Die Tschechische Nationalbank (Česká národní banka) gehört zu den ungewöhnlichsten kostenlosen Sehenswürdigkeiten im Zentrum von Prag. Hinter der monumentalen Fassade an der Straße Am Graben (Na Příkopě) verbergen sich moderne Ausstellungen über Geld, Inflation und die Geschichte der tschechischen Währung. Besonders eindrucksvoll ist der historische Tresor der früheren Gewerbebank, der heute Teil des öffentlich zugänglichen Besucherzentrums ist. Dort kannst du nicht nur alte Münzen und Banknoten betrachten, sondern auch eine riesige Goldmünze mit einem Gewicht von mehr als 130 Kilogramm.
Die Zentralbank der Tschechischen Republik
Die Tschechische Nationalbank (Česká národní banka) ist die Zentralbank der Tschechischen Republik. Sie ist unter anderem für die Geldpolitik, die Ausgabe der tschechischen Kronen sowie die Aufsicht über Banken und andere Finanzunternehmen zuständig.
Ihr Hauptziel besteht darin, die Preisstabilität zu sichern. Dazu legt der Bankrat unter anderem die Leitzinsen fest und versucht, die Inflation zu beeinflussen. Die Nationalbank verwaltet außerdem die Währungsreserven des Landes und überwacht die Stabilität des tschechischen Finanzsystems.
Für Prag-Besucher sind diese Aufgaben zunächst vielleicht etwas abstrakt. Im Besucherzentrum werden sie jedoch mit interaktiven Stationen, Spielen und anschaulichen Beispielen verständlich erklärt.

Geschichte der Tschechischen Nationalbank
Nach der Gründung der Tschechoslowakei im Jahr 1918 wurde die neue tschechoslowakische Krone zunächst vom Bankenamt des Finanzministeriums verwaltet. Die eigenständige Nationalbank der Tschechoslowakei (Národní banka Československá) nahm am 1. April 1926 ihre Tätigkeit auf.
Während der kommunistischen Zeit wurde sie 1950 durch die Staatsbank der Tschechoslowakei (Státní banka československá) ersetzt. Diese vereinte die Aufgaben einer Zentralbank mit denen einer staatlichen Geschäftsbank.
Mit der politischen und wirtschaftlichen Neuordnung nach 1989 entstand wieder ein zweistufiges Bankensystem. Seit der Teilung der Tschechoslowakei im Jahr 1993 ist die Tschechische Nationalbank für die eigenständige Tschechische Republik zuständig.
Das Hauptgebäude an der Straße Am Graben
Das Hauptgebäude der Nationalbank liegt direkt an der Straße Am Graben (Na Příkopě), nur wenige Schritte vom Pulverturm (Prašná brána) und vom Gemeindehaus (Obecní dům) entfernt.
Errichtet wurde der monumentale Bau zwischen 1935 und 1942 für die damalige Gewerbebank. Der Entwurf stammt vom tschechischen Architekten František Roith, der auch an mehreren repräsentativen öffentlichen Gebäuden in Prag beteiligt war.
Die Architektur verbindet monumentale Formen mit einer sachlichen Gestaltung, wie sie für Bank- und Verwaltungsgebäude der Zwischenkriegszeit typisch war. Besonders auffällig sind die lange Natursteinfassade, die hohen Fenster und der repräsentative Eingangsbereich.
Seit 1950 wird der Gebäudekomplex von der tschechoslowakischen beziehungsweise später von der tschechischen Zentralbank genutzt. Zwischen 1997 und 2000 erfolgte eine umfassende Sanierung.
An der Fassade sind heute wieder goldene Initialen der früheren Gewerbebank zu sehen. Die Zeichen waren während der deutschen Besatzung entfernt worden und wurden erst viele Jahrzehnte später rekonstruiert.
Das Besucherzentrum der Nationalbank
Das Besucherzentrum der Tschechischen Nationalbank (Návštěvnické centrum ČNB) wurde 2022 eröffnet. Die Ausstellungen verteilen sich auf mehr als 1.000 Quadratmeter und befinden sich teilweise in der ehemaligen Schalterhalle sowie im historischen Tresor der früheren Gewerbebank.
Der Rundgang ist modern und interaktiv gestaltet. Neben historischen Exponaten erwarten dich Videoinstallationen, Spiele, Modelle und Stationen, an denen du wirtschaftliche Zusammenhänge selbst ausprobieren kannst.
Das Besucherzentrum eignet sich nicht nur für Schulklassen oder Fachleute. Auch ohne wirtschaftliche Vorkenntnisse kannst du den meisten Inhalten gut folgen.
Ausstellung „Hinter der Währung“
Die Ausstellung Hinter der Währung (Za měnou) beschäftigt sich mit den heutigen Aufgaben einer Zentralbank. Sie befindet sich in der früheren Bankhalle.
Hier erfährst du, wie die Nationalbank versucht, die Inflation zu begrenzen, weshalb sie Zinssätze verändert und wie sie die Stabilität des Finanzsystems überwacht.
An interaktiven Stationen kannst du selbst Entscheidungen treffen und beobachten, welche Auswirkungen diese auf Preise, Wirtschaftswachstum und Wechselkurse haben können. Auch die Herstellung und der Umlauf von Banknoten und Münzen werden erklärt.
Ein weiterer Bereich widmet sich der Erkennung gefälschter Banknoten. Dabei kannst du Sicherheitsmerkmale kennenlernen, die auf den tschechischen Kronenscheinen verwendet werden.
Ausstellung „Menschen und Geld“
Die Ausstellung Menschen und Geld (Lidé a peníze) befindet sich im historischen Tresor. Schon der Weg durch die massiven Sicherheitstüren gehört zu den Höhepunkten des Besuchs.
Im Inneren geht es um die Entwicklung des Geldes von frühen Zahlungsmitteln bis zu modernen Banknoten. Gezeigt werden Münzen, Geldscheine, historische Dokumente und weitere Objekte aus der tschechischen und tschechoslowakischen Währungsgeschichte.
Die Ausstellung erklärt außerdem, wie sich das Zentralbankwesen entwickelt hat und welche Rolle Geld in verschiedenen Epochen spielte.
Die riesige Goldmünze
Das bekannteste Ausstellungsstück ist eine goldene Gedenkmünze mit einem Nennwert von 100 Millionen tschechischen Kronen. Sie wurde 2019 zum 100. Jahrestag der Einführung der tschechoslowakischen Währung hergestellt.
Die Münze besteht aus Gold, wiegt mehr als 130 Kilogramm und besitzt einen Durchmesser von über 50 Zentimetern. Sie gilt als größte Goldmünze Europas und gehört zu den größten Goldmünzen der Welt.
Aufgrund ihres Gewichts und ihres Materialwerts wird sie geschützt hinter Glas präsentiert. Ihre tatsächliche Bedeutung liegt weniger im aufgeprägten Nennwert als im verwendeten Gold.
Das Arbeitszimmer von Alois Rašín
Ein weiterer Bereich der Ausstellung ist dem tschechoslowakischen Politiker und Finanzminister Alois Rašín gewidmet. Er spielte eine zentrale Rolle bei der Einführung der tschechoslowakischen Krone nach dem Ersten Weltkrieg.
Das Arbeitszimmer von Alois Rašín (Pracovna Aloise Rašína) ist keine klassische Rekonstruktion, sondern eine audiovisuelle Installation. Historische Dokumente, Projektionen und Tonaufnahmen erzählen von der Entstehung der neuen Währung und den wirtschaftlichen Herausforderungen der jungen Tschechoslowakei.
Eintritt und Öffnungszeiten
Der Eintritt in das Besucherzentrum und in die Dauerausstellungen ist kostenlos.
Das Zentrum ist regulär zu folgenden Zeiten geöffnet:
Dienstag bis Freitag von 9:00 bis 17:00 Uhr
Samstag von 10:00 bis 18:00 Uhr
Sonntags, montags und an gesetzlichen Feiertagen bleibt das Besucherzentrum geschlossen.
Einzelbesucher können die Ausstellungen normalerweise ohne vorherige Anmeldung besuchen. Bei hoher Auslastung kann es jedoch zu Wartezeiten kommen. Größere Gruppen und Schulklassen müssen ihren Besuch im Voraus reservieren.
Sicherheitskontrolle und Fotografieren
Da sich das Besucherzentrum innerhalb des Gebäudes der Nationalbank befindet, musst du am Eingang eine Sicherheitskontrolle durchlaufen. Taschen und persönliche Gegenstände können kontrolliert werden. Ein Ausweisdokument solltest du vorsichtshalber dabeihaben.
Das Fotografieren ist in den Ausstellungsräumen grundsätzlich erlaubt. Einschränkungen können für einzelne Bereiche oder besondere Exponate gelten.
Das Besucherzentrum ist barrierefrei zugänglich.
Wie viel Zeit solltest du einplanen?
Für einen Rundgang durch beide Ausstellungen solltest du ungefähr eineinhalb bis zwei Stunden einplanen. Wer sich besonders für Münzen, Banknoten oder Wirtschaftsgeschichte interessiert, kann sich problemlos länger dort aufhalten.
Bei einem kürzeren Besuch solltest du dich auf den historischen Tresor und die Ausstellung Menschen und Geld (Lidé a peníze) konzentrieren.
Für wen lohnt sich der Besuch?
Die Tschechische Nationalbank ist besonders interessant für Besucher, die bereits viele der bekannten Sehenswürdigkeiten in Prag kennen und einen weniger touristischen Ort entdecken möchten.
Auch bei schlechtem Wetter bietet sich das Besucherzentrum als kostenloses Ausflugsziel an. Familien mit älteren Kindern können viele wirtschaftliche Zusammenhänge an den interaktiven Stationen gemeinsam ausprobieren.
Architekturfreunde erhalten außerdem einen Einblick in ein repräsentatives Bankgebäude, das normalerweise nicht vollständig öffentlich zugänglich wäre.
Wie kommst du zur Tschechischen Nationalbank?
Die Tschechische Nationalbank (Česká národní banka) befindet sich an der Straße Am Graben (Na Příkopě) in Prag 1.
Die nächstgelegene Metrostation ist Platz der Republik (Náměstí Republiky) an der Metrolinie B. Von dort erreichst du den Eingang in wenigen Minuten zu Fuß.
Auch vom Wenzelsplatz (Václavské náměstí) und vom Altstädter Ring (Staroměstské náměstí) kannst du bequem zur Nationalbank laufen. Direkt gegenüber befinden sich der Pulverturm und das Gemeindehaus.
Sehenswürdigkeiten in der Umgebung
Der Besuch der Nationalbank lässt sich gut mit einem Spaziergang durch die Prager Altstadt verbinden. Direkt gegenüber stehen der Pulverturm (Prašná brána) und das Gemeindehaus (Obecní dům).
Wenige Schritte entfernt beginnen die Einkaufsstraße Am Graben (Na Příkopě) und die historische Zeltnergasse (Celetná). Über diese gelangst du direkt zum Altstädter Ring.
Auch der Jubiläums-Synagoge (Jeruzalémská synagoga), der Masaryk-Bahnhof (Masarykovo nádraží) und der Wenzelsplatz liegen nur wenige Gehminuten entfernt.
Quellen: