Der Sternberg-Palast (Šternberský palác) befindet sich am Hradschiner Platz (Hradčanské náměstí) in unmittelbarer Nähe der Prager Burg und des Erzbischöflichen Palais. Da das Gebäude etwas zurückversetzt hinter den umliegenden Palästen liegt, wirkt es vom belebten Platz aus zunächst eher verborgen. Der Palast erstreckt sich jedoch weit über den steilen Hang in Richtung des Hirschgrabens und gehört zu den bedeutendsten hochbarocken Profanbauten Prags.
Errichtet wurde der Palast zwischen 1699 und 1708 für Graf Václav Vojtěch von Sternberg, einen einflussreichen böhmischen Adeligen und Kunstliebhaber. Er hatte das Grundstück neben dem Erzbischöflichen Palais 1690 erworben und ließ dort eine repräsentative Stadtresidenz errichten. Die Planung wird überwiegend dem Architekten Giovanni Battista Alliprandi zugeschrieben. Als der Bauherr 1708 starb, war die Anlage noch nicht vollständig fertiggestellt.
Die Architektur des Palasts verbindet eine repräsentative barocke Residenz mit der Gestaltung eines Gartenpalasts. Hinter der eher zurückhaltenden Eingangsseite öffnen sich ein Innenhof, reich ausgestattete Säle und Gebäudeflügel, die sich an das abfallende Gelände anpassen. Im Inneren sind noch Teile der ursprünglichen barocken Ausstattung erhalten, darunter Stuckarbeiten, Wandmalereien und dekorierte Decken. Besonders reizvoll ist der kleine Garten hinter dem Palast, der heute mit Skulpturen tschechischer Künstler des 20. Jahrhunderts gestaltet ist und eine ruhige Aussicht über den Hirschgraben bietet.
Von 1811 bis 1871 diente der Sternberg-Palast als Sitz der Gesellschaft patriotischer Kunstfreunde. Diese Vereinigung unterhielt hier eine öffentliche Gemäldegalerie und gilt als eine wichtige Vorgängerinstitution der heutigen Nationalgalerie Prag. Nach dem Verkauf des Gebäudes wurde der Palast zeitweise als psychiatrische Einrichtung und später für militärische Zwecke genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging er an die neu organisierte Nationalgalerie über. Seit 1947 werden in seinen historischen Räumen wieder bedeutende Kunstwerke ausgestellt.
Heute gehört der Sternberg-Palast (Šternberský palác) zu den Ausstellungsgebäuden der Nationalgalerie Prag (Národní galerie Praha). Die Dauerausstellung „Alte Meister II“ ergänzt die Sammlung im gegenüberliegenden Schwarzenberg-Palast. Zu sehen sind unter anderem italienische Gemälde des 14. und 15. Jahrhunderts, russische Ikonen sowie niederländische, flämische, deutsche, österreichische, französische und spanische Kunstwerke vom späten Mittelalter bis zum Barock. Vertreten sind Künstler wie Peter Paul Rubens, Anthonis van Dyck, Frans Hals, Jusepe de Ribera, Bartolomé Esteban Murillo und Francisco de Goya.
Ein Besuch lohnt sich deshalb nicht nur wegen der Kunstsammlung, sondern auch wegen der historischen Innenräume und des ruhigen Palastgartens. Der Eingang liegt etwas versteckt am Hradschiner Platz. Anders als viele benachbarte Adelspaläste kann der Sternberg-Palast regulär als Museum besichtigt werden.