Die Světozor-Passage (Pasáž Světozor) gehört zu den bekanntesten historischen Passagen der Prager Neustadt (Nové Město). Ihr Haupteingang befindet sich an der Vodičkova-Straße, nur wenige Gehminuten vom Wenzelsplatz (Václavské náměstí) entfernt. Der überdachte Durchgang führt von der Vodičkova zum Franziskanergarten (Františkánská zahrada) und ist mit der benachbarten Passage U Stýblů (Pasáž U Stýblů) verbunden. Dadurch bildet er einen Teil eines weitläufigen innerstädtischen Wegenetzes, über das du abseits des Straßenverkehrs zwischen dem Wenzelsplatz, dem Franziskanergarten und der Jungmannstraße spazieren kannst.
Die Passage liegt im heutigen Ligna-Palast (Palác Ligna), der ursprünglich als Palast der Tschechischen Bank errichtet wurde. Der große neoklassizistische Gebäudekomplex entstand zwischen 1914 und 1918 nach Entwürfen der Architekten Osvald Polívka und Josef Sakař. Er erstreckt sich von der Vodičkova-Straße bis zum Wenzelsplatz und besetzt einen großen Teil des gesamten Häuserblocks. Eine ältere Verbindung wurde bereits 1929 an die Passage des benachbarten Palasts Alfa angeschlossen.
Ihre heutige Gestalt erhielt die Světozor-Passage jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Zwischen 1947 und 1949 wurde das Innere nach Plänen der Brüder Jaroslav und Karel Fišer grundlegend umgebaut. Dabei entstand ein moderner funktionalistischer Durchgang, der die verschiedenen Hofflügel des Bankpalasts miteinander verband. Die Passage wurde als zweigeschossiger Raum mit offenen Galerien, einer schlanken Stahlkonstruktion und einem bogenförmigen Glasdach gestaltet. Durch das Oberlicht fällt auch in den tiefer liegenden Bereich viel Tageslicht.
Bis heute haben sich zahlreiche Details aus der Zeit des Umbaus erhalten. Dazu gehören die keramischen Bodenfliesen, die Metallverkleidungen der Geländer, historische Schaufenster, Leuchten sowie schwarze Werbeschilder des Kinos. Vom oberen Umgang kannst du die Architektur der Passage besonders gut überblicken und die Konstruktion des Glasdachs aus der Nähe betrachten.
Das auffälligste Schmuckelement ist die große farbige Tesla-Vitrage über dem Ausgang zum Franziskanergarten. Das kreisförmige Glasbild zeigt das Logo des früheren tschechoslowakischen Elektronikunternehmens Tesla und ist von radiowellenartigen Mustern umgeben. Entworfen wurde die Werbevitrage 1949 vom tschechischen Maler und Grafiker František Hudeček. Sie gehört zu den bekanntesten erhaltenen Beispielen für kommerzielle Glaskunst aus der Nachkriegszeit in Prag.
Eng verbunden ist die Passage mit dem Kino Světozor, dessen Geschichte bis ins Jahr 1918 zurückreicht. Das ursprünglich als Elektra bezeichnete Kino wurde zeitweise als Kabarett genutzt und später wieder zu einem Lichtspielhaus umgebaut. Eine besondere Rolle spielte es ab 1968, als hier der berühmte Kinoautomat gezeigt wurde. Bei diesem auf der Expo 67 in Montreal vorgestellten Filmprojekt konnten die Zuschauer an bestimmten Stellen über den weiteren Verlauf der Handlung abstimmen. Es gilt als eine frühe Form des interaktiven Kinos.
Seit 2004 wird das Světozor wieder als modernes Programmkino betrieben. Heute verfügt es über drei Säle und konzentriert sich vor allem auf internationale Arthouse-Filme, Dokumentationen, Festivals, Premieren und Sondervorführungen. Im Foyer finden zudem regelmäßig Ausstellungen historischer und moderner Filmplakate statt.
In der Passage befinden sich außerdem kleinere Geschäfte, Cafés und gastronomische Angebote. Trotz ihrer zentralen Lage ist sie nicht nur eine Touristenattraktion, sondern weiterhin ein alltäglicher Durchgang für die Prager. Besonders lohnenswert ist ein Rundgang in Verbindung mit dem Franziskanergarten und den benachbarten Passagen rund um den Wenzelsplatz.
Der Durchgang durch die Světozor-Passage (Pasáž Světozor) ist kostenlos. Der Haupteingang liegt an der Vodičkova 41. Da die Zugänge nachts geschlossen werden können, eignet sich die Passage vor allem für einen Besuch tagsüber oder am frühen Abend. Für Filmvorführungen im Kino gelten ein eigenes Programm und separate Eintrittspreise.
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