Kirche Maria vom Siege (Kostel Panny Marie Vítězné)

Die Kirche Maria vom Siege (Kostel Panny Marie Vítězné) steht an der Karmelitská-Straße auf der Kleinseite (Malá Strana), nur wenige Gehminuten vom Kleinseitner Ring und vom Petřín-Hügel entfernt. Sie gehört zu den ältesten frühbarocken Sakralbauten Prags und ist zugleich eines der international bekanntesten katholischen Pilgerziele der Stadt. Ihre besondere Bedeutung verdankt sie dem Prager Jesulein (Pražské Jezulátko), einer kleinen Christusfigur, die von Gläubigen aus zahlreichen Ländern verehrt wird.

Errichtet wurde die Kirche zwischen 1611 und 1613 von deutschsprachigen Lutheranern. Der ursprüngliche Bau verband Formen der Spätrenaissance mit dem damals noch jungen Barock und war zunächst der Heiligen Dreifaltigkeit gewidmet. Der Name des Architekten ist nicht eindeutig überliefert; als möglicher Planer gilt Giovanni Maria Filippi, der als Hofarchitekt Kaiser Rudolfs II. tätig war. Ursprünglich befand sich der Altar an der Ostseite, während die Kirche über seitliche Eingänge betreten wurde.

Nach der Schlacht am Weißen Berg von 1620 gelangte das Gotteshaus in katholischen Besitz. Kaiser Ferdinand II. überließ es den Unbeschuhten Karmeliten, die es am 8. September 1624 der siegreichen Jungfrau Maria weihten. Der heilige Antonius von Padua wurde zum weiteren Schutzpatron der Kirche. Aus dieser neuen Widmung entwickelte sich die bis heute gebräuchliche Bezeichnung Kirche Maria vom Siege (Kostel Panny Marie Vítězné).

Zwischen 1636 und 1644 ließen die Karmeliten die Kirche grundlegend umbauen und neu ausrichten. Der Haupteingang wurde an die heutige Karmelitská-Straße verlegt und eine repräsentative frühbarocke Fassade geschaffen. Gleichzeitig entstanden ein tieferer Chorraum, eine Orgelempore und das südlich angrenzende Klostergebäude. Der Kirchturm wurde 1669 vollendet. Das ehemalige Kloster wird heute überwiegend vom tschechischen Ministerium für Bildung, Jugend und Sport genutzt.

Hinter der vergleichsweise schlichten Fassade öffnet sich ein reich ausgestatteter einschiffiger Innenraum. Die meisten Altäre, Skulpturen und Gemälde stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Die linke Seite des Kirchenschiffs greift vor allem Themen des Karmelitenordens auf, während die rechte Seite der Heiligen Familie gewidmet ist. Zu den bedeutenden Kunstwerken gehören mehrere Altargemälde von Petr Brandl sowie Skulpturen und dekorative Arbeiten bedeutender böhmischer Barockkünstler.

Der monumentale Hauptaltar entstand im frühen 18. Jahrhundert. Seine Gestaltung wird von dunklen Flächen, vergoldeten Elementen und kupferfarbenen Verzierungen geprägt. Zwischen 2006 und 2020 wurde er umfassend restauriert und weitgehend in seine historische Farbgestaltung zurückversetzt. Ein moderner Altar, ein Ambo, ein Kreuz und ein umgestaltetes Taufbecken des Bildhauers Otmar Oliva ergänzen seit 2015 die barocke Ausstattung.

Die wichtigste Sehenswürdigkeit der Kirche ist das Prager Jesulein (Pražské Jezulátko). Die etwa 47 Zentimeter hohe Figur besitzt einen hölzernen Kern und eine Oberfläche aus farbigem Wachs. Sie entstand vermutlich im 16. Jahrhundert in Spanien und stellt Jesus als ungefähr vier- bis fünfjähriges Kind dar. Mit der rechten Hand spendet die Figur den Segen, während sie in der linken Hand einen Reichsapfel mit Kreuz trägt.

Die spanische Adelige Marie Manrique de Lara brachte die Figur 1556 nach Böhmen. Später schenkte sie sie ihrer Tochter Polyxena von Lobkowicz, die das Jesulein 1628 dem Kloster der Unbeschuhten Karmeliten übergab. Während der Besetzung Prags durch sächsische Truppen im Jahr 1631 wurde das Kloster geplündert und die Figur beschädigt. 1637 entdeckte der Karmelit Cyril von der Mutter Gottes das Jesulein wieder und ließ die abgebrochenen Hände ergänzen.

Die Verehrung verbreitete sich anschließend weit über Prag hinaus. Im Jahr 1655 wurde die Figur vom Prager Bischof feierlich gekrönt. Seit 1741 befindet sie sich an ihrem heutigen Standort auf der rechten Seite des Kirchenschiffs; der prächtige Altar wurde 1776 geschaffen. Besonders stark ist die Verehrung des Prager Jesuleins bis heute in Spanien, Italien, Lateinamerika, auf den Philippinen und in weiteren katholisch geprägten Regionen.

Das Jesulein trägt je nach kirchlicher Jahreszeit unterschiedliche Gewänder. Weiß wird vor allem an Weihnachten und Ostern verwendet, Rot in der Karwoche und zu Pfingsten, Violett während der Advents- und Fastenzeit und Grün im gewöhnlichen Jahreskreis. Die umfangreiche Garderobe enthält rund 300 historische und moderne Gewänder, von denen allerdings nicht alle verwendet werden können. Viele Stücke sind Geschenke von Herrschern, Kirchenvertretern, Künstlern und Gläubigen aus aller Welt.

Oberhalb des Eingangsbereichs befindet sich das Museum des Prager Jesuleins (Muzeum Pražského Jezulátka). Die kleine Ausstellung präsentiert ausgewählte historische Gewänder, internationale Geschenke, Krippen und Fotografien der unterschiedlich gekleideten Figur. Zu den wertvollsten Exponaten gehören ein von Kaiserin Maria Theresia gestiftetes Gewand, eine historische Rokokokrone und die Krone, die Papst Benedikt XVI. bei seinem Besuch im Jahr 2009 überreichte. Der Zugang erfolgt über eine Wendeltreppe und ist daher nicht barrierefrei.

Nach der Aufhebung des Karmelitenklosters durch Kaiser Joseph II. im Jahr 1784 wurde die Kirche von den Malteserrittern betreut. Während der kommunistischen Herrschaft wurde das religiöse Leben stark eingeschränkt. Im Jahr 1993 kehrten die Unbeschuhten Karmeliten nach rund 200 Jahren zurück und belebten die Kirche erneut als internationales Pilgerzentrum. Heute werden hier regelmäßig Gottesdienste in tschechischer, englischer, spanischer und italienischer Sprache gefeiert.

Die Kirche ist ganzjährig geöffnet. Nach den aktuell veröffentlichten Zeiten kannst du sie montags bis mittwochs und freitags von 8:30 bis 18 Uhr, donnerstags und samstags bis 19 Uhr sowie sonntags bis 20 Uhr besuchen. Das Museum ist montags bis samstags von 9:30 bis 17 Uhr und sonntags von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt in die Kirche und das Museum ist kostenlos. Während der Gottesdienste sind touristische Besichtigungen nicht vorgesehen.