Marienplatz (Mariánské náměstí)

Der Marienplatz (Mariánské náměstí) liegt im Herzen der Prager Altstadt (Staré Město), nur wenige Schritte vom Altstädter Ring und vom Klementinum entfernt. Obwohl der Platz deutlich ruhiger und kleiner als die bekannten Prager Hauptplätze ist, wird er von einigen der bedeutendsten öffentlichen und kulturellen Gebäude der Stadt eingerahmt. Dazu gehören das Neue Rathaus (Nová radnice), die Städtische Bibliothek Prag (Městská knihovna v Praze), das Klementinum mit der Nationalbibliothek und der Clam-Gallas-Palast (Clam-Gallasův palác).

Marienplatz in Prag bei Nacht mit historischen Gebäuden, Straßenlaternen, Bäumen und Eingang zum Klementinum
Der Marienplatz in der Prager Altstadt mit historischen Gebäuden, Straßenlaternen, Bäumen und dem Eingang zum Klementinum.

Geschichte des Marienplatzes

Die Umgebung des heutigen Marienplatzes war bereits im Mittelalter besiedelt. Hier befand sich die Siedlung Na Louži, die an einer wichtigen Verbindung zwischen dem heutigen Altstädter Ring und der Moldau lag.

Der Name Na Louži bedeutet sinngemäß „an der Lache“ und verweist vermutlich auf die tiefer gelegene Lage des Gebietes. Nach Überschwemmungen der Moldau konnte sich hier Wasser sammeln.

Zu den bedeutendsten Bauwerken der mittelalterlichen Siedlung gehörte die Kirche Mariä an der Lache (Kostel Panny Marie Na Louži). Sie gab dem späteren Marienplatz seinen Namen, wurde jedoch 1791 abgerissen. Archäologische Untersuchungen konnten später Reste der ehemaligen Kirche unter dem heutigen Platz nachweisen.

Im Laufe seiner Geschichte trug der Platz verschiedene Bezeichnungen. Zwischen 1952 und 1990 war er nach dem Prager Bürgermeister Václav Vacek benannt. Seit 1990 heißt er wieder Marienplatz (Mariánské náměstí).

Neues Rathaus

Die Ostseite des Platzes wird vom Neuen Rathaus (Nová radnice) geprägt. Das monumentale Gebäude entstand zwischen 1908 und 1911 nach Plänen des Architekten Osvald Polívka.

Heute befindet sich hier der Sitz des Prager Magistrats und des Oberbürgermeisters der Stadt.

Besonders auffällig sind die Figuren an der Fassade. Sie stammen vom Bildhauer Ladislav Šaloun und stellen unter anderem den legendären Rabbi Löw und den Eisernen Ritter dar.

Im Inneren befindet sich außerdem ein historischer Paternoster-Aufzug, der zu den bekanntesten erhaltenen Paternostern Prags gehört. Teile des Gebäudes können im Rahmen spezieller Führungen besichtigt werden.

Stadtbibliothek Prag

Auf der Nordseite steht die Stadtbibliothek Prag (Městská knihovna v Praze). Das heutige Gebäude wurde zwischen 1925 und 1928 nach Plänen des Architekten František Roith errichtet.

Es gehörte damals zu den modernsten Bibliotheksgebäuden Europas und war eines der ersten Gebäude der damaligen Tschechoslowakei, das speziell für die Nutzung als öffentliche Bibliothek geplant wurde.

Heute ist vor allem eine Kunstinstallation im Eingangsbereich bekannt.

Der Bücherturm Idiom

Seit 1998 befindet sich in der Bibliothek die Installation Idiom des slowakischen Künstlers Matej Krén.

Tausende übereinandergestapelte Bücher bilden einen hohen Turm. Im Inneren sorgen Spiegel dafür, dass die Büchersäule scheinbar unendlich nach oben und unten weiterläuft.

Die Installation ist frei zugänglich und gehört inzwischen zu den ungewöhnlichsten Fotomotiven im Zentrum von Prag.

Klementinum

Die Westseite des Marienplatzes grenzt direkt an das Klementinum. Der weitläufige historische Gebäudekomplex gehört zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Prager Altstadt.

Heute befindet sich hier unter anderem die Nationalbibliothek der Tschechischen Republik.

Bekannt ist das Klementinum vor allem für seine barocke Bibliothek, die Spiegelkapelle und den Astronomischen Turm. Der Eingang zur touristischen Besichtigungsroute befindet sich direkt am Marienplatz.

Dadurch ist der Platz ein guter Ausgangspunkt für einen Besuch des Klementinums.

Clam-Gallas-Palais

An der Südseite des Platzes befindet sich das Clam-Gallas-Palais. Es gehört zu den bedeutendsten Barockpalästen in Prag.

Der heutige Bau entstand zu Beginn des 18. Jahrhunderts nach Entwürfen des österreichischen Architekten Johann Bernhard Fischer von Erlach.

Nach einer umfangreichen Restaurierung wird das Palais heute für Ausstellungen, Veranstaltungen und kulturelle Programme genutzt.

Terezka-Brunnen

Direkt an der Mauer des Clam-Gallas-Palais befindet sich der Terezka-Brunnen.

Die weibliche Figur des Brunnens wurde vom Bildhauer Václav Prachner geschaffen und stellt eine Allegorie der Moldau dar. Der Brunnen stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert und gehört zu den kleinen Details, die auf dem Platz leicht übersehen werden.

Vom Parkplatz zum Aufenthaltsort

Über viele Jahrzehnte hatte der Marienplatz wenig von einem klassischen Stadtplatz. Große Teile der Fläche wurden als Parkplatz genutzt.

Ab 2019 begann die Stadt, den Platz schrittweise neu zu gestalten. Parkplätze verschwanden und wurden durch Sitzgelegenheiten ersetzt.

Heute stehen auf dem Platz Tische und Stühle, die frei genutzt werden können. Gleichzeitig finden hier immer wieder kleinere Veranstaltungen, Ausstellungen und Märkte statt.

Dadurch ist aus einer früher stark vom Verkehr geprägten Fläche wieder ein öffentlicher Stadtplatz geworden.

Was kannst du am Marienplatz entdecken?

Der Marienplatz eignet sich besonders gut für einen kurzen Zwischenstopp während eines Spaziergangs durch die Altstadt. Auf engem Raum findest du hier unterschiedliche Epochen der Prager Architektur und Stadtgeschichte.

Interessant sind vor allem:

  • das Neue Rathaus mit den Figuren von Rabbi Löw und dem Eisernen Ritter
  • die Installation Idiom in der Stadtbibliothek
  • der historische Terezka-Brunnen
  • das Clam-Gallas-Palais
  • der Eingang zum Klementinum

Gleichzeitig bietet der Platz eine gute Gelegenheit für eine kurze Pause, bevor du deine Erkundung der Altstadt fortsetzt.

Wo liegt der Marienplatz?

Der Marienplatz (Mariánské náměstí) liegt zwischen dem Altstädter Ring und dem Klementinum im Zentrum der Prager Altstadt.

Vom Altstädter Ring (Staroměstské náměstí) erreichst du ihn zu Fuß in wenigen Minuten. Auch die Karlsbrücke (Karlův most) und die Moldau liegen nur einen kurzen Spaziergang entfernt.

Dadurch lässt sich der Platz problemlos in einen Rundgang durch die Altstadt integrieren.