Neuer Königspalast (Nový královský palác)

Der Neue Königspalast (Nový královský palác) bildet den westlichen Teil der Prager Burg (Pražský hrad) und umschließt große Bereiche des Ersten und Zweiten Burghofs. Anders als der Name vermuten lässt, handelt es sich nicht um ein einzelnes, einheitlich errichtetes Gebäude. Der Palast besteht aus mehreren Flügeln und älteren Bauwerken, die über Jahrhunderte erweitert, miteinander verbunden und schließlich hinter einer gemeinsamen Fassade zusammengefasst wurden.

Die Entstehung des Palastkomplexes begann im 16. Jahrhundert, nachdem die Habsburger den mittelalterlichen Alten Königspalast (Starý královský palác) nicht mehr als zeitgemäße Residenz betrachteten. Westlich des alten Palasts entstanden neue Wohnräume, Verbindungsgänge, Stallungen und repräsentative Säle. Besonders stark ausgebaut wurde die Anlage unter Kaiser Rudolf II., der seinen Hof 1583 nach Prag verlegte und die Prager Burg zu einem politischen, kulturellen und wissenschaftlichen Zentrum seines Reiches machen wollte. Für seine umfangreichen Kunst- und Naturaliensammlungen ließ er unter anderem den Nordflügel mit dem Spanischen Saal und der Rudolfsgalerie errichten. 

Sein heutiges äußeres Erscheinungsbild erhielt der Neue Königspalast während der Regierungszeit Maria Theresias. Zwischen 1753 und 1775 wurden die unterschiedlichen älteren Gebäudeteile nach Plänen des Wiener Hofarchitekten Nicola Pacassi vereinheitlicht. Die langen hellen Fassaden mit regelmäßig angeordneten Fenstern, zurückhaltenden Verzierungen und repräsentativen Portalen verbinden spätbarocke Formen mit Elementen des Klassizismus. Bei diesem Umbau entstand auch der feierliche Ehrenhof am heutigen Haupteingang der Prager Burg. 

Zum Palast gehören mehrere besonders bedeutende Räume. Der Spanische Saal (Španělský sál) und die Rudolfsgalerie (Rudolfova galerie) im Nordflügel wurden ursprünglich für die Sammlungen Rudolfs II. geschaffen. Im Südflügel befinden sich zahlreiche historische Empfangsräume, darunter der Thronsaal, der Habsburger Salon, der Spiegelsalon und weitere Repräsentationsräume. Das Matthiastor (Matyášova brána) verbindet den Ersten mit dem Zweiten Burghof und wurde beim theresianischen Umbau in den westlichen Palastflügel integriert. 

Nach der Gründung der Tschechoslowakei im Jahr 1918 wurde die Prager Burg erneut zum Sitz des Staatsoberhaupts. Präsident Tomáš Garrigue Masaryk beauftragte den slowenischen Architekten Jože Plečnik mit der Modernisierung der Burganlage. Plečnik gestaltete unter anderem neue Zugänge, Treppen, Säle, Gärten und Verbindungswege. Zu seinen bekanntesten Arbeiten im Neuen Königspalast gehört die Säulenhalle hinter dem Matthiastor. Spätere Umbauten wurden unter anderem von Otto Rothmayer und Pavel Janák ausgeführt. 

Heute gehört der Neue Königspalast zum Amtssitz des tschechischen Präsidenten. Seine Säle und Salons werden für Staatsempfänge, offizielle Gespräche, Ordensverleihungen, Konzerte und andere bedeutende Veranstaltungen genutzt. Die Repräsentationsräume bilden einen zusammenhängenden Rundgang durch den westlichen, nördlichen, mittleren und südlichen Palastflügel. 

Die meisten Innenräume sind normalerweise nicht öffentlich zugänglich. An besonderen Tagen öffnet die Prager Burg jedoch ausgewählte Repräsentationsräume. Besucher können dann beispielsweise die Säulenhalle, den Rothmayer-Saal, den Spanischen Saal, die Rudolfsgalerie, den Thronsaal und mehrere historische Salons besichtigen. Regulär zugänglich ist dagegen die im Erdgeschoss untergebrachte Gemäldegalerie der Prager Burg (Obrazárna Pražského hradu). Von außen prägen die Fassaden des Neuen Königspalasts vor allem den Ersten und Zweiten Burghof sowie die Südseite der Burganlage.