Havlíček-Park (Havlíčkovy Sady), im Volksmund Gröbovka oder Grébovka genannt, sind eine weitläufige historische Park- und Gartenanlage im Prager Stadtteil Vinohrady an der Grenze zu Vršovice und Nusle. Auf einer Fläche von etwa 11 Hektar vereint der Park weitläufige Grünflächen, einen historischen Weinberg, gepflegte Spazierwege und zahlreiche architektonische Besonderheiten, darunter die Villa Gröbe aus der Zeit des späten 19. Jahrhunderts, romantische Pavillons, eine künstliche Grotte und historische Terrassenanlagen. Die Anlage wurde zwischen 1871 und 1888 für den Industriellen Moritz Gröbe angelegt und trägt seit 1906 den Namen des tschechischen Journalisten und Dichters Karel Havlíček Borovský; seit 1964 ist sie Kulturdenkmal. Heute gilt der Park als eine der größeren und beliebtesten Grünanlagen Prags, die sowohl bei Einheimischen als auch bei Besuchern zum Spazierengehen, Picknicken oder zu Erlebnissen im Grünen einlädt, und bietet dabei reizvolle Ausblicke auf die Stadt sowie vielfältige historische und landschaftliche Elemente.
Adresse: Havlíčkovy sady, 120 00 Prag 2
Geschichte
Der Park wurde Ende des 19. Jahrhunderts auf einem ehemaligen Weinberg angelegt. Sein Name erinnert an den tschechischen Dichter und Journalisten Karel Havlíček Borovský, eine bedeutende Figur der tschechischen Nationalbewegung.
Das Herzstück des Parks ist die Villa Gröbe, ein prachtvolles Bauwerk im Stil der italienischen Renaissance. Die Villa wurde in den 1870er Jahren von dem wohlhabenden Industriellen Moritz Gröbe erbaut, der das umliegende Gelände zu einem Landschaftspark umgestalten ließ. Nach Gröbes Tod wechselte das Anwesen mehrfach den Besitzer und wurde schließlich zu einem öffentlichen Park.
Architektur und Gestaltung
Der Park zeichnet sich durch eine Mischung aus englischer Landschaftsarchitektur und formal gestalteten Gärten aus. Zu den wichtigsten Elementen zählen:
- Villa Gröbe: Dieses eindrucksvolle Gebäude thront auf einem Hügel und bietet eine spektakuläre Aussicht auf Prag. Es ist von einer großen Terrasse und gepflegten Gärten umgeben.
- Weinberge: Havlíčkovy Sady beherbergen einen der wenigen verbliebenen historischen Weinberge in Prag. Hier wird bis heute Wein angebaut, der vor Ort verkostet werden kann.
- Pavillon: Der romantische Pavillon im Park ist ein beliebter Ort für Veranstaltungen und Hochzeiten.
- Wasserfall und Grotten: Im unteren Teil des Parks befindet sich eine künstliche Grotte mit einem Wasserfall, die im 19. Jahrhundert als romantisches Element gestaltet wurde.
- Teich: Der kleine Teich mit einem Rundweg lädt zum Verweilen ein und ist ein Highlight für Familien mit Kindern.
Aktivitäten
Havlíčkovy Sady bietet zahlreiche Möglichkeiten für Freizeit und Erholung:
- Spaziergänge und Picknicks: Die gepflegten Wege und großzügigen Wiesen laden zum Flanieren und Verweilen ein.
- Weinproben: Im Park befindet sich ein kleiner Weinkeller, der den Wein der örtlichen Weinberge anbietet.
- Spielplätze: Kinder können sich auf den gut ausgestatteten Spielplätzen austoben.
- Fotografie: Dank der malerischen Kulissen ist der Park ein beliebtes Ziel für Fotografen.
- Kulturelle Veranstaltungen: In den Sommermonaten finden im Park Konzerte und Theateraufführungen statt.
Praktische Informationen
- Lage: Der Park liegt im Stadtteil Vinohrady (Prag 2), zwischen den Straßen Rybalkova und Perucká.
- Anreise: Mit der Straßenbahnlinie 22 zur Haltestelle Krymská oder Jana Masaryka.
- Öffnungszeiten: Der Park ist ganzjährig geöffnet, die besten Besuchszeiten sind Frühling und Herbst, wenn die Vegetation besonders schön ist.
- Eintritt: Der Zugang zum Park ist kostenlos, Weinproben und Veranstaltungen sind kostenpflichtig.


























Mehr über Havlíček-Park (Havlíčkovy sady)
Der Park vereint beeindruckende Architektur, malerische Landschaften und eine reiche Geschichte. Abseits der ausgetretenen Touristenpfade triffst du hier vor allem Einheimische beim Entspannen. Ein Besuch der Grébovka bietet dir einen Einblick in das alltägliche Prag – eine grüne Oase, die als Geheimtipp für Ruhesuchende und Kulturliebhaber gilt.
Themenüberblick:
- Historischer Hintergrund
- Lage und städtebauliche Einbettung
- Gestaltung als englischer Landschaftsgarten
- Besonderheiten und Sehenswürdigkeiten im Park
- Bedeutung für die Prager Bevölkerung
- Atmosphäre und landschaftlicher Charakter
- Abseits der klassischen Touristenrouten
Historischer Hintergrund
Ende des 19. Jahrhunderts erwarb der wohlhabende Industrielle Moritz Gröbe das Hanggrundstück in den damaligen Königlichen Weinbergen (heute Vinohrady). Das Areal diente seit dem Spätmittelalter dem Weinbau, doch Gröbe wollte sich hier ein Denkmal setzen: Er ließ zwischen 1871 und 1888 eine großzügige Sommerresidenz mit Park anlegen. Als Architekten gewann er zwei renommierte Meister der Zeit – Antonín Barvitius und Josef Schulz –, die den Bau der Villa und Gartenanlagen im romantischen Historismus und italienischen Neorenaissance-Stil verwirklichten. Gröbe integrierte von Anfang an vielfältige Landschaftselemente, um einen malerischen Landschaftsgarten zu schaffen, der zu jeder Jahreszeit reizvolle Winkel bietet.
Ursprünglich lagen auf dem Gelände zwei Winzerhöfe (Obere und Untere Landhauska), und schon Kaiser Karl IV. hatte hier im 14. Jahrhundert Reben pflanzen lassen. Gröbe ließ die alten Weinberge wiederbeleben und rund um seine neu errichtete Villa Gröbe einen weitläufigen Park im Stil eines englischen Landschaftsgartens gestalten. Zur Unterhaltung seiner Gäste richtete er auch ein kleines Vergnügungsareal ein – mit einer Schieß- und Kegelbahn, Pavillons und Schachbrettern im Freien. Nach Gröbes Tod im Jahr 1891 konnten die Erben die kostspielige Anlage kaum halten. Schließlich verkauften sie 1905 das gesamte Anwesen an die Stadt Královské Vinohrady (Königliche Weinberge). Bereits am 16. Mai 1906 wurde der Park nach einigen Instandsetzungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht – als Havlíček-Park, benannt zu Ehren des tschechischen Schriftstellers Karel Havlíček Borovský. Aus der einst privaten Domäne des Herrn Gröbe war nun ein öffentlicher Stadtpark geworden, der durch die rasch wachsende Wohnbebauung längst mitten in einem lebendigen Wohnviertel lag.
In den folgenden Jahrzehnten gewann der Park schnell an Bedeutung für die Prager Bevölkerung. Nach dem Ersten Weltkrieg entstand hier in ehemaligen Gewächshäusern sogar ein kleines Vivarium (Tierhaus) mit exotischen Tieren – darunter Krokodile, Affen und zwei Kängurus, die von einer Australienreise des Fußballclubs Bohemians Prag mitgebracht wurden. Bis zur Eröffnung des Prager Zoos 1931 beherbergte dieses Vivarium die größte Sammlung exotischer Tiere der Stadt. Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Anlage schwere Schäden durch Bombentreffer 1945; Teile der Villa, des Weinbergs und der historischen Gebäude wurden zerstört. Nach Kriegsende erfolgte der Wiederaufbau schrittweise – die Villa wurde ab 1951 restauriert, doch viele Parkelemente blieben vernachlässigt. In kommunistischen Zeiten litt die Grébovka unter mangelnder Pflege und Vandalismus. Erst nach 1989 begann eine umfassende Revitalisierung: Der Park kam in den Besitz des Stadtbezirks Prag 2 und wurde etappenweise saniert. Bis 2013 wurden die wichtigsten historischen Strukturen originalgetreu rekonstruiert, sodass die Havlíčkovy sady heute wieder in altem Glanz erstrahlen.
Lage und städtebauliche Einbettung
Der Havlíček-Park erstreckt sich an einem sonnigen Südosthang über dem Tal des Baches Botič im Viertel Vinohrady (Prag 2). Er liegt an der Grenze zu den Stadtteilen Vršovice und Nusle – ein Hinweis darauf, wie weitläufig die Anlage ist. Unten bildet der murmelnde Botič-Bach die natürliche Parkgrenze, während oben historische Parktore zu verschiedenen Straßenseiten führen. Die Umgebung ist geprägt von repräsentativen Gründerzeitwohnhäusern, die Anfang des 20. Jahrhunderts um den Park entstanden. Was zu Gröbes Zeiten noch ein Randgebiet oberhalb der Stadt war, befindet sich heute inmitten eines dicht besiedelten Wohngebiets.
Trotz der zentralen Lage bleibt Grébovka eine grüne Insel im Häusermeer. Von den Altstadt-Sehenswürdigkeiten ist sie ein Stück entfernt, was den Park umso ruhiger macht. Du erreichst ihn dennoch bequem: Etwa 10 Gehminuten vom U-Bahnhof Náměstí Míru (Linie A) oder in 5 Minuten ab den Straßenbahnhaltestellen Jana Masaryka bzw. Krymská. Durch seine Hanglage bietet der Park bereits von außen reizvolle Anblicke – terrassierte Weinberge und Baumkronen lugen über Mauern hervor. Die sechs Parkeingänge sind mit Zäunen umgeben und werden nachts geschlossen, sodass die Anlage insbesondere tagsüber ein sicheres und gepflegtes Ambiente bewahrt.
Gestaltung als englischer Landschaftsgarten
Beim Betreten der Havlíčkovy sady tauchst du in eine andere Welt ein: Der Park ist als englischer Landschaftsgarten konzipiert – also als scheinbar natürliche, romantische Landschaft, die jedoch künstlerisch gestaltet wurde. Geschwungene Pfade führen durch abwechslungsreiches Gelände, vorbei an Wiesen, Weinreben und schattigen Baumgruppen. Tatsächlich ließ Moritz Gröbe das steile Gelände damals aufwändig modellieren: Für Terrassen und Hänge wurden zigtausende Fuhren Erde hierher geschafft, um ideale Voraussetzungen für Sichtachsen und Spazierwege zu schaffen. Ziel der Gartengestaltung war es, ein harmonisches Zusammenspiel von Natur und Architektur zu erreichen – mit versteckten Winkeln, Aussichtspunkten und überraschenden Details, die zu Entdeckungen einladen.
Inspiration holten sich Gröbes Planer aus den besten Vorbildern: So studierten sie Renaissancegärten in Italien und Anlagen in Deutschland, etwa den Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel und die künstlichen Grotten von Wörlitz. Das Ergebnis war ein vielfältiger Park im Stil des romantischen Historismus, angereichert mit Elementen der italienischen Neorenaissance. Prunkvolle Architektur – allen voran die Villa im italienischen Villenstil – trifft hier auf bewusst wilde Naturimpressionen. Kunstvoll platzierte Statuen, Wasserläufe und ein kleiner Teich fügen sich in die Landschaft ein. Die Bepflanzung ist bis heute dendrologisch bemerkenswert: Über 120 heimische und exotische Baumarten gedeihen im Park, von majestätischen Eichen und Linden bis zu Ginkgo, Blasenesche und exotischen Nadelgehölzen. Dieses reiche Grün sorgt dafür, dass vom Frühjahr bis in den späten Herbst immer etwas blüht oder sich bunt verfärbt. Selbst im Winter hat die Grébovka mit ihren immergrünen Kiefern und der architektonischen Struktur einen eigenen Reiz.
Besonderheiten und Sehenswürdigkeiten im Park
Villa Gröbe (Gröbovka)
Den Mittelpunkt der Anlage bildet die namensgebende Villa Gröbe. Das zweigeschossige Palais im Neorenaissance-Stil thront auf einer künstlichen Terrasse hoch über dem Tal und beherrscht das Panorama. Ihre Fassade zieren kunstvolle Fresken und Reliefs, einst gab es im Inneren prachtvolle Stuckdecken und Gemälde. Von der großen Aussichtsterrasse vor der Villa genießt du einen herrlichen Weitblick über die Stadt, insbesondere Richtung Süden Prags. Errichtet wurde das Bauwerk 1871–1888 als opulenter Sommersitz mit über 30 Zimmern. Heute ist die Villa nicht allgemein zugänglich (sie dient seit 2003 als Schulungszentrum), doch gelegentlich finden kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte und Ausstellungen im historischen Ambiente statt. Auch von außen ist das Palais absolut sehenswert – es gilt als eines der schönsten Beispiele der Neorenaissance-Architektur in Prag. Rund um die Villa erstrecken sich gepflegte Ziergärten und die doppelläufige Freitreppe führt hinab in den Weinberg, was an italienische Renaissancevillen erinnert.
Weinberg und Viniční altán
Der Havlíček-Park beherbergt einen der letzten historischen Weinberge Prags. Schon der Name des Viertels „Vinohrady“ (Weinberge) zeugt von der Weinbautradition – und tatsächlich stehen an den sonnigen Hängen der Grébovka wieder Rebstöcke in Reih und Glied. Moritz Gröbe hatte den alten Weinberg erneuert und terrassiert; auch nach Zeiten des Verfalls wird hier seit den 1990er-Jahren wieder erfolgreich Wein angebaut. Auf etwa 1,7 Hektar Fläche gedeihen Sorten wie Müller-Thurgau, Pinot Noir und Pinot Gris, und pro Jahr werden rund 4.000 Liter eigener Stadtwein produziert. Jeden Herbst feiern die Anwohner bei einem Weinlese-Fest die Ernte (Vinohradská vinobraní) – eine Tradition, die seit 1997 besteht. Mitten im Weinberg steht der hölzerne Weinpavillon (Viniční altán) auf einer kleinen Aussichtsterrasse. Dieses filigrane Gartenhäuschen mit versetzten Ebenen und umlaufenden Pergolen wurde in den 1870er-Jahren errichtet. Nach Jahren des Verfalls hat man den Altán 2004 vollständig restauriert und als stilvolles Weinlokal wiedereröffnet. In dieser romantischen Laube kannst du heute bei einem Glas lokalen Wein die Atmosphäre genießen. Der Blick schweift von hier über die Rebreihen und den Park – ein besonders idyllischer Ort, der gern auch für Hochzeiten genutzt wird.
Grotta (Künstliche Grotte)
Eine der faszinierendsten Attraktionen des Parks ist die sogenannte Grotta – eine aufwendig gestaltete künstliche Tropfsteinhöhle. Versteckt im unteren Parkteil gelegen, wirkt sie wie aus einem Märchen. Moritz Gröbe ließ diese Neptunsgrotte als romantisches Highlight erbauen, inspiriert von italienischen Renaissancegrotten. Das Bauwerk besteht aus künstlichen Felsen, verwinkelten Gängen, Nischen und Treppen – als würde man in geheimnisvolle Unterwelten eintauchen. Vor der Grotte sprudelt ein großer Springbrunnen mit einer Figurengruppe des Bildhauers Bohuslav Schnirch. Ein muskulöser Meeresgott (Triton) kniet hier und stemmt eine Muschel auf seinen Schultern, während unter ihm ein steinernes Krokodil sein Maul aufreißt. Umgeben ist der Brunnen von Steinfröschen und weiteren Verzierungen – ein verspieltes Wasserspektakel, das im Sonnenlicht funkelt. Über der Grotte wurde eine kleine Aussichtsplattform mit Balustrade angelegt, die man über versteckte Treppen erreicht. Im Inneren der Höhle laden steinerne Bänke in kleinen Grottennischen zum Verweilen ein. Kein Wunder, dass dieser Ort früher ein beliebtes Ausflugsziel war: In den 1920er-Jahren gab es hier sogar ein Gartenrestaurant „In Neptuns Höhle“ mit Live-Musik. Nach langer Vernachlässigung wurde die Grotte 2010–2011 umfassend renoviert und ist seither wieder zugänglich. Heute findet in den Sommermonaten in der beleuchteten Höhlenkulisse sogar ein kleines Freiluft-Theater statt – ein wirklich außergewöhnliches Erlebnis.
Weitere Park-Highlights
Unweit der Villa liegt der Pavillon Grébovka, ein eleganter Holzbau im oberen Parkteil. Ursprünglich war dies Gröbes Schießstand und Gesellschaftskasino, ausgestattet mit einer Kegelbahn aus den 1870er-Jahren. Nach der Restaurierung wurde hier ein Café mit Veranstaltungssaal eingerichtet. Sogar die historische Kegelbahn wurde originalgetreu rekonstruiert und kann besichtigt werden. Im nördlichen Bereich des Parks entdeckst du außerdem einen kleinen Wasserfall mit Teich, der idyllisch von Bäumen gesäumt ist – ein lauschiges Plätzchen für Ruhepausen. Von der sogenannten Klotilda-Aussicht (benannt nach Gröbes Tochter) hast du einen weiteren schönen Blick über das Gelände. Überall im Park finden sich hübsche Details: barocke Statuen und Vasen, verwitterte Parkbänke mit Inschriften und romantische Laubengänge. So gibt es an jeder Ecke etwas zu entdecken, was den Spaziergang durch die Havlíčkovy sady äußerst abwechslungsreich macht.
Bedeutung für die Prager Bevölkerung
Für die Prager ist die Grébovka seit jeher ein beliebter Ort für Freizeit und Erholung. Schon in der Ersten Republik (1918–1938) galt der Park als klassisches Ziel für Sonntagsausflüge und Spaziergänge. Bis heute hat sich daran nichts geändert: Wenn du am Wochenende durch den Park schlenderst, triffst du Familien beim Picknick auf den Wiesen, Jogger auf den gewundenen Wegen und ältere Leute, die gemütlich auf den Bänken sitzen. Auf zwei Spielplätzen tollen Kinder umher, während ihre Großeltern den Blick auf die Weinberge genießen. In einem kleinen Weinlokal (dem Viniční altán) kannst du den lokal angebauten Wein verkosten – eine seltene Gelegenheit in einer Großstadt. Im Pavillon-Café nahe der Villa gönnen sich Besucher Kaffee und Kuchen mit Ausblick auf die Parklandschaft.
Zahlreiche Veranstaltungen binden die Grébovka fest ins Gemeinschaftsleben ein. Alljährlich im September lockt das Weinfest viele Besucher an, um den neuen Wein zu probieren – ein lebendiges Fest mit Musik, Tanz und Marktständen (trotzdem weit entspannter als die Touristen-Events im Zentrum). Im Sommer nutzen lokale Theatergruppen und Musiker die stimmungsvolle Kulisse für Open-Air-Aufführungen im Park. Auch private Feiern finden statt: Die romantischen Ecken der Havlíčkovy sady sind beliebt für Hochzeitsfotos und Gartenhochzeiten. Kurz gesagt, der Park dient als grünes Wohnzimmer der Anwohner – ein Ort, an dem sich das städtische Leben in die Natur verlagert. Während im Winter gelegentlich ein Eislaufplatz eingerichtet wird oder Kinder Schlittenfahren, erwacht im Frühling alles zu neuem Leben und die Prager strömen hinaus, um die ersten warmen Sonnenstrahlen zwischen Magnolien- und Kastanienblüten zu genießen.
Atmosphäre und landschaftlicher Charakter
Die Havlíčkovy sady bezaubern durch eine ganz eigene Atmosphäre. Du fühlst dich beinahe wie in eine andere Region versetzt – nicht umsonst wird der Park oft mit der Toskana verglichen. Tatsächlich verleihen die Kombination aus Weinberg und italienischer Villa dem Ort einen südlichen Charme. Gleichzeitig ist die Grébovka ein typischer englischer Landschaftsgarten voller romantischer Stimmung: In den Morgenstunden hängt mitunter leichter Nebel über den Wiesen, durchbrochen von Sonnenstrahlen, während aus den Baumwipfeln das Zwitschern der Vögel klingt (immerhin wurden hier über 25 Vogelarten beobachtet). Im Sommer spenden die alten Eichen, Linden und Ahornbäume wohltuenden Schatten, und es duftet nach Rosen und frisch gemähtem Gras. An abgelegenen Parkbänken kannst du unter knorrigen Bäumen sitzen und ein Buch lesen, fast ungestört vom Großstadtlärm – nur das leise Plätschern des Brunnens in der Grotte oder das Summen von Insekten ist zu hören.
Trotz dieser Ruhe ist stets ein lebendiges Treiben präsent: Verliebte Paare flanieren durch die geschwungenen Pfade, Hundefreunde gehen mit ihren Vierbeinern spazieren (an der Leine, wie vorgeschrieben), und zwischendurch begegnen dir vielleicht ein paar Studenten mit Lehrbüchern, die es sich auf der Wiese bequem gemacht haben. In den Herbstmonaten färbt sich das Laub in goldene und rote Töne – eine besonders reizvolle Zeit, den Park zu erkunden, da die Trauben gelesen werden und der Weinberg in herbstlicher Pracht leuchtet. Die Mischung aus gestalteter Natur und historischen Bauwerken verleiht dem Park einen malerischen Charakter, der Fotografen magisch anzieht. Es ist kein durchdesigntes Ausflugsziel, sondern ein authentisches Stück Prag, in dem die Zeit etwas langsamer zu vergehen scheint.
Abseits der klassischen Touristenrouten
Obwohl die Havlíčkovy sady zu den schönsten Parks der Stadt gehören, bleiben sie vom großen Touristenansturm weitgehend verschont. Viele Prag-Besucher kennen eher die berühmten Anlagen wie den Petřín-Park oder die Gärten der Prager Burg. Der Havlíček-Park hingegen liegt etwas abseits und wird daher vor allem von Ortskundigen frequentiert. Für dich als Reisenden ist das eine Chance, Prag abseits des Trubels zu erleben. Hier kannst du in aller Ruhe durchatmen und das lokale Leben beobachten – etwa wenn sonntags die Bewohner der umliegenden Viertel zum Spaziergang oder zur Joggingrunde aufbrechen. Die Atmosphäre ist entspannt und authentisch, frei von Souvenirverkäufern oder Reisegruppen.
Trittst du aus der parkumsäumten Stille wieder hinaus auf die Straßen Vinohradys, bist du gleich in einem der angenehmsten Wohnquartiere Prags. In den umliegenden Gassen findest du gemütliche Cafés, traditionelle tschechische Kneipen und kleine Weinbars, in denen oft der Wein aus dem Park ausgeschenkt wird. So kannst du deinen Besuch in der Grébovka wunderbar mit der Erkundung des Viertels kombinieren – ein echtes Insider-Erlebnis jenseits der ausgetretenen Pfade.
Fazit: Wenn du den Charme Prags abseits der Touristenströme suchst, wirst du im Havlíček-Park fündig – einem grünen Refugium voller Geschichte, Romantik und lokaler Lebensfreude.