Die Koruna-Passage (Pasáž Koruna) befindet sich im Koruna-Palast (Palác Koruna) am unteren Ende des Wenzelsplatzes (Václavské náměstí). Der Durchgang verbindet den Wenzelsplatz mit der Einkaufsstraße Na Příkopě und liegt unmittelbar am Verkehrsknotenpunkt Můstek. Durch ihre zentrale Lage ist die Passage nicht nur ein architektonisches Denkmal, sondern bis heute ein viel genutzter Fußweg zwischen der Prager Neustadt und der Altstadt.
Der Koruna-Palast entstand an der Stelle dreier älterer Häuser, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts abgerissen wurden. Auftraggeber war die Erste Tschechische Allgemeine Lebensversicherungs-Aktiengesellschaft, die später den Namen Koruna – auf Deutsch „Krone“ – annahm. Entworfen wurde das Gebäude vom Architekten Antonín Pfeiffer in Zusammenarbeit mit dem Baumeister Matěj Blecha. Die Bauarbeiten begannen 1912; am 7. März 1914 erhielt der fertiggestellte Palast seine Nutzungsgenehmigung.
Architektonisch gehört das Gebäude zum späten beziehungsweise geometrischen Jugendstil. Für seine Entstehungszeit war die Konstruktion mit einem tragenden Stahlbetonskelett ausgesprochen modern. Die Fassade wird von einem hohen Eckturm geprägt, dessen Spitze wie eine stilisierte Krone gestaltet ist. Unterhalb der Krone stehen symmetrisch angeordnete allegorische Figuren des Bildhauers Stanislav Sucharda. Dieses weithin sichtbare Bauteil gab dem gesamten Palast sein unverwechselbares Erscheinungsbild.
Das Herzstück der Koruna-Passage liegt unterhalb dieses Eckturms. Hier treffen die beiden Arme des Durchgangs in einem hohen, repräsentativen Raum zusammen. Über ihm spannt sich eine achteckige Glaskuppel mit geometrischen Jugendstilmustern. Ihre rund 170 Quadratmeter große Fläche setzt sich aus mehreren Tausend unterschiedlich geformten Glaselementen zusammen. Durch das einfallende Tageslicht, die marmorverkleideten Säulen und den ornamentalen Mosaikboden erhält dieser Bereich eine besonders elegante und großzügige Wirkung.
Der Ausgang zur Straße Na Příkopě ist deutlich schmaler als der Zugang vom Wenzelsplatz. Der Grund dafür liegt in der Baugeschichte: Dem Investor gelang es nicht, das benachbarte Neorenaissancegebäude für den Palastbau zu erwerben. Deshalb musste der Durchgang auf dieser Seite durch eine schmale Fassade nach außen geführt werden.
Der Koruna-Palast war von Anfang an als moderner Mehrzweckkomplex geplant. Neben Geschäften und Büros befanden sich darin kulturelle Einrichtungen, gastronomische Betriebe und verschiedene Dienstleistungen. Das frühere Kino Koruna wurde im Oktober 1914 eröffnet und verfügte über 470 Sitzplätze. Seine kubistisch beeinflusste Innenausstattung stammte von Ladislav Machoň. In den 1920er-Jahren kamen unterirdische Dampfbäder und ein Schönheitssalon hinzu. Damit bot das Gebäude bereits damals eine ungewöhnliche Mischung aus Einkaufsmöglichkeiten, Unterhaltung, Erholung und moderner Stadtkultur.
Besonders bekannt wurde der Palast durch den 1931 eröffneten Automat Koruna. Dieses große Selbstbedienungsrestaurant gehörte über Jahrzehnte zu den beliebtesten Schnellrestaurants Prags. An langen Theken wurden warme Gerichte, belegte Brote, Salate, Kuchen und Getränke angeboten. In seiner erfolgreichsten Zeit versorgte der Betrieb täglich Tausende Gäste und wurde zu einem festen Bestandteil des Prager Alltagslebens.
Nach Jahrzehnten intensiver Nutzung verschlechterte sich der Zustand des Gebäudes zunehmend. Zwischen 1992 und 1996 wurde der gesamte Palast umfassend saniert und anschließend wieder vollständig für die Öffentlichkeit geöffnet. Dabei wurden die historische Glaskuppel, die Jugendstildetails und weitere prägende Elemente der Passage restauriert und zugleich an die Anforderungen eines modernen Geschäfts- und Bürogebäudes angepasst.
Heute befinden sich im Koruna-Palast (Palác Koruna) Geschäfte, Restaurants, Dienstleistungsbetriebe, Büros und Unterkünfte. Der Durchgang durch die Koruna-Passage (Pasáž Koruna) ist kostenlos. Besonders sehenswert sind der zentrale Raum unter der Glaskuppel, die historischen Marmorsäulen und der Blick von außen auf den kronenförmigen Eckturm. Die Adresse lautet Václavské náměstí 1.