Das Matthiastor (Matyášova brána) gehört zu den bedeutendsten historischen Portalen der Prager Burg (Pražský hrad). Es verbindet den repräsentativen Ersten Burghof mit dem Zweiten Burghof und liegt damit direkt auf dem klassischen Weg zum Veitsdom. Auf den ersten Blick wirkt das Tor wie ein Bestandteil der einheitlichen Palastfassade. Tatsächlich ist es jedoch deutlich älter als die umliegenden Gebäudeteile. Ursprünglich stand das Matthiastor vermutlich als freier Triumphbogen vor der damaligen kaiserlichen Residenz. Erst im 18. Jahrhundert wurde es in den westlichen Flügel des Neuen Königspalastes integriert. Heute bildet das Portal nicht nur einen viel fotografierten Durchgang innerhalb der Burganlage. Hinter ihm beginnt zugleich der Zugang zu den Repräsentationsräumen des tschechischen Präsidenten.

Wo befindet sich das Matthiastor?
Das Matthiastor befindet sich zwischen dem Ersten und dem Zweiten Burghof der Prager Burg. Vom Hradschiner Platz (Hradčanské náměstí) gelangst du zunächst durch das Tor der Giganten (Brána gigantů) in den Ersten Burghof.
Direkt gegenüber siehst du das Matthiastor in der Mitte der Palastfassade. Durch den großen mittleren Bogen erreichst du den Zweiten Burghof. Von dort sind es nur wenige Schritte bis zum Durchgang in Richtung Veitsdom (Katedrála svatého Víta).
Das Matthiastor und das Tor der Giganten werden gelegentlich miteinander verwechselt. Es handelt sich jedoch um zwei unterschiedliche Zugänge. Das Tor der Giganten bildet den äußeren Haupteingang vom Hradschiner Platz, während das Matthiastor innerhalb der Burganlage liegt.
Ein Tor aus der Zeit Kaiser Matthias’
Das Matthiastor wurde 1614 unter Kaiser Matthias vollendet. Daran erinnert die vergoldete lateinische Inschrift über dem Hauptdurchgang, in der neben dem Namen des Herrschers auch die römische Jahreszahl MDCXIV zu erkennen ist.
Die Planungen für das repräsentative Portal dürften allerdings bereits unter Matthias’ Bruder und Vorgänger Kaiser Rudolf II. begonnen haben. Rudolf II. hatte Prag zu seiner Residenzstadt gemacht und die Prager Burg zu einem wichtigen politischen, wissenschaftlichen und kulturellen Zentrum Europas ausbauen lassen.
Als wahrscheinlicher Architekt gilt der italienische Baumeister Giovanni Maria Filippi, der am kaiserlichen Hof tätig war. Eine vollständig gesicherte Zuschreibung ist jedoch nicht möglich.
Passender ist daher die Einordnung, dass das Tor während der Regierungszeit Kaiser Matthias’ vollendet wurde, seine gestalterischen Ursprünge aber noch in die Zeit Rudolfs II. zurückreichen.
Architektur zwischen Renaissance und Barock
Das Matthiastor wurde nach dem Vorbild eines antiken Triumphbogens gestaltet. Ein großer mittlerer Durchgang wird von zwei kleineren Seitenöffnungen begleitet. Kräftige Pilaster gliedern die Fassade und verleihen dem Portal seinen monumentalen Charakter.
Über den seitlichen Durchgängen befinden sich rechteckige Fenster. Der obere Teil des Tores wird durch eine reich verzierte Inschriftentafel, einen Dreiecksgiebel sowie heraldische und allegorische Schmuckelemente geprägt.
Besonders auffällig ist der starke Kontrast zwischen den helleren architektonischen Gliederungen und den dunkleren Steinflächen. Dadurch hebt sich das Portal auch innerhalb der langen Palastfassade deutlich ab.
Stilistisch steht das Bauwerk am Übergang von der Spätrenaissance und dem Manierismus zum frühen Barock. Das Matthiastor wird deshalb häufig als eines der frühesten barocken Profanbauwerke in Prag bezeichnet. Seine strenge Symmetrie erinnert noch an die Renaissance, während die kräftige plastische Gestaltung bereits auf den Barock vorausweist.
Die Inschrift über dem Durchgang
Im Zentrum des oberen Toraufbaus befindet sich eine lateinische Widmungsinschrift. Sie nennt Kaiser Matthias mit seinen Herrschertiteln und verweist auf das Jahr 1614.
Die vergoldeten Buchstaben werden von Figuren und ornamentalen Elementen eingerahmt. Oberhalb der Tafel sind ein Adler sowie weitere heraldische Darstellungen zu erkennen. Die gesamte Gestaltung sollte die Macht und den universalen Herrschaftsanspruch des Kaisers sichtbar machen.
Die Inschriftentafel besteht im Gegensatz zu großen Teilen des steinernen Portals aus modelliertem Stuck. Dieser Materialunterschied könnte darauf hindeuten, dass die Tafel erst während der abschließenden Arbeiten unter Kaiser Matthias hinzugefügt wurde.
Beim Durchqueren des Tores lohnt es sich deshalb, nicht nur auf den großen Bogen, sondern auch auf die feinen Details im oberen Fassadenbereich zu achten.
Vom freistehenden Tor zur Palastfassade
Als das Matthiastor im frühen 17. Jahrhundert entstand, sah der westliche Bereich der Prager Burg noch anders aus als heute. Das Portal stand vermutlich weitgehend frei und bildete einen repräsentativen Zugang zur kaiserlichen Residenz.
Sein heutiges Erscheinungsbild erhielt das Umfeld erst während der großen Umgestaltung der Prager Burg unter Kaiserin Maria Theresia im 18. Jahrhundert. Der Hofarchitekt Nicolaus Pacassi ließ die verschiedenen Gebäudeteile der Burg zu einer einheitlicher wirkenden Palastanlage zusammenfassen.
Das ältere Matthiastor wurde dabei nicht abgerissen. Stattdessen integrierte man es in den neu gestalteten westlichen Palastflügel. Dadurch blieb das Renaissanceportal erhalten, wirkt heute aber wie ein bewusst hervorgehobener Teil der später entstandenen Fassade.
Auch das Bodenniveau rund um das Tor wurde im Laufe der Jahrhunderte verändert. Der heutige Durchgang liegt deshalb ungefähr eineinhalb Meter über dem ursprünglichen Eingangsniveau.
Zugang zu den Repräsentationsräumen
Das Matthiastor ist eng mit dem staatlichen Zeremoniell der Prager Burg verbunden. Hinter dem Portal beginnt der Zugang zu den Repräsentationsräumen des tschechischen Präsidenten.
Über die nach Nicolaus Pacassi benannte Treppe gelangen Staatsgäste in die historischen Salons und Säle des Neuen Königspalastes. Zu diesem Bereich gehören unter anderem der Spanische Saal und die Rudolfsgalerie, die vor allem bei offiziellen Empfängen, Staatsakten und besonderen kulturellen Veranstaltungen genutzt werden.
Die Repräsentationsräume sind im normalen Besuchsbetrieb nicht frei zugänglich. Gelegentlich werden sie jedoch bei Tagen der offenen Tür oder besonderen Veranstaltungen geöffnet. Der Rundgang beginnt dann häufig unmittelbar hinter dem Matthiastor.
Damit verbindet das Portal bis heute die Vergangenheit der habsburgischen Kaiserresidenz mit der politischen Gegenwart der Tschechischen Republik.
Wachwechsel vor dem Matthiastor
Der Erste Burghof vor dem Matthiastor gehört zu den wichtigsten Schauplätzen der Burgwache. Täglich um 12 Uhr findet hier der feierliche Wachwechsel mit musikalischer Begleitung statt.
Die Zeremonie beginnt am Tor der Giganten und setzt sich im Ehrenhof vor dem Matthiastor fort. Der Platz kann zu dieser Zeit sehr voll werden. Möchtest du die Wachen und das Portal gut sehen oder fotografieren, solltest du einige Zeit vor Beginn im Ersten Burghof eintreffen.
Außerhalb des Wachwechsels ist der Hof meist ruhiger. Besonders am frühen Morgen kannst du die symmetrische Fassade und das Matthiastor häufig ohne größere Besuchergruppen betrachten.
Das Matthiastor fotografieren
Den besten Gesamtblick auf das Matthiastor hast du von der westlichen Seite des Ersten Burghofs. Von hier kannst du den großen Mittelbogen, die beiden seitlichen Durchgänge und den reich verzierten oberen Aufbau gemeinsam erfassen.
Für eine symmetrische Aufnahme stellst du dich möglichst mittig zwischen das Tor der Giganten und das Matthiastor. Während des Wachwechsels bieten sich zusätzlich Motive mit den Soldaten der Burgwache vor dem historischen Portal.
Am Vormittag oder am späten Nachmittag fällt das Licht je nach Jahreszeit seitlich über den Burghof. Dadurch treten die Pilaster, die Steinquader und die plastischen Verzierungen besonders deutlich hervor.
Da das Tor als Durchgang zwischen zwei stark besuchten Burghöfen dient, solltest du jedoch jederzeit mit Personen im Bild rechnen.
Besichtigung des Matthiastors
Das Matthiastor kannst du während eines Spaziergangs durch die öffentlich zugänglichen Bereiche der Prager Burg kostenlos betrachten. Für den Zugang zu den Burghöfen benötigst du normalerweise keine Eintrittskarte.
Tickets sind erst erforderlich, wenn du kostenpflichtige Gebäude und Ausstellungen innerhalb der Burg besuchen möchtest. Dazu gehören je nach gewähltem Rundgang beispielsweise der Veitsdom, der Alte Königspalast, die St.-Georgs-Basilika oder das Goldene Gässchen.
Das Matthiastor selbst wird weiterhin als regulärer Durchgang zwischen dem Ersten und Zweiten Burghof genutzt. Bei Staatsbesuchen, offiziellen Veranstaltungen oder besonderen Sicherheitsmaßnahmen kann der Zugang zeitweise eingeschränkt werden.
Was befindet sich in der Nähe?
Direkt hinter dem Matthiastor erreichst du den Zweiten Burghof mit dem barocken Kohl-Brunnen. Über einen weiteren Durchgang gelangst du anschließend zum Veitsdom und in den zentralen Bereich der Burganlage.
In unmittelbarer Nähe befinden sich außerdem:
- der Veitsdom (Katedrála svatého Víta)
- der Alte Königspalast (Starý královský palác)
- die St.-Georgs-Basilika (Bazilika svatého Jiří)
- das Goldene Gässchen (Zlatá ulička)
- der Hradschiner Platz (Hradčanské náměstí)
- das Erzbischöfliche Palais (Arcibiskupský palác)
Das Matthiastor lässt sich daher problemlos in einen Rundgang durch die gesamte Prager Burg einbauen.
Wie kommst du zum Matthiastor?
Am bequemsten erreichst du die Prager Burg mit der Straßenbahn. Von der Haltestelle Prager Burg (Pražský hrad)gehst du durch den Königlichen Garten beziehungsweise über den Zugang auf der Nordseite in das Burggelände.
Für den direkten Weg zum Hradschiner Platz kannst du auch an der Haltestelle Pohořelec aussteigen und über die Loretánská-Straße zur Burg laufen. Diese Strecke verläuft überwiegend leicht bergab.
Von der Kleinseite führt ein deutlich steilerer, aber besonders schöner Weg über die Alte Schlossstiege (Staré zámecké schody) oder die Nerudagasse (Nerudova ulice) hinauf zur Burg.
Am Hradschiner Platz gehst du durch das Tor der Giganten in den Ersten Burghof. Das Matthiastor befindet sich anschließend direkt vor dir auf der gegenüberliegenden Seite.




