Rosenberg-Palast (Rožmberský palác)

Der Rosenberg-Palast (Rožmberský palác) befindet sich im östlichen Teil der Prager Burg (Pražský hrad) an der Georgsgasse (Jiřská). Der weitläufige Gebäudekomplex gehört zu den weniger auffälligen, historisch aber besonders interessanten Palästen innerhalb der Burganlage. Hinter seiner überwiegend barocken Fassade verbergen sich noch Teile einer Renaissanceanlage, die ursprünglich als Residenz der mächtigen böhmischen Adelsfamilie Rosenberg entstand.

Bereits im 13. und 14. Jahrhundert standen an dieser Stelle mehrere einzelne Häuser. Einen Teil der Grundstücke erwarben die Rosenberger 1513. Nachdem der große Brand von 1541 die vorhandenen Gebäude zerstört oder schwer beschädigt hatte, ließ die Familie hier zwischen 1545 und 1574 einen neuen Renaissancepalast errichten. Zunächst entstand eine vierflügelige Anlage mit Innenhöfen, Arkaden und einem Zugang von der Georgsgasse. Nach dem Erwerb benachbarter Grundstücke wurde der Palast erweitert und durch einen Garten sowie eine Arkadengalerie ergänzt. An den Bauarbeiten waren unter anderem Hans Vlach und Ulrico Aostalli beteiligt. 

Im Jahr 1600 gelangte der Palast durch einen Tausch in den Besitz Kaiser Rudolfs II. Dieser ließ das Gebäude durch einen hölzernen Verbindungsgang mit dem Ludwigsflügel des Alten Königspalasts verbinden. In den 1720er-Jahren wurde die Anlage um ein weiteres Geschoss erhöht und im Inneren neu unterteilt. Damit begann die schrittweise Veränderung des ursprünglichen Renaissancepalasts. 

Seine prägendste Umgestaltung erlebte der Rosenberg-Palast unter Kaiserin Maria Theresia. Sie gründete 1753 auf der Prager Burg ein Damenstift für unverheiratete oder mittellose Töchter des böhmischen und österreichischen Adels. Zwischen 1753 und 1756 wurde der Palast nach Plänen des Hofarchitekten Nicola Pacassi durch Anselmo Lurago umfassend umgebaut. Dabei wurden sowohl die Fassaden als auch die Raumaufteilung verändert und an die neue Nutzung angepasst. 

Das Damenstift bot Platz für rund 30 adelige Frauen. Im Palast befanden sich ihre Wohnräume, Gemeinschaftssäle, die Räume der Äbtissin, ein Kapitelsaal, ein Chor und eine spätbarocke Kapelle. Geleitet wurde die Einrichtung von einer unverheirateten Erzherzogin aus dem Haus Habsburg-Lothringen. Die erste Äbtissin war Maria Anna, eine Tochter Maria Theresias. Das Damenstift bestand bis zum Ende der Habsburgermonarchie und wurde 1919 offiziell aufgelöst. Anschließend nutzte unter anderem das Innenministerium Teile des Gebäudes. 

Zwischen 1996 und 2007 wurde der Palast umfassend restauriert. Dabei entfernte man spätere Zwischenwände und abgehängte Decken, legte historische Wandmalereien frei und rekonstruierte Teile der ursprünglichen Renaissance- und Barockräume. Seit 2008 können Besucher wieder einen Eindruck von der früheren Nutzung als Adelspalast und Damenstift gewinnen. Zur Ausstattung gehören historische Möbel, Gemälde, Gebrauchsgegenstände und Goldschmiedearbeiten aus dem Barock, dem Klassizismus und der Empirezeit. 

Die Dauerausstellung des Rosenberg-Palasts ist wegen Renovierungsarbeiten vom 12. März bis Ende Oktober 2026 geschlossen. Während dieser Zeit bleibt jedoch die Ausstellung „Geschenke für den Präsidenten aus nah und fern II“ geöffnet. Sie präsentiert diplomatische und persönliche Geschenke, die der tschechische Präsident erhalten hat. Die Ausstellung ist bis zum 31. Dezember 2026 täglich geöffnet und kann kostenlos besucht werden.