Masaryčka

Mit ihrer geschwungenen Glasfassade und den auffälligen goldfarbenen Lamellen gehört die Masaryčka zu den markantesten modernen Gebäuden im Zentrum von Prag. Der Büro- und Geschäftskomplex befindet sich direkt neben dem historischen Masaryk-Bahnhof (Masarykovo nádraží) an der Straße Na Florenci. Entworfen wurde die Masaryčka vom international bekannten Architekturbüro Zaha Hadid Architects. Das Gebäude bildet einen starken Kontrast zur historischen Architektur der Prager Innenstadt und zeigt, wie sich Prag auch außerhalb seiner bekannten Altstadt weiterentwickelt.

Rot-weiße Prager Straßenbahn vor dem Masaryčka-Gebäude und dem Masaryk-Bahnhof
Eine Straßenbahn fährt vor dem modernen Masaryčka-Gebäude am Masaryk-Bahnhof in Prag.

Moderne Architektur zwischen Altstadt und Florenc

Die Masaryčka liegt am östlichen Rand des historischen Stadtzentrums zwischen dem Masaryk-Bahnhof und dem Stadtteil Florenc. Nur wenige Gehminuten entfernt befinden sich unter anderem der Platz der Republik (Náměstí Republiky), der Pulverturm und das Gemeindehaus.

Über viele Jahre war das Gebiet entlang der Bahngleise vor allem durch Verkehrsflächen und wenig genutzte Grundstücke geprägt. Mit der Entwicklung der Masaryčka begann eine umfassendere Umgestaltung des gesamten Bahnhofsumfelds.

Dabei geht es nicht nur um neue Gebäude. Das Gebiet soll stärker mit den umliegenden Straßen und Stadtvierteln verbunden werden. Neue öffentliche Flächen und Fußwege sollen die bisher teilweise trennende Wirkung der Bahnanlagen verringern.

Entwurf von Zaha Hadid Architects

Die Planung der Masaryčka stammt von Zaha Hadid Architects, einem der international bekanntesten Büros für zeitgenössische Architektur. Die britisch-irakische Architektin Zaha Hadid war für dynamische Formen, fließende Linien und futuristisch wirkende Gebäude bekannt.

Auch die Masaryčka trägt deutlich diese gestalterische Handschrift.

Statt einer geraden, gleichförmigen Fassade besteht der Komplex aus unterschiedlich geformten Baukörpern mit geschwungenen Übergängen. Besonders auffällig ist die Seite in Richtung Masaryk-Bahnhof, an der sich die Fassadenelemente zu einer beinahe skulptural wirkenden Spitze verdichten.

Das Gebäude wurde 2023 fertiggestellt.

Die goldene Fassade der Masaryčka

Das bekannteste Merkmal der Masaryčka sind die zahlreichen goldfarbenen Fassadenlamellen.

Sie verleihen dem Gebäude je nach Tageszeit ein unterschiedliches Erscheinungsbild. Bei direktem Sonnenlicht wirken die Metallflächen hell und glänzend, während sie bei bedecktem Himmel deutlich zurückhaltender erscheinen.

Die Lamellen erfüllen gleichzeitig eine praktische Aufgabe. Sie dienen teilweise als Sonnenschutz für die großen Glasflächen und helfen dabei, den Wärmeeintrag in das Gebäude zu reduzieren.

Richtung Prager Innenstadt verändert sich die Fassadengestaltung zunehmend von horizontalen zu vertikalen Linien. Diese Gestaltung soll einen Übergang zur historischen Stadtsilhouette mit ihren zahlreichen Türmen und schmalen Fassaden schaffen.

Gerade dieser Kontrast macht die Masaryčka architektonisch interessant: moderne Glasflächen und Metall treffen unmittelbar auf einen historischen Bahnhof aus dem 19. Jahrhundert.

Büros, Geschäfte und Gastronomie

Die Masaryčka ist kein klassisches touristisches Gebäude, sondern vor allem ein moderner Bürokomplex.

In den oberen Etagen befinden sich Büroflächen, während Teile der unteren Geschosse öffentlich zugänglich sind. Hier sind unter anderem Geschäfte, Cafés und gastronomische Angebote untergebracht.

Zwischen den Gebäudeteilen und entlang der Straßen entstanden neue öffentliche Flächen. Besonders die kleine Platzfläche auf der Seite des Masaryk-Bahnhofs trägt dazu bei, dass der Neubau nicht vollständig vom öffentlichen Stadtraum getrennt ist.

Auch mehrere Terrassen und begrünte Dachflächen gehören zum architektonischen Konzept.

Nachhaltigkeit als Teil des Gebäudekonzepts

Bei der Planung spielte auch die Energieeffizienz eine wichtige Rolle.

Zur technischen Ausstattung gehören unter anderem moderne Lüftungs- und Wärmerückgewinnungssysteme sowie eine intelligente Gebäudesteuerung. Regenwasser und teilweise auch aufbereitetes Brauchwasser werden für verschiedene Zwecke innerhalb des Gebäudekomplexes genutzt.

Begrünte Dachflächen und Terrassen sollen außerdem das Mikroklima verbessern und zusätzliche Grünflächen innerhalb der dicht bebauten Innenstadt schaffen.

Die gemeinschaftlich genutzten begrünten Terrassen wurden bereits für ihre Gestaltung ausgezeichnet.

Der Masaryk-Bahnhof als historischer Nachbar

Besonders spannend ist die Lage der Masaryčka direkt neben dem Masaryk-Bahnhof (Masarykovo nádraží).

Der Bahnhof wurde bereits 1845 eröffnet und gehört zu den ältesten erhaltenen Bahnhöfen Prags. Teile der historischen Bahnhofsgebäude stammen noch aus der Zeit der frühen Eisenbahnentwicklung in der Habsburgermonarchie.

Damit liegen hier zwei völlig unterschiedliche Epochen der Prager Architektur unmittelbar nebeneinander.

Auf der einen Seite stehen die historischen Bahnhofsgebäude des 19. Jahrhunderts, auf der anderen Seite die geschwungenen Glas- und Metallfassaden des 21. Jahrhunderts.

Gerade für Besucher, die sich für Architektur interessieren, lohnt sich deshalb ein kurzer Spaziergang durch das Gebiet.

Ein neues Gesicht für das Bahnhofsviertel

Die Masaryčka ist Teil eines größeren Stadtentwicklungsprojekts rund um den Masaryk-Bahnhof.

Langfristig soll das Gebiet besser mit den umliegenden Vierteln verbunden werden. Dazu gehören zusätzliche Fußwege, öffentliche Räume und eine neue Überbauung beziehungsweise Verbindung über Teile der Bahngleise.

Die Masaryčka übernimmt dabei gewissermaßen die Rolle eines neuen Eingangspunkts in das Quartier.

Wer heute von Florenc in Richtung Innenstadt läuft, sieht das Gebäude bereits aus einiger Entfernung. Besonders die goldene Stirnseite ist inzwischen zu einem auffälligen Orientierungspunkt zwischen Bahnhof, Na Florenci und Havlíčkova geworden.

Masaryčka als Fotomotiv

Auch wenn die Masaryčka keine klassische Sehenswürdigkeit mit Aussichtsterrasse oder Museum ist, lohnt sich ein kurzer Abstecher.

Interessant ist vor allem die Architektur von außen. Je nach Blickwinkel verändert sich die Wirkung der Fassade deutlich.

Besonders gut lässt sich der Kontrast zwischen Alt und Neu auf der Seite des Masaryk-Bahnhofs erkennen. Dort stehen sich der historische Bahnhof und die moderne Architektur praktisch unmittelbar gegenüber.

Auch entlang der Straße Na Florenci ergeben sich interessante Perspektiven auf die geschwungenen Fassaden und die goldfarbenen Lamellen.

Am frühen Morgen oder am späten Nachmittag sorgt das seitliche Sonnenlicht häufig dafür, dass die Metallfassade besonders plastisch wirkt.

Masaryčka bei einem Spaziergang durch Prag entdecken

Die Masaryčka lässt sich unkompliziert in einen Spaziergang durch das östliche Zentrum integrieren.

Vom Platz der Republik (Náměstí Republiky) erreichst du das Gebäude in wenigen Minuten. Von dort kannst du anschließend weiter Richtung Florenc oder durch die Straßen der Prager Neustadt laufen.

Auch ein kurzer Blick in den historischen Masaryk-Bahnhof lohnt sich. So lässt sich innerhalb weniger Minuten nachvollziehen, wie unterschiedlich Prag im 19. und 21. Jahrhundert mit Architektur und Verkehrsbauten umgeht.

Die Masaryčka ist damit vor allem für Besucher interessant, die neben Karlsbrücke, Prager Burg und Altstadt auch die moderne Seite der Stadt kennenlernen möchten.

Modernes Masaryčka-Gebäude mit goldener Lamellenfassade nahe dem Masaryk-Bahnhof in Prag
Das moderne Masaryčka-Gebäude mit goldener Lamellenfassade nahe dem Masaryk-Bahnhof in Prag.