Direkt am Altstädter Ende der Karlsbrücke befindet sich ein Museum, das viele Prag-Besucher leicht übersehen: das Museum der Karlsbrücke (Muzeum Karlova mostu). Während sich draußen täglich große Besucherströme über die berühmte Brücke bewegen, geht es im Museum deutlich ruhiger zu. Hier erfährst du, wie die Karlsbrücke gebaut wurde, welche Konstruktionen im Mittelalter nötig waren und was sich von ihrer Vorgängerin, der Judithbrücke (Juditin most), bis heute erhalten hat. Das Museum befindet sich unmittelbar am Kreuzherrenplatz (Křižovnické náměstí) und ist damit nur wenige Schritte vom Altstädter Brückenturm (Staroměstská mostecká věž) entfernt.
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Geschichte des Museums
Das Museum der Karlsbrücke wurde 2007 eröffnet. Anlass war das 650-jährige Jubiläum der Grundsteinlegung der Karlsbrücke, deren Bau im Jahr 1357 begann.
Die Ausstellung entstand mit Unterstützung verschiedener Prager Institutionen und widmet sich nicht nur der Geschichte der Brücke selbst. Sie zeigt auch, wie aufwendig der Bau einer großen Steinbrücke im Mittelalter war und welche technischen Lösungen dabei zum Einsatz kamen.
Besonders passend ist dabei der Standort des Museums: Die Ausstellung befindet sich in historischen Räumen im Bereich des ehemaligen Spitals der Kreuzherren mit dem Roten Stern (Křižovníci s červenou hvězdou).
Was gibt es im Museum der Karlsbrücke zu sehen?
Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf der Entstehung und Konstruktion der Karlsbrücke. Zahlreiche Modelle, historische Werkzeuge und Rekonstruktionen zeigen, wie die Brücke im 14. Jahrhundert geplant und gebaut wurde.
Modelle der Karlsbrücke und der Judithbrücke
Zu den interessantesten Ausstellungsstücken gehört ein Modell, das die Karlsbrücke (Karlův most) und ihre Vorgängerin, die Judithbrücke, gemeinsam zeigt.
Die Judithbrücke war bereits im 12. Jahrhundert eine steinerne Moldauquerung. Nach einem schweren Hochwasser im Jahr 1342 wurde sie stark beschädigt. Teile der alten Brücke blieben jedoch noch längere Zeit bestehen und wurden teilweise weiter genutzt, während die neue Karlsbrücke bereits gebaut wurde.
Das Modell macht diesen Übergang besonders anschaulich.
Mittelalterliche Bautechnik
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den technischen Herausforderungen des Brückenbaus.
Zu sehen sind unter anderem Rekonstruktionen von Baumaschinen, Werkzeugen und Hebevorrichtungen. Sie zeigen, wie schwere Steinblöcke transportiert, angehoben und an der richtigen Stelle eingesetzt wurden.
Auch die Konstruktion der Brückenpfeiler wird erklärt. Gerade dieser Teil der Ausstellung macht deutlich, welche enorme technische Leistung der Bau der Karlsbrücke im 14. Jahrhundert darstellte.
Überreste der Judithbrücke
Besonders spannend sind die historischen Bauteile, die sich direkt im Bereich des Museums erhalten haben.
Unterhalb des heutigen Straßenniveaus befinden sich Spuren der früheren Judithbrücke sowie historische Pflaster- und Gebäudestrukturen. Damit siehst du hier nicht nur Modelle und Rekonstruktionen, sondern auch echte Überreste aus der Zeit vor dem Bau der Karlsbrücke.
Die Judithbrücke verlief etwas nördlich der heutigen Karlsbrücke und gehörte zu den bedeutendsten mittelalterlichen Steinbrücken Mitteleuropas.
Karl IV. und der Bau der Karlsbrücke
Natürlich spielt auch Karl IV. (Karel IV.) eine wichtige Rolle in der Ausstellung.
Unter seiner Herrschaft entwickelte sich Prag im 14. Jahrhundert zu einem der wichtigsten politischen und kulturellen Zentren Europas. In dieser Zeit entstanden zahlreiche bedeutende Bauwerke der Stadt.
Der Bau der neuen Steinbrücke begann 1357. Sie sollte die beschädigte Judithbrücke ersetzen und die Altstadt dauerhaft mit der Kleinseite verbinden.
Im Museum wird dieser historische Zusammenhang ausführlich dargestellt und mit Modellen sowie Rekonstruktionen ergänzt.
Johannes von Nepomuk und die Karlsbrücke
Ein weiterer Teil der Ausstellung beschäftigt sich mit Johannes von Nepomuk (Jan Nepomucký).
Der böhmische Geistliche ist eng mit der Geschichte der Karlsbrücke verbunden. Der Überlieferung zufolge wurde er 1393 von der Brücke in die Moldau geworfen.
Heute gehört seine Statue zu den bekanntesten Skulpturen der Karlsbrücke. Viele Besucher berühren die Reliefs am Sockel der Statue, da dies der Legende nach Glück bringen und eine Rückkehr nach Prag sichern soll.
Die Kreuzherren mit dem Roten Stern
Auch der Orden der Kreuzherren mit dem Roten Stern spielt im Museum eine wichtige Rolle.
Der Orden wurde im 13. Jahrhundert von Agnes von Böhmen (Anežka Česká) gegründet und war über Jahrhunderte eng mit dem Gebiet am Altstädter Brückenkopf verbunden.
Das Museum befindet sich heute teilweise in historischen Räumen des ehemaligen Spitals des Ordens. Dadurch ist nicht nur die Ausstellung selbst interessant, sondern auch die Architektur des Museums.
Direkt nebenan befindet sich die markante St.-Franziskus-von-Assisi-Kirche (Kostel svatého Františka z Assisi).
Ein Museum direkt an der Karlsbrücke
Die Lage gehört zu den größten Besonderheiten des Museums.
Nur wenige Meter entfernt beginnt die Karlsbrücke. Gleichzeitig befinden sich Teile der Ausstellung unterhalb des heutigen Straßenniveaus.
Dadurch entsteht ein interessanter Kontrast: Oberhalb gehört die Karlsbrücke zu den belebtesten Orten Prags, während du wenige Meter daneben historische Räume entdecken kannst, in denen die Geschichte der Brücke ausführlich erklärt wird.
Die Bezeichnung „Museum unter der Karlsbrücke“ wird deshalb manchmal verwendet. Ganz korrekt ist sie allerdings nicht, denn das Museum befindet sich hauptsächlich am Altstädter Brückenkopf und nicht vollständig unterhalb der Karlsbrücke.
Museum und Bootsfahrt kombinieren
Das Museum lässt sich gut mit einer kleinen Bootsfahrt auf der Moldau verbinden.
Direkt in der Umgebung starten historische Boote, die unter anderem unter der Karlsbrücke hindurchfahren und kleinere Seitenarme der Moldau erkunden.
Teilweise werden kombinierte Tickets angeboten, bei denen sowohl der Eintritt in das Museum als auch eine Bootsfahrt enthalten sind.
Gerade nach dem Museumsbesuch ist die Fahrt interessant, da du verschiedene Bereiche der Karlsbrücke anschließend aus einer anderen Perspektive sehen kannst.
Wie viel Zeit solltest du einplanen?
Für einen normalen Rundgang durch das Museum der Karlsbrücke solltest du ungefähr 45 bis 60 Minuten einplanen.
Das Museum ist vergleichsweise kompakt. Trotzdem gibt es viele Modelle, Rekonstruktionen und historische Details zu entdecken.
Wenn du dich besonders für mittelalterliche Architektur, Brückenbau oder die Geschichte Prags interessierst, kannst du problemlos etwas länger bleiben.
Für wen lohnt sich das Museum?
Das Museum der Karlsbrücke eignet sich besonders für Besucher, die mehr über die Geschichte der berühmtesten Brücke Prags erfahren möchten.
Interessant ist es vor allem, wenn du dich für:
- die Geschichte der Karlsbrücke
- mittelalterliche Architektur
- historische Bautechniken
- Karl IV.
- die Judithbrücke
- Prager Stadtgeschichte
interessierst.
Auch bei schlechtem Wetter ist das Museum eine gute Ergänzung zu einem Spaziergang durch die Altstadt.
Wie kommst du hin?
Das Museum der Karlsbrücke liegt direkt am Kreuzherrenplatz auf der Altstädter Seite der Karlsbrücke.
Adresse:
Křižovnické náměstí 3
110 00 Prag 1
Von der Altstädter Ring (Staroměstské náměstí) erreichst du das Museum zu Fuß in etwa zehn Minuten.
Die nächstgelegene Straßenbahn- und Metrostation ist Staroměstská. Von dort sind es nur wenige Gehminuten bis zur Karlsbrücke.
Dank der zentralen Lage lässt sich der Museumsbesuch gut mit weiteren Sehenswürdigkeiten verbinden, darunter die Karlsbrücke, das Klementinum, der Kreuzherrenplatz und die Prager Altstadt.
Öffnungszeiten und Eintritt
Das Museum ist grundsätzlich ganzjährig geöffnet. Die Öffnungszeiten können je nach Jahreszeit variieren.
Auch die Eintrittspreise werden gelegentlich angepasst. Vor dem Besuch lohnt sich deshalb ein Blick auf die aktuelle Webseite des Museums.
Wer ohnehin eine Bootsfahrt auf der Moldau plant, sollte außerdem prüfen, ob aktuell ein Kombiticket für Museum und Bootsfahrt angeboten wird.
Gut zu wissen
Das Museum der Karlsbrücke gehört nicht zu den großen klassischen Museen Prags. Gerade das macht seinen Reiz aus.
Die Ausstellung ist kompakt, thematisch klar aufgebaut und befindet sich genau dort, wo die Geschichte der Karlsbrücke tatsächlich stattgefunden hat.
Besonders die Kombination aus Modellen, mittelalterlicher Bautechnik und erhaltenen Spuren der Judithbrücke macht den Besuch interessant. Wer die Karlsbrücke anschließend überquert, betrachtet viele Details wahrscheinlich mit einem anderen Blick.
