Neruda-Straße (Nerudova)

Die Neruda-Straße (Nerudova) gehört zu den bekanntesten historischen Straßen der Prager Kleinseite (Malá Strana). Sie beginnt am oberen Teil des Kleinseitner Rings (Malostranské náměstí) und führt steil in Richtung Prager Burg (Pražský hrad) hinauf. Mit ihren barocken Palästen, kunstvollen Hauszeichen und historischen Fassaden ist sie weit mehr als nur ein Verbindungsweg zur Burg.

Die Straße gehört zum traditionellen Königsweg (Královská cesta), über den die böhmischen Herrscher einst zu ihrer Krönung auf die Prager Burg zogen. Heute zählt sie zu den beliebtesten Spazierwegen zwischen Kleinseite, Hradschin und Burgviertel.

Die Straße Ke Hradu auf dem Prager Hradschin verläuft zwischen historischen Gebäuden in Richtung Prager Burg. Geometrisch gemustertes Pflaster, reich verzierte Straßenlaternen, geparkte Fahrzeuge und mehrere Personen prägen die ansteigende Straße. Das Motiv eignet sich für Reiseartikel über den Weg zur Prager Burg und Spaziergänge durch das historische Burgviertel.
Gehweg und Die Straße Nerudova und Ke Hradu führt zwischen historischen Gebäuden hinauf zur Prager Burg.

Ein historischer Abschnitt des Königswegs

Der historische Königsweg führte von der Altstadt, über den Altstädter Ring (Staroměstské náměstí) und die Karlsbrücke (Karlův most) durch die Kleinseite hinauf zur Prager Burg. Die Neruda-Straße bildete dabei einen der letzten und zugleich steilsten Abschnitte der zeremoniellen Route.

Über Jahrhunderte war die Straße eine wichtige Verbindung zwischen der Kleinseite und dem Hradschin. Im oberen Bereich befand sich früher die Strahover Pforte, die Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung war. Das Stadttor blieb bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts erhalten. Einzelne Reste der alten Befestigungsanlagen sollen sich noch in den Kellern angrenzender Häuser befinden.

Der steile Verlauf machte den Transport von Waren und Kutschen schwierig. Früher wurden deshalb querliegende Hölzer in die Fahrbahn eingebaut, an denen sich Pferde und andere Zugtiere beim Aufstieg abstützen konnten.

Belebte Nerudagasse auf der Prager Kleinseite mit historischen Häusern und Fußgängern
Die belebte Nerudagasse (Nerudova) auf der Prager Kleinseite mit historischen Häusern, Fußgängern und geparkten Fahrzeugen.

Benannt nach dem Schriftsteller Jan Neruda

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts trägt die Straße den Namen des tschechischen Schriftstellers und Journalisten Jan Neruda. Er lebte mehrere Jahre im Haus zu den zwei Sonnen (Dům U Dvou slunců) an der heutigen Adresse Nerudova 47.

Eine Gedenktafel an der Fassade erinnert an den bekannten Bewohner. Jan Neruda machte die Kleinseite auch literarisch berühmt. In seinen Kleinseitner Geschichten (Povídky malostranské) beschrieb er das Leben der Bewohner, die gesellschaftlichen Unterschiede und den besonderen Charakter des Viertels im 19. Jahrhundert.

Der Schriftsteller steht damit bis heute sinnbildlich für die enge Verbindung zwischen der Neruda-Straße und der kulturellen Geschichte der Kleinseite.

Gedenktafel für Jan Neruda mit Figur und Inschrift an einer gelben Hausfassade in Prag
Die Gedenktafel für Jan Neruda ist an der Fassade eines historischen Hauses in Prag angebracht.

Historische Hauszeichen statt Hausnummern

Zu den auffälligsten Besonderheiten der Neruda-Straße gehören die zahlreichen historischen Hauszeichen. Bevor sich Hausnummern durchsetzten, wurden Gebäude häufig durch Tiere, Gegenstände, religiöse Motive oder Handwerkssymbole gekennzeichnet.

Beim Spaziergang entlang der Straße kannst du zahlreiche dieser Zeichen an Fassaden und über den Eingängen entdecken. Zu den bekanntesten gehören das Haus zu den drei Geigen (Dům U Tří housliček), das Haus zu den zwei Sonnen, das Haus zum roten Löwen (Dům U Červeného lva) und das Haus zum goldenen Hufeisen (Dům U Zlaté podkovy).

Weitere Gebäude tragen Zeichen wie den goldenen Kelch, den weißen Schwan, das goldene Rad oder den grünen Krebs. Einige Motive erinnern an frühere Bewohner oder Handwerksbetriebe, andere sind mit Legenden verbunden.

Es lohnt sich deshalb, die Neruda-Straße langsam zu erkunden und den Blick immer wieder nach oben zu richten. Viele der interessantesten Details befinden sich über den Portalen, an Erkern oder zwischen den Fenstern.

Barocke Paläste und historische Bürgerhäuser

Das heutige Erscheinungsbild der Straße wird vor allem von barocken und klassizistischen Fassaden geprägt. Zahlreiche Gebäude besitzen jedoch wesentlich ältere mittelalterliche oder gotische Keller und Grundmauern.

Nach einem verheerenden Brand im Jahr 1541 wurden große Teile der Kleinseite neu aufgebaut. In den folgenden Jahrhunderten entstanden repräsentative Bürgerhäuser und Adelspaläste, die das Straßenbild bis heute bestimmen.

Besonders auffällig ist der Morzin-Palast (Morzinský palác). Das barocke Gebäude wurde nach Plänen des Architekten Johann Blasius Santini-Aichel errichtet. An der Fassade tragen zwei monumentale Mohrenfiguren den Balkon. Weitere Skulpturen stellen Tag und Nacht dar.

Gegenüber liegt der Thun-Hohenstein-Palast (Thun-Hohenštejnský palác). Sein Portal wird von zwei großen Adlerfiguren eingerahmt. Die repräsentative Gestaltung zeigt, welche Bedeutung die Neruda-Straße früher als Wohnort des böhmischen Adels besaß.

Die beiden Paläste werden heute diplomatisch genutzt und können normalerweise nur von außen betrachtet werden.

Gepflasterte Straße mit historischen Häusern, Geschäften und Außengastronomie auf der Prager Kleinseite
Eine gepflasterte Straße auf der Prager Kleinseite mit historischen Häusern, Geschäften und Außengastronomie.

Kirche des heiligen Kajetan

Im oberen Bereich der Straße steht die Kirche der Jungfrau Maria von der immerwährenden Hilfe und des heiligen Kajetan (Kostel Panny Marie Matky ustavičné pomoci a svatého Kajetána).

Die barocke Kirche wurde für den Theatinerorden errichtet und gehört zu den weniger bekannten Sakralbauten der Kleinseite. Ihre Fassade fügt sich vergleichsweise unauffällig in die dichte Häuserzeile ein. Gerade deshalb wird die Kirche von vielen Besuchern übersehen, obwohl sie ein wichtiger Bestandteil des historischen Straßenbildes ist.

Helle Fassade der Kirche der Jungfrau Maria bei den Theatinern an der Nerudagasse in Prag
Die Kirche der Jungfrau Maria bei den Theatinern steht an der Nerudagasse auf der Prager Kleinseite.

Spaziergang zwischen Kleinseite und Prager Burg

Die Neruda-Straße eignet sich besonders gut als Teil eines Spaziergangs von der Kleinseite hinauf zur Prager Burg. Vom Kleinseitner Ring führt der Weg deutlich bergauf. Unterwegs kommst du an Palästen, Hauszeichen, kleinen Geschäften, Cafés und Restaurants vorbei.

Am oberen Ende hast du mehrere Möglichkeiten, deinen Rundgang fortzusetzen. Über die Straße Ke Hradu erreichst du den Hradschiner Platz (Hradčanské náměstí) und die Eingänge zur Prager Burg. Alternativ kannst du dem Hohlweg (Úvoz) in Richtung Pohořelec und Kloster Strahov (Strahovský klášter) folgen.

In diesem Bereich beginnen außerdem die Rathaustreppen (Radnické schody), die eine reizvolle Verbindung zwischen der Neruda-Straße und dem Hradschin bilden.

Neruda-Straße bergauf oder bergab erkunden?

Der Aufstieg vom Kleinseitner Ring ist landschaftlich reizvoll, wegen der starken Steigung aber anstrengend. Eine bequemere Variante besteht darin, zunächst mit der Straßenbahn zur Prager Burg oder zum Pohořelec zu fahren und die Neruda-Straße anschließend bergab zu erkunden.

Beim Abstieg hast du viele Fassaden und Hauszeichen direkt im Blick. Außerdem eröffnet sich an mehreren Stellen eine schöne Perspektive über die Dächer der Kleinseite.

Das historische Kopfsteinpflaster kann bei Regen oder Schnee rutschig sein. Bequeme und möglichst feste Schuhe sind deshalb empfehlenswert. Für Rollstühle, Gehhilfen und Kinderwagen ist die Straße aufgrund der Steigung, des Pflasters und teilweise schmaler Gehwege nur eingeschränkt geeignet.

Straße Ke Hradu mit gemustertem Pflaster, historischen Häusern und verzierten Laternen in Prag
Die Straßen Nerudova und Ke Hradu führen mit gemustertem Pflaster, historischen Häusern und verzierten Straßenlaternen in Richtung Prager Burg.

Beste Zeit für einen Besuch

Die Neruda-Straße gehört zu den wichtigsten Fußwegen zur Prager Burg und kann tagsüber entsprechend belebt sein. Besonders voll wird es häufig am späten Vormittag und frühen Nachmittag.

Ruhiger ist die Straße meist am frühen Morgen oder am Abend. Zu diesen Zeiten kannst du die Fassaden, Portale und Hauszeichen entspannter betrachten. Auch für Fotos sind die ruhigeren Tageszeiten besser geeignet, da weniger Besucher und Fahrzeuge unterwegs sind.

Am Abend sorgen historische Laternen, beleuchtete Schaufenster und die barocken Fassaden für eine besonders stimmungsvolle Atmosphäre.

Sehenswürdigkeiten in der Umgebung

Der Besuch der Neruda-Straße lässt sich gut mit weiteren Sehenswürdigkeiten der Kleinseite und des Hradschins verbinden. Am unteren Ende befinden sich der Kleinseitner Ring und die St.-Nikolaus-Kirche auf der Kleinseite (Kostel svatého Mikuláše).

Von dort gelangst du über die Brückengasse (Mostecká) zur Karlsbrücke. Oberhalb der Neruda-Straße liegen der Hradschiner Platz, die Prager Burg und der Veitsdom (Katedrála svatého Víta).

Folgst du dem Hohlweg weiter nach Westen, erreichst du den Pohořelec und das Kloster Strahov. Dadurch eignet sich die Straße ideal als Verbindung zwischen mehreren der wichtigsten historischen Viertel Prags.