Nationalmuseum (Národní muzeum)

Das monumentale Nationalmuseum (Národní muzeum) bildet den weithin sichtbaren Abschluss des Wenzelsplatzes (Václavské náměstí). Hinter seiner reich verzierten Fassade erwarten dich prunkvolle Treppenhallen, historische Säle und umfangreiche Ausstellungen zur Natur, Urgeschichte und Geschichte der böhmischen Länder. Seit der umfassenden Sanierung gehört das Nationalmuseum wieder zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten im Zentrum von Prag. Dabei ist bereits das Gebäude selbst einen Besuch wert: Marmor, vergoldete Verzierungen, Wandgemälde und eine große Glaskuppel verleihen dem Historischen Gebäude den Charakter eines repräsentativen Museumspalastes.

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Das prächtige Hauptgebäude des Nationalmuseums am oberen Ende des Wenzelsplatzes. Der 70 Meter hohe Kuppelbau im Stil der Neorenaissance wurde von Josef Schulz zwischen 1885 und 1891 errichtet.

Ein Wahrzeichen am oberen Ende des Wenzelsplatzes

Das Historische Gebäude des Nationalmuseums (Historická budova Národního muzea) steht am südöstlichen Ende des Wenzelsplatzes (Václavské náměstí). Durch seine erhöhte Lage, die breite Freitreppe und die markante Kuppel prägt es die gesamte Platzanlage.

Direkt daneben befindet sich das architektonisch vollkommen anders gestaltete Neue Gebäude des Nationalmuseums (Nová budova Národního muzea). Beide Häuser bilden heute gemeinsam den Museumskomplex und sind durch einen unterirdischen Gang miteinander verbunden. In diesem Verbindungsgang befindet sich die multimediale Ausstellung Momente der Geschichte (Momenty dějin).

Der Begriff Nationalmuseum bezeichnet allerdings nicht nur diesen Gebäudekomplex. Zur Institution gehören weitere Museen und Sammlungen in Prag und anderen Teilen Tschechiens. Für die meisten Prag-Besucher ist mit dem Nationalmuseum jedoch das bekannte Ensemble am Wenzelsplatz gemeint.

Die Geschichte des Nationalmuseums

Die Ursprünge des Nationalmuseums reichen bis ins Jahr 1818 zurück. Seine frühen Bestände entstanden vor allem aus naturwissenschaftlichen Privatsammlungen des böhmischen Adels. Eine wichtige Rolle spielte Kaspar Maria Graf Sternberg, der dem neu gegründeten Museum unter anderem seine bedeutende Mineraliensammlung überließ.

Das heutige Historische Gebäude wurde nach Plänen des Architekten Josef Schulz errichtet und 1891 eröffnet. Der repräsentative Bau im Stil der Neorenaissance sollte nicht nur Ausstellungsräume schaffen, sondern zugleich das kulturelle und wissenschaftliche Selbstbewusstsein der böhmischen Länder sichtbar machen.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde das Museum mehrfach beschädigt. Besonders bekannt sind die Einschussspuren an der Fassade, die auf den Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts im August 1968 zurückgehen. Das Gebäude war damals offenbar irrtümlich für einen Rundfunksitz gehalten worden.

Seit 1962 steht das Historische Gebäude als nationales Kulturdenkmal unter Schutz. Wegen seines schlechten baulichen Zustands wurde es 2011 geschlossen und grundlegend restauriert. Die symbolische Wiedereröffnung erfolgte am 28. Oktober 2018 – genau 100 Jahre nach der Gründung der Tschechoslowakei. Der Verbindungsgang zum Neuen Gebäude wurde im November 2019 eröffnet.

Architektur, Treppenhalle und Glaskuppel

Schon hinter dem Haupteingang öffnet sich eine monumentale Treppenhalle mit Marmorsäulen, Skulpturen, Balustraden und historischen Wandmalereien. Die Räume wurden bewusst so gestaltet, dass das Museum nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch nationale Geschichte und Kultur repräsentieren sollte.

Zu den eindrucksvollsten Bereichen gehört der zentrale Festsaal unter der großen Glaskuppel. Zahlreiche Details der historischen Ausstattung konnten während der Sanierung rekonstruiert oder restauriert werden. Dadurch lässt sich das Gebäude heute wieder weitgehend in seiner ursprünglichen Gestaltung erleben.

Die Innenräume machen das Nationalmuseum auch für Besucher interessant, die sich weniger für einzelne Sammlungsgebiete begeistern. Besonders die Treppenhalle, das Pantheon und die Aussicht aus den oberen Etagen gehören zu den architektonischen Höhepunkten.

Das opulente Haupttreppenhaus im Nationalmuseum: Ornamente, goldene Lampen und Portraitbüsten säumen den Weg nach oben. Es vermittelt ein Gefühl wie in einem Königspalast.

Das Pantheon des Nationalmuseums

Das Pantheon des Nationalmuseums (Panteon Národního muzea) bildet das repräsentative Herz des Historischen Gebäudes. Josef Schulz entwarf den Festsaal um 1890 als Ort für feierliche Versammlungen und zur Erinnerung an bedeutende Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kunst und Kultur.

Im Pantheon befinden sich 54 Bronzestatuen und Büsten sowie zwei Marmorbüsten des Kaiserpaares Franz Joseph I. und Elisabeth. Monumentale Wandgemälde stellen wichtige Szenen der böhmischen und europäischen Kulturgeschichte dar. An der Ausgestaltung waren unter anderem František Ženíšek, Václav Brožík und Vojtěch Hynais beteiligt.

Besonders auffällig ist die bemalte Glaskuppel mit der Personifikation Böhmens in ihrer Mitte. Sie wurde während der Sanierung anhand historischer Unterlagen aus dem 19. Jahrhundert rekonstruiert.

Historisches und Neues Gebäude

Das Historische Gebäude beherbergt vor allem naturwissenschaftliche, urgeschichtliche und historische Dauerausstellungen. Hier findest du außerdem die prunkvollen Treppenhallen, das Pantheon und die historischen Mineralsäle.

Das Neue Gebäude wurde ursprünglich als Prager Börse errichtet. Später diente es als Sitz der Föderalversammlung der Tschechoslowakei und von 1994 bis 2002 als Zentrale von Radio Free Europe. Heute werden dort vor allem Ausstellungen zur jüngeren Geschichte, wechselnde Sonderausstellungen und Angebote für Familien präsentiert.

Der architektonische Kontrast zwischen beiden Gebäuden ist deutlich: Auf der einen Seite steht der reich verzierte Museumspalast des 19. Jahrhunderts, auf der anderen ein funktionaler Bau der Moderne. Durch den unterirdischen Verbindungsgang lassen sich beide Häuser während eines Besuchs bequem miteinander kombinieren.

Was kannst du im Nationalmuseum sehen?

Die Sammlungen des Nationalmuseums decken sehr unterschiedliche Themengebiete ab. Dazu gehören Zoologie, Paläontologie, Mineralogie, Anthropologie sowie die Geschichte der böhmischen Länder vom frühen Mittelalter bis in die Gegenwart.

Da der Museumskomplex groß ist, musst du nicht sämtliche Bereiche an einem Tag besichtigen. Für einen ersten Besuch lohnt es sich, einige Schwerpunkte auszuwählen.

Wunder der Evolution

Die Dauerausstellung Wunder der Evolution (Zázraky evoluce) gehört zu den bekanntesten Bereichen des Museums. Auf rund 2.000 Quadratmetern zeigt sie die Entwicklung und Vielfalt der Tierwelt.

Das berühmteste Exponat ist das große Skelett eines Finnwals, das seit Langem als eines der Wahrzeichen des Museums gilt. Rund 1.500 weitere Objekte, Tierpräparate und moderne Modelle ergänzen die Ausstellung. Dazu gehört ein etwa 17 Meter langes Modell eines Riesenkalmars.

Die Präsentation ist nicht nach klassischen Schauvitrinen aufgebaut. Stattdessen werden Tiere in räumlich gestalteten Lebenswelten und Bewegungsabläufen dargestellt. Dadurch eignet sich dieser Bereich besonders gut für Familien.

Fenster in die Urzeit

In der Ausstellung Fenster in die Urzeit (Okna do pravěku) kannst du die Entwicklung des Lebens über Millionen von Jahren verfolgen. Zu sehen sind rund 2.000 Fossilien, Gesteine, Skelette und Rekonstruktionen prähistorischer Tiere.

Die Spannweite reicht von kleinen versteinerten Trilobiten bis zu großen Ammoniten und lebensgroßen Modellen längst ausgestorbener Lebewesen. Die Ausstellung verbindet Funde aus den böhmischen Ländern mit der allgemeinen Erdgeschichte.

Geschichte der böhmischen Länder

Die Dauerausstellung Geschichte (Dějiny) führt durch die Entwicklung der böhmischen Länder vom 8. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg. Auf etwa 1.300 Quadratmetern werden rund 2.000 Exponate präsentiert.

Zu sehen sind unter anderem mittelalterlicher Schmuck, Münzen, Waffen, religiöse Objekte und Gegenstände des täglichen Lebens. Zu den größten Ausstellungsstücken gehört eine repräsentative erzbischöfliche Kutsche aus dem 18. Jahrhundert.

Geschichte des 20. Jahrhunderts

Die Ausstellung Geschichte des 20. Jahrhunderts (Dějiny 20. století) befindet sich im Neuen Gebäude. Sie behandelt die Entwicklung von der Zeit des Ersten Weltkriegs über die Gründung der Tschechoslowakei, die deutsche Besatzung und die kommunistische Herrschaft bis zum Beitritt Tschechiens zur Europäischen Union.

Dieser Bereich eignet sich besonders gut, wenn du die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen verstehen möchtest, die Prag im vergangenen Jahrhundert geprägt haben.

Mineralien und Meteoriten

Die historischen Mineraliensäle (Sály minerálů) verbinden moderne Informationen mit einer Präsentation, die teilweise noch dem Erscheinungsbild des ausgehenden 19. Jahrhunderts entspricht.

In restaurierten Vitrinen werden Mineralien, Meteoriten, Moldavite und durch Meteoriteneinschläge entstandene Gesteine präsentiert. Die gesamte mineralogische Sammlung des Nationalmuseums umfasst mehr als 100.000 Objekte, von denen allerdings nur ein kleiner Teil ausgestellt werden kann.

Nationalmuseum mit Kindern

Für Kinder sind vor allem Wunder der EvolutionFenster in die Urzeit und die großen Tiermodelle interessant. Ergänzend gibt es im Neuen Gebäude ein eigenes Kindermuseum (Dětské muzeum).

Das Kindermuseum richtet sich vor allem an Kinder ab vier Jahren und verbindet Natur, Geschichte, Technik und spielerisches Lernen. Interaktive Elemente sollen zum Ausprobieren, Entdecken und Beobachten anregen.

Für das Kindermuseum benötigst du eine eigene Eintrittskarte mit einem festen Zeitfenster von 90 Minuten. Da die Zahl der Besucher begrenzt ist, empfiehlt das Museum eine vorherige Online-Reservierung. Kinder unter 15 Jahren dürfen den Bereich nur in Begleitung eines Erwachsenen besuchen.

Wie viel Zeit solltest du einplanen?

Für das Historische Gebäude mit den wichtigsten Sälen und zwei oder drei größeren Ausstellungen solltest du etwa zweieinhalb bis drei Stunden einplanen.

Möchtest du zusätzlich das Neue Gebäude, den unterirdischen Verbindungsgang und die Ausstellung zur Geschichte des 20. Jahrhunderts ausführlich besuchen, sind vier Stunden oder mehr realistisch.

Eine gute Reihenfolge beginnt in der monumentalen Treppenhalle. Anschließend kannst du das Pantheon, die Ausstellung Wunder der Evolution und je nach Interesse die Bereiche zur Urgeschichte oder zur böhmischen Geschichte besichtigen. Danach führt der Verbindungsgang in das Neue Gebäude.

An Wochenenden, Feiertagen und gegen Mittag kann die maximale Besucherkapazität erreicht werden. Das Museum nennt für solche Situationen übliche Wartezeiten von etwa 30 bis 45 Minuten. Ein Besuch kurz nach der Öffnung ist daher meist angenehmer.

Aktuelle Ausstellungen 2026

Neben den Dauerausstellungen zeigt das Nationalmuseum regelmäßig größere Sonderausstellungen. Diese befinden sich je nach Thema im Historischen oder im Neuen Gebäude.

Die Přemysliden – Herrscherdynastie und ihre Zeit

Die große Ausstellung Die Přemysliden – Herrscherdynastie und ihre Zeit (Přemyslovci – panovnický rod a jeho doba) ist vom 24. April bis zum 15. Oktober 2026 im Historischen Gebäude zu sehen.

Mehr als 900 Exponate aus den Beständen des Nationalmuseums und von fast 70 tschechischen und internationalen Institutionen erzählen die Geschichte der Dynastie. Neben königlichen Insignien, Schmuck, Waffen und Münzen werden auch religiöse Objekte und Zeugnisse des mittelalterlichen Alltags präsentiert.

Weitere Ausstellungen im Museumskomplex sind 2026 unter anderem František Palacký 1798–1876 bis zum 17. August, Františka Plamínková und wir bis zum 31. August sowie Czech Press Photo 2025 bis zum 30. November. Für Czech Press Photo gilt eine separate Eintrittskarte.

Öffnungszeiten und Eintritt

Der Museumskomplex ist derzeit täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Abweichende Öffnungszeiten können an einzelnen Feiertagen gelten.

Der reguläre Eintritt für Erwachsene beträgt derzeit 360 CZK, der ermäßigte Eintritt 260 CZK. Kinder bis einschließlich 14 Jahre erhalten in Begleitung eines Erwachsenen freien Eintritt.

Das reguläre Ticket gilt für das Historische und das Neue Gebäude sowie für die meisten Dauer- und Sonderausstellungen. Das Kindermuseum und die Ausstellung Czech Press Photo benötigen eigene Eintrittskarten.

Tickets sind online, in der App des Nationalmuseums, an Automaten oder an der Museumskasse erhältlich. Ein normales Onlineticket ist ab dem Kaufdatum 30 Tage lang für einen einmaligen Eintritt gültig.

Wie kommst du zum Nationalmuseum?

Das Nationalmuseum liegt am oberen Ende des Wenzelsplatzes (Václavské náměstí) in der Prager Neustadt.

Direkt vor dem Museum befindet sich die Metrostation Museum (Muzeum). Hier kreuzen sich die Metrolinien A und C. Vom Prager Hauptbahnhof (Praha hlavní nádraží) erreichst du das Museum zu Fuß in ungefähr zehn Minuten.

Der Besuchereingang kann je nach Ausstellung und betrieblicher Situation über das Historische oder das Neue Gebäude geführt werden. Hinweise vor Ort zeigen dir den aktuell vorgesehenen Zugang.

Barrierefreiheit und praktische Hinweise

Der Museumskomplex ist in weiten Teilen barrierefrei. Der stufenlose Zugang zum Historischen Gebäude führt über den Eingang des Neuen Gebäudes und den unterirdischen Verbindungsgang. Aufzüge verbinden die meisten Ausstellungsebenen miteinander. Die Kuppel ist aufgrund der baulichen Gegebenheiten nicht mit dem Rollstuhl erreichbar.

Größere Taschen, Rucksäcke, Gepäckstücke und Regenschirme müssen an der Garderobe abgegeben werden. Fotografieren und Filmen für private Zwecke ist grundsätzlich erlaubt, sofern du auf Blitzlicht und Stativ verzichtest.