Die Neruda-Straße (Nerudova) zählt zu den atmosphärischsten Straßen Prags und gehört zu den klassischen Wegen hinauf zur Prager Burg. Sie verbindet den Kleinseitner Ring mit dem Hradschin und folgt einem historischen Verlauf, der seit Jahrhunderten genutzt wird. Als Teil des Königswegs war sie einst Schauplatz feierlicher Krönungszüge und zählt bis heute zu den bedeutendsten historischen Achsen der Stadt.
Geprägt ist die Straße von einer nahezu geschlossenen Reihe barocker Bürgerhäuser und Adelspaläste, die nach dem verheerenden Stadtbrand von 1541 neu errichtet oder umgestaltet wurden. Besonders auffällig sind die kunstvoll gestalteten Hauszeichen, die noch aus einer Zeit stammen, in der es keine Hausnummern gab. Sonnen, Schlüssel, Tiere oder religiöse Symbole schmücken die Fassaden und verleihen der Straße ihren unverwechselbaren Charakter.
Benannt ist die Nerudova nach dem tschechischen Schriftsteller Jan Neruda, der hier im 19. Jahrhundert lebte und die Kleinseite literarisch verewigte. Sein ehemaliges Wohnhaus, das Haus zu den zwei Sonnen, erinnert bis heute an diese Epoche. Trotz ihrer Beliebtheit bewahrt die Straße vor allem in den frühen Morgenstunden oder am Abend eine ruhige, fast zeitlose Stimmung.
Heute ist die Neruda‑Straße nicht nur ein wichtiger Verbindungsweg zur Burg, sondern auch ein Ort zum bewussten Schlendern. Zwischen historischen Fassaden, kleinen Läden, Cafés und Palästen eröffnen sich immer wieder neue Blickachsen auf die Dächer der Kleinseite und hinauf zur Burg – ein klassisches Prag-Motiv, das Geschichte und Atmosphäre auf engstem Raum vereint.