Wege, Rasenflächen, alte Bäume und historische Gartenarchitektur machen ihn zu einem ruhigen Gegenpol zu den stark besuchten Burghöfen.

Besonders im Frühling und Sommer lohnt sich ein Spaziergang durch die Anlage. Von einigen Bereichen aus kannst du außerdem den Veitsdom (Katedrála svatého Víta) und die nördlichen Befestigungsanlagen der Burg sehen.

Aktuelle Sanierung des Lustschlosses

Seit Mai 2026 wird das Lustschloss der Königin Anna (Letohrádek královny Anny) umfassend restauriert. Die Arbeiten sollen voraussichtlich knapp zwei Jahre dauern.

Während der Sanierung ist das Innere des Gebäudes geschlossen. Restauriert werden unter anderem die Fassaden, Arkaden, Säulen, Steinreliefs, Fenster, Türen und historischen Innenräume.

Auch technische Anlagen, Beleuchtung und Ausstellungstechnik werden erneuert. Nach Abschluss der Arbeiten soll das Lustschloss wieder für kleinere Kunstausstellungen und kulturelle Veranstaltungen genutzt werden.

Der Königsgarten (Královská zahrada) bleibt grundsätzlich zugänglich. Durch Bauarbeiten, Veranstaltungen oder Sicherheitsmaßnahmen kann es jedoch kurzfristig zu Sperrungen einzelner Bereiche kommen.

Wann lohnt sich ein Besuch?

Das Lustschloss lohnt sich besonders in Verbindung mit einem Spaziergang durch den Königsgarten. Auch während der aktuellen Sanierung kannst du das Gebäude je nach Absperrung von außen betrachten und den Singenden Springbrunnen (Zpívající fontána) besuchen.

Am ruhigsten ist es meist am Vormittag oder am späten Nachmittag. In den Sommermonaten kann der Bereich rund um das Lustschloss deutlich entspannter wirken als die zentralen Höfe der Prager Burg.

Für den gesamten Weg durch den Königsgarten solltest du etwa 30 bis 60 Minuten einplanen. Möchtest du zusätzlich die wichtigsten Gebäude der Prager Burg besichtigen, benötigst du entsprechend mehr Zeit.

Der Garten ist saisonal geöffnet. Im Winter und bei ungünstigen Wetterbedingungen können die Zugänge geschlossen bleiben.

Wie kommst du hin?

Der kürzeste Weg führt über die Straßenbahnhaltestelle Královský letohrádek an der Straße Mariánské hradby. Von dort erreichst du den östlichen Eingang des Königsgartens und das Lustschloss nach wenigen Schritten.

Alternativ kannst du den Garten vom westlichen Eingang an der Straße U Prašného mostu betreten. Dieser Zugang liegt in der Nähe der Straßenbahnhaltestelle Pražský hrad.

Von dort führt ein längerer Spaziergang durch den gesamten Königsgarten bis zum Lustschloss.

Lustschloss und Prager Burg verbinden

Das Lustschloss lässt sich gut mit weiteren Sehenswürdigkeiten rund um die Prager Burg verbinden. Besonders nahe liegen die Reitschule der Prager Burg, der Hirschgraben und die nördlichen Burgbefestigungen.

Über den westlichen Ausgang des Königsgartens erreichst du außerdem schnell den zweiten Burghof, den Veitsdom (Katedrála svatého Víta) und den Alten Königspalast (Starý královský palác).

Das Lustschloss der Königin Anna (Letohrádek královny Anny) ist damit nicht nur ein bedeutendes Renaissancebauwerk, sondern auch ein guter Ausgangs- oder Endpunkt für einen Rundgang durch das weitläufige Areal der Prager Burg.