Vyšehrad-Park (Vyšehradské sady)

Der Vyšehrad-Park (Vyšehradské sady) liegt im historischen Zentrum der Festungsanlage Vyšehrad (Prager Hochburg) unmittelbar neben der Basilika St. Peter und Paul (Bazilika svatého Petra a Pavla). Die weitläufige Rasenfläche mit alten Bäumen, geschwungenen Wegen und monumentalen Skulpturen nimmt einen Teil der ehemaligen fürstlichen und königlichen Akropolis ein. Der Name bezeichnet im engeren Sinn diesen zentralen Parkbereich und nicht sämtliche Grünanlagen innerhalb der Festung, zu denen außerdem der Karlach-Park und der Štulc-Park gehören.


Im Mittelalter befand sich an dieser Stelle das politische und repräsentative Zentrum des Vyšehrads. Hier standen Gebäude der Přemysliden, darunter mehrere Palastbauten und ein romanischer Verbindungsweg. Nach dem Bedeutungsverlust der königlichen Residenz wurden Teile des Geländes im 15. Jahrhundert als kleine Weinberge und Gärten der Kanoniker genutzt. Bis heute sind am Rand des Parks Überreste eines romanischen Brückenbauwerks erhalten, das einst wichtige Bereiche der mittelalterlichen Burg miteinander verband.

Als die Habsburger Vyšehrad im 17. Jahrhundert zu einer barocken Festung ausbauen ließen, entstand auf dem Gelände eine große Waffenkammer. Das frühbarocke Gebäude prägte den inneren Festungsbereich mehr als zwei Jahrhunderte lang. Im Januar 1927 wurde es jedoch durch einen schweren Brand zerstört. Von der ehemaligen Waffenkammer blieb unter anderem ein repräsentatives Steinportal erhalten, das heute wie ein historischer Eingang in den Park wirkt.

Nach dem Brand wurde das freie Gelände in den Jahren 1927 und 1928 nach einem Entwurf des Architekten Arnošt Černovský in eine öffentliche Grünanlage umgewandelt. Im Zentrum entstand ein rechteckiges Rasenparterre, das von einer hufeisenförmig verlaufenden Promenade umgeben ist. Japanische Schnurbäume, Eschen, Linden, Flieder und Eiben gliedern die Anlage und schaffen sowohl offene als auch schattige Bereiche. Eine Friedenslinde zwischen dem Alten Dekanat und dem Alten Burggrafenhaus gehört zu den besonders geschützten Bäumen des Parks.

Die bekanntesten Kunstwerke des Vyšehrad-Parks sind vier monumentale Skulpturengruppen des tschechischen Bildhauers Josef Václav Myslbek. Sie zeigen Gestalten aus böhmischen Sagen und der nationalen Überlieferung: Lumír und das Lied (Lumír a píseň)Záboj und Slavoj (Záboj a Slavoj)Ctirad und Šárka (Ctirad a Šárka) sowie Přemysl und Libuše (Přemysl a Libuše). Die ausdrucksstarken Figuren verleihen der Rasenfläche den Charakter eines offenen Skulpturengartens.

Ursprünglich standen die Skulpturengruppen an den Pfeilern der Palacký-Brücke. Nachdem die Brücke bei einem Luftangriff im Februar 1945 beschädigt worden war, wurden drei Gruppen restauriert und 1948 im Vyšehrad-Park aufgestellt. Das besonders stark beschädigte Werk mit Přemysl und Libuše konnte erst nach langwierigen Restaurierungsarbeiten ergänzt werden und kam 1977 an seinen heutigen Standort.

Rund um den Park sind weitere Überreste der früheren Akropolis sichtbar. Dazu gehören Fundamente ehemaliger Palastgebäude, das Fragment der romanischen Brücke, historische Brunnen und das Alte Burggrafenhaus (Staré purkrabství). In der Nähe befindet sich außerdem der Gotische Keller mit einer Ausstellung zur historischen Entwicklung des Vyšehrads. Die Verbindung aus archäologischen Spuren, Parkgestaltung und Skulpturen macht den Bereich zu einem der geschichtlich interessantesten Orte der gesamten Festungsanlage.

Zwischen 2002 und 2006 wurde der zentrale Parkbereich erneut umfassend überarbeitet. Die offene Rasenfläche erhielt ein Netz aus befestigten Kieswegen, die historische und archäologische Punkte miteinander verbinden. Die Wege innerhalb des Parks sind überwiegend eben, in den angrenzenden Bereichen des Vyšehrads musst du jedoch mit grobem Kopfsteinpflaster, stärkeren Steigungen und unebenen Abschnitten rechnen.

Der Vyšehrad-Park (Vyšehradské sady) ist ganzjährig und kostenlos zugänglich. Bänke, schattige Baumgruppen und große Rasenflächen machen ihn zu einem angenehmen Ort für eine Pause. Besonders gut lässt sich der Besuch mit der Basilika St. Peter und Paul, dem Vyšehrader Friedhof, dem Alten Burggrafenhaus und einem Spaziergang entlang der Festungsmauern verbinden. Von den nahe gelegenen Bastionen eröffnen sich weite Ausblicke auf die Moldau, Podolí und andere Teile Prags.