Alter Jüdischer Friedhof (Starý židovský hřbitov)

Der Alte Jüdische Friedhof im Prager Stadtteil Josefov zählt zu den ältesten und bedeutendsten jüdischen Begräbnisstätten Europas. Er entstand im frühen 15. Jahrhundert und war über mehr als 300 Jahre hinweg der zentrale Begräbnisort der jüdischen Gemeinde Prags. Aufgrund des begrenzten Raums durften bestehende Gräber nicht aufgelöst werden, weshalb neue Bestattungen in mehreren Erdschichten übereinander angelegt wurden. Dieses Vorgehen prägt bis heute das eindrucksvolle Erscheinungsbild des Friedhofs mit seinen dicht gedrängten, teils schief stehenden Grabsteinen. Zwischen der Pinkas-Synagoge und der Klausen-Synagoge gelegen, vermittelt der Friedhof einen stillen, konzentrierten Einblick in die religiösen Traditionen, die Geschichte und das Alltagsleben der jüdischen Gemeinschaft in Prag über viele Jahrhunderte hinweg.

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Adresse:
Široká 3, 110 00 Prag 1


Geschichte des Alten Jüdischen Friedhofs

Der Friedhof wurde in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts angelegt; das älteste erhaltene Grab stammt aus dem Jahr 1439. Bis 1787 diente er als wichtigste Begräbnisstätte der jüdischen Gemeinde Prags. Als Kaiser Joseph II. neue sanitäre Verordnungen erließ, die Bestattungen innerhalb der Stadt untersagten, wurde der Friedhof geschlossen und durch neue Friedhöfe außerhalb des Stadtzentrums ersetzt.

Über 350 Jahre lang fanden hier unzählige Menschen ihre letzte Ruhe. Da die jüdische Gemeinde keinen neuen Platz erhielt, mussten die Gräber übereinander angelegt werden – teilweise bis zu zwölf Schichten tief. Heute stehen auf dem knapp einen Hektar großen Areal etwa 12.000 Grabsteine, doch die Zahl der tatsächlich hier Bestatteten wird auf bis zu 100.000 geschätzt.

Alter jüdischer Friedhof in Prag mit dicht stehenden historischen Grabsteinen und herbstlichem Laub
Historische Grabstätten im jüdischen Viertel

Bedeutende Persönlichkeiten

Zu den bekanntesten hier bestatteten Persönlichkeiten zählen:

  • Rabbi Judah Loew ben Bezalel (Rabbi Löw) – der legendäre Gelehrte, der der Sage nach den Golem erschuf, um die jüdische Gemeinde Prags zu schützen.
  • Mordechai Maisel – ein wohlhabender Kaufmann und Wohltäter, der im 16. Jahrhundert zahlreiche Gebäude im jüdischen Viertel stiftete.
  • David Gans – Astronom, Historiker und Schüler von Rabbi Löw.

Die Gräber dieser Männer gehören zu den meistbesuchten Orten des Friedhofs, und viele Besucher legen kleine Steine darauf – ein jüdischer Brauch, der an das Andenken Verstorbener erinnert.


Symbolik und Gestaltung

Beim Rundgang fällt auf, dass viele Grabsteine mit kunstvollen Reliefs geschmückt sind. Diese Symbole erzählen etwas über den Verstorbenen:

  • Segnende Hände stehen für Angehörige des priesterlichen Stammes Aaron (Cohen).
  • Eine Kanne oder ein Krug symbolisiert den Stamm Levi.
  • Ein Buch weist auf Gelehrte oder Schriftkundige hin.
  • Tiere und Pflanzen können Tugenden, Charakterzüge oder Familiennamen darstellen.

Die dichte Anordnung der Steine, manche schief geneigt, andere kaum noch lesbar, verleiht dem Friedhof eine einzigartige Atmosphäre – ein Ort, an dem Zeit, Glaube und Geschichte miteinander verschmelzen.


Besuch des Friedhofs

Der Alte Jüdische Friedhof ist Teil des Jüdischen Museums in Prag. Ein Besuch ist nur mit einem Kombiticket möglich, das auch mehrere Synagogen (u. a. die Spanische, Maisel- und Pinkas-Synagoge) umfasst.
Der Zugang erfolgt meist über die Klausen-Synagoge, wo sich auch eine kleine Ausstellung zur jüdischen Begräbniskultur befindet.

Öffnungszeiten:
Täglich (außer samstags und an jüdischen Feiertagen), meist von 9:00 bis 18:00 Uhr in der Sommersaison.

Tipp:
Besuche den Friedhof möglichst früh am Morgen oder kurz vor Schließung – in den stilleren Stunden entfaltet sich die melancholische Schönheit des Ortes besonders intensiv.


Bedeutung für Prag

Der Alte Jüdische Friedhof ist weit mehr als eine Sehenswürdigkeit – er ist ein Denkmal für das jahrhundertelange Leben der jüdischen Gemeinde in Prag. Inmitten des heutigen Stadttrubels erinnert dieser Ort an eine reiche Kultur, die trotz Verfolgung und Zerstörung ihre Spuren bewahrt hat.
Wer durch die schmalen Pfade zwischen den Grabsteinen geht, spürt die Geschichte dieser Stadt auf eine Weise, wie sie kein Museum vermitteln kann – leise, eindringlich und tief bewegend.