Prag ist bekannt für die Karlsbrücke, die Prager Burg, den Altstädter Ring und seine jahrhundertealte Architektur. Doch zwischen den großen Sehenswürdigkeiten verbirgt sich noch eine ganz andere Seite der tschechischen Hauptstadt. Riesige Babys klettern einen Fernsehturm hinauf, ein Heiliger sitzt auf einem toten Pferd, in einer Kirche hängt eine menschliche Hand und unter einem Luxushotel versteckt sich ein ehemaliger Atombunker. Manche dieser Prager Kuriositäten liegen mitten im historischen Zentrum und werden trotzdem leicht übersehen. Für andere musst du die üblichen Touristenrouten verlassen und Stadtteile wie Karlín, Ruzyně, Nebušice oder Bubeneč entdecken. Hier findest du absolut kuriose Orte in Prag, ungewöhnliche Kunstwerke, versteckte Details, historische Legenden und technische Raritäten, die die Stadt von einer etwas anderen Seite zeigen.
Skurrile Kunst und ungewöhnliche Skulpturen
1. Drehender Franz-Kafka-Kopf
Direkt am Einkaufszentrum Quadrio steht eines der bekanntesten modernen Kunstwerke Prags. Der monumentale Franz-Kafka-Kopf (Hlava Franze Kafky) von David Černý besteht aus zahlreichen horizontalen Edelstahlebenen, die sich unabhängig voneinander bewegen können.
Dadurch zerfällt Kafkas Gesicht immer wieder und setzt sich anschließend neu zusammen. Die spiegelnde Oberfläche reflektiert gleichzeitig Gebäude, Passanten und den Himmel. Besonders interessant ist die Skulptur während einer Bewegungssequenz.

2. Pinkelnde Männer vor der Herget-Ziegelei
Im Hof der ehemaligen Herget-Ziegelei (Hergetova cihelna) auf der Kleinseite stehen zwei bronzene Männer, die in ein Wasserbecken urinieren.
Das Werk Proudy, häufig einfach als die „Pinkelnden Figuren“ bezeichnet, stammt ebenfalls von David Černý. Besonders ungewöhnlich ist das Becken unter den Figuren: Es besitzt die Form der Tschechischen Republik.
Die beiden etwa lebensgroßen Figuren bewegen Hüften und Unterkörper, wodurch sich auch die Wasserstrahlen verändern.

3. Riesige Babys auf der Kampa
Im Park der Kampa liegen und krabbeln drei überdimensionale bronzene Babys. Auch sie stammen von David Černý.
Anstelle normaler Gesichter besitzen die Figuren auffällige, eingedrückte Strukturen. Ähnliche Babys findest du am Fernsehturm Žižkov (Žižkovský vysílač), an dessen Fassade sie scheinbar nach oben und unten krabbeln.
Die Babys auf der Kampa kannst du dagegen aus nächster Nähe betrachten.
4. Lilith – die riesige Frau in Karlín
Zwischen moderner Architektur in Karlín lehnt seit 2022 eine gigantische Frauenfigur an einem Gebäude des Projekts Fragment.
Die glänzende Skulptur Lilith von David Černý ist rund 24 Meter hoch und wiegt etwa 35 Tonnen. Besonders ungewöhnlich ist ihr beweglicher Kopf.
Durch ihre Dimensionen wirkt die Figur aus der Ferne fast wie ein Teil des Gebäudes. Erst wenn du direkt davorstehst, wird deutlich, wie groß das Kunstwerk tatsächlich ist.
5. Der umgedrehte Wenzel in der Lucerna-Passage
In der Lucerna-Passage (Pasáž Lucerna) hängt eine der bekanntesten satirischen Skulpturen Prags von der Decke.
Sie zeigt den heiligen Wenzel auf einem Pferd – allerdings nicht in der heroischen Pose, die du vom Wenzelsplatz kennst. Das Pferd hängt tot und kopfüber von der Decke, während Wenzel auf dessen Bauch sitzt.
David Černýs Werk Svatý Václav spielt deutlich mit dem berühmten Reiterdenkmal auf dem nahe gelegenen Wenzelsplatz (Václavské náměstí).

6. Franz Kafka auf einem leeren Anzug
Ein weiteres ungewöhnliches Kafka-Denkmal steht unweit der Spanischen Synagoge (Španělská synagoga).
Der Bildhauer Jaroslav Róna stellte Franz Kafka als kleine Figur dar, die auf den Schultern eines riesigen kopflosen Mannes sitzt. Der Körper unter Kafka wirkt dabei wie ein leerer Anzug.
Die ungewöhnliche Darstellung greift Motive aus Kafkas Erzählung „Beschreibung eines Kampfes“ auf und passt damit erstaunlich gut zu seiner oft surreal wirkenden literarischen Welt.

7. Bruncvík an der Karlsbrücke
Die meisten Besucher der Karlsbrücke (Karlův most) betrachten vor allem die großen Heiligenstatuen auf dem Brückengeländer.
Eine kleinere Figur wird dagegen häufig übersehen: Bruncvík steht auf einem Brückenpfeiler an der Seite zur Insel Kampa.
Der sagenhafte böhmische Ritter soll auf seinen Reisen zahlreiche Abenteuer erlebt haben. Einer Legende zufolge brachte er einen Löwen nach Böhmen, der später zum Symbol des böhmischen Wappens wurde.

8. Die Schwarze Madonna
An einer Ecke des berühmten kubistischen Hauses zur Schwarzen Muttergottes (Dům U Černé Matky Boží) befindet sich eine kleine schwarze Marienfigur.
Das historische Hauszeichen ist deutlich älter als das kubistische Gebäude selbst und gab dem Haus seinen heutigen Namen.
Gerade dieser Kontrast macht den Ort interessant: eine barock wirkende Madonna an einem der bedeutendsten Beispiele des Prager Kubismus.
9. Schwebende Menschen mit Regenschirmen
In der Straße Na Zbořenci lohnt sich der Blick nach oben.
Dort schweben ein Mann und eine Frau scheinbar nur an Regenschirmen befestigt über der Straße. Die Installation trägt den Namen Leichte Unsicherheit (Lehká nejistota) und stammt vom tschechischen Künstler Michal Trpák.
Je nach Blickwinkel wirken die Figuren tatsächlich so, als würden sie vom Wind davongetragen.
10. Das riesige Metronom auf der Letná
Über der Moldau bewegt sich auf der Letná ein gigantisches Metronom langsam von einer Seite zur anderen.
Das Kunstwerk Stroj času, auf Deutsch „Zeitmaschine“, wurde 1991 aufgestellt. Besonders symbolträchtig ist sein Standort: Genau hier befand sich früher das monumentale Stalin-Denkmal, das 1962 gesprengt wurde.
Heute gehört der Platz rund um das Metronom zu den beliebten Aussichtspunkten über die Moldau und die Prager Altstadt.

11. Die gelben Pinguine auf der Kampa
Nicht weit vom Museum Kampa steht im Wasser eine ganze Reihe leuchtend gelber Pinguine.
Die insgesamt 34 Figuren wirken besonders nach Einbruch der Dunkelheit ungewöhnlich, wenn sie beleuchtet werden.
Die Installation entstand aus wiederverwertetem Kunststoff und verbindet den verspielten Anblick mit einem Hinweis auf Umweltprobleme und den Umgang mit Plastik.

12. Václav Havel aus Tausenden Gegenständen
Im Václav-Havel-Flughafen Prag (Letiště Václava Havla Praha) befindet sich ein ungewöhnliches Porträt des ehemaligen tschechischen Präsidenten.
Die Installation besteht aus einer großen Zahl einzelner Gegenstände, die mit Havels Leben, seiner Arbeit und seiner Zeit verbunden sind.
Erst aus dem richtigen Blickwinkel fügen sich die scheinbar ungeordneten Objekte zu einem erkennbaren Porträt zusammen.
Versteckte Details, Legenden und geheimnisvolle Orte
13. Die schmalste Gasse Prags
Zwischen der Straße U Lužického semináře und der Čertovka befindet sich ein extrem schmaler Durchgang, der zu den bekanntesten Kuriositäten der Kleinseite gehört.
Die Passage ist an ihrer engsten Stelle so schmal, dass zwei Menschen kaum aneinander vorbeikommen. Berühmt wurde sie vor allem durch ihre Fußgängerampel.
Wegen des starken Besucherandrangs wurde die Wegeführung 2026 verändert. Der Durchgang ist deshalb nicht mehr ganz so unkompliziert nutzbar wie auf älteren Fotos und Reiseberichten.

14. Das kleinste Haus Prags
In der Anežská-Straße steht eine ungewöhnlich schmale Hausfassade.
Sie misst lediglich ungefähr 2,25 Meter in der Breite und gilt als Überrest des kleinsten historischen Hauses Prags. Das Gebäude entstand im 19. Jahrhundert und soll zeitweise auch als Bordell genutzt worden sein.
Heute existiert von dem ursprünglichen Minihaus hauptsächlich die auffällig schmale Straßenfront, hinter der sich der Zugang zum dahinterliegenden Gebäudekomplex befindet.
15. Die abgehackte Hand in der St.-Jakobs-Basilika
Eine der makabersten Kuriositäten Prags findest du in der St.-Jakobs-Basilika (Bazilika svatého Jakuba Většího) nahe dem Altstädter Ring.
Im Kircheninneren hängt tatsächlich eine vertrocknete menschliche Hand an einer Kette.
Nach einer bekannten Legende gehörte sie einem Dieb, der versucht haben soll, Schmuck von einer Marienfigur zu stehlen. Die Statue habe ihn daraufhin festgehalten, sodass ihm schließlich die Hand abgetrennt werden musste.
16. Der Aal Pepík
In einem Jugendstilgebäude in der Spálená-Straße versteckt sich eine Kuriosität, die viele Passanten nicht erwarten würden.
In einem Wasserbecken unter einer Treppe lebt traditionell ein Aal namens Pepík. Die Geschichte reicht bis ins Jahr 1914 zurück.
Natürlich handelt es sich heute nicht mehr um denselben Aal wie damals. Die Tradition wurde jedoch fortgeführt, und der heutige Bewohner trägt ebenfalls den Namen Pepík.
17. Die Teufelssäule auf dem Vyšehrad
In den Karlach-Gärten (Karlachovy sady) auf dem Vyšehrad liegen drei mächtige Steinsäulen aneinandergelehnt.
Ihre genaue Herkunft ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Besonders bekannt ist jedoch eine Legende, nach der der Teufel persönlich eine Säule aus Rom zum Vyšehrad bringen sollte.
Weil er eine Wette gegen einen Priester verlor, soll er die Säule wütend auf den Boden geschleudert haben, wo sie in mehrere Teile zerbrach.
18. Das Fausthaus am Karlsplatz
Am südlichen Rand des Karlsplatzes (Karlovo náměstí) steht der Mladota-Palast (Mladotovský palác), besser bekannt als Fausthaus.
Mit dem historischen Doktor Faust hat das Gebäude zwar keine direkte Verbindung. Trotzdem entwickelte sich rund um das Haus über Jahrhunderte eine Vielzahl von Geschichten über Alchemie, Magie und ungewöhnliche Experimente.
Dazu trug bei, dass tatsächlich Alchemisten und naturwissenschaftlich interessierte Bewohner mit dem Haus verbunden waren.

19. Neue Welt – ein Dorf hinter der Prager Burg
Nur wenige Minuten vom Hradschiner Platz entfernt verändert sich Prag plötzlich.
Die kleine historische Gegend Neue Welt (Nový Svět) besteht aus verwinkelten Gassen, niedrigen Häusern und ungewöhnlich kleinen Grundstücken.
Der Kontrast zur monumentalen Prager Burg (Pražský hrad) und den großen Palästen des Hradschins ist enorm. Trotz der zentralen Lage wirkt die Neue Welt stellenweise fast wie ein kleines Dorf.

20. Die Alchemisten-Legende des Goldenen Gässchens
Das Goldene Gässchen (Zlatá ulička) gehört zu den bekanntesten Bereichen der Prager Burg.
Sein romantischer Ruf ist allerdings teilweise das Ergebnis späterer Legenden. Besonders verbreitet ist die Geschichte, dass hier Alchemisten für Kaiser Rudolf II. versucht hätten, Gold herzustellen.
Tatsächlich entstanden die kleinen Häuser ursprünglich für Burgwachen und andere Bewohner. Später lebte im Haus Nummer 22 zeitweise auch Franz Kafka.

21. St. Martin in der Mauer
Der Name der Kirche St. Martin in der Mauer (Kostel svatého Martina ve zdi) klingt ungewöhnlich, beschreibt aber tatsächlich ihre Geschichte.
Als die Befestigung der Prager Altstadt errichtet wurde, verlief die Stadtmauer unmittelbar an der bereits bestehenden Kirche entlang.
Ein Teil des Gotteshauses wurde dadurch praktisch Bestandteil der mittelalterlichen Befestigung. Aus dieser Situation entstand der bis heute erhaltene Name.
22. Die historische Mikwe bei der Pinkas-Synagoge
Neben der Pinkas-Synagoge (Pinkasova synagoga) befindet sich ein historisches jüdisches Ritualbad.
Eine Mikwe wird im Judentum für rituelle Reinigungen genutzt und muss traditionell bestimmte Anforderungen an die Wasserversorgung erfüllen.
Die erhaltenen Reste in diesem Bereich der ehemaligen Prager Judenstadt gehören zu den historischen Zeugnissen des jüdischen Lebens in Prag und reichen wahrscheinlich bis in das frühe 16. Jahrhundert zurück.
Technische Raritäten und verborgenes Prag
23. Der Atombunker unter dem Hotel Jalta
Das Hotel Jalta am Wenzelsplatz wirkt von außen wie ein klassisches Hotel der Nachkriegszeit. Unter dem Gebäude verbirgt sich jedoch eine vollkommen andere Welt.
Während des Kalten Krieges wurde dort ein Schutzbunker angelegt, der im Ernstfall ausgewählten Personen Schutz bieten sollte.
Heute befindet sich in den unterirdischen Räumen das Museum des Kalten Krieges (Muzeum studené války). Zu sehen sind unter anderem technische Einrichtungen und Räume aus der Zeit der kommunistischen Tschechoslowakei.
24. Die kleine Standseilbahn Mrázovka
Prag besitzt nicht nur die bekannte Petřín-Seilbahn.
Am NH Collection Prague in Smíchov verbindet eine kleine Standseilbahn beziehungsweise ein Schrägaufzug zwei unterschiedlich hoch gelegene Hotelgebäude.
Die Strecke führt über den Hang des Parks Mrázovka und gehört zu den ungewöhnlichsten Verkehrsanlagen der Stadt. Die Bahn dient in erster Linie dem Hotelbetrieb, ist aber gerade deshalb eine wenig bekannte technische Besonderheit.
25. Der Fußgängertunnel durch den Vítkov
Unter dem Hügel Vítkov führt ein langer Tunnel direkt von Žižkov nach Karlín.
Der Žižkov-Tunnel (Žižkovský tunel) wurde in den 1950er-Jahren eröffnet und ist ausschließlich für Fußgänger und Radfahrer bestimmt.
Die nüchterne, lange Tunnelröhre besitzt eine besondere Atmosphäre. Bei ihrer Planung spielte außerdem die Möglichkeit einer Nutzung als Schutzraum eine Rolle.
26. Die alte Kläranlage in Bubeneč
Eine ehemalige Kläranlage klingt zunächst nicht nach einer Sehenswürdigkeit. Die Alte Kläranlage Bubeneč (Stará čistírna odpadních vod) gehört jedoch zu den interessantesten technischen Denkmälern Prags.
Die Anlage entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach Plänen des Ingenieurs William Heerlein Lindley.
Erhalten sind historische Maschinen, unterirdische Räume, Kanäle und technische Einrichtungen, die zeigen, wie die Abwasserentsorgung der wachsenden Großstadt damals funktionierte.
27. 1.152 Melodien im Heinrichsturm
Der Heinrichsturm (Jindřišská věž) gehört zu den auffälligen historischen Türmen der Prager Neustadt.
Im oberen Bereich befindet sich eine moderne Glockenspielanlage mit mehreren Glocken.
Das Besondere ist die enorme Auswahl: Das System kann aus 1.152 verschiedenen Melodien wählen. Damit verbindet der mittelalterlich wirkende Turm historische Architektur mit vergleichsweise moderner Technik.
28. Eines der ältesten historischen Karussells Europas
Am Rand der Letná-Parks (Letenské sady) vor dem Nationalen Technischen Museum befindet sich ein historisches Karussell aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert.
Die erhaltenen Pläne stammen aus dem Jahr 1892. Seit 1894 befindet sich das Karussell auf der Letná.
Besonders kurios sind die historischen Pferdefiguren, die mit echtem Pferdefell bezogen wurden. Nach einer umfangreichen Restaurierung ist die historische Anlage wieder in Betrieb.
29. Der historische Raddampfer Vltava
Auf der Moldau kannst du noch heute einem technischen Denkmal begegnen, das tatsächlich fährt.
Der historische Raddampfer Vltava wurde 1940 in Betrieb genommen und besitzt die typischen seitlichen Schaufelräder.
Das Schiff gehört zu den letzten historischen Raddampfern dieser Art auf der Moldau und wurde zum Kulturdenkmal erklärt. Es wird weiterhin für Fahrten auf dem Fluss eingesetzt.
30. Der Paternoster im Neuen Rathaus
Im Neuen Rathaus (Nová radnice) am Marienplatz befindet sich ein historischer Paternoster.
Bei dieser Aufzugform bewegen sich offene Kabinen ohne Unterbrechung in einem Kreislauf durch das Gebäude. Passagiere steigen während der langsamen Fahrt ein und aus.
Die Anlage stammt aus dem frühen 20. Jahrhundert und gehört zu den bekanntesten historischen Aufzügen Prags. Die Nutzung ist heute aus Sicherheits- und Besuchsgründen eingeschränkt und nicht mit einem normalen öffentlichen Aufzug vergleichbar.
31. Alte Gewölbe unter den Moldau-Ufern
In den steinernen Ufermauern entlang des Rašín-Ufers (Rašínovo nábřeží) und des gegenüberliegenden Moldauufers befinden sich große runde Gewölberäume.
Früher wurden diese sogenannten Kobky unter anderem als Lager genutzt.
Nach einer umfassenden Umgestaltung befinden sich darin heute Cafés, Kulturorte und andere Einrichtungen. Besonders auffällig sind einige der riesigen runden Glasfronten, die sich vollständig drehen lassen.

Ungewöhnliche Aussichtspunkte und Architektur
32. Aussichtsturm Doubravka XIV
Im Naturpark Čihadla im Osten Prags steht mit der Doubravka XIV einer der ungewöhnlichsten Aussichtstürme der Stadt.
Der Architekt Martin Rajniš entwarf eine Konstruktion aus drei großen, gebogenen Beinen aus Akazienholz.
Der Turm erreicht eine Höhe von rund 23,5 Metern. Über 98 Stufen gelangst du zur Aussichtsplattform und bekommst einen Blick auf eine Seite Prags, die mit dem historischen Zentrum nur wenig gemeinsam hat.
33. Das Nebušicer Auge
Am Stadtrand von Prag befindet sich ein riesiges hölzernes Auge in der Landschaft.
Das Nebušicer Auge (Nebušické oko) ist Aussichtspunkt, Kunstobjekt und Rahmen für den Blick in die Landschaft zugleich.
Die Konstruktion entstand aus einem Projekt von Architekturstudenten. Je nach Position kannst du durch die Öffnung schauen, die Landschaft fotografisch einrahmen oder das Objekt einfach als ungewöhnliche Skulptur wahrnehmen.
34. Aussichtsturm Babylon in Nebušice
Noch jünger ist eine weitere kleine Aussichtskonstruktion in Nebušice.
Der Aussichtsturm Babylon (Rozhledna Babylon) wurde 2025 eröffnet und ist mit knapp acht Metern Höhe deutlich kleiner als klassische Aussichtstürme.
Gerade seine spiralförmige Konstruktion und die vergleichsweise geringe Höhe machen ihn ungewöhnlich. Das Projekt geht auf studentische Entwürfe zurück und verbindet Landschaftsarchitektur mit einem kleinen Ausflugsziel am Stadtrand.
35. Der Tafelberg Vidoule
Prag besitzt sogar einen eigenen Tafelberg.
Die Vidoule in Jinonice erreicht etwa 371 Meter über dem Meeresspiegel und besitzt ein auffallend flaches Plateau.
Die geologische Form entstand aus widerstandsfähigen Gesteinsschichten, während das umliegende Gelände über lange Zeiträume durch Erosion abgetragen wurde. Dadurch hebt sich der Berg mit seiner nahezu ebenen Oberseite deutlich von der Umgebung ab.
36. Fernsehturm Žižkov mit krabbelnden Babys
Mit einer Höhe von rund 216 Metern ist der Fernsehturm Žižkov (Žižkovský vysílač) die höchste Konstruktion Prags.
Sein futuristisches Aussehen sorgte bereits nach seiner Errichtung für Diskussionen. Noch ungewöhnlicher wurde der Turm durch David Černýs riesige Babys, die scheinbar an den Pfeilern nach oben und unten krabbeln.
Von der Aussichtsplattform bekommst du einen weiten Blick über Prag.

37. Eine der größten Reiterstatuen der Welt
Auf dem Vítkov sitzt der Heerführer Jan Žižka auf einem monumentalen Pferd.
Das Reiterdenkmal Jan Žižka (Jezdecká socha Jana Žižky) gehört zu den größten Reiterstatuen der Welt.
Die monumentale Bronzeplastik wurde 1950 enthüllt und steht vor dem Nationaldenkmal auf dem Vítkov. Besonders aus der Nähe werden die enormen Dimensionen von Pferd und Reiter deutlich.

38. Marolds Panorama der Schlacht bei Lipany
Auf dem Prager Ausstellungsgelände (Výstaviště Praha) befindet sich ein Gemälde, das du nicht einfach von vorne an einer Wand betrachtest.
Das Marold-Panorama zeigt die Schlacht bei Lipany von 1434 als monumentales Rundbild.
Die Kombination aus riesigem Gemälde, räumlicher Inszenierung und vorgelagerten Objekten erzeugt den Eindruck, mitten im historischen Geschehen zu stehen. Es gilt als größtes Gemälde Tschechiens.
39. Ein Luftschiff auf dem Dach des DOX
Auf dem Dach des Zentrums für zeitgenössische Kunst DOX in Holešovice scheint ein riesiges hölzernes Luftschiff gelandet zu sein.
Die Konstruktion trägt den Namen Gulliver und misst mehr als 40 Meter in der Länge.
Das Luftschiff ist keine technische Attrappe, sondern ein begehbarer Veranstaltungsraum. Vor allem Lesungen und Veranstaltungen rund um Literatur finden im Inneren statt.

Street Art und überraschende Details im Stadtbild
40. 700 Meter Street Art in Ruzyně
Seit 2026 besitzt Prag eine der größten zusammenhängenden Street-Art-Flächen der Stadt.
Der Mural Ruzyně erstreckt sich entlang einer mehr als 700 Meter langen Betonwand in der Vlastina-Straße. Rund 30 Künstler aus Tschechien und dem Ausland beteiligten sich an dem Projekt.
Auf einer Fläche von ungefähr 1.800 Quadratmetern entstand damit eine riesige Galerie unter freiem Himmel. Die Arbeiten wurden im Sommer 2026 fertiggestellt.
41. Operation Anthropoid als Street-Art-Comic
An einer langen Mauer nahe der Haltestelle Vychovatelna wird eine der wichtigsten Ereignisse der tschechoslowakischen Geschichte als Street Art erzählt.
Der rund 80 Meter lange Mural beschäftigt sich mit der Operation Anthropoid, dem Attentat auf Reinhard Heydrich im Jahr 1942.
Die einzelnen Bilder funktionieren wie ein überdimensionaler Comic und erzählen den Ablauf von der Ankunft der Fallschirmjäger bis zum letzten Kampf in der Krypta der Kirche St. Cyrill und Method.
42. Die gespiegelte Kathedrale in Podolí
Im Antonín-Engel-Park bei der Wasseranlage Podolí befindet sich seit 2024 eine großflächige 3D-Malerei.
Das Werk spielt mit der Architektur der Umgebung und erzeugt aus bestimmten Blickwinkeln eine optische Illusion.
Gerade beim Fotografieren entsteht der Eindruck, dass reale Architektur und gemalte Elemente ineinander übergehen.
43. Verzerrte Spiegel am Žižkov-Tunnel
Am Ausgang des Žižkov-Tunnels auf dem Tachov-Platz (Tachovské náměstí) steht die Installation Reflexe – Spiegelung (reflexe_zrcadlení).
Große polierte Edelstahlflächen funktionieren wie verzerrte Spiegel.
Gebäude, Menschen und der Platz selbst erscheinen darin gestaucht, gedehnt oder gekrümmt. Dadurch verändert sich die Installation ständig – abhängig davon, wer gerade davorsteht.
44. Rote geflügelte Hirsche über einer Passage
Zwischen den Straßen V Celnici und Hybernská verläuft die moderne St.-Hubert-Gasse (Ulička svatého Huberta).
Besonders auffällig sind zwei große rote Hirsche mit Flügeln, die über den Köpfen der Passanten schweben.
Die Figuren geben der ansonsten modernen Verbindung zwischen den Gebäuden einen beinahe surrealen Charakter.
45. Die kubistische Straßenlaterne am Jungmannplatz
Prag ist eine der wenigen Städte, in denen sich der Kubismus nicht nur in Gemälden und Möbeln, sondern auch in Gebäuden und Alltagsobjekten wiederfindet.
Ein besonders kleines Beispiel steht am Jungmannplatz (Jungmannovo náměstí).
Die historische kubistische Straßenlaterne (Kubistická lampa) wurde nach einem Entwurf des Architekten Emil Králíček geschaffen. Selbst Mast, Sockel und Laternenkörper folgen der kantigen Formensprache des Kubismus.
Noch mehr ungewöhnliche Orte mitten in Prag
46. Ein unendlicher Turm aus Büchern
Direkt im Eingangsbereich der Stadtbibliothek Prag (Městská knihovna v Praze) steht eines der beliebtesten Kunstwerke der Innenstadt.
Die Installation Idiom des slowakischen Künstlers Matej Krén besteht aus Tausenden übereinandergestapelten Büchern.
Durch eine Öffnung kannst du ins Innere schauen. Spiegel am oberen und unteren Ende erzeugen dabei die Illusion eines scheinbar unendlich tiefen Büchertunnels.
47. Čertovka – der Kanal der Prager Kleinseite
Zwischen der Kampa und der Kleinseite fließt ein schmaler Wasserarm der Moldau.
Die Čertovka wurde über Jahrhunderte als Mühlkanal genutzt. Noch heute erinnern alte Mühlräder an diese Vergangenheit.
Wegen der engen Häuser, Brücken und des Wassers wird die Gegend gelegentlich als „Prager Venedig“ bezeichnet. Interessanter als der Vergleich ist jedoch die Tatsache, dass mitten im historischen Zentrum ein künstlicher Wasserlauf eine ganze Insel vom übrigen Stadtgebiet trennt.

48. Der Hirschgraben unter der Prager Burg
Direkt unterhalb der mächtigen Mauern der Prager Burg liegt überraschend viel Natur.
Der Hirschgraben (Jelení příkop) ist eine langgezogene natürliche Schlucht, durch die der Bach Brusnice verläuft.
Seinen Namen erhielt das Gebiet, weil hier früher Wild gehalten wurde. Heute bildet der Graben einen ungewöhnlich ruhigen Kontrast zu den stark besuchten Bereichen der Burg. Teile des Areals sind saisonal zugänglich.

49. Der geografische Mittelpunkt Prags
Wo liegt eigentlich die Mitte von Prag?
Ein entsprechend bestimmter geografischer Mittelpunkt befindet sich im Bereich Balkán in Prag 3, unweit eines Spielplatzes.
Natürlich hängt die genaue Mitte einer unregelmäßig geformten Stadt immer davon ab, welche Berechnungsmethode verwendet wird. Gerade deshalb ist der markierte Punkt eine nette Kuriosität für alle, die Prag nicht nur über seine klassischen Sehenswürdigkeiten kennenlernen möchten.
50. Die Lennon-Mauer
Die Lennon-Mauer (Lennonova zeď) auf der Kleinseite ist heute eine farbenfrohe Mischung aus Porträts, Graffiti, Botschaften und Symbolen.
Ihre Bedeutung geht jedoch weit über John Lennon hinaus. Nach dessen Tod 1980 entstanden hier Bilder, Songtexte und politische Botschaften. In der kommunistischen Tschechoslowakei entwickelte sich die Mauer dadurch zu einem Ort des Protests und des Wunsches nach Freiheit.
Bis heute verändert sich ihr Aussehen ständig. Genau deshalb sieht die Lennon-Mauer bei fast jedem Prag-Besuch ein wenig anders aus.
