Der Winter in Prag verleiht den Sehenswürdigkeiten eine ganz eigene Ruhe und Tiefe. Ohne die dichten Besucherströme der Hauptsaison lassen sich berühmte Orte entspannt entdecken, Wege wirken freier, Perspektiven weiter. Fassaden, Türme und Brücken treten klarer hervor, oft begleitet von frostiger Luft und gedämpften Farben, die der Stadt eine besondere Eleganz verleihen. Gerade in den frühen Morgenstunden oder am Abend zeigt sich Prag von einer stillen, fast zeitlosen Seite, die Raum für echtes Entdecken lässt. Parallel dazu bleibt die Stadt auch im Winter kulturell lebendig. Konzerte, Aufführungen und ausgewählte Events ergänzen den Sightseeing-Tag auf angenehme Weise und finden häufig in historischen Gebäuden statt. So entsteht eine ausgewogene Mischung aus ruhigen Momenten an den bekanntesten Sehenswürdigkeiten und einem vielseitigen Veranstaltungsangebot, das den Winter in Prag zu einer besonders stimmungsvollen Reisezeit macht.
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Aktuelle Termine und Veranstaltungen
- 01. Januar 2026 – Neujahrskonzerte in Prag
Am Neujahrstag finden in Prag mehrere festliche Neujahrskonzerte mit klassischer Musik statt. Besonders gefragt sind Aufführungen im Rudolfinum und im Gemeindehaus, bei denen renommierte Orchester Werke von Dvořák, Smetana, Mozart, Vivaldi und weiteren Komponisten interpretieren. Die Konzerte werden traditionell am Nachmittag und frühen Abend gespielt und zählen zu den musikalischen Höhepunkten zum Jahresbeginn in Prag.
- Januar 2026 – Eislaufen in Prag
Eislaufen gehört in Prag auch im Januar fest zum Winterangebot. Bei passenden Temperaturen bleiben mehrere Outdoor-Eisbahnen in Parks und auf zentralen Plätzen bis weit in den Monat hinein geöffnet, der Betrieb ist jedoch wetterabhängig. Zu den wichtigsten Standorten zählen der Ovocný trh in der Innenstadt, der Letná-Park mit Blick über die Stadt sowie die große Eisfläche Na Františku nahe der Moldau. Schlittschuhe können an den meisten Eisbahnen direkt vor Ort ausgeliehen werden.
- 05. Januar 2026 – Dreikönigs-Prozession in Prag
Am Vorabend des Dreikönigstages zieht die Dreikönigs-Prozession durch das historische Zentrum von Prag und markiert feierlich den Abschluss der Weihnachtszeit. Als Heilige Drei Könige verkleidete Darsteller bewegen sich – teils symbolisch auf Kamelen – durch die Altstadt, über die Karlsbrücke, bis zum Altstädter Ring. Der Umzug verbindet religiöse Tradition mit städtischer Geschichte und wird häufig von wohltätigen Spendenaktionen begleitet.
- bis ca. 06. Januar 2026 – Letzte Weihnachtsmärkte
Auch nach Silvester herrscht in Prag weiterhin winterliche Marktstimmung. Die großen Weihnachtsmärkte am Wenzelsplatz und auf dem Platz der Republik sind traditionell noch bis etwa 6. Januar geöffnet. Besucher erwarten Glühwein, Punsch, tschechische Spezialitäten, süße Backwaren sowie klassische Handwerks- und Souvenirstände – ideal für einen ruhigen Winterbummel nach den Feiertagen.
- 06.–10. Januar 2026 – Ballett „Der Nussknacker“
Anfang Januar steht das klassische Winterballett „Der Nussknacker – A Christmas Carol“ von Pjotr Iljitsch Tschaikowski mehrfach auf dem Spielplan der Prager Staatsoper (Prague State Opera). Die Inszenierung des Tschechisches Nationalballett in der Bearbeitung von Youri Vámos zählt zu den beliebtesten Bühnenproduktionen zum Jahresbeginn und wird traditionell in mehreren Nachmittags- und Abendvorstellungen gezeigt. Aufführungstage in der Staatsoper: 06.01. (19:00), 08.01. (15:00 & 19:00) sowie 10.01.2026 (14:00 & 18:00). Zusätzlich steht das Ballett am 06.01. um 19:00 Uhr im Prager Nationaltheater auf dem Spielplan. Parallel dazu wird im Broadway Theatre in der Prager Innenstadt eine etwas populärere, familienfreundliche Version von „The Nutcracker“ gezeigt – meist mit aufgezeichneter Musik und klassischer Choreografie.
- Januar 2026 – Klassische Kirchenkonzerte
Im Januar finden in Prag zahlreiche klassische Kirchenkonzerte statt. In historischen Sakralbauten der Altstadt und Kleinseite, darunter die St.-Nikolaus-Kirche auf der Kleinseite, die St.-Franz-von-Assisi-Kirche, der Clementinum sowie die Teynkirche erklingen regelmäßig Orgel-, Kammer- und Orchestermusik. Die Konzerte werden über den gesamten Monat hinweg meist am frühen Abend angeboten und zählen zu den stimmungsvollsten Kulturerlebnissen im Prager Winter.
- 09. Januar 2026 – Ricchi e Poveri Live
Die italienischen Pop-Legenden Ricchi e Poveri gastieren am Freitag, 09. Januar 2026, im Prague Congress Centre. Das Konzert steht ganz im Zeichen klassischer italienischer Disco- und Pop-Hits und verspricht ein energiegeladenes, nostalgisches Live-Erlebnis für mehrere Generationen.
- 12. & 26. Januar 2026 – Prager Radiosymphonieorchester
Das Prager Radiosymphonieorchester präsentiert im Januar zwei Orchesterabende mit klassischem und modernerem Repertoire. Die Konzerte finden am 12. Januar und 26. Januar 2026 statt und stehen für anspruchsvolle Programme mit international renommierten Dirigenten und Solisten – ein fester Bestandteil des Prager Klassik-Kalenders zum Jahresbeginn.
- 14.–21. Januar 2026 – Scandi Festival Prag
Das Scandi Festival 2026 ist ein Kulturfestival mit Schwerpunkt auf zeitgenössischem nordischem Film und findet vom 14. bis 21. Januar 2026 statt. Es präsentiert eine vielfältige Auswahl aktueller Filme und Dokumentationen aus Dänemark, Schweden, Finnland, Norwegen und Island, die in mehreren Kinos in Prag gezeigt werden. Neben Spielfilmen stehen oft Diskussionen mit Filmschaffenden, Q&A-Sessions und filmische Einblicke in skandinavische Gesellschaftsthemen auf dem Programm und laden dazu ein, die nordische Kultur aus filmischer Perspektive zu entdecken.
- 22. Januar 2026 – Drupi Live
Der italienische Pop- und Schlagersänger Drupi gastiert am 22. Januar 2026 im Prague Congress Centre. Der Konzertabend steht ganz im Zeichen gefühlvoller italienischer Popmusik und bekannter Klassiker und richtet sich an Fans nostalgischer Melodien und zeitloser Songs.
- 25. Januar 2026 – RAYE Live
Die britische Sängerin und Songwriterin RAYE tritt am 25. Januar 2026 in der O2 Arena Prag auf. Das große Pop-Konzert verbindet moderne Pop-, Soul- und R&B-Elemente und zählt zu den musikalischen Höhepunkten des Prager Veranstaltungskalenders im Januar.
- 30. Januar 2026 – Foil Arms and Hog
Das irische Comedy-Trio Foil Arms and Hog gastiert am 30. Januar 2026 mit einer englischsprachigen Live-Show im Prague Congress Centre. Skurrile Sketche, Improvisation und Publikumsinteraktion prägen den unterhaltsamen Comedy-Abend zum Monatsabschluss.

Winterliche Ruhe und Atmosphäre in der Stadt
Prag zeigt sich im Januar von einer ungewohnt stillen Seite. Nach dem Trubel der Feiertage kehrt Ruhe in die „Goldene Stadt“ ein, die Gassen sind spürbar leerer, und auf den roten Ziegeldächern liegt mit etwas Glück eine feine Schneeschicht. In der kalten, klaren Luft wirkt das historische Panorama besonders eindrucksvoll, über der Moldau liegt ein Hauch von Winterromantik. Wenn am Abend die Straßenlaternen – teils noch gasbetrieben – entzündet werden, verwandeln sie Orte wie die Karlsbrücke in ein lebendiges Spiel aus Licht und Schatten. Vor allem nachts entfaltet die berühmte Brücke ihre besondere Magie, wenn das warme Laternenlicht die steinernen Heiligenfiguren fast lebendig wirken lässt. Ohne die üblichen Touristenmassen kannst du diese Atmosphäre in Ruhe auf dich wirken lassen. Es fühlt sich an, als würde dir Prag im Januar ganz allein gehören.
Kälte, Licht und Wetterlage
Der Januar ist statistisch der kälteste Monat in Prag. Die durchschnittlichen Höchstwerte liegen nur bei etwa 2 °C, nachts sinken die Temperaturen im Mittel auf –3 °C. Oft weht ein schneidender Wind, doch die engen Gassen der Altstadt schützen dich ein wenig vor den Böen und halten die Kälte fern. Schneefälle sind möglich und gar nicht selten – im Durchschnitt bringt der Januar rund 5 cm Neuschnee, oft in Form zarter Flocken, die die Stadt zeitweise in Winterweiß hüllen. Tatsächlich verzeichnet Prag im Januar die größte Schneemenge des Jahres (rund 50 mm). Allerdings bleibt die Winterlandschaft meist sanft: Mal bedeckt frischer Schnee die Parkwege und Brücken, mal sorgen Frost und Nebel für mystische Stimmungen entlang der Moldau. Die Tageslichtdauer ist kurz – Anfang Januar geht die Sonne erst gegen 8 Uhr auf und schon kurz nach 16 Uhr unter. Gerade die tief stehende Wintersonne taucht die Stadt aber in ein besonderes, goldenes Licht. Wenn sie sich zeigt, zaubert sie lange Schatten auf die Kopfsteinpflaster und bringt die Türme und Fassaden zum Leuchten, bevor sie rasch wieder hinter dem Burgberg versinkt. Die Dämmerung kommt früh, doch das hat auch ihren Reiz: Du kannst schon am späten Nachmittag die Lichter der Stadt genießen und hast lange Abende für die beleuchteten Aussichten. Ein klarer Januartag beschert atemberaubende Sonnenuntergänge, und Aussichtspunkte wie die Burgterrassen oder der Petřín-Hügel bieten bereits am frühen Abend ein wunderschönes Panorama in der blauen Stunde. Gleichzeitig sind die Winterwochen oft grau und neblig – es kann vorkommen, dass über Tage hinweg ein bleierner Himmel über Prag hängt. Doch selbst dieses gedämpfte Licht hat etwas Melancholisches, das zur mittelalterlichen Kulisse passt. Lass dich davon nicht schrecken: Die dunklen Tage gehören hier einfach dazu, und die Tschechen wissen sie mit Humor und Gemütlichkeit zu füllen.

Sehenswürdigkeiten: Winterzauber ohne Menschenmassen
Ohne Gedränge entfalten Prags weltberühmte Sehenswürdigkeiten im Januar einen ganz eigenen Charme. Du kannst sie in aller Ruhe erkunden, oft beinahe für dich allein. Die Prager Burg etwa, normalerweise ein Magnet für Besucher, liegt jetzt oft still unter einem bleigrauen Himmel oder schimmert mit schneebedeckten Dächern in der Wintersonne. Spazierst du frühmorgens durch das Burgtor, knirscht der Schnee leise unter deinen Schritten, und in den Höfen hallt nur das Krächzen der Krähen – eine fast magische Stimmung. St. Veitsdom ragt mit seinem dunklen gotischen Turm in den Winterhimmel, und im Inneren ist es ruhig genug, um das farbige Glasfensterlicht auf dem Steinboden tanzen zu sehen. Auch die Goldene Gasse (Zlatá ulička) wirkt im Winter noch mal verwunschener: Oft sind kaum Besucher dort, und du kannst dir gut vorstellen, wie es gewesen sein muss, als hier vor hundert Jahren Kafka spazieren ging, während Rauch aus den Kaminen der kleinen bunten Häuschen aufstieg.
Die Karlsbrücke wiederum gehört dir in diesen Wochen fast allein. Tagsüber fehlen die üblichen Straßenkünstler und Menschenmengen, sodass du die barocken Statuen ungestört betrachten kannst. Vielleicht sind ihre Sockel von etwas Schnee gepudert, vielleicht zieht leichter Nebel vom Fluss herauf – die Brücke wird zur Bühne für Kopfkino. Frühmorgens, wenn die Stadt noch schläft, steht über der Moldau manchmal ein zarter Dunst, durch den die ersten Sonnenstrahlen brechen und die Umrisse der Brückentürme wie in Watte tauchen. Nach Einbruch der Dunkelheit, gegen 17 Uhr, erleuchten die historischen Gaslaternen die Brücke flackernd – ein mystisches Erlebnis, als wäre man ins 19. Jahrhundert zurückversetzt. Jetzt hörst du nur das Rauschen der Moldau und deine Schritte auf dem Pflaster. Kein Wunder, dass sich um die nächtliche Karlsbrücke so viele Legenden ranken.
Auch auf dem Altstädter Ring kehrt im Januar ungewohnte Beschaulichkeit ein. Wo im Dezember noch der Weihnachtsmarkt glitzerte, breitet sich nun ein weiter, offener Platz aus. Die Astronomische Uhr am Rathaus tickt weiter zuverlässig jede Stunde – doch du kannst ihrem Figurenspiel nun ohne Drängeln zusehen. In der Winterluft klingen die Glockenschläge von der Týn-Kirche klar und weit. Ringsum haben die barocken Paläste und bunten Bürgerhäuser vielleicht noch letzten Weihnachtsschmuck an den Fenstern, während auf dem Kopfsteinpflaster nur vereinzelt ein paar Einheimische eilig vorbeihasten. Diese Leere wirkt befreiend: Endlich hat man Muße, die Details der Häuserfassaden wahrzunehmen, die spätgotischen Portale oder die bemalten Schilde an den Giebeln.
Manche Sehenswürdigkeiten offenbaren im Winter ihre verborgene Schönheit. So liegt etwa Vyšehrad, die alte Festung über der Moldau, in den Wintermonaten still da wie ein vergessener Schatz. Bei klarem Wetter hast du von dort einen fantastischen Blick auf das Stadtzentrum mit Burg und Brücken – und triffst dabei nur wenige Spaziergänger. Die schneebedeckten alten Mauern und der ehrwürdige Friedhof mit den Gräbern tschechischer Berühmtheiten (bedeckt von Raureif) schaffen eine würdige, fast mystische Atmosphäre. Hier oben spürst du förmlich die Jahrhunderte der Prager Geschichte unter deinen Füßen, ungestört von touristischem Trubel. Ein anderer besonderer Ort ist der Laurenziberg (Petřín): Du kannst mit der Standseilbahn hochfahren (sie verkehrt auch im Winter zuverlässig) und genießt dann einen Wintergarten über der Stadt. Die Bäume im Petřín-Park sind kahl, dadurch hast du freie Sicht auf die Altstadt. Wenn Schnee liegt, tummeln sich hier oben sogar Familien beim Schlittenfahren – Kinderlachen hallt zwischen den Obstbäumen, während unten die Türme von Prag aus dem Dunst ragen. Vom kleinen Eiffelturm auf Petřín, der Aussichtswarte, schweift der Blick an klaren Tagen bis weit ins böhmische Umland mit seinen winterlichen Hügeln. Und keine Sorge: Zur Not kannst du dich oben im Spiegelkabinett aufwärmen oder im Café nebenan einen heißen Tee trinken.

Spaziergänge durch winterliche Viertel
Prags Viertel entfalten im Winter einen eigenen Reiz – oft sind es gerade die leisen Details, die jetzt sichtbar werden. Ein Stadtbummel im Januar führt dich durch verträumte Straßen, in denen das Kopfsteinpflaster im Raureif glitzert und die Laternen am späten Nachmittag schon schummrig leuchten. Die Altstadt mit ihren verwinkelten Gassen ist im Winter besonders atmosphärisch. Schlendere z.B. durch die Karlova-Gasse Richtung Karlsbrücke: Normalerweise drängen sich hier Souvenirläden und Touristengruppen, doch im Januar kannst du ungestört an den Schaufenstern mit böhmischem Kristall vorbeigehen oder einen Blick in die stillen Innenhöfe werfen. Durch die Stille hörst du vielleicht dein eigenes Echo an den barocken Hauswänden. Die Kleinseite (Malá Strana) auf der anderen Flussseite wirkt in kalten Januartagen fast wie ein Dorf: In den Morgenstunden steigt Rauch aus den Kaminen der alten Bürgerhäuser, und auf dem malerischen Nerudova-Weg hinauf zur Burg begegnest du höchstens ein paar Einheimischen mit Einkaufstaschen. Jeder Schritt knarrt auf dem gefrorenen Pflaster dieser ansteigenden Gasse, in der einst Könige zum Hradschin hinaufritten. Achte auf die vergoldeten Hauszeichen über den Türen – Zur Goldenen Sonne, Zum Esel etc. –, sie erzählen Geschichten aus vergangenen Zeiten. Im Winter fallen sie besonders ins Auge, weil kein hektischer Trubel dich ablenkt.
Ein Abstecher in versteckte Winkel lohnt jetzt umso mehr. Nový Svět, die „Neue Welt“ hinter der Burg, ist so ein verwunschener Ort: ein winziges Viertel mit niedrigen Häuschen, manche mit Holzbalken, das im Januarschnee märchenhaft ruhig daliegt. Hier kannst du auf schmalen Wegen laufen, in denen deine Schritte jedes Knirschen am kleinen Fenster der Häuschen verkünden. Es ist kaum zu glauben, mitten in der Hauptstadt zu sein – die Zeit scheint stehen geblieben. Weiter unten, an der Kampa-Insel, spürst du dagegen die Nähe zur Moldau. Die Mühlen am Čertovka-Kanal drehen sich vielleicht langsam im Winterwasser, und Enten ziehen ihre Bahnen zwischen Eisschollen. Ein Spaziergang entlang der winterlichen Uferpromenade der Kampa offenbart tolle Blicke: Die Brückenbögen der Karlsbrücke spiegeln sich im dunklen Fluss, und die schneebestäubten Bäume im Park stehen in spannendem Kontrast zu den bunten Häusern von Malá Strana dahinter. Von hier wirkt die Prager Burg besonders majestätisch – weiß bekrönt vor oft grauem Himmel.
Selbst abseits des historischen Zentrums gibt es viel zu entdecken. Das schicke Jugendstilviertel Vinohrady etwa zeigt im Winter seine gemütliche Seite: Hier reihen sich prachtvolle Wohnhäuser mit verzierter Fassade aneinander, auf den kleinen Plätzen hängen gelbe Lichterketten in Bäumen, und in den Cafés sitzen hauptsächlich lokale Anwohner bei einem Buch und heißem Kakao. Auf dem Jiřího z Poděbrad-Platz im Herzen von Vinohrady findet auch im Januar ein Bauernmarkt statt – zwar kleiner als sonst und mit reduziertem Angebot, aber immer noch ein Treffpunkt der Nachbarschaft. Du kannst dir dort ein frisches Gebäck oder heißen Apfelwein gönnen und dich zu den Tschechen auf die Parkbank setzen, um die Szenerie zu beobachten: Mütter mit Kinderwägen, die rasch Besorgungen machen, Rentner, die den Hunden im Park zusehen, Studenten mit Wollmützen, die an einem Punsch nippen. Dieser Alltag ist vielleicht nicht spektakulär, aber unglaublich authentisch.
Wenn du gut zu Fuß bist, solltest du unbedingt einen Spaziergang entlang der Moldau machen. In der klaren Winterluft sind die Ausblicke wunderschön: Vom Uferweg am Malá Strana hast du die Altstadt-Silhouette wie auf dem Silbertablett vor dir – im Abendlicht spiegeln sich die bunten Häuser im Fluss, und Schwärme von Möwen ziehen über das Wasser. Besonders reizvoll ist auch ein Weg von Vyšehrad flussabwärts: Von der Festung steigst du hinab ans Ufer und folgst der beinahe menschenleeren Promenade Richtung Innenstadt. Unterwegs kommst du an kleinen Häfen vorbei, an schlafenden Ausflugsschiffen, und hast immer wieder den Blick auf die erleuchtete Burg weit voraus. Unter einer Brücke kannst du eine Pause in einem Hausboot-Café einlegen, die es hier gibt – drinnen bullert ein Ofen, während draußen Eiszapfen von den Relingen hängen. Schließlich erreichst du den Abschnitt Náplavka (beim Palacký-Kai), wo auch im Winter samstags ein quirliger Markt stattfindet. Zwischen Ständen mit regionalen Köstlichkeiten und heißen Getränken erwacht dort selbst an kalten Tagen Leben: Es duftet nach frisch gebrühtem Kaffee und Gebäck, Musiker spielen manchmal Jazz, und die Leute plaudern gut gelaunt. Malerisch auf einer Kopfstein-Promenade direkt am Flussufer gelegen, lässt die Samstags-Stimmung an der Náplavka dich garantiert neu in Prag verlieben. Tipp: Komm am besten früh am Morgen, wenn die frischen Obst-, Gemüse- und Käse-Stände aufgebaut sind und alles noch ruhig ist – ab späten Vormittag füllt sich der Markt nämlich selbst in der kalten Jahreszeit recht schnell. Diese Mischung aus Stille und lokalem Leben macht die Winterspaziergänge in Prag so besonders.

Kunst, Kultur und Museen: Warme Zuflucht im Winter
Wenn draußen klirrende Kälte herrscht, lockt Prag mit seinem reichen Kulturangebot – ideal zum Aufwärmen und Eintauchen in Geschichte und Kunst. Tatsächlich gibt es kaum eine bessere Jahreszeit als den Winter, um ausgiebig Museen zu besuchen und klassische Konzerte zu erleben. Die Auswahl ist groß und die Säle sind jetzt angenehm leer; man hat Muße, alles in Ruhe anzuschauen.
Ein absolutes Muss ist das Národní Muzeum (Nationalmuseum) am Wenzelsplatz. Schon das imposante neoklassizistische Gebäude bietet im Winter Schutz und Pracht zugleich: Betrittst du die beheizte marmorverkleidete Kuppelhalle, taut nicht nur dein Mantel langsam auf, sondern du fühlst dich auch eine Epoche zurückversetzt. Hier kannst du stundenlang durch die Sammlungen streifen – von böhmischen Kronjuwelen über prähistorische Skelette bis zu Art-déco-Exponaten. Besonders an trüben Tagen vergisst man darin leicht die Zeit. Ähnlich eindrucksvoll ist das Museum der Hauptstadt Prag nahe Florenc, wo ein riesiges historisches Stadtmodell von Prag steht – perfekt, um dir vorzustellen, wie die Stadt wohl vor 200 Jahren in einem ebenso harten Winter aussah. Für Kunstliebhaber bieten die Galerien viel Stoff: Die Národní Galerie hat mehrere Standorte, zum Beispiel den Palais Sternberg (Alte Meister) und den Messepalast (Moderne Kunst). Dort hast du im Januar oft die Gemäldesäle fast für dich allein und kannst vor einem Monet oder Klimt verharren, so lange du willst, ohne von Schulklassen weitergeschoben zu werden. Auch kleinere Museen lohnen sich: Das Mucha-Museum etwa zeigt Jugendstil-Grafiken, deren leuchtende Farben einen Kontrast zum grauen Wetter draußen bilden. Oder das Kafka-Museum an der Moldau, wo düstere Installationen dich in die Gedankenwelt des Schriftstellers ziehen – gerade an nebeligen Wintertagen ein passendes, leicht schauriges Vergnügen.
Neben Museen sind Prags Konzerthäuser und Theater eine wunderbare Möglichkeit, einen Winterabend stilvoll zu verbringen. In der Stadt der Musik gibt es ganzjährig Darbietungen: Du kannst zum Beispiel im Rudolfinum einem Konzert der Tschechischen Philharmoniker lauschen – der Dvořák-Saal hat eine Akustik wie Samt, und wenn draußen vielleicht Schneeflocken an die Fenster des neoklassischen Gebäudes wehen, wird drinnen Beethoven oder Smetana gespielt. Oft gibt es im Januar spezielle Neujahrskonzerte und Winterprogramme der Orchester, die festlich stimmen. Auch die Staatsoper und das Nationaltheater sind im Spielbetrieb: Ein Ballettabend wie Schwanensee im historischem Opernhaus kann den Zauber der Jahreszeit perfekt ergänzen (die Vorstellung läuft z.B. im Januar auch im Theater Hybernia in verkürzter Form). Für Freunde kleinerer Bühnen empfehlen sich die zahlreichen Kirchenkonzerte: In der barocken Nikolauskirche auf der Kleinseite finden regelmäßig Orgel- und Kammerkonzerte statt. Bei Kerzenschein im üppigen Barockinterieur zu sitzen und Vivaldis Vier Jahreszeiten oder Dvořáks Ave Maria zu hören, während draußen die Winterkälte die Fenster beschlägt – das lässt niemanden kalt. Ebenso charmant: das St. Georgs-Basilika auf der Burg, die tagsüber Museum ist, verwandelt sich abends manchmal in einen Konzertsaal für Barockmusik.
Prag hat überdies einige ungewöhnliche Indoor-Erlebnisse im Winter. Wie wäre es mit einem Besuch im Schwarzlichttheater, einer echten Prager Spezialität? In dunklen Theatersälen werden bunte fluoreszierende Shows ohne Sprache geboten – eine Mischung aus Pantomime, Tanz und Magie, die völlig losgelöst von der Jahreszeit unterhält. Gerade wenn das Wetter garstig ist, kannst du so eine Stunde staunend im Warmen verbringen und dich von fantasievollen Effekten verzaubern lassen. Es gibt mehrere Bühnen dafür, etwa das traditionelle Srnec-Theater oder das modernere WOW Black Light Theater – beide liegen zentral und bieten tägliche Vorstellungen. Ebenfalls gemütlich sind die Arthouse-Kinos Prags: In historischen Lichtspielhäusern wie dem Kino Lucerna oder dem Bio Oko laufen Arthouse-Filme, oft sogar mit englischen Untertiteln. In samtgepolsterten Sesseln oder sogar Sitzsäcken (im Bio Oko gibt es Liegestühle!) kannst du einen kalten Abend verbringen, wie es auch viele Prager tun. Die Atmosphäre ist nostalgisch und herzlich – Popcorn knistert, die Heizung summt leise, und für ein paar Kronen siehst du einen tschechischen Filmklassiker oder den neuesten Indie-Film.
Nicht zuletzt lädt der Winter in Prag auch dazu ein, Sakralbauten und Paläste von innen zu erkunden, die man im Sommer vielleicht links liegen lässt. Jetzt ist die perfekte Zeit, um die Spiegelkapelle im Klementinum zu bestaunen oder die Strahov-Bibliothek im Strahov-Kloster zu besuchen – Orte, die nicht nur warm und trocken sind, sondern deren Schönheit einen wirklich ins Staunen bringt. In der Strahov-Bibliothek, einer der prächtigsten barocken Bibliothekssäle Europas, steigen im Winter kaum Besucherzahlen an, sodass du in aller Stille unter Deckenfresken wandeln kannst, während tausende alte Bücher um dich die Jahrhunderte überdauern. Danach hast du es nicht weit zur Klosterbrauerei nebenan, wo dich schon der Duft von Malz und warmem Essen empfängt – dazu später mehr. Ebenfalls eindrucksvoll ist das Gemeindehaus (Obecní dům) am Platz der Republik: In diesem Jugendstil-Juwel kann man eine Führung machen und die opulenten Säle mit vergoldeten Ornamenten bewundern. Im Smetana-Saal proben vielleicht gerade Musiker für ein Abendkonzert, und im Foyer glitzern Kronleuchter – ein sehr nobles Ambiente, während draußen vielleicht gerade Schneematsch auf den Bürgersteigen liegt.

Einkehren und Aufwärmen: Cafés, Kneipen und Wintergenüsse
Nach ausgedehnten Spaziergängen in der Kälte gibt es nichts Schöneres, als sich in einem der zahllosen Prager Lokale aufzuwärmen. Die Stadt ist berühmt für ihre Kaffeehauskultur und herzhaften Bierstuben – und beides passt perfekt zum Winter. Gemütliche Cafés mit Geschichte laden dich ein, Mantel und Mütze abzulegen und in wohliger Wärme bei einem Heißgetränk zu entspannen. Eines der berühmtesten ist das Café Slavia gegenüber dem Nationaltheater. Hier, wo schon Dichter und Künstler wie Václav Havel an Marmortischen saßen, kannst du dich ans Fenster setzen und hast einen herrlichen Blick auf die Moldau und die Burg, während du einen starken Wiener Kaffee oder einen heißen Grogg genießt. Die großen Jugendstil-Fenster des Slavia beschlagen an Wintertagen leicht von innen, was der Atmosphäre fast etwas Nostalgisches verleiht. Ein Kellner im weißen Hemd bringt dir vielleicht einen Café de l’Absinthe (eine lokale Spezialität mit einem Schuss Absinth), und während du die Hände an der Tasse wärmst, schaust du hinaus auf die vorbeiziehenden Lichter der Tram – ein Moment voll zeitloser Eleganz.
Nicht minder geschichtsträchtig ist das Café Louvre an der Národní-Straße. Seit 1902 existiert dieses Grand Café im ersten Stock – eine Welt aus Pastellfarben, großen Spiegeln und Billardtischen. In den 1910er Jahren gehörten hier Stammgäste wie Franz Kafka und Albert Einstein zum Inventar. Man spürt diesen Geist noch heute: Wenn du im Louvre deinen cremigen Latté oder eine heiße Schokolade mit Schlagsahne bestellst, scheint es, als könnte am Nebentisch gleich ein Schriftsteller seine Zeitung ausbreiten. Die Atmosphäre ist lebhaft, aber unaufgeregt – genau richtig, um ein Stück hausgemachte Torte (probier die berühmte Louvre-Torte!) zu verzehren und allmählich wieder aufzutauen. Zu den Klassikern gehört auch das Café Imperial im gleichnamigen Jugendstil-Hotel: Fliesenmosaike, Säulen und Jugendstil-Ornamente schmücken diesen Raum, der dich ins Prag der 1920er versetzt. Hier serviert man dir böhmischen Apfelstrudel oder Palatschinken zum Tee, und du fühlst dich dabei für einen Moment wie ein eleganter Reisender vergangener Zeiten.
Neben den Kaffeehäusern sind Prags Kneipen und Bierstuben im Winter unverzichtbar – nicht nur wegen des weltberühmten Biers, sondern auch wegen der herzhaften Küche und der gemütlichen Stimmung. In einer traditionellen Hospoda (tschechischen Wirtschaft) findest du die perfekte Zuflucht vor Schnee und Wind. Stell dir vor: Du trittst durch eine Holztür hinein, sofort schlägt dir warme, mit dem Duft von Gebratenem geschwängerte Luft entgegen. Die Fenster sind leicht beschlagen, an den Tischen sitzen gesellig die Prager bei ihrem Pivo. Du bestellst ein dunkles Böhmisches Lager, das mit perfekter Schaumkrone in einem gefrorenen Krug serviert wird – ideal, um den Durst nach einem langen Marsch zu löschen. Dazu passt im Winter ein kräftiges Essen: Wie wäre es mit Svíčková (einem Braten in Sahnesoße mit Preiselbeeren und Knödeln) oder einem Gulasch im Brotlaib? Solche Gerichte wärmen wunderbar von innen. Bekannte Traditionslokale wie U Černého vola auf der Burgseite oder U Medvídků in der Altstadt bieten all das in authentischer Umgebung aus Holzbänken und historischen Brauereigeräten. Hier herrscht kein Schicki-Micki, sondern bodenständige Gemütlichkeit. Oft laufen im Hintergrund leise tschechische Schlager, die Stimmung ist gelöst – man rückt zusammen, lacht und prostet sich zu, während draußen vielleicht leise Schnee fällt. Im Januar haben diese Wirtshäuser zudem meist viel Platz – wo im Sommer Touristen drängen, findest du jetzt ohne Probleme einen Tisch und kannst stundenlang verweilen.
Ein besonderes Erlebnis ist ein Abstecher in die Strahov-Klosterbrauerei oberhalb der Stadt. Nach dem Besuch der Klosterkirche und Bibliothek, wenn du schon etwas durchgefroren bist, spürst du beim Eintreten in die rustikale Brauschänke sofort die behagliche Wärme der Kachelöfen. Hier brauen Mönche seit Jahrhunderten Bier, und die schweren Holztische, die niedrigen Gewölbedecken sowie der Duft nach Malz und Hopfen erzählen von dieser langen Tradition. Ein Krug des hausgemachten St. Norbert-Bieres, vielleicht der winterliche Doppelbock, ist genau das Richtige, um Herz und Magen zu erfreuen. Dazu passen deftige Schmankerl wie eingelegter Camembert oder Würste mit Senf. Während du isst und trinkst, können deine Füße endlich auftauen – und du hast Muße, mit Mitreisenden oder Einheimischen ins Gespräch zu kommen. Die Prager sind im Januar entspannter als sonst, man hat Zeit für einen Plausch über dies und das, sei es über das letzte Eishockey-Spiel oder den anstehenden Masopust (Fasching) im Februar.
Natürlich darf auch die süße Seite des Prager Winters nicht fehlen. Überall in der Stadt findest du Bäckereien und Konditoreien, die dich mit dem Duft von Zimt und Vanille anlocken. Probiere unbedingt einen frisch gebackenen Trdelník– diese mit Zucker und Walnüssen bestreute Teigrolle, die warm und knusprig auf der Zunge zergeht. Auch wenn der Trdelník eher eine touristische Modeerscheinung ist, macht es Freude, ihn in der Kälte zu knabbern, während die Hände vom warmen Teig gewärmt werden. Authentischer sind traditionelle Honigkuchen (Medovník), die du in Patisserien wie der Erhartova Cukrárna bekommst – schichtweise mit Honigcreme gefüllt, sind sie ein Gedicht zu einer Tasse heißem Kräutertee. Und hast du einmal Lust auf etwas Herzerwärmendes to go, kannst du an winterlichen Straßenständen oder in kleinen Weihnachtsmarktnachzüglern (bis Dreikönig gibt es manchmal noch Buden) einen Svařák kaufen – heißen böhmischen Glühwein mit Zimt und Orange. Der wärmt die Finger und zaubert mit seinem Duft nach Gewürzen sofort ein behagliches Gefühl. Alternativ probier den Medovina, heißen Honigwein, oder einen Grog aus Rum, Zucker und Zitrone – die Tschechen schwören darauf als Winterschnaps.
Selbst Markthallen und Geschäfte bieten im Januar gemütliche Zuflucht. Die Markthalle in Holešovice etwa (Prager Markthallen) hat überdachte Stände mit Obst, Käse und Wurst, wo du nebenbei auch Lokales kosten kannst. Und der berühmte Havel-Markt in der Altstadt hat tatsächlich das ganze Jahr über fast täglich geöffnet. Zwischen Wenzelsplatz und Altstädter Ring kannst du dort – auch an kalten Januartagen – schlendern und nach Souvenirs stöbern oder eine frisch gegrillte Klobása (tschechische Wurst) im Brötchen essen. Der Havel-Markt richtet sich zwar vor allem an Touristen, aber im Winter sind hier auch manche Prager unterwegs, um ein schnelles Bier oder einen Imbiss zu nehmen. Die Preise mögen etwas höher sein, doch dafür findest du eine bunte Auswahl an handgefertigten Andenken, Holspielzeug, Mützen und allerlei Nippes. Unter der Woche, wenn es schneit oder regnet, schützen Planen die Waren – du kannst dich quasi in Ruhe durch den Wintermarkt treiben lassen, ohne das Gedränge, das sonst in der Hochsaison herrscht.

Januar-Vorteile: Günstig reisen und Besonderheiten erleben
Neben dem einzigartigen Flair hat der Januar in Prag auch handfeste Vorteile. Reisen in der Nebensaison schont dein Budget und bietet ein authentischeres Erlebnis. Tatsächlich gilt der Januar als echter Geheimtipp für Städtereisen. Viele Hotels und Apartments senken nach Weihnachten drastisch ihre Preise – oft kosten Zimmer nur die Hälfte dessen, was im Sommer verlangt wird. Du kannst also in Unterkünften logieren, die sonst vielleicht über deinem Budget lägen, oder einfach bares Geld sparen, das du in Kultur und Kulinarik investieren kannst. Auch Flüge und Bahnfahrten Richtung Prag sind im Januar meist günstiger zu haben als in der Hochsaison. Kurz nach Silvester fällt Prag in eine Art Winterschlaf, was für dich als Besucher ideal ist: Wenig Andrang heißt die Devise. Sehenswürdigkeiten, Museen und Cafés gönnen sich jetzt eine Verschnaufpause – du kannst sie ohne Warteschlangen und ohne dichtes Gedränge genießen. Es ist ein fast luxuriöses Gefühl, spontan und ohne Ticketstress die Prager Burg oder die berühmte Spanische Synagoge besuchen zu können, wo sonst lange Schlangen sind. Auch kurzfristig an Konzertkarten zu kommen, ist deutlich einfacher; viele Abendveranstaltungen sind nicht ausverkauft, sodass du flexibel bleiben kannst.
Die dünnere Besucherzahl lässt dich außerdem das echte Prag besser spüren. Wenn weniger Touristen unterwegs sind, tritt das lokale Leben stärker hervor. Morgens in der Straßenbahn zur Burg siehst du fast nur Pendler und Schüler – du bist Teil des Alltagsrhythmus. In den Kneipen abends hörst du viel Tschechisch um dich, weil die Einheimischen ihre Stadt wieder für sich haben. Das verleiht deinem Aufenthalt eine ganz andere Qualität: ehrlicher, ungefilterter. Viele Reisende empfinden diese ruhige Zeit als besonders authentisch und erholsam, wie eine Zeitreise in die Epoche, bevor der Massentourismus begann.
Natürlich bringt der Januar auch ein paar Besonderheiten mit sich. Etwa in Sachen Einkaufen: In Tschechien gibt es zwar nicht den klassischen Winterschlussverkauf wie in Deutschland, doch nach Dreikönig locken viele Läden mit Rabatten. Gerade in den Einkaufsstraßen um den Wenzelsplatz oder Na Příkopě findest du in den Schaufenstern „sleva“ (Rabatt)-Schilder – wer also gerne shoppt, kann jetzt das eine oder andere Schnäppchen machen. Von Modeboutiquen über Glasgeschäfte bis hin zu Spielzeugläden: Die Auswahl ist groß und die Kassen geduldiger, weil weniger Andrang herrscht.
Eine charmante Tradition zum Dreikönigstag (6. Januar) ist das Dreikönigssingen, bei dem verkleidete Kinder als die Heiligen Drei Könige durch die Stadt ziehen, Spenden sammeln und an Türen den Segensspruch „K + M + B“ schreiben – vielleicht entdeckst du die Kreidezeichen über so manchem Türstock. Und am 6. Januar findet auf der Moldau ein kurioses Spektakel statt: das Dreikönigsschwimmen. Wagemutige Prager stürzen sich an der Karlsbrücke ins eisige Wasser der Moldau – nur in Badehose oder Kostüm! Dieses Event hat beinahe Volksfestcharakter; Zuschauer säumen fröstelnd das Ufer und feuern die Schwimmer an, die in wenigen Minuten die Strecke absolvieren. Heiße Getränke und Blasmusik drumherum gehören natürlich dazu. Trotz der Kälte verbreitet dieses Ritual eine ausgelassene Stimmung – ein lebendiges Beispiel dafür, wie sehr die Prager ihren Humor auch im Winter bewahren.
Nicht zuletzt sind manche Attraktionen im Januar exklusiv oder in besonderer Form erlebbar. So startet oft Anfang Januar im Nationalmuseum eine neue Sonderausstellung, da viele laufende Ausstellungen zum Jahresende wechseln – du könntest also zufällig die Eröffnung einer spannenden Schau erleben. Die Galerie der Stadt Prag bietet manchmal im Winter kostenlosen Eintritt an bestimmten Tagen, um Besucher anzulocken. Und wusstest du, dass die Laterna Magika, Prags berühmtes multimediales Theater, im Januar häufig Specials oder Premieren zeigt? Mit etwas Recherche findest du in diesem Monat kleine kulturelle Schätze, die im Rummel der Sommermonate untergehen würden.

Praktische Tipps für deine Winterreise
Damit dein Prag-Besuch im Januar rundum angenehm wird, hier noch ein paar Hinweise zum Vorbereiten und Genießen:
Kleidung und Ausrüstung: Pack unbedingt warm und durchdacht. Das Wetter kann wechselhaft sein – von trockenem Frost bis nasskaltem Schneeregen ist alles möglich. Am besten kleidest du dich im Zwiebellook: mehrere Schichten, die du je nach Temperatur an- oder ausziehen kannst. Eine warme Mütze, Schal und gefütterte Handschuhe sind unverzichtbar, denn Ohren und Finger werden beim langen Draußenbleiben schnell kalt. Auch wasserdichte, rutschfeste Schuhe solltest du tragen – die Gehwege können glatt sein, und nichts verdirbt den Spaß mehr, als mit nassen Füßen durch die Stadt zu laufen. Thermounterwäsche oder zumindest warme Strumpfhosen/Hosen unter der Jeans leisten ebenfalls gute Dienste, vor allem wenn du abends nochmal rausgehst. Vergiss nicht, auch an Regenschutz zu denken: Ein kleiner zusammenklappbarer Schirm oder eine regenfeste Jacke sind sinnvoll, da es zwischendurch tauen und nieseln kann. Und weil kaltes Wetter auch Technik beeinflusst, schadet es nicht, eine Powerbank mitzunehmen – Kälte entlädt Smartphone-Akkus schneller. Ein Lippenbalsam und eine kleine Thermosflasche für heißen Tee im Rucksack können ebenfalls Gold wert sein. So ausgerüstet, bist du für alle Wetterlagen gewappnet und kannst dich voll aufs Erleben konzentrieren.
Tagesplanung bei kurzen Tagen: Die Sonne steht nur wenige Stunden am Himmel, deshalb plane klug, um das Licht optimal zu nutzen. Lege Outdoor-Aktivitäten – also Stadtspaziergänge, Aussichten und Fototouren – möglichst in die hellen Mittagsstunden. Zum Beispiel eignet sich 10 bis 15 Uhr hervorragend, um durch die Altstadt zu flanieren oder den Ausblick vom Petřín-Turm zu genießen, da es in diesem Zeitfenster am wärmsten und hellsten ist. Frühmorgens um 8 Uhr ist es zwar noch dämmrig, aber für besondere Foto-Momente wie Sonnenaufgang über der Karlsbrücke kann es sich lohnen, früh aufzustehen (der Vorteil: es sind kaum Leute unterwegs). Museumsbesuche und andere Indoor-Programmpunkte kannst du geschickt auf den frühen Abend legen – etwa ab 16 Uhr, wenn es draußen dunkel wird. Viele Museen in Prag haben bis 18 Uhr oder länger geöffnet, so kannst du den dunklen Abend dort verbringen, nachdem du tagsüber draußen aktiv warst. Denke auch daran, dass montags manche Museen geschlossen sind (zum Beispiel der Montag nach dem ersten Wochenende im Monat ist oft Ruhetag in Galerien). Prüfe Öffnungszeiten im Voraus, besonders im Winter, da einige Attraktionen verkürzt geöffnet sind (z.B. Schlossgärten geschlossen, Aussichtstürme evtl. früher zu).
Ein kleiner Zeitplan-Tipp: Bündele Ziele, die nah beieinander liegen, damit du nicht unnötig in der Kälte umherirrst. Zum Beispiel könntest du vormittags in der Burggegend bleiben (Burg, Veitsdom, Goldenes Gässchen) und am Nachmittag, wenn dir kalt wird, ins Warme flüchten (etwa in die Gemäldegalerie der Prager Burg oder runter ins Café Nový Svět). Oder plane einen Tag in der Altstadt: Vormittags Altstädter Ring und Josefov, Mittagessen in einem beheizten Lokal, nachmittags vielleicht ein Museum wie das Klementinum oder Shopping in der Pariser Straße, und abends ein Konzert in einer Altstadtkirche. So hast du kurze Wege und kannst dich zwischendurch immer wieder aufwärmen.
Fotografie und besondere Momente: Der Winter bietet tolle Fotogelegenheiten, auch wenn die Bedingungen herausfordernd sein können. In den Morgenstunden taucht oft ein weiches Licht die Stadt in Pastelltöne – ein Traum für Fotografen. Sonnenaufgang ist im Januar erst um ca. 8 Uhr, also human machbar, und lohnt z.B. auf der Karlsbrücke oder am Ufer von Malá Strana, wo die ersten Strahlen die Burg golden färben. Sonnenuntergang gegen 16:30 schenkt dir dann ein kurzes, aber intensives Abendrot hinter der Silhouette der Prager Burg – den besten Blick darauf hast du vom gegenüberliegenden Ufer, etwa vom Ufer bei der Náplavka oder der Čechův-Brücke. Die blaue Stunde (so etwa 17 Uhr im Januar) ist ideal, um die erleuchtete Stadt zu fotografieren: Der Kontrast zwischen tiefblauem Himmel und den warmen Lichtern auf Brücken und Gebäuden könnte malerischer nicht sein. Stative sind an den berühmten Spots gern gesehen – und du musst sie jetzt nicht mit vielen anderen teilen. Bekannte Aussichtspunkte wie die Letná-Parkterrasse (dort, wo das rote Metronom steht) oder der Vyšehrad-Felsen bieten früh am Abend schon spektakuläre Panoramen mit glitzernden Lichtern auf der Moldau. Denke daran, Ersatzbatterien für deine Kamera warm am Körper zu tragen – Kälte entlädt sie schnell. Ach ja, und scheue dich nicht, auch Schnee und Nebel fotografisch zu nutzen: Ein leicht schneebestäubter Altstädter Ring mit einsamer Pferdekutsche oder eine nebelige Karlsbrücke im Laternenlicht ergeben stimmungsvolle Aufnahmen, die es im Sommer nie geben könnte.
Aktiv bleiben: Auch wenn Prag im Januar ruhiger ist, gibt es genügend Aktivitäten, um dich zu beschäftigen. Sollten dir dennoch die Ideen ausgehen oder das Wetter gar zu ungemütlich werden, frag am besten in deinem Hotel oder in den Touristeninformationen nach aktuellen Winter-Events. Oft finden Indoor-Veranstaltungen statt wie Jazzabende in Klubs (z.B. im Jazz Dock direkt an der Moldau – im Warmen sitzt du mit Blick auf den Fluss) oder Theatervorstellungen mit englischer Übertitelung. In der O2-Arena spielt im Januar meist der Eishockey-Club Sparta Prag – ein Live-Spiel mit den enthusiastischen Fans auf den Rängen ist ein heißer Tipp, falls du sportinteressiert bist (und drinnen ist es dank Publikum erstaunlich warm!). Auch Eislaufen kannst du in Prag im Winter: Mehrere Außen-Eisbahnen laden zum Schlittschuhlaufen ein. Besonders zentral ist die kleine Eisbahn auf dem Ovocný trh (Obstmarkt) unweit des Altstädter Rings, die bis Ende Januar täglich geöffnet ist – hier drehen abends unter Lichterketten sowohl Kinder als auch Studenten ihre Runden, und du kannst dich für lau oder wenig Geld mit einreihen. Schlittschuhe kann man meist vor Ort leihen. Oder du fährst mit der Metro zum Zizkov-Fernsehturm: Dort gibt es im Park unter dem Turm ebenfalls eine winterliche Eisfläche, oft bis in den März hinein geöffnet. Nach ein paar Runden auf dem Eis schmeckt der heiße Glühwein vom Kiosk doppelt gut.

Genieß die Entschleunigung!
Prag im Januar ist kein Ort für Hast und Hektik, sondern für bewusstes Erleben. Atme die kalte Luft, schau dich in Ruhe um, komm mit den Menschen ins Gespräch. Die Stadt empfängt dich quasi mit offenen Armen – „als würde dich jede Stadt für ein paar Tage nur für sich begrüßen“ beschreibt es ein Reiseblog treffend. Mit etwas Vorbereitung und der richtigen Einstellung wird dein winterlicher Prag-Trip so zu einer persönlichen Auszeit, die noch lange nachklingt. Du wirst nach Hause zurückkehren mit dem Gefühl, Prag ganz anders und vielleicht sogar echter kennengelernt zu haben – in jenem besonderen Licht des Januars, ruhig, tiefgründig und unvergleichlich atmosphärisch.
Viel Freude beim Entdecken – šťastnou cestu! (Gute Reise!)

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