Franziskanergarten (Františkánská zahrada)

Nur wenige Schritte vom belebten Wenzelsplatz (Václavské náměstí) entfernt liegt einer der ruhigsten Orte im Zentrum von Prag: der Franziskanergarten (Františkánská zahrada). Hinter den Fassaden, Geschäften und Passagen der Prager Neustadt öffnet sich ein überraschend grüner Innenhof mit Rosenbögen, Obstbäumen, Kräuterbeeten und zahlreichen Sitzbänken. Der ehemalige Klostergarten ist heute öffentlich zugänglich und verbindet den Jungmannplatz (Jungmannovo náměstí) mit dem Wenzelsplatz und der Vodičkova-Straße. Viele Besucher entdecken ihn eher zufällig auf dem Weg durch die umliegenden Passagen. Gerade dieser versteckte Charakter macht den Garten zu einem besonderen Rückzugsort mitten in der Innenstadt.


Ein versteckter Garten im Zentrum von Prag

Der Franziskanergarten (Františkánská zahrada) liegt im Herzen der Prager Neustadt (Nové Město). Umgeben ist er von historischen Gebäuden, Einkaufspassagen, dem Franziskanerkloster und der Kirche Maria Schnee (Kostel Panny Marie Sněžné).

Obwohl der Garten nur wenige Meter von einer der meistbesuchten Straßen Prags entfernt liegt, ist vom Verkehr und vom Trubel des Wenzelsplatzes nur wenig zu hören. Mauern, Häuserfassaden und die geschlossene Lage im Inneren des Häuserblocks schaffen eine beinahe abgeschiedene Atmosphäre.

Gleichzeitig ist der Garten kein vollständig isolierter Park. Mehrere Durchgänge führen hindurch und machen ihn zu einer beliebten Abkürzung zwischen Wenzelsplatz, Jungmannplatz und Vodičkova-Straße. Damit verbindet der Franziskanergarten zwei typische Seiten Prags: die stille Welt ehemaliger Klostergärten und das weitverzweigte Netz historischer Passagen.

Verziertes Eingangstor und gepflasterter Weg im Franziskanergarten (Františkánská zahrada) in Prag.

Die Geschichte des Franziskanergartens

Die Ursprünge des Gartens reichen bis in das 14. Jahrhundert zurück. Im Zusammenhang mit der Gründung der Prager Neustadt überließ Kaiser Karl IV. das Gelände dem Karmeliterorden. Neben dem Kloster und der Kirche entstand ein großer Garten, der ursprünglich deutlich weiter reichte als die heutige Anlage.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts übernahmen die Franziskaner das Kloster. Sie nutzten den Garten vor allem als Nutz- und Versorgungsgarten. Angebaut wurden unter anderem Gemüse, Obst, Heilkräuter, Gewürzpflanzen und Blumen für das Kloster und die benachbarte Kirche.

Im Laufe der Zeit wurde die Anlage mehrfach verändert. Im 18. Jahrhundert erhielt der Garten eine stärker barock geprägte Gestaltung. Aus dieser Epoche stammt vermutlich auch der kleine Pavillon im Zentrum der Anlage. Er könnte ursprünglich als Gartenkapelle oder als Ort für Ruhe und Gebet gedient haben.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden im Garten Löschwasserbecken angelegt. Diese Eingriffe veränderten die historische Struktur der Anlage erheblich. Nach der Auflösung zahlreicher Klöster durch das kommunistische Regime mussten die Franziskaner das Kloster 1950 verlassen. Der Garten wurde anschließend für die Öffentlichkeit geöffnet und zunehmend als Fußweg durch den Häuserblock genutzt.

Seine heutige Gestaltung erhielt der Franziskanergarten bei einer umfassenden Erneuerung zwischen 1989 und 1992. Der Landschaftsarchitekt Otakar Kuča orientierte sich dabei an der historischen Gliederung des ehemaligen Klostergartens und verband sie mit den Anforderungen eines öffentlichen Stadtparks.

Rosenbögen, Kräuterbeete und Obstbäume

Der Franziskanergarten ist nicht besonders groß. Durch seine klare Gliederung und die unterschiedlichen Gartenbereiche wirkt er dennoch abwechslungsreich.

Niedrige Hecken teilen die Rasenflächen, Wege und Beete voneinander ab. Zwischen ihnen wachsen Obstbäume, Zierpflanzen, Kräuter und zahlreiche Rosen. Besonders auffällig sind die Metallbögen über den Sitzbänken. In den wärmeren Monaten werden sie von Kletterrosen überwachsen und bilden schattige, teilweise fast laubenartige Sitzplätze.

Die Bepflanzung erinnert bewusst an die frühere Nutzung als Klostergarten. Statt weitläufiger Parklandschaften findest du hier kleinere, geometrisch angeordnete Flächen, Beete und von Hecken begrenzte Wege.

Im Frühling und Frühsommer ist der Garten besonders farbenreich. Dann blühen Rosen, Stauden und Obstbäume. Im Sommer spenden die Bäume und bewachsenen Bögen Schatten. Auch im Herbst lohnt sich ein Besuch, wenn sich das Laub zwischen den historischen Gebäuden verfärbt.

Der barocke Pavillon

Im Zentrum des Gartens steht ein kleiner barocker Pavillon. Das helle Gebäude mit geschwungenem Dach gehört zu den auffälligsten historischen Elementen der Anlage.

Der Pavillon ist von Beeten, Hecken und einem kleinen Kräutergarten umgeben. Er ist nicht regulär für Besucher geöffnet, bildet aber einen wichtigen Mittelpunkt des Gartens. Seine genaue ursprüngliche Nutzung ist nicht vollständig geklärt. Vermutlich diente er als Gartenpavillon oder kleine Kapelle des Klosters.

Gemeinsam mit der benachbarten Kirche und den Klostergebäuden erinnert er daran, dass der heutige öffentliche Park über Jahrhunderte ein abgeschlossener Bestandteil des religiösen Lebens war.

Brunnen und Kunstwerke im Garten

Zwischen den Wegen und Beeten befinden sich mehrere moderne Kunstwerke. Zu den bekanntesten gehört der Brunnen Junge mit der Muschel (Chlapec s mušlí) des tschechischen Bildhauers Stanislav Hanzík. Die Figur stellt einen Jungen dar, der eine Muschel in den Händen hält.

Ebenfalls von Stanislav Hanzík stammt die Plastik Äsop (Ezop). Sie bezieht sich auf den antiken Dichter und Fabelerzähler Äsop.

Ein weiteres auffälliges Element ist der Trinkbrunnen Divoženky, der auch unter der Bezeichnung Poletuchy bekannt ist. Das Kunstwerk von Josef Klimeš besteht aus mehreren fantasievoll gestalteten Figuren und wurde im Rahmen der Neugestaltung des Gartens aufgestellt.

Am Zugang in Richtung Jungmannplatz befindet sich außerdem eine kunstvoll geschmiedete Pforte von Petr Císařovský. Die sogenannte Franziskus-Pforte zeigt Szenen und Figuren aus dem Leben des heiligen Franziskus von Assisi. Sie verbindet moderne Schmiedekunst mit der religiösen Geschichte des Ortes.

Franziskanergarten und Prager Passagen

Der Garten lässt sich besonders gut mit einem Rundgang durch die historischen Prager Passagen verbinden. Vom Wenzelsplatz (Václavské náměstí) erreichst du ihn durch die Alfa-Passage (Pasáž Alfa) und die daran anschließenden Durchgänge.

Von der Vodičkova-Straße führt der Weg durch die Světozor-Passage (Pasáž Světozor). Dort befinden sich das bekannte Kino Světozor, kleinere Geschäfte und Zugänge zu weiteren Innenhöfen.

Auf der gegenüberliegenden Seite gelangst du direkt zum Jungmannplatz (Jungmannovo náměstí) und zur Kirche Maria Schnee (Kostel Panny Marie Sněžné). Von dort sind es nur wenige Minuten bis zur Nationalstraße und zum Franziskanerkloster.

Der Franziskanergarten ist deshalb nicht nur ein Ziel für sich, sondern auch eine angenehme Verbindung zwischen mehreren Sehenswürdigkeiten und Einkaufsstraßen im Zentrum.

Kirche Maria Schnee

Direkt neben dem Garten steht die Kirche Maria Schnee (Kostel Panny Marie Sněžné). Sie wurde im 14. Jahrhundert unter Karl IV. gegründet und sollte ursprünglich zu den größten Kirchen Prags gehören.

Von den geplanten Gebäudeteilen wurde jedoch nur der Chor vollendet. Trotzdem besitzt die Kirche einen ungewöhnlich hohen Innenraum und einen der höchsten barocken Altäre in Prag.

Der Zugang zur Kirche befindet sich am Jungmannplatz. Ein Besuch lässt sich gut mit einem Spaziergang durch den Franziskanergarten verbinden. Vom Garten aus sind Teile der Kirche und der Klosteranlage deutlich zu erkennen.

Spielplatz und Sitzmöglichkeiten

Im südlichen Bereich des Gartens befindet sich ein abgegrenzter Kinderspielplatz. Er ist in Bereiche für kleinere und größere Kinder aufgeteilt und verfügt unter anderem über Kletterelemente, Rutschen und ein großes Sandbecken.

In der gesamten Anlage stehen zahlreiche Sitzbänke. Besonders beliebt sind die Plätze unter den Rosenbögen und in der Nähe des zentralen Pavillons. Zur Mittagszeit nutzen viele Angestellte aus den umliegenden Büros den Garten für eine Pause. Am Nachmittag kommen Familien, Besucher und Bewohner der Innenstadt hinzu.

Trotz der zentralen Lage bleibt die Atmosphäre meist ruhig. An sonnigen Tagen und während der Rosenblüte kann es allerdings deutlich voller werden.

Café im ehemaligen Klostergebäude

Am Rand des Gartens befindet sich das Café Truhlárna. Es liegt in der ehemaligen Tischlerei des Franziskanerklosters und besitzt einen kleinen Außenbereich in Richtung Garten.

Das Café ist ein passender Zwischenstopp, wenn du deinen Besuch mit einer Pause verbinden möchtest. Der Zugang erfolgt über den Bereich des Franziskanerklosters. Die Öffnungszeiten des Cafés können von den Öffnungszeiten des Gartens abweichen.

Öffnungszeiten und Eintritt

Der Franziskanergarten (Františkánská zahrada) ist täglich geöffnet. Die Öffnungszeiten richten sich nach der Jahreszeit.

Vom 15. April bis zum 14. September ist der Garten in der Regel von 7:00 bis 22:00 Uhr zugänglich. Vom 15. September bis zum 14. Oktober schließt er bereits um 20:00 Uhr. Zwischen dem 15. Oktober und dem 14. April gelten üblicherweise Öffnungszeiten von 8:00 bis 19:00 Uhr.

Der Eintritt ist kostenlos. Nachts wird der Garten geschlossen.

Hunde dürfen normalerweise nicht mit in die Anlage genommen werden. Am Jungmannplatz befindet sich eine öffentliche Toilette. Der Garten und die wichtigsten Wege sind weitgehend barrierefrei zugänglich.

Wie kommst du zum Franziskanergarten?

Der einfachste Zugang führt vom Jungmannplatz (Jungmannovo náměstí) direkt neben der Kirche Maria Schnee in den Garten.

Vom Wenzelsplatz erreichst du die Anlage durch die Alfa-Passage. Ein weiterer Weg führt von der Vodičkova-Straße durch die Světozor-Passage.

Die nächstgelegene Metrostation ist Můstek. Dort halten die Metrolinien A und B. Je nach Ausgang erreichst du den Garten innerhalb weniger Minuten zu Fuß.

Auch die Straßenbahnhaltestelle Václavské náměstí an der Vodičkova-Straße liegt in unmittelbarer Nähe.

Wann lohnt sich ein Besuch?

Besonders schön ist der Franziskanergarten im späten Frühling und im Frühsommer, wenn die Rosenbögen und Beete blühen. Für Fotos eignen sich der frühe Vormittag und der spätere Nachmittag, wenn das Licht zwischen den Häuserfassaden in den Garten fällt.

An heißen Sommertagen bietet die Anlage schattige Sitzplätze und eine ruhigere Alternative zu den offenen Plätzen der Innenstadt. Im Winter wirkt der Garten schlichter, bleibt aber eine praktische und sehenswerte Abkürzung durch das Zentrum.

Für den Besuch solltest du ungefähr 20 bis 30 Minuten einplanen. In Verbindung mit der Kirche Maria Schnee, dem Jungmannplatz und den umliegenden Passagen lässt sich daraus problemlos ein längerer Spaziergang machen.