Der Pulverturm (Prašná brána) gehört zu den markantesten historischen Bauwerken im Zentrum von Prag. Mit seiner dunklen Fassade, den zahlreichen Steinfiguren und dem hohen Spitzdach wirkt das ehemalige Stadttor fast wie ein mittelalterlicher Wachturm. Tatsächlich war der Bau jedoch vor allem als repräsentativer Eingang in die Prager Altstadt gedacht. Der Pulverturm steht unmittelbar am Platz der Republik (náměstí Republiky) und direkt neben dem prachtvollen Gemeindehaus (Obecní dům). Gleichzeitig markiert er den traditionellen Beginn des Königswegs (Královská cesta), der durch die Altstadt, über die Karlsbrücke und hinauf zur Prager Burg führt. Heute kannst du den etwa 65 Meter hohen Turm besichtigen und über eine schmale Wendeltreppe zu seinem Aussichtsumgang hinaufsteigen. Von dort eröffnet sich ein besonderer Blick über die Dächer der Prager Altstadt.
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Ein monumentaler Eingang in die Prager Altstadt
An der Stelle des heutigen Pulverturms befand sich ursprünglich eines der Tore der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Das ältere Bauwerk wurde als Bergtor (Horská brána) bezeichnet, weil durch dieses Tor eine wichtige Handelsstraße in Richtung Kuttenberg und Ostböhmen verlief.
Im Laufe der Zeit verfiel das Stadttor jedoch so stark, dass es im Volksmund auch Zerlumptes Tor (Odraná brána) genannt wurde. Im 15. Jahrhundert entschied die Prager Altstadt deshalb, an dieser Stelle einen neuen und deutlich repräsentativeren Turm errichten zu lassen.
Der Neubau stand unmittelbar neben dem damaligen Königlichen Hof (Královský dvůr). Dieser befand sich auf dem Gelände des heutigen Gemeindehauses und diente böhmischen Königen zeitweise als Residenz. Das neue Stadttor sollte daher nicht nur einen Zugang zur Altstadt bilden, sondern zugleich die Bedeutung des königlichen Umfelds unterstreichen.

Die Geschichte des Pulverturms
Der Grundstein für den heutigen Pulverturm wurde 1475 gelegt. Die Bauarbeiten begannen unter König Vladislav II. Jagiello und wurden später von dem Baumeister und Bildhauer Matthias Rejsek fortgeführt.
Als architektonisches Vorbild diente vermutlich der Altstädter Brückenturm (Staroměstská mostecká věž) an der Karlsbrücke. Beide Bauwerke besitzen eine reich verzierte Fassade mit Herrscherfiguren, Heiligen, Wappen und religiösen Darstellungen.
Der Bau des Pulverturms wurde jedoch zunächst nicht vollständig abgeschlossen. Nachdem der königliche Hof gegen Ende des 15. Jahrhunderts wieder auf die Prager Burg verlegt worden war, verlor das Projekt an politischer Bedeutung. Der Turm blieb über lange Zeit unvollendet und erhielt erst später seine heutige Gestalt.
Während der preußischen Belagerung Prags im Jahr 1757 wurde das Bauwerk durch Artilleriebeschuss stark beschädigt. Ein Teil des mittelalterlichen Fassadenschmucks ging dabei verloren oder wurde in den folgenden Jahrzehnten entfernt.
Zwischen 1875 und 1886 erfolgte eine umfassende Restaurierung unter der Leitung des Architekten Josef Mocker. Er ergänzte den Turm im neugotischen Stil, ließ das charakteristische Dach errichten und stellte zahlreiche dekorative Elemente wieder her.
Das heutige Erscheinungsbild verbindet daher einen spätgotischen Baukern mit umfangreichen Ergänzungen aus dem 19. Jahrhundert.
Woher stammt der Name Pulverturm?
Seinen heutigen Namen erhielt der Turm vermutlich im 18. Jahrhundert. Traditionell wird die Bezeichnung damit erklärt, dass das Gebäude zeitweise zur Lagerung von Schießpulver genutzt worden sein soll.
Eine solche Nutzung ist allerdings nicht eindeutig durch historische Quellen belegt. Der Name Pulverturm (Prašná brána) setzte sich dennoch dauerhaft durch und ersetzte ältere Bezeichnungen des Stadttores.
Im Deutschen wird das Bauwerk häufig Pulverturm genannt. Wörtlich lässt sich der tschechische Name Prašná brána allerdings auch als Pulvertor übersetzen, da der Turm ursprünglich Teil eines Stadttors war.
Architektur und Fassadenschmuck
Der Pulverturm zählt zu den bedeutendsten Beispielen spätgotischer Architektur in Prag. Besonders auffällig ist der hohe Spitzbogen, durch den heute eine Straße zwischen dem Platz der Republik und der Celetná-Straße führt.
Die dunkle Fassade ist mit zahlreichen Skulpturen, Wappen und dekorativen Steinmetzarbeiten geschmückt. Zu sehen sind unter anderem Darstellungen böhmischer Herrscher wie Přemysl Ottokar II., Karl IV., Georg von Podiebrad und Vladislav II. Jagiello.
Weitere Figuren zeigen böhmische Schutzpatrone, Apostel, Engel und religiöse Szenen. Die Gestaltung sollte nicht nur dekorativ wirken, sondern zugleich die politische und religiöse Bedeutung der böhmischen Krone hervorheben.
Auch im Inneren sind gotische Architekturelemente erhalten. Die einzelnen Geschosse besitzen aufwendig gestaltete Gewölbe, während eine enge steinerne Wendeltreppe hinauf zum Aussichtsumgang führt.
Aussicht vom Pulverturm
Der Aussichtsumgang des Pulverturms liegt in einer Höhe von ungefähr 44 Metern. Um ihn zu erreichen, musst du rund 186 Steinstufen bewältigen. Einen Aufzug gibt es nicht.
Der Aufstieg führt durch eine schmale Wendeltreppe und kann besonders bei Gegenverkehr etwas eng werden. Für Besucher mit eingeschränkter Mobilität ist der Turm daher nicht geeignet.
Oben angekommen, wirst du mit einem eindrucksvollen Blick über das Zentrum von Prag belohnt. Besonders gut zu erkennen sind die Dächer und Türme der Altstadt, das Gemeindehaus und die Gebäude rund um den Platz der Republik.
In Richtung Westen reicht der Blick entlang der Celetná-Straße bis zu den Türmen der Teynkirche (Chrám Matky Boží před Týnem). In der Ferne kannst du außerdem Teile der Prager Burg und des Veitsdoms erkennen.
Die Aussicht unterscheidet sich deutlich von höheren Aussichtspunkten wie dem Petřín-Turm oder dem Prager Fernsehturm. Vom Pulverturm blickst du vergleichsweise nah auf die historischen Häuser und engen Straßen der Altstadt.
Beginn des historischen Königswegs
Der Pulverturm gilt als Ausgangspunkt des Königswegs (Královská cesta). Auf dieser Strecke zogen böhmische Könige vor ihrer Krönung durch Prag zum Veitsdom auf der Prager Burg.
Die Route begann im Bereich des früheren Königlichen Hofes und führte durch den Pulverturm in die Altstadt. Von dort verlief der Weg über die Celetná-Straße (Celetná) zum Altstädter Ring (Staroměstské náměstí).
Anschließend führte der Krönungszug durch die Karlsgasse, über die Karlsbrücke (Karlův most) und durch die Kleinseite. Über die Neruda-Straße ging es schließlich hinauf zur Prager Burg.
Auch heute gehört der Königsweg zu den beliebtesten Spazierwegen durch Prag. Der Pulverturm eignet sich daher hervorragend als Ausgangspunkt für eine Erkundung der historischen Innenstadt.

Der Pulverturm und das Gemeindehaus
Direkt neben dem mittelalterlich wirkenden Pulverturm steht das reich verzierte Gemeindehaus (Obecní dům). Der Jugendstilbau entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf dem Gelände des früheren Königlichen Hofes.
Der Kontrast zwischen beiden Gebäuden gehört zu den spannendsten architektonischen Ansichten in Prag. Während der Pulverturm durch seine dunkle gotische Fassade geprägt ist, zeigt das Gemeindehaus farbenreiche Mosaike, große Fensterflächen und zahlreiche Jugendstildetails.
Im Gemeindehaus befinden sich mehrere Veranstaltungsräume, Restaurants und Cafés. Besonders bekannt ist der Smetana-Saal, in dem regelmäßig klassische Konzerte stattfinden.
Pulverturm und Gemeindehaus lassen sich deshalb gut bei einem gemeinsamen Besuch verbinden.
Besichtigung des Pulverturms
Der Pulverturm ist als Aussichtsturm für Besucher geöffnet. Im Inneren befindet sich eine kleine Ausstellung zur Geschichte des Bauwerks und seiner Bedeutung für die Prager Altstadt.
Die Öffnungszeiten ändern sich im Laufe des Jahres. Während der Sommermonate ist der Turm in der Regel länger geöffnet als im Winter. Der letzte Einlass erfolgt meist einige Zeit vor dem offiziellen Ende der Öffnungszeit.
Auch die Eintrittspreise können sich ändern. Ermäßigungen gibt es üblicherweise für Kinder, Jugendliche, Studenten und Senioren. Mit dem Prague Visitor Pass ist der Eintritt normalerweise bereits abgedeckt.
Da die Wendeltreppe schmal ist und der Aufstieg ausschließlich zu Fuß erfolgt, solltest du feste Schuhe tragen. Größere Taschen oder Gepäckstücke sind im Turm unpraktisch.
Wann lohnt sich der Besuch?
Der Pulverturm ist zu fast jeder Tageszeit sehenswert. Besonders angenehm ist der Besuch am Vormittag, wenn in der Umgebung meist noch weniger los ist.
Am späten Nachmittag kann das Licht über den Dächern der Altstadt besonders stimmungsvoll wirken. Da die Aussichtsplattform jedoch teilweise von der Turmarchitektur eingerahmt wird, eignet sie sich eher für einzelne Stadtansichten als für ein vollkommen freies Panorama.
Bei starkem Regen oder Nebel ist die Sicht eingeschränkt. Der Turm selbst bleibt jedoch auch bei weniger gutem Wetter ein interessantes Ziel, da bereits der Aufstieg und die historischen Innenräume zum Erlebnis gehören.
Wie kommst du zum Pulverturm?
Der Pulverturm steht am östlichen Rand der Prager Altstadt unmittelbar am Platz der Republik (náměstí Republiky).
Die nächstgelegene Metrostation ist Náměstí Republiky an der Linie B. Auch mehrere Straßenbahnlinien halten am Platz der Republik.
Vom Prager Hauptbahnhof erreichst du den Pulverturm zu Fuß in ungefähr 15 Minuten. Vom Altstädter Ring führt der direkte Weg durch die Celetná-Straße. Für diese Strecke solltest du etwa zehn Minuten einplanen.
Da sich der Turm in einer stark besuchten Fußgängerzone befindet, ist die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln meist einfacher als mit dem Auto.
Sehenswürdigkeiten rund um den Pulverturm
In der unmittelbaren Umgebung befinden sich mehrere bekannte Sehenswürdigkeiten. Direkt neben dem Turm steht das Gemeindehaus, während sich auf der gegenüberliegenden Seite die Tschechische Nationalbank (Česká národní banka) befindet.
Nur wenige Schritte entfernt liegen das Theater Hybernia (Divadlo Hybernia) und das große Einkaufszentrum Palladium. Durch die Celetná-Straße gelangst du zum kubistischen Haus zur Schwarzen Muttergottes (Dům U Černé Matky Boží) und weiter zum Altstädter Ring.
Der Pulverturm lässt sich daher ideal in einen Spaziergang durch die östliche Altstadt einbauen. Eine mögliche Route führt vom Platz der Republik durch den Turm und anschließend über den historischen Königsweg bis zur Karlsbrücke.





Quellen:
- https://prague.eu/de/objevujte/pulverturm-prasna-brana/
- https://praguecitytourism.cz/co-delame/provoz-pamatkovych-objektu/prasna-brana/
- https://www.pamatkovykatalog.cz/prasna-brana-15403793
- https://prague.eu/de/die-prager-tuerme/
- https://www.praguego.com/attractions/powder-tower-gate
- https://de.wikipedia.org/wiki/Prager_Pulverturm
