Der Botič gehört zu den eher unbekannten Gewässern Prags. Obwohl der Bach auf seinem Weg durch die Stadt mehrere bekannte Viertel durchquert, nehmen ihn viele Besucher kaum wahr. Dabei ist der Botič mit insgesamt rund 34 Kilometern Länge und etwa 21 Kilometern auf Prager Stadtgebiet der längste Bach der tschechischen Hauptstadt. Sein Verlauf zeigt gleichzeitig sehr unterschiedliche Seiten Prags. Im Südosten fließt der Botič durch grüne Täler, Wälder und geschützte Auenlandschaften. Weiter im Zentrum führt sein Weg durch Hostivař, Záběhlice, Vršovice und Nusle, bevor er nahe Vyšehrad unter der Erde verschwindet und schließlich in die Moldau (Vltava) mündet.

Wo entspringt der Botič?
Die Quelle des Botič liegt außerhalb der Prager Stadtgrenze im mittelböhmischen Waldgebiet Okrouhlík nahe Křížkový Újezdec.
Von dort fließt der Bach zunächst durch die Landschaft südöstlich von Prag. Zu den bekanntesten Orten entlang seines Oberlaufs gehört der Průhonicer Park (Průhonický park), dessen weitläufige Parklandschaft zum UNESCO-Welterbe gehört.
Anschließend erreicht der Botič das Prager Stadtgebiet und fließt unter anderem durch Křeslice, Petrovice, Hostivař, Záběhlice, Michle, Vršovice und Nusle.
Sein Charakter verändert sich dabei mehrfach. Aus einem kleinen natürlichen Bach in grüner Umgebung wird nach und nach ein deutlich stärker vom Stadtgebiet geprägtes Gewässer.
Die Hostivař-Talsperre
Einer der markantesten Punkte entlang des Botič ist die Hostivař-Talsperre (Hostivařská přehrada) im Südosten Prags.
Die Talsperre wurde zwischen 1959 und 1963 angelegt. Dafür wurde der Botič aufgestaut. Heute bildet der Stausee eine große Wasserfläche und gehört zu den beliebtesten Naherholungsgebieten im Süden der Stadt.
Rund um den See befinden sich Grünflächen, Spazierwege und Freizeitangebote. Besonders im Sommer zieht es viele Prager zum Baden und Entspannen an die Hostivař-Talsperre.
Gleichzeitig erfüllt die Anlage eine wichtige Funktion für die Regulierung des Botič und den Hochwasserschutz.
Die Botič-Mäander bei Hostivař
Direkt unterhalb der Hostivař-Talsperre zeigt sich der Botič von einer besonders natürlichen Seite.
Zwischen Hostivař und Záběhlice liegt das geschützte Naturdenkmal Botič-Mäander (Meandry Botiče). Hier schlängelt sich der Bach durch eine vergleichsweise naturbelassene Auenlandschaft.
Der Name beschreibt bereits das auffälligste Merkmal des Gebietes: Statt geradlinig durch ein befestigtes Bett zu fließen, bildet der Botič zahlreiche natürliche Kurven und Schleifen.
Entlang der Ufer wachsen unter anderem Erlen und Weiden. Feuchte Wiesen, kleine Auenbereiche und dichter Bewuchs machen den Abschnitt zu einem wichtigen Lebensraum für Vögel, Amphibien, Insekten und weitere Tiere.
Das Gebiet steht bereits seit 1968 unter Naturschutz und gehört zu den überraschend grünen Orten innerhalb Prags.
Durch Záběhlice und Michle
Nach den Botič-Mäandern erreicht der Bach zunehmend dichter bebaute Stadtbereiche.
In Záběhlice lässt sich noch gut erkennen, wie eng der Bach früher mit den alten Siedlungen außerhalb des historischen Prager Zentrums verbunden war. Teile des ursprünglichen Dorfkerns liegen unmittelbar am Botič.
Von dort führt sein Weg weiter Richtung Michle.
Während sich die Umgebung immer stärker verändert, bleibt der Bach vielerorts als grüner Korridor zwischen Straßen, Wohngebieten und älterer Bebauung erhalten.
Der Botič in Vršovice
Auch durch Vršovice fließt der Botič.
Ein interessanter Abschnitt befindet sich südlich des Havlíček-Parks (Havlíčkovy sady). Hier verläuft der Bach bereits durch ein deutlich urbaneres Umfeld.
In diesen Bereichen wurde sein ursprüngliches Bett im Laufe der Stadtentwicklung stark verändert. Mauern, befestigte Ufer und regulierte Abschnitte prägen das Bild.
Trotzdem begleitet der Botič weiterhin mehrere Grünflächen und bildet eine kleine natürliche Achse durch das dicht bebaute Viertel.
Durch das Nusle-Tal
Besonders gut sichtbar ist der Botič im Nusle-Tal.
Hier fließt er unter anderem am Theater Na Fidlovačce sowie entlang des Folimanka-Parks (Park Folimanka) vorbei.
Während der zunehmenden Bebauung von Nusle im 19. und 20. Jahrhundert wurde der Bach stark reguliert. Vor allem zwischen 1932 und 1935 entstanden befestigte Abschnitte, die das Wasser kontrollierter durch das dicht besiedelte Tal führen sollten.
In den vergangenen Jahren wurden einzelne Bereiche jedoch wieder naturnäher gestaltet. Dabei entstanden breitere Uferzonen, kleine Inseln und abwechslungsreichere Bachabschnitte.
So soll der Botič sowohl ökologisch aufgewertet als auch besser in den städtischen Hochwasserschutz integriert werden.
Wo verschwindet der Botič unter der Erde?
Einer der ungewöhnlichsten Abschnitte des Botič befindet sich nahe Vyšehrad.
Am Ostrčilovo náměstí verschwindet der Bach unter der Erde. Von hier aus fließt er durch einen unterirdischen Kanal weiter Richtung Moldau.
Wer den Botič zuvor durch Hostivař, Vršovice oder Nusle verfolgt hat, steht hier plötzlich vor dem Ende des sichtbaren Bachlaufs.
Erst an der Moldau kommt das Wasser wieder zum Vorschein.
Wo mündet der Botič in die Moldau?
Die Mündung befindet sich bei Výtoň, südlich der Eisenbahnbrücke unterhalb von Vyšehrad.
Hier fließt der Botič nach seinem unterirdischen letzten Abschnitt in die Moldau (Vltava).
Die Stelle ist relativ unscheinbar. Wer nicht gezielt danach sucht, dürfte die Mündung beim Spaziergang entlang des Moldauufers leicht übersehen.
Gerade dieser Kontrast macht den Botič interessant: Ein Bach, der über viele Kilometer durch Naturgebiete, Wohnviertel und Parks führt, endet mitten im dicht bebauten Prag beinahe unbemerkt.
Hochwasser am Botič
Der heute meist ruhig wirkende Bach kann bei starken Niederschlägen innerhalb kurzer Zeit erheblich anschwellen.
Auch der Name Botič wird teilweise mit alten tschechischen Begriffen in Verbindung gebracht, die sinngemäß für das Anschwellen beziehungsweise Größerwerden stehen.
Dass Hochwasser entlang des Botič ein ernstes Thema sein kann, zeigte sich besonders beim Prager Hochwasser 2013. Damals stieg der Wasserstand in mehreren Stadtteilen stark an. Unter anderem entlang von Hostivař kam es zu Überschwemmungen.
Heute gehören Rückhalteflächen, die Hostivař-Talsperre sowie verschiedene Renaturierungs- und Hochwasserschutzprojekte zu den Maßnahmen, mit denen die Folgen solcher Ereignisse begrenzt werden sollen.
Der Botič und die tschechische Nationalhymne
Eine interessante Verbindung besteht zwischen dem Botič und der tschechischen Nationalhymne „Kde domov můj“.
Das Lied stammt ursprünglich aus dem Theaterstück Fidlovačka von Josef Kajetán Tyl mit Musik von František Škroup. Das Stück wurde 1834 erstmals aufgeführt und spielt im Umfeld des damaligen Nusle.
Deshalb wird die bekannte Passage der Hymne über das Wasser, das durch die Landschaft rauscht, gelegentlich mit dem Botič und dem Nusle-Tal in Verbindung gebracht.
Ob der Bach tatsächlich unmittelbar als Inspiration für diese Textzeile diente, lässt sich allerdings nicht eindeutig belegen. Die Verbindung gehört dennoch zu den interessanten lokalen Geschichten rund um den Botič.
Spaziergänge entlang des Botič
Wer Prag abseits der klassischen Sehenswürdigkeiten kennenlernen möchte, findet entlang des Botič mehrere interessante Abschnitte.
Besonders schön ist der Bereich zwischen der Hostivař-Talsperre und den Botič-Mäandern. Hier steht die Natur im Vordergrund und der Bach wirkt stellenweise kaum wie ein Stadtgewässer.
Ein völlig anderes Bild bietet der Abschnitt durch Vršovice und Nusle. Dort lässt sich gut beobachten, wie der Bach in das dicht bebaute Stadtgebiet integriert wurde.
Auch der Folimanka-Park eignet sich als Zwischenstopp. Von dort kannst du dem Botič noch ein Stück Richtung Vyšehrad folgen, bevor er am Ostrčilovo náměstí unter der Erde verschwindet.
Wer anschließend weiter zur Moldau geht, kann bei Výtoň schließlich den Bereich seiner Mündung erreichen.
Ein versteckter Wasserlauf durch Prag
Der Botič gehört nicht zu den klassischen Sehenswürdigkeiten Prags. Gerade deshalb lohnt es sich, bei Spaziergängen durch Hostivař, Vršovice oder Nusle etwas genauer hinzusehen.
Auf wenigen Kilometern wechseln sich geschützte Auenlandschaften, historische Siedlungen, Wohnviertel, Parks und stark regulierte Stadtabschnitte ab. Gleichzeitig erzählt der Bach viel über die Entwicklung Prags und darüber, wie sich natürliche Wasserläufe innerhalb einer wachsenden Großstadt verändert haben.
Vom beinahe naturbelassenen Bachlauf bei Hostivař bis zum unterirdischen Abschnitt unterhalb von Vyšehrad zeigt der Botič damit eine Seite Prags, die vielen Besuchern verborgen bleibt.
