Jungmannplatz (Jungmannovo náměstí)

Der Jungmannplatz (Jungmannovo náměstí) gehört zu den kleineren Plätzen im Zentrum von Prag. Viele Besucher überqueren ihn auf dem Weg zwischen dem Wenzelsplatz (Václavské náměstí), der Nationalstraße (Národní třída) und der Altstadt, ohne sich länger umzusehen. Dabei findest du hier auf engem Raum mehrere bemerkenswerte Sehenswürdigkeiten: ein monumentales Denkmal, eine seltene kubistische Straßenlaterne, ein mittelalterliches Relief und einen versteckten Zugang zum Franziskanergarten. Der Platz ist kein klassischer, symmetrisch angelegter Stadtplatz. Historische Häuser, Passagen, Geschäftsbauten und schmale Durchgänge verleihen ihm einen verwinkelten Charakter. Gerade diese Mischung macht den Jungmannplatz zu einem interessanten Zwischenstopp bei einem Spaziergang durch das Prager Stadtzentrum.


Wo liegt der Jungmannplatz?

Der Jungmannplatz (Jungmannovo náměstí) liegt in der Prager Neustadt, unmittelbar an der Grenze zur Altstadt. Er befindet sich nur wenige Schritte vom unteren Ende des Wenzelsplatzes entfernt.

Am Platz treffen mehrere wichtige Straßen und Fußwege zusammen. Dazu gehören die Jungmannstraße (Jungmannova), die Perlgasse (Perlová), die Straße 28. Oktober (28. října) und die Nationalstraße (Národní třída).

Über Passagen und Durchgänge gelangst du vom Jungmannplatz außerdem direkt zum Wenzelsplatz und in den Franziskanergarten (Františkánská zahrada). Dadurch ist der Platz bis heute ein wichtiger innerstädtischer Verbindungsraum.

Geschichte des Jungmannplatzes

Im Mittelalter lag das Gelände noch außerhalb der Befestigung der Prager Altstadt. Das Gebiet wurde damals als „Auf dem Sand“ bezeichnet. Eine grundlegende Veränderung begann im 14. Jahrhundert mit dem Bau der Kirche Maria Schnee (Kostel Panny Marie Sněžné).

Karl IV. stiftete die Kirche und das angeschlossene Karmelitenkloster im Jahr 1347. Geplant war ursprünglich ein wesentlich größerer Kirchenbau, der einen erheblichen Teil des heutigen Platzes eingenommen hätte. Die Hussitenkriege verhinderten jedoch die vollständige Umsetzung des Vorhabens.

Vom monumentalen mittelalterlichen Bauprojekt wurde vor allem der ungewöhnlich hohe Chor fertiggestellt. Die Kirche Maria Schnee besitzt deshalb bis heute eine auffällige Form und zählt zu den architektonisch interessantesten Kirchenbauten der Prager Neustadt.

Von den Karmeliten zu den Franziskanern

Im Laufe der Jahrhunderte wechselte das Gebiet mehrfach seine Bezeichnung. Der Platz wurde unter anderem als Platz bei Maria Schnee oder als Franziskanerplätzchen bezeichnet.

Die Verbindung zu den Franziskanern entstand zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Im Jahr 1606 übernahm der Franziskanerorden die verfallene Kirche und das ehemalige Kloster. Auch der heutige Franziskanergarten geht auf das frühere Klostergelände zurück.

Seit 1878 trägt der Platz seinen heutigen Namen.

Josef Jungmann und sein Denkmal

Im Zentrum des Platzes steht das Denkmal für den tschechischen Sprachwissenschaftler, Schriftsteller und Übersetzer Josef Jungmann. Er lebte von 1773 bis 1847 und gehörte zu den wichtigsten Persönlichkeiten der tschechischen Nationalen Wiedergeburt.

Jungmann setzte sich dafür ein, die tschechische Sprache als Literatur-, Wissenschafts- und Bildungssprache zu stärken. Zu seinen bedeutendsten Arbeiten zählt ein umfangreiches tschechisch-deutsches Wörterbuch, das im 19. Jahrhundert in mehreren Bänden veröffentlicht wurde.

Das Jungmann-Denkmal (Pomník Josefa Jungmanna) wurde am 15. Mai 1878 enthüllt. Die sitzende Bronzefigur schuf der Bildhauer Ludvík Šimek. Die architektonische Gestaltung des Sockels stammt von Antonín Barvitius.

Josef Jungmann wird mit einem Buch auf dem Schoß dargestellt. Das Denkmal ist insgesamt etwa sieben Meter hoch und bildet den auffälligsten Blickfang des Platzes.

Die kubistische Straßenlaterne

Eine der ungewöhnlichsten Sehenswürdigkeiten des Jungmannplatzes ist leicht zu übersehen. Hinter dem kleinen historischen Häuserblock steht vor dem Zugang zum Areal der Kirche Maria Schnee eine kubistische Straßenlaterne.

Die kubistische Laterne (Kubistická lampa) besteht aus einem kantig gestalteten Pfeiler aus Kunststein und einer geometrisch geformten Metalllaterne. Der untere Bereich verbreitert sich zu einer kleinen Sitzfläche.

Der Entwurf wird heute meist dem Architekten Emil Králíček zugeschrieben. Die Laterne entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Zusammenhang mit dem Bau der früheren Adams-Apotheke am Wenzelsplatz.

Kubistische Architektur ist außerhalb Tschechiens ausgesprochen selten. Prag gehört zu den wenigen Städten, in denen der Kubismus nicht nur in Malerei und Skulptur, sondern auch bei Gebäuden und Alltagsgegenständen angewendet wurde.

Die Straßenlaterne am Jungmannplatz gilt als besonderes Beispiel dafür, wie sich die geometrische Formensprache des Kubismus selbst in der Gestaltung der städtischen Beleuchtung wiederfindet.

Das mittelalterliche Relief am Kircheneingang

Über dem historischen Tor zum Gelände der Kirche Maria Schnee (Kostel Panny Marie Sněžné) befindet sich ein beschädigtes gotisches Relief. Es stellt die Krönung Mariens durch die Dreifaltigkeit dar und stammt vermutlich aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts.

Mehrere Figuren wurden wahrscheinlich während der Hussitenzeit beschädigt. Besonders auffällig sind die fehlenden Köpfe der dargestellten Personen.

Das Relief am Tor ist heute eine Kopie. Das mittelalterliche Original wird in der Prager Nationalgalerie aufbewahrt. Da das Kunstwerk oberhalb des Durchgangs angebracht ist, gehen viele Passanten daran vorbei, ohne es zu bemerken.

Kirche Maria Schnee

Direkt hinter dem Jungmannplatz liegt die Kirche Maria Schnee (Kostel Panny Marie Sněžné). Der Zugang befindet sich etwas versteckt zwischen den Gebäuden am Platz.

Die Kirche besitzt einen der höchsten gotischen Chorräume in Prag. Der Innenraum wirkt trotz des unvollendeten Bauwerks monumental. Besonders auffällig ist der hohe barocke Hauptaltar, der den Abschluss des Chores dominiert.

Auch historisch ist die Kirche von Bedeutung. Am 30. Juli 1419 predigte hier der hussitische Geistliche Jan Želivský. Anschließend zog eine Menschenmenge zum Neustädter Rathaus, wo es zur ersten Prager Defenestration kam.

Für einen Besuch solltest du beachten, dass die Kirche nicht durchgehend frei zugänglich sein muss. Gottesdienste, Konzerte und kirchliche Veranstaltungen können die Öffnungszeiten beeinflussen.

Zugang zum Franziskanergarten

Vom Jungmannplatz gelangst du durch einen Durchgang in den Franziskanergarten (Františkánská zahrada). Die kleine Grünanlage liegt abgeschirmt zwischen den umliegenden Häuserblöcken und bildet einen deutlichen Kontrast zu den belebten Einkaufsstraßen.

Der Garten orientiert sich in seiner Gestaltung teilweise an der früheren Klosteranlage. Rosenbeete, Hecken, Obstbäume und zahlreiche Sitzbänke machen ihn zu einem beliebten Ruheplatz.

Mehrere Wege führen vom Garten weiter zur Vodičkova-Straße und zum Wenzelsplatz. Dadurch eignet sich der Jungmannplatz gut als Ausgangspunkt für einen Spaziergang durch die Passagen und Innenhöfe der Prager Neustadt.

Die Zugänge zum Garten werden am Abend geschlossen. Die genauen Öffnungszeiten können sich je nach Jahreszeit unterscheiden.

Architektur rund um den Jungmannplatz

Rund um den Platz treffen unterschiedliche Baustile aufeinander. Neben älteren Bürgerhäusern stehen hier historistische Fassaden, funktionalistische Geschäftsbauten und moderne Gebäude.

Besonders charakteristisch ist der kleine Häuserblock in der Platzmitte. Er teilt den Stadtraum und sorgt dafür, dass der Jungmannplatz keinen klaren rechteckigen Grundriss besitzt.

Über mehrere Passagen besteht eine Verbindung zu den Geschäftshäusern am Wenzelsplatz. Dazu gehören Bauten aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als sich das Gebiet rund um Můstek zu einem modernen Einkaufs- und Geschäftsviertel entwickelte.

Der Jungmannplatz zeigt dadurch auf engem Raum verschiedene Entwicklungsphasen der Prager Architektur – vom mittelalterlichen Kirchenareal über das 19. Jahrhundert bis zum Funktionalismus.

Restaurant U Pinkasů

Direkt am Jungmannplatz befindet sich das traditionsreiche Restaurant U Pinkasů. Es wurde 1843 von Jakub Pinkas gegründet und ist eng mit der Prager Biergeschichte verbunden.

Das Restaurant gilt als eines der ersten Lokale in Prag, in denen Pilsner Bier ausgeschenkt wurde. Neben mehreren historischen Gasträumen besitzt es einen Innenhof in unmittelbarer Nähe zum Franziskanergarten.

Aufgrund seiner zentralen Lage eignet sich U Pinkasů gut für eine Pause während eines Spaziergangs zwischen Wenzelsplatz, Altstadt und Nationalstraße. In den touristisch stark besuchten Zeiten kann es allerdings entsprechend voll werden.


Wie kommst du zum Jungmannplatz?

Am einfachsten erreichst du den Jungmannplatz über die Metrostation Můstek. Hier halten die Metrolinien A und B. Einer der Ausgänge führt direkt in den Bereich des Platzes.

Auch die Straßenbahnhaltestellen Václavské náměstí und Národní třída liegen nur wenige Gehminuten entfernt.

Vom Altstädter Ring (Staroměstské náměstí) benötigst du zu Fuß ungefähr zehn Minuten. Vom unteren Wenzelsplatz erreichst du den Jungmannplatz in ein bis zwei Minuten.

Was kannst du in der Umgebung besuchen?

Der Jungmannplatz lässt sich gut mit mehreren Sehenswürdigkeiten im Zentrum verbinden. Direkt angrenzend oder nur wenige Gehminuten entfernt liegen:

  • der Wenzelsplatz (Václavské náměstí)
  • der Franziskanergarten (Františkánská zahrada)
  • die Kirche Maria Schnee (Kostel Panny Marie Sněžné)
  • die Nationalstraße (Národní třída)
  • die Lucerna-Passage (Pasáž Lucerna)
  • die Svetozor-Passage (Pasáž Světozor)
  • der Franz-Josef-Jungmann-Platz mit seinen historischen Durchgängen und Geschäftshäusern
  • das Nationaltheater an der Moldau

Besonders interessant ist eine Route durch die Prager Passagen. Vom Jungmannplatz kannst du durch den Franziskanergarten und verschiedene Durchgänge zum Wenzelsplatz gelangen und anschließend die Lucerna-Passage erkunden.

Für wen lohnt sich der Jungmannplatz?

Ein eigener langer Umweg ist für den Jungmannplatz meist nicht notwendig. Durch seine zentrale Lage lässt er sich jedoch problemlos in fast jeden Spaziergang durch die Prager Innenstadt integrieren.

Der Platz lohnt sich besonders für dich, wenn du dich für Architektur, Stadtgeschichte und versteckte Details interessierst. Das Jungmann-Denkmal, die kubistische Straßenlaterne und das gotische Relief liegen nur wenige Meter voneinander entfernt und werden dennoch von vielen Besuchern übersehen.

Am ruhigsten ist der Platz am frühen Morgen. Tagsüber herrscht durch die Metrostation, die umliegenden Geschäfte und die Verbindungswege zum Wenzelsplatz reger Fußgängerverkehr.