Die böhmischen Kronjuwelen gehören zu den wertvollsten historischen Schätzen Tschechiens. Normalerweise werden die Originale streng verschlossen in der Kronkammer des Veitsdoms (Katedrála sv. Víta, Václava a Vojtěcha) aufbewahrt. Nur zu besonderen Anlässen verlassen sie ihren geschützten Aufbewahrungsort und werden für kurze Zeit der Öffentlichkeit präsentiert. Im September 2026 bietet sich erneut eine solche Gelegenheit. Unter dem Titel „Böhmische Kronjuwelen – Habsburger 500“ werden die Wenzelskrone, das Königszepter und der Reichsapfel im Wladislaw-Saal (Vladislavský sál) des Alten Königspalasts (Starý královský palác) auf der Prager Burg (Pražský hrad) gezeigt. Der Eintritt zur Sonderausstellung ist kostenlos.

Die böhmischen Kronjuwelen als Symbol der Staatlichkeit
Die böhmischen Kronjuwelen waren ursprünglich für die Krönung der Könige von Böhmen bestimmt. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sie sich jedoch weit über ihre zeremonielle Funktion hinaus. Heute stehen sie für die Geschichte Böhmens, die Kontinuität des tschechischen Staates und die enge Verbindung zwischen der Prager Burg, dem Veitsdom und dem Heiligen Wenzel.
Zum Kronschatz gehören die Wenzelskrone (Svatováclavská koruna), der Reichsapfel (Královské jablko), das Königszepter (Královské žezlo) sowie das historische Krönungsgewand. Hinzu kommen die zugehörigen Etuis, Stoffhauben und das Kissen, auf dem die Krone präsentiert wird.
Die Originale sind nur äußerst selten aus nächster Nähe zu sehen. Zwar kannst du im Alten Königspalast dauerhaft Nachbildungen betrachten, doch die öffentliche Ausstellung des echten Kronschatzes gehört zu den außergewöhnlichsten kulturellen Ereignissen auf der Prager Burg.
Die Wenzelskrone – das Herzstück des Kronschatzes
Der bekannteste und älteste Teil der böhmischen Kronjuwelen ist die Wenzelskrone. Karl IV. ließ sie für seine Krönung zum böhmischen König im Jahr 1347 anfertigen. Anschließend widmete er sie dem Heiligen Wenzel, dem Schutzpatron der böhmischen Länder. Die Krone sollte damit nicht als persönlicher Besitz eines einzelnen Herrschers gelten, sondern dauerhaft dem böhmischen Staat und seinen zukünftigen Königen dienen.
Die aus Gold mit einer Reinheit von etwa 21 bis 22 Karat gefertigte Krone wiegt knapp zweieinhalb Kilogramm. Sie ist mit insgesamt 91 Edelsteinen und 20 Perlen geschmückt. Zu den verwendeten Steinen gehören unter anderem Saphire, Spinelle, Rubine, Smaragde, ein Rubellit und ein Aquamarin. Auf ihrer Spitze befindet sich ein goldenes Kreuz mit einer eingeschnittenen Saphirkamee.
Ihre vier großen Lilien, die kräftigen farbigen Edelsteine und die geschwungenen Kronenbügel machen sie zu einem der eindrucksvollsten erhaltenen Herrschaftszeichen des europäischen Mittelalters.
Königszepter und Reichsapfel
Das heute zusammen mit der Wenzelskrone ausgestellte Königszepter und der Reichsapfel entstanden deutlich später als die mittelalterliche Krone. Ferdinand I. von Habsburg ließ beide Herrschaftszeichen 1533 beim Augsburger Goldschmied Hans Haller anfertigen.
Ursprünglich handelte es sich um persönliche Insignien Ferdinands I. Erst im 17. Jahrhundert ersetzten sie das ältere gotische Zepter und den früheren Reichsapfel aus der Zeit Karls IV. Seitdem gehören sie zum offiziellen Ensemble der böhmischen Kronjuwelen.
Das reich verzierte Renaissance-Zepter besteht aus Gold und ist unter anderem mit Saphiren, Spinellen und zahlreichen Perlen geschmückt. Seine Oberfläche wird von fein ausgearbeiteten Pflanzenmotiven, Blättern und Weinranken bedeckt. Gemeinsam mit dem Reichsapfel veranschaulicht es den Wandel der höfischen Kunst zwischen dem Mittelalter und der Renaissance.
Die sieben Schlüssel zur Kronkammer
Außerhalb der Ausstellungen werden Krone, Zepter und Reichsapfel in der Kronkammer hinter der Wenzelskapelle (Svatováclavská kaple) im Veitsdom verwahrt. Die Kammer gilt als einer der am stärksten gesicherten und unzugänglichsten Orte der gesamten Prager Burg.
Sowohl die Tür zur Kronkammer als auch der darin befindliche Tresor sind mit insgesamt sieben Schlössern gesichert. Deshalb müssen sieben Schlüsselinhaber gleichzeitig anwesend sein, wenn die Kammer geöffnet werden soll. Zu ihnen gehören unter anderem der tschechische Präsident, der Ministerpräsident, der Prager Erzbischof, die Vorsitzenden beider Parlamentskammern und der Prager Oberbürgermeister.
Die Tradition der sieben Schlüssel entwickelte sich nach der Rückkehr der Kronjuwelen aus Wien im Jahr 1791. Damals wurden sie wieder dauerhaft in Prag untergebracht und hinter mehreren Türen sowie in einer zusätzlich gesicherten Aufbewahrungseinrichtung verschlossen.
Böhmische Kronjuwelen 2026: Habsburger 500
Die Ausstellung 2026 steht unter dem Titel „Böhmische Kronjuwelen – Habsburger 500“. Anlass ist der 500. Jahrestag der Thronbesteigung Ferdinands I. von Habsburg, der 1526 zum böhmischen König gewählt wurde.
Mit Ferdinand I. begann die lange Verbindung der böhmischen Länder mit der Dynastie der Habsburger. Die Ausstellung verfolgt deshalb nicht nur die Geschichte einzelner Schmuckstücke, sondern auch die wechselvollen Wege des gesamten Kronschatzes zwischen Prag, Karlstein und Wien.
Die Präsentation beginnt bei der Aufbewahrung der Kronjuwelen auf der Burg Karlstein (Hrad Karlštejn), behandelt ihre Verlagerung nach Wien während des Dreißigjährigen Krieges und endet mit ihrer feierlichen Rückkehr nach Prag im Jahr 1791. Seit dieser Rückkehr gelten sie verstärkt als Symbol der böhmischen Staatlichkeit, der historischen Kontinuität und der nationalen Identität.
Was wird 2026 ausgestellt?
Im Mittelpunkt stehen die drei bekanntesten Originale des Kronschatzes: die Wenzelskrone, das Königszepter und der Reichsapfel. Passend zum Jubiläum Ferdinands I. richtet sich der Blick 2026 besonders auf die beiden reich verzierten Renaissance-Insignien.
Ergänzt werden die Kronjuwelen durch das historische Krönungsgewand aus dem Jahr 1653. Das Gewand wurde bei den Krönungen böhmischer Könige im 18. Jahrhundert verwendet und wird nach längerer Zeit wieder öffentlich präsentiert.
Darüber hinaus sind historische Schlüssel der Wächter des Kronarchivs, Herrscherporträts sowie zeitgenössische Abbildungen und weitere Objekte zur Verwaltung und Sicherung des Kronschatzes vorgesehen. Die architektonische Gestaltung der Ausstellung übernimmt das tschechische Designstudio Olgoj Chorchoj.
Wann findet die Ausstellung 2026 statt?
Die Ausstellung ist für die Öffentlichkeit vom 19. bis 28. September 2026 geöffnet. Veranstaltungsort ist der Wladislaw-Saal im Alten Königspalast auf der Prager Burg.
Bereits am 14. September werden die Kronjuwelen feierlich aus der Kronkammer des Veitsdoms geholt. Vom 15. bis 18. September bleibt die Ausstellung vorab angemeldeten Schulklassen vorbehalten. Erst am Samstag, dem 19. September, beginnt der reguläre Besuchsbetrieb.
Der Eintritt ist kostenlos. Die genauen täglichen Öffnungszeiten wurden auf der offiziellen Veranstaltungsseite bislang noch nicht veröffentlicht. Vor deinem Besuch solltest du deshalb die aktuellen Angaben der Prager Burg prüfen.
Mit langen Wartezeiten rechnen
Die kostenlose Präsentation der Originale zieht regelmäßig sehr viele Besucher an. Im Jahr 2024 kamen 46.609 Menschen, ein Jahr später wurden einschließlich der Schulgruppen bereits 51.553 Besucher gezählt. Auch 2026 ist deshalb mit langen Warteschlangen zu rechnen.
Besonders voll dürfte es an den Wochenenden und am 28. September werden. An diesem Tag feiert Tschechien den Tag der tschechischen Staatlichkeit, der zugleich mit dem Gedenktag des Heiligen Wenzel verbunden ist.
Für einen möglichst entspannten Besuch empfiehlt sich ein Werktag. Komm nach Möglichkeit bereits vor der Öffnung zur Prager Burg und plane ausreichend Zeit für die Warteschlange sowie die Sicherheitskontrolle ein. Da sich ein Teil der Warteschlange im Freien befindet, sind wettergerechte Kleidung und etwas zu trinken sinnvoll.
Während des Wartens stehen laut Veranstalter Toiletten sowie eine Möglichkeit zum Kauf kleiner Erfrischungen zur Verfügung.
Sicherheitskontrolle und Gepäck
Vor dem Eintritt in den Wladislaw-Saal müssen alle Besucher eine Sicherheitskontrolle passieren. Dazu gehören ein Sicherheitsrahmen und die Durchleuchtung von Handtaschen und anderem Gepäck.
Die Prager Burg empfiehlt ausdrücklich, möglichst ohne größere Taschen zur Ausstellung zu kommen. Je weniger Gegenstände du mitführst, desto schneller kann die Kontrolle ablaufen. Eine Garderobe soll vor Ort zur Verfügung stehen.
Fotografieren ist grundsätzlich erlaubt, allerdings ausschließlich ohne Blitz. Den Anweisungen des Sicherheits- und Aufsichtspersonals musst du jederzeit folgen.
Kinderwagen und barrierefreier Zugang
Kinderwagen dürfen aus betrieblichen und sicherheitstechnischen Gründen nicht in den Wladislaw-Saal gebracht werden. Zudem ist die reguläre Wartezone nicht barrierefrei. Von einem Besuch mit Kinderwagen rät die Prager Burg deshalb ausdrücklich ab.
Rollstuhlfahrer mit einem anerkannten Schwerbehindertenausweis und einer Begleitperson können die Ausstellung direkt vom dritten Burghof aus erreichen. Da die offizielle Beschreibung ausdrücklich tschechische Nachweise nennt, solltest du dich bei einem ausländischen Ausweis vorab bei der Besucherinformation der Prager Burg nach den Zugangsbedingungen erkundigen.
Wie kommst du zur Ausstellung?
Der Zugang zur Ausstellung erfolgt vom Hradschiner Platz (Hradčanské náměstí). Von dort gehst du durch das Tor zu den Südlichen Gärten (Jižní zahrady) und anschließend über die Stiertreppe (Býčí schodiště) zum dritten Burghof. Der Eingang in den Alten Königspalast führt schließlich zum Wladislaw-Saal.
Am bequemsten erreichst du die Prager Burg mit der Straßenbahn. Von der Haltestelle Prager Burg (Pražský hrad) führt ein kurzer Fußweg durch das zweite Burgtor und über den Burghof zum Hradschiner Platz. Alternativ kannst du an der Haltestelle Pohořelec aussteigen und über den Hradschin zur Burg laufen.
Eine weitere Möglichkeit ist die Fahrt mit der Metro-Linie A bis zur Station Kleinseitner Ring (Malostranská). Von dort gelangst du mit der Straßenbahn hinauf zur Burg oder zu Fuß über die Alte Schlossstiege. Der steile Fußweg eignet sich allerdings weniger, wenn du anschließend noch längere Zeit in der Warteschlange stehen musst.
Was kannst du mit dem Besuch verbinden?
Die Ausstellung liegt mitten im historischen Kern der Prager Burg. Allerdings solltest du wegen der möglichen Wartezeit nicht zu viele weitere Programmpunkte für denselben Tag fest einplanen.
Direkt neben dem Alten Königspalast befindet sich der Veitsdom, in dessen Kronkammer die Insignien normalerweise aufbewahrt werden. Besonders interessant ist die Wenzelskapelle, hinter der sich der streng gesicherte Raum mit den sieben Schlössern befindet.
Ebenfalls gut erreichbar sind die St.-Georgs-Basilika (Bazilika svatého Jiří), das Goldene Gässchen (Zlatá ulička) und die Aussichtspunkte an den südlichen Burggärten. Anschließend kannst du über die historische Neruda-Straße (Nerudova) hinunter zur Kleinseite laufen.
Falls die Warteschlange bei deiner Ankunft außergewöhnlich lang ist, kannst du zunächst den Hradschin, das Loreto-Heiligtum (Pražská Loreta) oder das Strahov-Kloster (Strahovský klášter) besuchen und später zur Ausstellung zurückkehren. Da der Andrang jedoch im Tagesverlauf nicht zuverlässig abnimmt, bleibt ein früher Besuch meist die beste Wahl.
Top-Fakten über die Böhmischen Kronjuwelen
- Das älteste Stück des böhmischen Kronschatzes: Die Wenzelskrone (Svatováclavská koruna) ist der älteste Bestandteil der böhmischen Krönungsinsignien. Karl IV. ließ sie in den 1340er-Jahren anfertigen und wurde am 2. September 1347 mit ihr zum König von Böhmen gekrönt. Sie zählt zu den bedeutendsten erhaltenen Herrschaftszeichen des europäischen Mittelalters.
- Eine Krone des Heiligen Wenzel: Karl IV. widmete die Krone dem Heiligen Wenzel, dem Schutzpatron der böhmischen Länder. Sie galt deshalb nicht als persönlicher Besitz des jeweiligen Königs, sondern symbolisch als Eigentum des Heiligen. Die böhmischen Herrscher durften sie vor allem bei Krönungen und ausgewählten königlichen Feierlichkeiten tragen. Anschließend musste sie wieder an ihren vorgeschriebenen Aufbewahrungsort zurückgebracht werden.
- Gold, Edelsteine und Perlen: Der eigentliche Kronenkörper besteht aus 22-karätigem Gold, die beiden inneren Kronenbügel aus 18-karätigem Gold. Die Wenzelskrone wiegt genau 2.358,3 Gramm und ist mit insgesamt 91 Edelsteinen sowie 20 Perlen besetzt. Zu den verwendeten Steinen gehören Saphire, Spinelle, Smaragde, Rubine, ein Rubellit und ein Aquamarin.
- Sieben Schlösser und sieben Schlüssel: Die Wenzelskrone, das Königszepter und der Reichsapfel werden in der Kronkammer hinter der Wenzelskapelle (Svatováclavská kaple) im Veitsdom aufbewahrt. Der Zugang ist durch sieben Schlösser gesichert. Die dazugehörigen unterschiedlichen Schlüssel befinden sich bei sieben hochrangigen Vertretern des tschechischen Staates, der Kirche und der Stadt Prag. Nur wenn alle Schlüsselinhaber zusammenkommen, kann die Kronkammer geöffnet werden.
- Heute jährlich zu sehen: Früher wurden die Kronjuwelen tatsächlich nur in größeren Abständen und zu besonderen Staatsjubiläen ausgestellt. Inzwischen hat sich diese Tradition verändert. Unter Präsident Petr Pavel sollen die Originale jedes Jahr rund um den Tag der tschechischen Staatlichkeit am 28. September öffentlich gezeigt werden. Die Ausstellung 2026 ist die dritte Präsentation dieser neuen jährlichen Reihe.
- Die Legende vom Fluch der Krone: Einer bekannten Sage zufolge soll jeder, der sich die Wenzelskrone unrechtmäßig aufsetzt, innerhalb eines Jahres eines unnatürlichen Todes sterben. Besonders häufig wird diese Erzählung mit dem nationalsozialistischen Reichsprotektor Reinhard Heydrich verbunden. Dass Heydrich die Krone tatsächlich getragen hat, ist jedoch historisch nicht belegt. Der vermeintliche Fluch gehört deshalb in den Bereich der Legenden.
- Geheime Transporte und ein Versteck unter der Burg: Wegen der politischen Krise wurde der Kronschatz am 19. September 1938 heimlich in einer eigens angefertigten Eichenkiste nach Žilina in der Slowakei gebracht. Nach dem Münchner Abkommen kehrten die Insignien wieder nach Prag zurück. Im Jahr 1944 wurden sie wegen der Gefahr von Luftangriffen in einer zugemauerten Kammer in den romanischen Kellern unter dem Alten Königspalast (Starý královský palác) versteckt. Die Transportkiste und historische Dokumente waren Teil der Ausstellung 2025. Die Ausstellung 2026 widmet sich dagegen unter dem Titel „Habsburger 500“ vor allem Ferdinand I. und der Geschichte der Kronjuwelen während der Habsburgerzeit.











Quellen:
- https://www.hrad.cz/cs/kultura-na-hrade/program/ceske-korunovacni-klenoty-habsburkove-500-13767
- https://www.hrad.cz/cs/pro-media/tiskove-zpravy/aktualni-tiskove-zpravy/prezident-republiky-petr-pavel-na-podzim-uz-potreti-vystavi-korunovacni-klenoty-19356
- https://www.hrad.cz/de/prager-burg-fur-besucher/sonstiges/joyas-de-coronacion-11601
- https://www.visitczechia.com/de-de/things-to-do/events/2025/09/e-prague-czech-crown-jewels-exhibition
- https://english.radio.cz/czech-crown-jewels-go-display-september-8854271
- https://prague.eu/en/akce/bohemian-crown-jewels-treasure-in-the-darkness