Sommerfest der Alten Musik (Letní slavnosti staré hudby

Das Sommerfest der Alten Musik (Letní slavnosti staré hudby) gehört zu den außergewöhnlichsten Musikfestivals in Prag. Mehrere Wochen lang erklingen Werke aus Renaissance und Barock in Kirchen, Klöstern, Palais und historischen Sälen der tschechischen Hauptstadt. Dabei geht es nicht allein um die Musik: Die sorgfältig ausgewählten Spielorte werden selbst zu einem wichtigen Teil des Erlebnisses. Internationale Ensembles, Sänger und Solisten präsentieren Musik auf historischen Instrumenten oder originalgetreuen Nachbauten. Viele Programme werden eigens für das Festival entwickelt und greifen Geschichten aus Religion, Mythologie, Literatur oder europäischer Kulturgeschichte auf.

Das Sommerfest der Alten Musik 2026 (Letní slavnosti staré hudby 2026) findet nach aktuellem Stand vom 16. Juli bis 5. August 2026 statt. Es handelt sich um die 27. Ausgabe des Festivals. Das Jahresthema 2026 lautet Mythen und Legenden und verbindet musikalische Programme rund um Heiligenlegenden, antike Stoffe, barocke Opernwelten, symbolische Klangbilder und mythologische Erzähltraditionen.


Das Sommerfest der Alten Musik wurde im Jahr 2000 gegründet und findet seitdem jeden Sommer in Prag statt. Veranstaltet wird es vom Kultur- und Bildungszentrum Collegium Marianum – Týnská škola, das sich auf historische Aufführungspraxis und die Vermittlung Alter Musik spezialisiert hat.

Im Mittelpunkt stehen Kompositionen aus dem Mittelalter, der Renaissance und dem Barock. Je nach Programm kommen auch historische Tänze, barocke Gestik, szenische Elemente, Erzählungen oder traditionelle Musik aus anderen Kulturkreisen hinzu. Dadurch wirkt das Festival weniger wie eine klassische Konzertreihe und eher wie eine musikalische Reise durch verschiedene Epochen.

Historische Aufführungspraxis statt moderner Konzertklang

Die Musiker verwenden häufig historische Instrumente wie Gamben, Lauten, Zinken, Theorben, Cembali oder Barockviolinen. Auch bei Gesang, Tempo, Aussprache und Zusammenspiel orientieren sich die Ensembles an überlieferten Quellen.

Ziel ist nicht, vergangene Konzerte vollständig zu rekonstruieren. Vielmehr soll die Musik möglichst nahe an der Klangwelt ihrer Entstehungszeit interpretiert werden. Für Besucher entsteht dadurch ein deutlich anderer Eindruck als bei Aufführungen mit modernen Orchestern.

Internationale Ensembles und besondere Programme

Das Festival lädt regelmäßig renommierte Ensembles und Solisten aus verschiedenen europäischen Ländern nach Prag ein. Einige Künstler treten hier erstmals in Tschechien auf. Daneben wirkt das Prager Ensemble Collegium Marianum als Residenzensemble an zahlreichen Produktionen mit.

Einzelne Programme werden speziell für das Sommerfest entwickelt. Dabei kombiniert die Festivaldramaturgie bekannte Komponisten mit selten gespielten Werken, wiederentdeckten Handschriften oder ungewöhnlichen musikalischen Verbindungen.

So können an einem Abend englische Gambenmusik, italienische Frühoper oder geistliche Renaissancepolyfonie im Mittelpunkt stehen, während ein anderes Konzert europäische Barockmusik mit persischen, arabischen oder osmanischen Traditionen verbindet.

Konzerte in Kirchen, Klöstern und Palais

Das Sommerfest besitzt kein zusammenhängendes Festivalgelände. Die einzelnen Veranstaltungen finden an wechselnden Orten in Prag statt. Dazu gehören historische Kirchen, ehemalige Klöster, barocke Schlösser und repräsentative Säle.

Die Auswahl richtet sich häufig nach dem jeweiligen Programm. Geistliche Vokalmusik erklingt beispielsweise in einer Kirche, während mythologische oder höfische Themen in einem barocken Palais aufgeführt werden.

Zu den regelmäßig genutzten Spielorten gehören unter anderem:

  • das Schloss Troja (Zámek Troja)
  • das Strahov-Kloster (Strahovský klášter)
  • die Kirche St. Simon und Judas (Kostel sv. Šimona a Judy)
  • das Lobkowicz-Palais (Lobkowiczký palác)
  • die Kirche des Emmausklosters (Emauzský klášter)

Viele dieser Räume sind reich mit Fresken, Stuck, Gemälden und historischen Ausstattungsstücken geschmückt. Dadurch lassen sich Musik, Architektur und Geschichte besonders unmittelbar miteinander verbinden.

Für wen eignet sich das Festival?

Das Sommerfest richtet sich nicht nur an Kenner Alter Musik. Viele Programme greifen bekannte Geschichten und Figuren auf, etwa Orpheus und Eurydike, antike Götter, christliche Heilige oder Gestalten aus alten Legenden.

Die Konzerte eignen sich deshalb auch für Prag-Besucher, die historische Gebäude erleben oder eine Alternative zu den großen klassischen Konzertangeboten der Stadt suchen. Musikwissenschaftliche Vorkenntnisse sind nicht notwendig.

Da die Veranstaltungsorte über mehrere Stadtteile verteilt sind und jeder Abend ein eigenständiges Programm besitzt, kannst du gezielt ein Konzert auswählen, das zeitlich und thematisch zu deinem Prag-Aufenthalt passt.


Sommerfest der Alten Musik 2026

Die 27. Ausgabe des Festivals findet vom 16. Juli bis zum 5. August 2026 statt. Das Jahresthema lautet „Mythen und Legenden“ (Mýty a legendy).

Im Mittelpunkt stehen Heiligenlegenden, antike Mythen und sagenhafte Gestalten, die Komponisten über viele Jahrhunderte hinweg inspiriert haben. Das visuelle Symbol des Festivaljahres ist der Phönix, der in zahlreichen Kulturen für Erneuerung, Unsterblichkeit und Wiedergeburt steht.

Das Hauptprogramm besteht aus sieben Konzertabenden an fünf historischen Orten in Prag.

Legendae sanctorum

Am 16. Juli 2026 eröffnet das britische Vokalensemble Stile Antico das Festival in der Kirche des Emmausklosters.

Das Programm widmet sich christlichen Heiligenlegenden und geistlicher Renaissancepolyfonie. Zu hören sind Werke von Komponisten wie Giovanni Pierluigi da Palestrina, Gregorio Allegri, William Byrd und Tomás Luis de Victoria.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem 800. Todestag des heiligen Franz von Assisi. Für Stile Antico ist es zugleich der erste Auftritt in Tschechien.

Orfeo ed Euridice

Am 20. Juli 2026 steht im Schloss Troja die Geschichte von Orpheus und Eurydike im Mittelpunkt.

Das belgische Ensemble Scherzi Musicali verbindet Musik von Claudio Monteverdi, Giulio Caccini, Jacopo Peri, Luigi Rossi und weiteren Komponisten der frühen italienischen Oper.

Der Sänger und Instrumentalist Nicolas Achten übernimmt nicht nur die musikalische Leitung, sondern begleitet sich auch selbst auf historischen Instrumenten.

Viaggio magico

Das Konzert am 22. Juli 2026 findet im Sommerrefektorium des Strahov-Klosters statt.

Das Ensemble I Zefirelli erzählt die Reise Jasons und der Argonauten auf ihrer Suche nach dem Goldenen Vlies. Italienische Instrumentalmusik des frühen Barocks begleitet Begegnungen mit Sirenen, Nymphen, Seestürmen, Liebe und Verrat.

Zum Instrumentarium gehören unter anderem Blockflöte, Zink, Barockvioline, Gambe, Laute, Barockgitarre und Cembalo.

Violino virtuoso

Am 24. Juli 2026 präsentiert die spanische Barockviolinistin Miriam Hontana gemeinsam mit ihrem Ensemble OBNI ein virtuoses Programm in der Kirche St. Simon und Judas.

Im Mittelpunkt stehen Werke der italienischen Violinschule und die musikalischen Verbindungen zwischen Italien und Spanien. Auch Miriam Hontana tritt bei diesem Konzert erstmals in Tschechien auf.

Metamorfosi

Am 27. Juli 2026 kehrt das Festival in das Schloss Troja zurück.

Das eigens entwickelte Projekt verbindet europäische Renaissance- und Barockmusik mit persischen und arabischen Musiktraditionen. Beteiligt sind unter anderem Waed Bou Hassoun, Kiya Tabassian, Vojtěch Semerád, Lambert Colson und Lucile Boulanger.

Als dramaturgische Grundlage dienen Figuren und Geschichten aus Ovids „Metamorphosen“. Das Programm reicht musikalisch vom 10. bis zum 18. Jahrhundert und enthält auch Improvisationen.

Phantasy

Am 30. Juli 2026 ist das Vittorio Ghielmi Viol Quartet im Kaisersaal des Lobkowicz-Palais zu erleben.

Das Konzert widmet sich der englischen Gambenmusik des 16. und 17. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt stehen die Fantasien von Henry Purcell, ergänzt durch Werke von Giles Farnaby, Tobias Hume, John Playford und John Blow.

Der historische Saal innerhalb des Prager Burgareals bildet dafür einen besonders repräsentativen Rahmen.

Mythologia aeterna

Das Abschlusskonzert findet am 5. August 2026 um 19:30 Uhr in der Kirche St. Simon und Judas statt.

Das Residenzensemble Collegium Marianum spielt unter der Leitung von Jana Semerádová. Solist des Abends ist der deutsche Bassbariton Andreas Wolf.

Das Programm verbindet Musik von Georg Friedrich Händel, Henry Purcell, Johann Sebastian Bach und Georg Philipp Telemann. Im Mittelpunkt stehen antike Götter, Helden und mythologische Gestalten.


Anreise zu den Veranstaltungsorten

Da die Konzerte an verschiedenen Orten stattfinden, solltest du vor dem Besuch genau prüfen, welcher Spielort auf deiner Eintrittskarte angegeben ist. Die meisten Veranstaltungsorte sind gut mit Metro und Straßenbahn erreichbar.

Emmauskloster

Das Emmauskloster liegt südlich der Prager Neustadt nahe dem Karlsplatz.

Adresse:
[Vyšehradská 49/320, 128 00 Prag 2]

Am einfachsten erreichst du das Kloster über die Metrostation Karlsplatz (Karlovo náměstí) der Linie B. Von dort sind es je nach Ausgang etwa zehn Minuten zu Fuß. Noch näher liegt die Straßenbahnhaltestelle Moráň.

Schloss Troja

Das Schloss Troja liegt im Stadtteil Troja gegenüber dem Prager Zoo.

Adresse:
[U Trojského zámku 1, 171 00 Prag 7]

Du fährst zunächst mit der Metro C bis Nádraží Holešovice und steigst dort in einen Bus in Richtung Zoo um. Von der Haltestelle Zoologická zahrada erreichst du das Schloss zu Fuß.

Plane für die Fahrt aus dem Zentrum etwas mehr Zeit ein, da das Schloss außerhalb der historischen Innenstadt liegt.

Strahov-Kloster

Das Strahov-Kloster befindet sich oberhalb der Kleinseite unweit des Prager Burgviertels.

Adresse:
[Strahovské nádvoří 1/132, 118 00 Prag 1]

Eine bequeme Verbindung bietet die Straßenbahn bis zur Haltestelle Pohořelec. Von dort führt ein kurzer Fußweg zum Klostergelände.

Der Weg von der Kleinseite oder von der Prager Burg ist landschaftlich reizvoll, verläuft jedoch teilweise bergauf.

Kirche St. Simon und Judas

Die Kirche St. Simon und Judas liegt in der Prager Altstadt nahe der Spanischen Synagoge und dem Agneskloster.

Adresse:
[Dušní, 110 00 Prag 1]

Gut erreichbare Haltestellen sind Právnická fakultaDlouhá třída und Staroměstská. Von der Metrostation Staroměstská läufst du ungefähr zehn Minuten.

Lobkowicz-Palais

Das Lobkowicz-Palais liegt im östlichen Bereich des Prager Burgareals.

Adresse:
[Jiřská 3/1, 119 00 Prag 1]

Du erreichst das Burgareal über die Straßenbahnhaltestelle Pražský hrad. Von dort gehst du durch den nördlichen Zugang zur Burg und weiter in Richtung Georgsplatz.

Alternativ kannst du von der Metrostation Malostranská über die Alte Schlossstiege hinaufgehen. Dieser Weg ist kürzer, aber deutlich steiler.

Da für den Zugang zum Burgareal Sicherheitskontrollen möglich sind, solltest du ausreichend Zeit einplanen.


Womit lässt sich der Festivalbesuch verbinden?

Die wechselnden Spielorte machen es leicht, den Konzertbesuch mit weiteren Sehenswürdigkeiten in Prag zu verbinden.

Schloss Troja und der Prager Zoo

Vor einem Konzert im Schloss Troja kannst du den angrenzenden Schlossgarten besuchen. Das barocke Gebäude gehört zur Nationalgalerie Prag und ist für seine monumentalen Fresken bekannt.

In unmittelbarer Nähe befinden sich außerdem der Prager Zoo (Zoologická zahrada Praha) und der Botanische Garten Prag (Botanická zahrada Praha). Da beide Anlagen weitläufig sind, solltest du dafür mehrere Stunden einplanen.

Strahov-Kloster und Prager Burg

Ein Konzert im Strahov-Kloster lässt sich gut mit einem Rundgang durch das Burgviertel verbinden. In der Umgebung liegen der Aussichtspunkt am Strahov-Kloster, der Loretoplatz, das Prager Loreto und der Hradschin.

Von Strahov kannst du anschließend durch die Neruda-Straße (Nerudova) hinunter zur Kleinseite (Malá Strana) gehen.

Lobkowicz-Palais und Prager Burg

Vor einem Konzert im Lobkowicz-Palais bietet sich ein Besuch der Prager Burg (Pražský hrad) an.

Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten gehören der Veitsdom (Katedrála svatého Víta), der Alte Königspalast, die St.-Georgs-Basilika (Bazilika svatého Jiří) und das Goldene Gässchen.

Das Lobkowicz-Palais besitzt außerdem ein eigenes Museum mit Kunstwerken, historischen Musikinstrumenten, Handschriften und Objekten aus der Geschichte der Familie Lobkowicz.

Emmauskloster und Prager Neustadt

Das Emmauskloster liegt in der Nähe mehrerer Sehenswürdigkeiten der Prager Neustadt. Du kannst den Konzertbesuch mit einem Spaziergang entlang der Moldau oder durch den Karlsplatz verbinden.

In der Umgebung befinden sich außerdem das moderne Tanzende Haus, das historische Neustädter Rathaus und die Kirche St. Ignatius.

Kirche St. Simon und Judas und die Altstadt

Von der Kirche St. Simon und Judas erreichst du in wenigen Minuten das Agneskloster (Anežský klášter), das heute eine Sammlung der Nationalgalerie beherbergt.

Auch die Spanische Synagoge, das Jüdische Viertel, der Altstädter Ring und die Pařížská-Straße liegen in fußläufiger Entfernung.

Vor einem Abendkonzert kannst du deshalb problemlos einen längeren Rundgang durch die nördliche Altstadt einplanen.

Kurzinfos:

  • Veranstaltung: Sommerfest der Alten Musik (Letní slavnosti staré hudby)
  • Englischer Name: Summer Festivities of Early Music
  • Veranstaltungsort: wechselnde historische Orte in Prag
  • Zeitraum: jährlich im Sommer
  • Aktules Termin: 16. Juli bis 5. August 2026
  • Jahresthema 2026: Mythen und Legenden (Mýty a legendy)
  • Programm 2026: sieben Konzertabende
  • Musikrichtungen: Mittelalter, Renaissance, Frühbarock und Barock
  • Besonderheit: historische Aufführungspraxis in Kirchen, Klöstern, Schlössern und Palais
  • Veranstalter: Collegium Marianum – Týnská škola
  • Residenzensemble: Collegium Marianum
  • Festivalgründung: 2000
  • Eintritt: Für jeden Konzertabend werden eigene Eintrittskarten benötigt
  • Geeignet für: Musikinteressierte, Kulturliebhaber und Besucher historischer Architektur

Für mehrere Konzertbesuche während des Festivals lohnt sich ein genauer Blick auf die Lage der jeweiligen Spielorte. Da das Sommerfest der Alten Musik über mehrere Wochen läuft, kannst du die Konzerte gut mit anderen Prag-Erlebnissen verbinden: einem Spaziergang durch die Kleinseite, einem Abend auf der Prager Burg, einem Ausflug nach Troja oder einem ruhigen Kulturtag in der Neustadt.