Die Herz-Jesu-Kirche (Kostel Nejsvětějšího Srdce Páně) steht in der Mitte des Platzes des Georg von Podiebrad (náměstí Jiřího z Poděbrad) im Prager Stadtteil Vinohrady. Mit ihrer breiten, streng geometrischen Form, der dunklen Ziegelfassade und dem mächtigen Uhrturm unterscheidet sie sich deutlich von den gotischen und barocken Kirchen der historischen Innenstadt. Sie gilt als eines der bedeutendsten Werke moderner Sakralarchitektur in Tschechien.
Entworfen wurde die Kirche vom slowenischen Architekten Jože Plečnik, der nach der Gründung der Tschechoslowakei auch große Teile der Prager Burg für Präsident Tomáš Garrigue Masaryk umgestaltete. Die Planungen für eine zweite katholische Kirche in Vinohrady begannen bereits vor dem Ersten Weltkrieg, da die schnell wachsende Bevölkerung nicht mehr ausreichend von der St.-Ludmilla-Kirche versorgt werden konnte. Das Grundstück auf dem damaligen König-Georg-Platz war der Kirche bereits 1908 von der Stadt Vinohrady überlassen worden.
Plečnik wurde 1919 mit dem Projekt beauftragt, überarbeitete seine Entwürfe jedoch mehrfach. Finanzielle Schwierigkeiten, Diskussionen über den Standort und die ungewöhnliche Architektur verzögerten den Baubeginn. Die heutige Kirche entstand schließlich zwischen 1928 und 1932. Am 8. Mai 1932 wurde sie durch den Prager Erzbischof Karel Kašpar feierlich geweiht.
Die Architektur verbindet moderne Formen mit Anregungen aus der Antike und dem frühen Christentum. Der rechteckige Bau misst etwa 38 mal 26 Meter und wird von einer rund 13 Meter hohen Kassettendecke überspannt. Durch die breite, nahezu ungegliederte Halle wollte Plečnik einen großen gemeinschaftlichen Raum schaffen, in dem die Gemeinde möglichst nah am Altar versammelt ist. Auf eine traditionelle Kanzel wurde bewusst verzichtet.
Die dunkle Außenhaut besteht größtenteils aus glasierten Ziegeln, zwischen denen helle, leicht hervortretende Steine eingesetzt sind. Das regelmäßige Muster wird häufig mit einem königlichen Hermelinmantel verglichen. Damit verwies Plečnik symbolisch auf Christus als König. Der weiße obere Gebäudeteil, die kräftigen Portale und die antik wirkenden Schmuckformen bilden einen auffälligen Kontrast zur dunklen Hauptfassade. In der Gesamtform wird der Bau außerdem mit der Arche Noah verglichen.
Das auffälligste Bauteil ist der 42 Meter hohe Turm an der Westseite. Er besitzt nicht die übliche schlanke Form eines Kirchturms, sondern wirkt wie eine breite monumentale Wand. In seine Fassade ist eine gläserne Uhr mit einem Durchmesser von rund 7,6 Metern eingelassen. Sie gehört zu den größten Turmuhren Tschechiens. Ursprünglich befand sich hier ein großes Rundfenster, durch das am Morgen Licht in den Kirchenraum fiel.
Über dem Turm erhebt sich ein weißer Aufbau mit offenen Schallfenstern. Bekrönt wird er von einer kupfernen Kuppel beziehungsweise einem stilisierten Reichsapfel und einem hohen Kreuz. Plečnik verband damit christliche Symbolik mit Formen, die an königliche Herrschaftszeichen erinnern. Von den ursprünglich sechs Glocken überstand nur die kleinste die Beschlagnahmungen während des Zweiten Weltkriegs. Zwei weitere Glocken aus der Werkstatt der Familie Manoušek kamen 1992 hinzu.
Der Innenraum wirkt trotz der monumentalen Außenarchitektur überraschend hell und übersichtlich. Die Wände sind hell verputzt, während die dunkle Kassettendecke und der kreisförmig gegliederte Terrazzoboden starke geometrische Akzente setzen. Plečnik verwendete Quadrat und Kreis als wiederkehrende Grundformen und verband sie mit Marmor, Holz, Metall und vergoldeten Elementen.
Den Mittelpunkt bildet der Hauptaltar aus weißem Marmor. Über ihm befindet sich eine etwa drei Meter hohe vergoldete Christusfigur in einem symbolischen Herzen. Sie wird von überlebensgroßen Darstellungen bedeutender böhmischer Heiliger begleitet: Johannes von Nepomuk, Agnes von Böhmen, Adalbert von Prag, Wenzel, Ludmilla und Prokop. Die aus Lindenholz geschnitzten Figuren schuf der Bildhauer Damián Pešan.
Unter dem Hauptschiff befindet sich eine wesentlich niedrigere und schlichter gestaltete Krypta. Ihr gedämpftes Licht und die massiven Bauteile bilden einen bewussten Gegenpol zum hohen Kirchenraum. Teile des Altars wurden aus Steinresten gefertigt, die mit dem Bau des St.-Veitsdoms in Verbindung stehen. Die Krypta wird heute unter anderem für kleinere Gottesdienste, Gebete und kontemplative Veranstaltungen genutzt.
Seit 2010 besitzt die Kirche den Status eines nationalen Kulturdenkmals. Zwischen 2019 und 2021 wurde ihre Außenhülle umfassend instand gesetzt. Weitere Restaurierungen betrafen unter anderem die Zugangsrampen, die Abdichtung, die Orgel, Fenster und Bereiche des Pfarrgartens. Auch heute ist die Herz-Jesu-Kirche keine reine Sehenswürdigkeit, sondern eine lebendige römisch-katholische Pfarrkirche mit regelmäßigen Gottesdiensten und Gemeindeveranstaltungen.
Der Vorraum der Kirche ist nach den aktuell veröffentlichten Angaben täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet und ermöglicht einen Blick in das Hauptschiff. Der eigentliche Kirchenraum ist in der Regel etwa 45 Minuten vor den Gottesdiensten zugänglich. Größere Besichtigungen und Führungen müssen vorher mit der Pfarrei vereinbart werden. Die Kirche liegt direkt an der Metrostation Jiřího z Poděbrad der Linie A und kann kostenlos besucht werden. Während Gottesdiensten solltest du auf eine ruhige und respektvolle Besichtigung achten.