Der Clam-Gallas-Palast (Clam-Gallasův palác) steht im Herzen der Prager Altstadt (Staré Město) zwischen der Husova-Straße, der Karlova-Straße und dem Marienplatz (Mariánské náměstí). Hinter der vergleichsweise zurückhaltenden grauen Fassade verbirgt sich eine der bedeutendsten barocken Palastanlagen Prags. Besonders sehenswert sind der große Innenhof, die monumentale Haupttreppe sowie die reich mit Fresken, Skulpturen und Stuckarbeiten ausgestatteten Festsäle.
Bereits im Mittelalter standen auf dem heutigen Palastgelände mehrere Wohnhäuser. Ein Haus im südlichen Bereich wurde 1351 für Johann Heinrich von Luxemburg, den jüngeren Bruder Kaiser Karls IV., umgebaut. Seit 1604 gehörte das Anwesen der Familie Kinsky, die es zu einem Renaissancepalast erweitern ließ. Im Jahr 1634 übergab Kaiser Ferdinand II. den Besitz an den kaiserlichen General Matthias Gallas als Anerkennung für dessen Dienste.
Sein heutiges barockes Erscheinungsbild erhielt der Palast unter Matthias’ Enkel, Graf Johann Wenzel von Gallas. Dieser erwarb mehrere angrenzende Häuser und beauftragte den bedeutenden Wiener Hofarchitekten Johann Bernhard Fischer von Erlach mit dem Entwurf einer neuen, repräsentativen Stadtresidenz. Die Bauarbeiten begannen 1713 und wurden von dem Baumeister Johann Dominik Canevale ausgeführt. Der Palast zählt zu den wenigen Prager Gebäuden, die besonders deutlich von der monumentalen Wiener Barockarchitektur geprägt sind.
Die große Herausforderung bestand darin, einen repräsentativen Adelspalast in die enge mittelalterliche Bebauung der Altstadt einzufügen. Fischer von Erlach entwarf eine vierflügelige Anlage, deren Gebäudeteile einen nahezu quadratischen Innenhof umschließen. Ein weiterer Flügel reicht bis zum Kleinen Ring. Die Hauptfassade an der Husova-Straße besitzt zwei mächtige Portale, durch die früher Kutschen in den Innenhof fahren konnten.
Besonders auffällig sind die monumentalen Figuren an den Portalen. Sie stellen kräftige Giganten dar und wurden von der Werkstatt des Bildhauers Matthias Bernhard Braun geschaffen. Aus seinem Umfeld stammen außerdem Reliefs mit den Taten des Herkules, dekorative Vasen, Putten sowie die Tritonenfigur am Brunnen des Innenhofs. Ursprünglich standen auf der Attika des Palasts weitere Skulpturen, von denen viele im 19. Jahrhundert wegen ihres schlechten Zustands entfernt werden mussten.
Das architektonische Herzstück des Palasts ist die monumentale Festtreppe. Ihre breiten Läufe, geschwungenen Balustraden, Skulpturen und Wandmalereien sollten Besucher bereits auf dem Weg zu den Festsälen beeindrucken. Der italienische Maler Carlo Innocenzo Carlone schuf die großflächigen Fresken mit Figuren aus der antiken Mythologie. Das rund 130 Quadratmeter große Deckenbild zeigt den Triumph des Sonnengottes Helios. Weitere Darstellungen zeigen unter anderem Chronos, Jupiter, Venus, Mars, Merkur, Bacchus und Luna.
Die repräsentativen Räume befinden sich ungewöhnlicherweise im zweiten Obergeschoss. Dadurch erhielten sie trotz der dichten Bebauung der Altstadt mehr Tageslicht. Zu den wichtigsten Innenräumen gehört der große Marmorsaal, der auch als Weißer Saal, Goldener Saal oder Zeremoniensaal bezeichnet wurde. Spiegel, Stuckverzierungen und Kristallleuchter unterstreichen seine frühere Funktion als Ball- und Empfangssaal. Die Musik spielte teilweise in einem benachbarten Raum, sodass sie bei Festen im Hauptsaal zu hören war, ohne dass die Musiker unmittelbar im Mittelpunkt standen.
Nach dem Tod Johann Wenzels von Gallas im Jahr 1719 setzte sein Erbe Philipp Joseph die Ausstattung des Palasts fort. Als die Familie Gallas 1757 in männlicher Linie ausstarb, ging der Besitz an Christian Philipp von Clam über, einen Sohn der Schwester des letzten Gallas. Durch diese Erbschaft entstand der Familienname Clam-Gallas, nach dem der Palast bis heute benannt ist.
Während seiner Blütezeit war der Palast ein wichtiger gesellschaftlicher und kultureller Treffpunkt. In den Sälen fanden Bälle, Empfänge, Theateraufführungen und Konzerte statt. Ludwig van Beethoven trat hier Ende des 18. Jahrhunderts auf. Auch Wolfgang Amadeus Mozart soll den Palast gemeinsam mit seiner Frau Constanze und der Sängerin Josepha Duschek besucht haben. Im Gebäude bestand zeitweise sogar ein eigenes kleines Theater.
Im Jahr 1800 wurde das Palastareal um ein angrenzendes Grundstück erweitert, auf dem sich zuvor ein Friedhof befunden hatte. Dort entstanden ein kleiner Garten und eine Mauer entlang des heutigen Marienplatzes. In diese Mauer wurde 1812 ein öffentlicher Brunnen mit der Statue „Terezka“ integriert. Die Figur des Bildhauers Václav Prachner stellt ein junges Mädchen mit Wasserkrügen dar und gehört bis heute zu den bekannten Details des Platzes.
Die Innenräume wurden im 19. Jahrhundert mehrfach dem jeweiligen Zeitgeschmack angepasst. Bereiche des ersten Obergeschosses erhielten eine klassizistische Ausstattung, während mehrere Repräsentationsräume im Biedermeierstil und später im Stil des zweiten Rokoko verändert wurden. Gegen Ende des Jahrhunderts lebte die Familie überwiegend in Wien und vermietete große Teile des Prager Palasts an Behörden und andere Einrichtungen. Auch Franz Kafka arbeitete nach Abschluss seines Jurastudiums zeitweise als Praktikant in einem hier untergebrachten Amt.
Nach der Gründung der Tschechoslowakei wurde der Palast Ende 1918 Sitz des Finanzministeriums. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Besitz verstaatlicht. Da das Altstädter Rathaus während des Prager Aufstands 1945 schwer beschädigt worden war, zog das Archiv der Hauptstadt Prag in den Clam-Gallas-Palast ein. Es blieb dort bis 2017, bevor seine Bestände vollständig in ein modernes Archivgebäude verlegt wurden.
Zwischen 2017 und 2022 wurde der Palast grundlegend restauriert. Dabei wurden Fassaden, Dächer, technische Anlagen und historische Innenräume erneuert. Restauratoren widmeten sich besonders den Fresken, Stuckarbeiten, Skulpturen, Holzböden und dekorativen Wandflächen. Gleichzeitig wurde das Gebäude für Ausstellungen, Führungen und kulturelle Veranstaltungen vorbereitet. Die Sanierung erhielt im tschechischen Architekturwettbewerb die Auszeichnung „Bauwerk des Jahres 2022“.
Heute gehört der Clam-Gallas-Palast (Clam-Gallasův palác) zum Museum der Stadt Prag (Muzeum Prahy). Der Besichtigungsrundgang beginnt an der monumentalen Festtreppe und führt durch mehrere historische Säle. Neben der barocken Architektur stehen dabei die Lebensweise des Adels, die künstlerische Ausstattung und die wechselvolle Nutzung des Gebäudes im Mittelpunkt. Zeitweise werden außerdem Sonderausstellungen, Familienprogramme, Konzerte und besondere Führungen durch normalerweise nicht zugängliche Räume angeboten.
Der Palast ist derzeit von Dienstag bis Sonntag zwischen 10 und 18 Uhr geöffnet; montags bleibt er geschlossen. Der Rundgang mit Audioguide kostet regulär 180 CZK. Führungen werden nach aktuellem Programm unter anderem donnerstags und sonntags um 11, 13 und 15 Uhr angeboten und kosten regulär 250 CZK. Der Eingang befindet sich an der Adresse Husova 158/20. Da Sonderveranstaltungen und Führungszeiten geändert werden können, solltest du das aktuelle Programm vor deinem Besuch prüfen.