Martinic-Palast (Martinický palác)

Der Martinic-Palast (Martinický palác) steht an der Nordseite des Hradschiner Platzes (Hradčanské náměstí), nur wenige Schritte vom Haupteingang der Prager Burg entfernt. Der weitläufige Renaissancepalast entstand zwischen der Mitte des 16. und dem frühen 17. Jahrhundert durch den Umbau mehrerer mittelalterlicher Häuser. Diese waren bei dem großen Brand von 1541, der weite Teile der Kleinseite und des Hradschins zerstörte, schwer beschädigt worden. 

Im Jahr 1583 gelangte das Anwesen in den Besitz von Jiří Bořita von Martinic, der es zu einer repräsentativen Adelsresidenz ausbauen ließ. Unter seiner Familie erhielt der Palast den Namen, den er bis heute trägt. Eine weitere große Bauphase begann 1618 unter seinem Neffen Jaroslav Bořita von Martinic. Dieser gehörte zu den beiden königlichen Statthaltern, die beim Zweiten Prager Fenstersturz aus einem Fenster der Prager Burg geworfen wurden. Die Arbeiten am Palast wurden dadurch zunächst unterbrochen und erst in den folgenden Jahrzehnten fortgesetzt. 

Besonders auffällig ist die reich verzierte Fassade. Ihre Renaissance-Sgraffiti zeigen unter anderem Szenen aus der Geschichte Josefs im Alten Testament. Weitere Darstellungen im Innenhof greifen die Taten Samsons und des antiken Helden Herkules auf. Die hellen Bildflächen und die dunkleren eingeritzten Linien verleihen dem Gebäude sein charakteristisches Aussehen und machen den Martinic-Palast zu einem der bedeutendsten Renaissancebauten am Hradschiner Platz. 

Auch im Inneren haben sich bemerkenswerte historische Elemente erhalten. Dazu gehören gewölbte Räume, Fresken, eine ehemalige Palastkapelle und zahlreiche bemalte Holzbalkendecken. Einige Decken bestehen aus Hunderten kleiner Bildfelder mit Tieren, Pflanzen, Fabelwesen und allegorischen Motiven. Bei der umfassenden Restaurierung von 1967 bis 1973 wurden zahlreiche Renaissance- und frühbarocke Bauteile freigelegt, konserviert und teilweise rekonstruiert. 

Nach dem Aussterben der Familie Martinic im Jahr 1788 wechselte der Palast mehrfach den Besitzer. Im 19. Jahrhundert wurde er unter anderem von militärischen Einrichtungen genutzt und zeitweise als Krankenhaus verwendet. Die ursprüngliche Funktion als adelige Stadtresidenz ging dadurch weitgehend verloren, bevor der Bau im 20. Jahrhundert umfassend restauriert wurde. 

Heute dient der Martinic-Palast (Martinický palác) vor allem als Veranstaltungsort für Konzerte, Ausstellungen, Empfänge, Hochzeiten und private Feiern. Er ist daher kein Museum mit verlässlichen täglichen Öffnungszeiten. Die Innenräume sind hauptsächlich im Rahmen gebuchter Veranstaltungen oder besonderer Programme zugänglich. Die reich geschmückte Außenfassade kannst du dagegen jederzeit vom Hradschiner Platz und von der Kanovnická-Straße aus betrachten.