Die Teynkirche; tschechisch Chrám Matky Boží před Týnem, zählt zu den bekanntesten Wahrzeichen Prags und gilt als einer der eindrucksvollsten gotischen Sakralbauten der Stadt. Mit ihren markanten Doppeltürmen prägt sie seit Jahrhunderten das Bild des Altstädter Rings. Trotz ihrer monumentalen Erscheinung liegt die Kirche leicht zurückversetzt und ist teilweise zwischen den umliegenden Gassen verborgen. Errichtet wurde die Teynkirche von der Mitte des 14. Jahrhunderts bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts. Während die äußere Gestalt bis heute stark von der Gotik geprägt ist, wurde der Innenraum Ende des 17. Jahrhunderts im Barockstil umgestaltet. Besonders in den Abendstunden entfaltet die Kirche eine besondere Wirkung, wenn ihre Fassade stimmungsvoll beleuchtet wird und sie majestätisch über dem Platz zu wachen scheint.
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Architektur und Erscheinungsbild
Die Teynkirche ist ein herausragendes Beispiel gotischer Sakralarchitektur und prägt mit ihren zwei rund 80 Meter hohen Türmen seit Jahrhunderten das Prager Stadtbild. Auf den ersten Blick wirken die Türme nahezu identisch, bei genauerem Hinsehen zeigen sich jedoch feine Unterschiede in Proportion und Gestaltung. Diese Asymmetrie wird traditionell als „Adam-und-Eva“-Motiv gedeutet: Einer der Türme ist etwas breiter als der andere und symbolisiert damit männliche und weibliche Prinzipien. Zahlreiche Zinnen, Fialen und kleine Turmspitzen verleihen den Türmen ein kraftvolles, markantes Profil, das sich eindrucksvoll vom Himmel über der Altstadt abhebt.
Die Fassade der Kirche ist reich gestaltet und wird von einem hohen gotischen Giebel dominiert. Charakteristisch sind die großen gotischen Maßwerkfenster, durch die Tageslicht in den Innenraum fällt. Im Zentrum des Giebels befindet sich eine vergoldete Figur der Jungfrau Maria, die nach der Rekatholisierung im 17. Jahrhundert angebracht wurde und das zentrale religiöse Thema der Kirche unterstreicht. Insgesamt verbindet das äußere Erscheinungsbild der Teynkirche monumentale Strenge mit filigranen Details und macht sie zu einem der eindrucksvollsten Bauwerke am Altstädter Ring.

Geschichte der Teynkirche
Die Geschichte der Teynkirche reicht bis in die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts zurück. Der Bau begann um 1365, in einer Phase, in der Prag zunehmend an Bedeutung als religiöses, politisches und kulturelles Zentrum Mitteleuropas gewann. Errichtet wurde die Kirche an der Stelle eines älteren Sakralbaus, der vermutlich romanischen Ursprungs war. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich die Teynkirche zu einem zentralen Ort des religiösen Lebens in der Prager Altstadt und spielte eine wichtige Rolle in den historischen Umbrüchen Böhmens.
Ein besonders prägendes Kapitel ist die Hussitenzeit im 15. Jahrhundert. Die Teynkirche wurde damals zu einem geistlichen Mittelpunkt der reformatorischen Bewegung, die sich auf die Lehren von Jan Hus berief. In dieser Zeit stand sie sinnbildlich für das Streben nach religiöser Eigenständigkeit und für den Widerstand gegen den Einfluss der römisch-katholischen Kirche. Die Kirche entwickelte sich zu einer Hochburg der tschechischen Reformationsbewegung und gewann weit über Prag hinaus Bedeutung.
Nach der Niederlage der böhmischen Stände in der Schlacht am Weißen Berg im Jahr 1620 begann die Phase der Rekatholisierung. Die Teynkirche wurde erneut dem katholischen Glauben unterstellt, und zahlreiche hussitische Symbole wurden entfernt oder ersetzt. Im Zuge dieser Entwicklung erhielt der Innenraum im späten 17. Jahrhundert seine bis heute prägende barocke Gestalt, die den konfessionellen und politischen Wandel jener Zeit widerspiegelt.

Innenraum der Teynkirche
Der Innenraum der Teynkirche steht der monumentalen äußeren Erscheinung in nichts nach. Das hohe gotische Gewölbe spannt sich über das breite Kirchenschiff und erzeugt eine feierliche, fast mystische Atmosphäre. Die Ausstattung vereint Elemente aus Gotik, Renaissance und Barock und spiegelt damit die lange Bau- und Nutzungsgeschichte der Kirche sowie die wechselnden kunsthistorischen Epochen wider.
Im Mittelpunkt des Innenraums steht der barocke Hochaltar aus dem 17. Jahrhundert. Er zeigt eine Darstellung der Jungfrau Maria, umgeben von Engeln, und ist reich mit vergoldeten Schnitzereien verziert. In seiner opulenten Gestaltung verkörpert der Altar die Phase der Rekatholisierung nach dem Ende der hussitischen Bewegung und gilt als bedeutendes Zeugnis des katholischen Selbstverständnisses in Böhmen.
Die Teynkirche beherbergt zudem zahlreiche kunsthistorisch wertvolle Grabmäler, Epitaphe und Gemälde. Besonders bekannt ist sie als letzte Ruhestätte des dänischen Astronomen Tycho Brahe, der im späten 16. Jahrhundert am Hof von Kaiser Rudolf II. in Prag wirkte. Sein Grab befindet sich im Kirchenschiff und zieht bis heute Besucher an, die sich für Wissenschafts- und Kulturgeschichte interessieren.
Ein weiteres herausragendes Kunstwerk ist die gotische Madonna von Týn, eine Holzskulptur der Jungfrau Maria aus dem 15. Jahrhundert. Sie zählt zu den bedeutendsten Beispielen gotischer Schnitzkunst in Prag und unterstreicht den hohen künstlerischen Rang der Ausstattung der Teynkirche.

Die Astronomische Uhr und die Verbindung zur Teynkirche
Die Teynkirche befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Prager Astronomische Uhr am Altstädter Rathaus. Diese räumliche Nachbarschaft ist nicht zufällig und spiegelt die historische Struktur des Altstädter Rings wider, in dem religiöse, politische und wirtschaftliche Funktionen eng miteinander verflochten waren.
Während die Astronomische Uhr Zeit, Kalender und kosmische Ordnung darstellt, verkörpert die Teynkirche den spirituellen Mittelpunkt des Platzes. Die aufwendigen Darstellungen von Tierkreiszeichen, astronomischen Zyklen und kirchlichen Feiertagen an der Uhr stehen in einem sinnbildlichen Zusammenhang mit der religiösen Weltdeutung des Mittelalters, in der Zeitrechnung, Glaube und Kosmos als untrennbar verbunden galten. Gemeinsam prägen beide Bauwerke bis heute das historische und kulturelle Selbstverständnis der Prager Altstadt.

Öffnungszeiten und Eintritt
Die Teynkirche ist für Besucher zugänglich, allerdings nur zu festgelegten Besichtigungszeiten, da sie weiterhin als aktive Pfarrkirche genutzt wird. Die Öffnungszeiten können je nach Jahreszeit, Gottesdiensten und kirchlichen Feiertagen variieren. In der Regel ist die Kirche dienstags bis samstags zu bestimmten Zeitfenstern am Vormittag und am Nachmittag geöffnet, sonntags meist nur eingeschränkt, montags häufig gar nicht für Besichtigungen.
Der Eintritt in den Innenraum ist grundsätzlich kostenlos, es wird jedoch um eine freiwillige Spende gebeten, die dem Erhalt des Bauwerks dient. Für Konzerte, besondere Veranstaltungen oder geführte Besichtigungen kann ein Eintritt erhoben werden. Fotografieren ist im Inneren nur eingeschränkt und ohne Blitz erlaubt und sollte stets respektvoll erfolgen, insbesondere während religiöser Handlungen.

Weitere Infos über die Teynkirche in Prag
Themenüberblick:
- Die Teynkirche in Prag – Ein gotisches Wahrzeichen voller Geschichte und Geheimnisse
- Von der Spitalkapelle zur Hussitenhochburg
- Architektur: Gotische Türme und verborgene Portale
- Barocker Glanz im gotischen Gewand: Innenraum und Kunstwerke
- Grabstätten, Legenden und verborgene Schätze
- Tipps für deinen Besuch
Die Teynkirche in Prag – Ein gotisches Wahrzeichen voller Geschichte und Geheimnisse
Am Altstädter Ring in Prag, mitten im lebendigen Treiben der Stadt, bleiben die Blicke fast automatisch an zwei dunklen, spitz aufragenden Türmen hängen. Gerade in der Dämmerung – oder zur Weihnachtszeit, wenn der Markt den Platz in goldenes Licht taucht – entfaltet die Teynkirche ihre ganze märchenhafte Schönheit. Die Westfassade mit den beiden knapp 80 Meter hohen Türmen am Rande des Platzes ist eines der berühmten Wahrzeichen der Stadt. Hinter den malerischen Giebeln der umliegenden Häuser verborgen ragen „Adam“ und „Eva“ – so heißen die ungleichen Türme – in den Himmel. Ihren Namen verdankt die Teynkirche ihrer Lage „vor dem Týn“, dem historischen ummauerten Handelshof (deutsch Ungelt), wo einst fremde Kaufleute Schutz, Unterkunft und Zollstation fanden. Dieses einzigartige Gotteshaus vereint imposante Gotik mit faszinierender Geschichte – treten wir ein und entdecken die Geheimnisse der Teynkirche!

Von der Spitalkapelle zur Hussitenhochburg
Wo heute die Teynkirche steht, befand sich bereits im 12. Jahrhundert eine kleine romanische Spitalkapelle, die der Jungfrau Maria geweiht war. Sie gehörte zum Hospital des Ungelt-Hofs, wo Händler aus fernen Ländern versorgt wurden. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts ersetzte man diese Kapelle durch eine frühgotische Kirche, die allerdings nur etwa ein Drittel der Größe der heutigen Teynkirche hatte. Prediger wie Konrad Waldhauser und Jan Milíč von Kremsier nutzten diese Kirche im 14. Jahrhundert, um Missstände in der Kirche anzuprangern. Ab ca. 1360 begannen wohlhabende Prager Bürgerfamilien schließlich mit dem großzügigen Neubau im hochgotischen Stil. Die neue dreischiffige Basilika sollte die Hauptpfarrkirche der Altstadt werden. Schritt für Schritt wuchs der Bau: Um 1380 standen Chor und Seitenschiffe, bis 1400 war das Kirchenschiff weitgehend fertig ausgestattet. Doch Türme, Dach und Westgiebel fehlten noch – und ihre Vollendung zog sich aus bewegten Gründen in die Länge.
Im 15. Jahrhundert geriet Prag in den Strudel der Hussitenkriege, und die Teynkirche wurde zur Hochburg der gemäßigten Hussiten, der sogenannten Utraquisten. Jan Rokycana, ein Gefährte des Hussitenkönigs Georg von Poděbrad, predigte hier ab 1427 und wurde später in der Krypta der Kirche begraben. Der Bau selbst litt unter den Wirren der Zeit: Der Vollendung des Dachs kam eine düstere Episode in die Quere. Der Überlieferung nach ließ Kaiser Sigismund im Jahr 1437 die bereits bereitliegenden Eichenbalken beschlagnahmen, um daraus Galgen zu errichten. An diesen wurden auf dem Altstädter Ring die letzten Aufständischen um Jan Roháč von Dubá hingerichtet – gut sichtbar für die Gemeinde der Teynkirche. Erst 20 Jahre später konnte man neue Balken beschaffen und den Dachstuhl fertigstellen. Unter König Georg von Poděbrad schließlich wurde die Kirche vollendet: Zwischen 1466 und 1511 erhoben sich die beiden Türme – zunächst der nördliche, dann der etwas höhere südliche Turm. Im Jahr 1483 fand in unmittelbarer Nähe ein historisches Ereignis statt: Genau im Altstädter Rathaus gegenüber, wo heute die Astronomische Uhr thront, wurde Georg Poděbrad feierlich zum König gewählt – ein Zeichen dafür, welche zentrale Rolle die Teynkirche und der Platz in der Geschichte spielten.
Nach den Hussitenkriegen hielten die katholischen Habsburger Einzug in Prag, und damit begann ein neues Kapitel für die Teynkirche. Auf dem fertiggestellten Westgiebel prangten ursprünglich eine Statue König Georgs von Poděbradsowie ein großer vergoldeter Kelch – Symbol der Hussiten und der Abendmahlsgemeinschaft unter beiderlei Gestalt. Unter dem Kelch stand das Motto „Veritas vincit“ („Die Wahrheit siegt“). Doch nach der verlorenen Schlacht am Weißen Berg (1620) tilgte man alle hussitischen Embleme: 1626 wurden die Statue und der Kelch entfernt. An ihrer Stelle erstrahlt seitdem ein Marienbildnis mit Strahlenkranz – geschaffen vom Bildhauer Kaspar Bechteler – und der Kelch wurde ein Teil des Heiligenscheins der Madonna. Damit war die Gegenreformation auch sichtbar an der Fassade der Kirche vollzogen. Ironischerweise setzten die neuen Machthaber gerade im Inneren bald auf prunkvollen Glanz: 1649, kurz nach dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs, stifteten die Prager Bürger einen monumentalen barocken Hauptaltar zu Ehren der Jungfrau Maria. Ein verheerender Blitzschlag löste dann 1679 einen Brand aus, der das Gewölbe des Hauptschiffs zerstörte. Man nutzte die Gelegenheit, das Langhaus niedriger wieder aufzubauen und mit einem barocken Tonnengewölbe zu versehen – ein drastischer Wandel der Innenraumwirkung. Weitere Schicksalsschläge überstand die Kirche mit Geduld: Ein Feuer im Jahr 1819 ließ die Nordturmglocke schmelzen; der Turm wurde bis 1836 restauriert und erhielt eine neue Glocke. Im späten 19. Jahrhundert wurden viele barocke Putzschichten im Zuge eines puristischen Trends abgeklopft, so dass heute das rohe Mauerwerk der Gotik sichtbar ist. Und ein versöhnlicher Epilog folgte erst 2018: Auf Beschluss der tschechischen Bischofskonferenz brachte man wieder einen goldenen Kelch am Giebel an – als symbolisches Zeichen der Aussöhnung zwischen der katholischen Kirche und der Hussiten-Tradition.

Architektur: Gotische Türme und verborgene Portale
Tritt man einen Schritt zurück und betrachtet das Äußere der Teynkirche, so dominieren die Formen der Hochgotik: filigrane Fialen (Ziertürmchen), reich verzierte Maßwerk-Giebel und steil aufragende gotische Helme bestimmen das Bild. Die beiden Türme – ungleiche Zwillinge – erreichen zwar beide etwa 80 Meter Höhe, doch der nördliche Turm (genannt „Eva“) ist etwas massiver als sein Gegenstück „Adam“. Rings um die Achteck-Helme der Türme sind in zwei Ebenen insgesamt acht kleine Spitztürmchen angeordnet, was ihnen ein beinahe märchenhaftes Aussehen verleiht. Zwischen den Turmspitzen leuchtet im Dreiecksgiebel das vergoldete Marienrelief, das heute – nach der Entfernung der Hussiten-Symbole – die Fassade schmückt. Ungewöhnlich für Besucher ist die Lage des Gotteshauses: Es steht etwas versteckt hinter einer Häuserzeile an der Ostseite des Altstädter Rings. Direkt vor der Westfront duckt sich die alte Teyn-Schule (eine frühere Pfarrschule aus dem 13. Jahrhundert) – dadurch ist der Haupteingang der Kirche leicht zu übersehen. Tatsächlich kann man das große Kirchenportal nicht direkt vom Platz sehen, was der Teynkirche einen geheimnisvollen Charme verleiht. Um zur Kirche zu gelangen, musst Du durch einen kleinen Durchgang im Erdgeschoss des Hauses am Altstädter Ring 14 schreiten. Sobald du jedoch den Innenhof betrittst, erhebt sich das gotische Portal vor Dir: Das Nordportal der Teynkirche ist ein Prachtstück der Prager Gotik, reich mit Steinmetzkunst geschmückt. Peter Parler, der Dombaumeister des Veitsdoms, hat hier vermutlich seine Hand im Spiel gehabt. Über dem Spitzbogenportal thront ein großes Tympanon (Bogenfeld) von ca. 1390 mit kunstvollen Reliefs aus der Leidensgeschichte Christi. Dieses kostbare Original-Tympanon wurde aus Schutzgründen durch eine Kopie ersetzt und ist heute in der Nationalgalerie Prag zu bewundern. Auch an der übrigen Fassade finden sich zahllose gotische Details – von Wasserspeiern bis zu Wappenschilden – die vom Stolz der mittelalterlichen Erbauer künden.

Barocker Glanz im gotischen Gewand: Innenraum und Kunstwerke
Betritt man die Teynkirche, umfängt einen ein völlig anderes Ambiente: Barocker Prunk entfaltet sich in dem gotischen Gehäuse. Das Hauptschiff wird von einem mächtigen Tonnengewölbe mit Stichkappen überspannt – ein Ergebnis des Wiederaufbaus nach 1679. Die Seitenschiffe hingegen zeigen noch ihre originalen gotischen Rippengewölbe aus dem 15. Jahrhundert, sodass die Architektur eine spannende Mischung der Stile präsentiert. Viele Besucher sind überrascht, wie harmonisch das Zusammenspiel aus gotischer Struktur und barocker Ausstattung wirkt. Den Blickfang bildet vorn im Chor der Hochaltar, den bereits 1649 die katholischen Bürger als Zeichen des Triumphes des Glaubens errichten ließen. Dieses Hauptaltarretabel – ein frühbarockes Säulenportal – trägt zwei monumentale Gemälde des Barockmalers Karel Škréta von 1649: Mariä Himmelfahrt und die Allerheiligste Dreifaltigkeit. In der ganzen Kirche verteilt finden sich insgesamt 19 Altäre, die teils in der Barockzeit hinzugefügt wurden. Jeder einzelne birgt kostbare Kunstwerke: So steht an einem neugotischen Seitenaltar eine berühmte gotische Holzskulptur, die Madonna von Týn (um 1420), die Maria mit dem Jesuskind darstellt. Am Ende des linken Seitenschiffs sieht man einen Kalvarienberg – eine Darstellung der Kreuzigung Christi – geschaffen vom Meister der Teyn-Kreuzigung zu Beginn des 15. Jahrhunderts. Diese Mischung aus mittelalterlichen und barocken Kunstschätzen macht die Kirche zu einer wahren Schatzkammer: Die Teynkirche ist eine ausgedehnte Galerie von gotischen, Renaissance- und frühbarocken Werken.
Beim Schlendern durch das Kirchenschiff kannst du immer neue Details entdecken. Gleich im Eingangsbereich erhebt sich die achteckige Kanzel aus Stein – ein seltenes Original der Spätgotik. Ihr reich verzierter Baldachin wurde 1493 vom Baumeister Matěj Rejsek geschaffen und gehörte ursprünglich zum Grabmal eines Bischofs. Nicht weit davon steht das älteste Taufbecken Prags: ein großes Zinntaufbecken aus dem Jahr 1414. Seine Seiten zieren zwölf Reliefdarstellungen der Apostel – ein echtes Meisterwerk gotischer Metallkunst. Auch die Kirchenbänke verdienen einen Blick: Zwei original gotische Sitzbänke haben Konsolen in Form von gekrönten Köpfen und entführen dich in längst vergangene Zeiten. Über all dem schwebt der Klang der Orgel, wenn sie ertönt. Die hölzerne Empore dafür ließ man 1670 errichten, und das Instrument selbst stammt von 1673. Diese Orgel – gebaut vom deutschen Meister Hans Heinrich Mundt – gilt als die älteste Orgel Prags. Im Jahr 2000 wurde sie aufwendig restauriert und wieder eingebaut, sodass ihr volltönender barocker Klang den Raum erneut erfüllen kann. So vereint die Teynkirche architektonisch wie klanglich verschiedene Epochen zu einem überwältigenden Gesamterlebnis.
Grabstätten, Legenden und verborgene Schätze
Die Teynkirche birgt nicht nur Kunstwerke, sondern auch so manche Legende unter ihren alten Steinplatten. Insgesamt sind rund 60 Grabsteine in der Kirche dokumentiert – einige sichtbar im Boden, andere inzwischen entfernt oder unkenntlich abgetreten. Zu den bekanntesten Grabstätten gehört die des dänischen Sternforschers Tycho Brahe, der am Hof Kaiser Rudolphs II. in Prag wirkte. Brahe verstarb 1601 und fand seine letzte Ruhe in der Teynkirche, wo sein schlichter Grabstein bis heute Pilger und Wissenschaftsfreunde anzieht. Ganz in der Nähe liegt der Grabstein eines gewissen Wenzel Berka von Dubá (†1575), eines böhmischen Adligen und Heerführers. Sein Grabmal zeigt ihn in voller Rüstung – eines der gelungensten Renaissance-Reliefporträts Böhmens. Eine Legende besagt, dass sogar das Herz des berühmten Königs Georg von Poděbrad in der Teynkirche begraben wurde, während sein Körper in der Königsgruft auf der Prager Burg ruht. Ob daran etwas wahr ist, wissen die Mauern der Kirche wohl allein – gefunden wurde das königliche Herz jedenfalls nie. Ein weiteres Geheimnis betrifft die düstere Zeit nach der Niederschlagung des böhmischen Ständeaufstands 1621: Damals wurden die Köpfe von 12 auf dem Altstädter Ring hingerichteten Anführern in eisernen Käfigen am Brückenturm zur Schau gestellt. 1631 endlich ließ man diese sterblichen Überreste abnehmen und heimlich in der Teynkirche beisetzen – doch seither hat niemand ihr genaues Versteck ausfindig machen können. Bis heute rankt sich somit ein Hauch von Rätsel um diese Kirche, die so vieles miterlebt hat.
Manche Geschichten aus der Teynkirche lesen sich wie Legenden aus einem alten Prager Sagenbuch. So berichtet man sich von dem jüdischen Jungen Simon Abeles, der im 17. Jahrhundert angeblich von seinem eigenen Vater getötet wurde, weil er zum Christentum übertreten wollte. Die christlichen Zeitgenossen verehrten den Jungen als Märtyrer – angeblich nahm „ganz Prag“ an seinem Begräbnis in der Teynkirche teil. Bis heute soll ein Grabstein im Kirchenboden an dieses tragische Schicksal erinnern. Und hast du dich je gefragt, warum die beiden Türme der Kirche so unterschiedlich sind? Eine launige Legende erklärt es so: Der dickere Turm „Adam“ sei der männliche Beschützer, der seine schlankere Gefährtin „Eva“ an seiner Seite bewacht. Ob man dieser Erklärung Glauben schenken will oder nicht – fest steht, dass Adam und Eva gemeinsam die Skyline Prags prägen und der Teynkirche ihren unverwechselbaren Ausdruck verleihen. Jede Figur, jeder Stein in dieser Kirche könnte wohl eigene Geschichten erzählen, wenn wir nur genau hinhören.

Tipps für deinen Besuch
Ein Besuch der Teynkirche fühlt sich an wie eine Zeitreise – damit du sie optimal erleben kannst, hier einige Hinweise: Geöffnet ist die Kirche in der Regel dienstags bis samstags von 10 bis 12 Uhr und von 15 bis 17 Uhr, sowie sonntags von 11 bis 12 Uhr (montags ist geschlossen). Der Eintritt ist frei, jedoch wird am Eingang eine freiwillige Spende von etwa 50 CZK (ca. 2 €) empfohlen. Plane deinen Besuch am besten außerhalb der Gottesdienstzeiten, denn während Messen sind keine Besichtigungen möglich. Ohnehin darfst du als Tourist meist nur im hinteren Teil der Kirche verweilen und von dort einen Blick in das Kirchenschiff werfen – verständlich, wenn man bedenkt, welch großer Besucherandrang hier täglich herrscht. Führungen zur Geschichte der Kirche werden offiziell nur außerhalb des Gebäudes angeboten. Wenn du die verborgene Pracht des Innenraums in Ruhe genießen möchtest, könntest du einen Messebesuch in Erwägung ziehen (etwa Sonntagmorgens um 9:30 Uhr). Dann erfüllt Orgelklang den Raum und du kannst die Atmosphäre auf dich wirken lassen – natürlich mit gebotener Diskretion und Rücksicht. Gelegentlich finden in der Teynkirche auch klassische Konzerte statt, besonders zur Weihnachtszeit oder im Rahmen von Musikfestivals. Ein Orgelkonzert vor dem goldenen Hochaltar und den flackernden Kerzen kann zu den unvergesslichen Höhepunkten einer Prag-Reise zählen.
Zum Schluss noch zwei besondere Tipps: Der Zugang zur Kirche liegt, wie erwähnt, etwas versteckt. Halte Ausschau nach dem Durchgang am Haus Staroměstské náměstí 14 – dort führt ein Torbogen direkt in den Hof vor der Teynkirche. Von der bekannten Astronomischen Uhr am gegenüberliegenden Rathaus ist es nur ein Katzensprung dorthin. Tatsächlich bilden die Uhr und die Teynkirche zusammen ein perfektes Postkartenmotiv: Wenn zur vollen Stunde das Glockenspiel der Uhr ertönt und die zwölf Apostelfiguren vorbeiziehen, ragen im Hintergrund die Türme der Teynkirche über den Platz. Für Fotografen lohnt es sich zudem, den Rathausturm zu besteigen – von oben genießt du einen atemberaubenden Panoramablick über die Altstadt, mit den schwarzen Teyn-Türmen und den roten Ziegeldächern Prags zu deinen Füßen. Nimm Dir Zeit, diesen Anblick aufzusaugen! Die Teynkirche ist nicht nur ein Bauwerk, sondern ein Erlebnis: Von den mittelalterlichen Legenden in ihren Grundmauern bis zum barocken Glanz unter ihrem Dach vereint sie alles, was Prag so einzigartig macht.
Viel Freude bei deiner Erkundung dieses gotischen Juwels – lass dich von der Magie der Teynkirche verzaubern!








